Bald stehen die Uhren still

Nach 51 Jahren schließt die Uhrmacherin Karin Häfner zum Jahresende ihren Laden in Hochdorf

Die Dame vor der Ladentür sieht nicht mehr besonders gut. Karin Häfner kennt sie. Sie hat ihr kürzlich eine Armbanduhr mit Zeitansage verkauft. Die Kundin benötigt Hilfe bei der Einstellung der Uhr und schaut deshalb bei der Uhrmacherin vorbei. Eigentlich hat sie an diesem Mittwochnachmittag wie immer geschlossen. Dass sie ihrer ratlosen Kundin trotzdem weiterhilft, ist für Karin Häfner gar keine Frage: „Lassen Sie mir die Uhr bis morgen da, dann schaue ich sie mir in Ruhe an und stelle sie  ein.“ 

Diese kurze Episode spiegelt wider, wie wichtig die Uhrmacherin für die Hochdorfer, aber auch für zahlreiche auswärtige Kunden ist. Seit stolzen 51 Jahren übt die 75-Jährige ihren Beruf im Ort aus. Allzu viele Kollegen und Kolleginnen gebe es in der näheren Umgebung nicht mehr, sagt sie. Vor allem keine, die noch aufwendigere Reparaturen übernehmen. Dazu gehören beispielsweise Reparaturen von bis zu 100 Jahre alten Stand- und Wanduhren. 

Bevor sie das Geschäft in der Kirchheimer Straße 5 im Jahr 1970 übernahm, gehörte es seit den 1950er-Jahren bereits ihren Eltern. „Mein Vater konnte seinen Bäckerberuf nach dem Krieg aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben“, erzählt sie. Zunächst hat er einem befreundeten Goldschmied in Stuttgart ausgeholfen. „Schließlich hat er sich in Hochdorf um den An- und Verkauf von Uhren gekümmert.“  Ein weiterer Schwerpunkt habe früher auf dem Verkauf von Schmuck und Haushaltswaren gelegen. Auch heute findet man diese in den Vitrinen und Regalen des Geschäfts. „Als sich bei meinem Vater dann immer mehr Leute nach Reparaturen für ihre Uhren erkundigten, rieten mir meine Eltern zur Uhrmacherlehre. Bis dato gab es im Ort noch keinen Uhrmacher.“

1970 sei dann ein sehr ereignisreiches Jahr gewesen: „Ich hatte meinen Meister, ich habe geheiratet, das Geschäft wurde umgebaut und danach als Uhrmacherladen neu eröffnet.“ Seither steht die Uhrmachermeisterin ihren Kunden  mit Rat und Tat zur Seite,  ob nun die Batterie gewechselt werden muss oder eine komplexe Großreparatur ansteht. Ein besonderes Schmuckstück, eine rund hundertjährige Wanduhr, hat Karin Häfner gemeinsam mit ihrem vier Jahre älteren Mann Emil, einem gelernten Schreiner, aufwendig repariert und restauriert. „Die darf bleiben, die gehört mittlerweile mir. Das ist einfach ein Liebhaberstück“, sagt Karin Häfner.

In dem Kämmerlein hinter dem Verkaufsraum hat sie sich vor 51 Jahren ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Viel ist es nicht, was die Uhrmacherin für ihre oft filigrane Arbeit braucht. Neben einem guten Licht sind dies vor allem ihre Werkzeuge,  darunter Lupe, Pinzetten, verschiedene Schraubendreher oder Zangen aller Art. „Als Uhrmacher braucht man gute Augen, ruhige Hände, Geduld und viel Licht“, sagt  Häfner.  Dass einmal der Tag kommen würde, an dem sie ihre Ladentür für immer schließt, hat die Uhrmacherin  in den vergangenen Jahren immer im Hinterkopf gehabt. „Man lässt im Alter ja auch irgendwann nach, die Hände werden zittriger, die Augen schlechter“, sagt Karin Häfner. Dass nun die Entscheidung gefallen sei, Ende des Jahres in den Ruhestand zu gehen, sei dennoch ein komisches Gefühl: „Das ist nicht leicht, nach so langer Zeit aufzuhören. Aber es ist jetzt gut so.“

Am meisten werde ihr der Kundenkontakt  fehlen, zumal viele Stammkunden über die Jahrzehnte hinweg den Weg bis heute in ihr Geschäft finden. Anfang Oktober startete der Ausverkauf. „Bis zum Jahresende habe ich ja auf jeden Fall noch geöffnet“, sagt Karin Häfner.

Und was kommt  nach dem letzten Arbeitstag? Sie lese sehr gern und viel. Auch könne ein bisschen mehr Bewegung als bisher sicher nicht schaden, sagt sie. Und dann sei da ja noch der familieneigene Gemüsegarten ergänzt Emil Häfner. Seit fast 50 Jahren sind die Häfners Mitglied bei den Hochdorfer Gartenfreunden und haben ihr Grundstück in deren Anlage: „Da gibt es immer was zu tun“, sagt Emil Häfner. Das sieht seine Frau genauso.  „Langweilig wird es mir sicher nicht.“ 

eis/Foto: Katja Eisenhardt


Grundstein für gute Bildung

In der Esslinger Weststadt entsteht ein neuer Hochschulcampus – Nachhaltige Bauweise

Auf dem ehemaligen Güterbahnhofareal wird ordentlich geschafft. Riesige Kräne ragen in die Luft, man hört Hämmern, Bohren und Sägen, und in der tiefen Baugrube sind  Bauarbeiter geschäftig unterwegs. Seit mehr als einem Jahr laufen hier die Arbeiten für den Campus Neue Weststadt der Hochschule Esslingen, der in einigen Jahren den Standort in der Flandernstraße ersetzen soll. Nun wurde in einem offiziellen Akt mit Vertreterinnen und Vertretern von Stadt, Land und Hochschule der Grundstein gelegt.

Bei der symbolischen Zeremonie wurden verschiedene Glücksbringer in eine Zeitkapsel gelegt, die wiederum in einem der neuen Gebäude eingemauert werden soll. Unter anderem befinden sich eine aktuelle Eßlinger Zeitung, eine Liste aller Professorinnen und Professoren sowie Beschäftigten der Esslinger Hochschule und  eine Urkunde über die Grundsteinlegung in der Plombe. „Die Grundsteinlegung soll dafür sorgen, dass auch der weitere Bauablauf unfallfrei vorangeht“, erklärte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett.

Bislang läuft demnach alles nach Plan, finanziell und zeitlich.  Wenn nichts dazwischen kommt, können im  Jahr 2025 alle Fakultäten auf den neuen Campus ziehen, die bislang am Standort Flandernhöhe untergebracht sind.  Dazu gehören neben der Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege auch die Informatik und Informationstechnik sowie der Esslinger Teil der Fakultät Wirtschaft und Technik.   Auch das Lehrerseminar und die zentrale wissenschaftliche Einrichtung „International Centre and Graduate School“ sollen umziehen. Die technischen Bereiche  bleiben weiterhin am Campus Stadtmitte.

Auf dem 1,7 Hektar großen Grundstück zwischen Bahngleisen und Stadtwerke entstehen im ersten Bauabschnitt  vier fünfgeschossige Gebäude, die sich um einen Innenhof gruppieren. Die Fläche des zweiten Bauabschnitts steht für eine spätere Erweiterung zur Verfügung, soll aber zunächst als Erholungsfläche genutzt werden. Bauherr des auf 146  Millionen Euro taxierten  Hochschulprojekts ist das Land. Im Rahmen eines Grundstückstauschs wurde es zum Eigentümer der Flächen in der Neuen Weststadt und trat im Gegenzug das frei werdende Areal an der Flandernstraße an die Stadt ab. Diese will dort ein nachhaltiges Stadtquartier für Wohnen und Arbeiten entwickeln.  Im kommenden Jahr werde man sich intensiv mit der Planung dafür beschäftigen, versprach Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Das passe zum Thema Klimaneutralität, das man für 2022 ganz oben auf der Agenda habe.

Dieses Thema habe man auch beim neuen Hochschulcampus im Blick, sagte Staatssekretärin Splett: „Wir setzen bei einem der größten Bauprojekte des Landes auf eine nachhaltige Bauweise.“ So solle der Wärmebedarf des neuen Hochschulareals aus regenerativen Quellen gedeckt sowie  das rund 7000 Quadratmeter große Dach der Hochschule mit einer Fotovoltaikanlage  ausgestattet und begrünt werden.  Der Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Hans J. Reiter, sagte: „Wir freuen uns, dass die Hochschule im Stadtzentrum zusammenrückt.“ Das sieht man auch in Esslingen so.   OB Klopfer betonte: „Die Ansiedlung der Hochschule ist für die Stadt ein weiterer Meilenstein in der Transformation der alten Weststadt als historisches, gründerzeitliches Gewerbegebiet hin zum urbanen, lebendigen Stadtquartier.“ Christof Wolfmaier, Rektor der Hochschule Esslingen, erklärte: „Das Bauprojekt ist ein Bekenntnis des Landes zum Hochschulstandort Esslingen.“ Mit dem neuen Campus könne seine Einrichtung ihrem Bildungsauftrag noch besser nachkommen.    Das sei wichtig: „Nur mit den besten Köpfen lassen sich akademische Fachkräfte ausbilden, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen sind.“   

meb/Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Vor zehn Jahren wurde über eine Volksabstimmung die Fortführung von Stuttgart 21 geregelt. Wurde mit dem Referendum der Konflikt um das Mammutprojekt befriedet?

Foto: dpa

Befriedet?

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41 Jahre im Dienst des Waldes

Helmut Glowania verabschiedet sich als Revierförster von  Baltmannsweiler in den Ruhestand

Die Schlösslesseen mit ihren Wiesen und dem Wald drum herum sind  Helmut Glowanias  Lieblingsplatz in Baltmannsweiler. Zum Genießen dieses geschichtsträchtigen Ortes, wo einst ein Jagdschlösschen im königlichen Wildpark stand, hat der Revierförster  nun mehr Zeit. Nach 41 Jahren im Dienst des  Baltmannsweiler Waldes ist Glowania Ende November  in den Ruhestand gegangen und hat die Jahrhundertaufgabe an  Nachfolger Tobias Huning übergeben.

„Wir denken hier in großen Zeitspannen“, verdeutlicht  Glowania die forstlichen Dimensionen, denn es dauere bis zu 160 Jahre, bevor die Bäume geerntet werden können. In dem gut 1500 Hektar großen Staatswald reiche eine Förstergeneration natürlich nicht aus. „Man übernimmt die Arbeit immer vom Vorgänger“, erklärt der Waldfachmann, der den Beruf von der Pike auf gelernt hat. Mit 15 Jahren meldete  sich Glowania für   einen Waldarbeiterlehrgang, arbeitete dann in Winterbach,  bildetet sich  an forstlichen Bildungszentren weiter, bevor er sich für das Studium der Forstwirtschaft an der Hochschule Rottenburg entschied.

Die Arbeit sei  interessant und abwechslungsreich gewesen – von Anfang an, bekennt der Revierleiter und erzählt   eine Anekdote mit ernstem politischen Hintergrund  aus den  1980er-Jahren: Eines Tages stand er ohne Vorwarnung vor dem  abgesperrten Revier, weil  die amerikanischen Streitkräfte in Baden-Württemberg Baltmannsweiler als vorübergehenden Standort für die mobilen  Pershing-II-Raketen  ausgewählt hatten. In seinen Wald kam Glowania  schließlich  doch noch – mit einem Passierschein.

Neben Verantwortung und viel Arbeit bringe der Beruf des Försters viele   Freiheiten mit sich. Aber er habe auch zig Reformen erlebt, so gesehen könne ihn nichts mehr schrecken, meint Glowania. Sein Revier sei immer  gewachsen, zuletzt 2020, als ihm  stattliche Wälder des Hauses Württemberg in Schanbach, Krummhardt und Baach zugeschlagen wurden.

Viel Freude habe ihm der Waldbau, mit dem die Bestände verjüngt werden, und die Ausweisung von Habitatbaumbeständen   bereitet. Dabei gehe es immer auch ums Thema Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie. Doch die Forstwirtschaft sei keine leichte Aufgabe in Zeiten, in denen Stürme, Hitze und Dürre dem Wald zusetzen, denn Forstwirtschaft verlange immer  auch wirtschaftliches Handeln.  Welche Arten vertragen die zunehmend heißen Sommer und welche kommen mit der Staunässe zurecht, die der Waldboden in manchen Lagen des  Schurwalds bereithält? „Wir brauchen die Mischung“, sagt Glowania  und verweist auf die standorttypischen Buchen, die gemeinsam mit Kiefern, Eichen und Lärchen die bekannte Schurwaldmischung ausmachen.  Der hiesige Forst setze auch auf  Douglasien, Nussbäume, Edelkastanien und   sogar  auf Tulpenbäume, die seit den 1960er-Jahren den  Schurwald artenreicher machen.   Aufgeforstet werde häufig nach Stürmen, von denen Glowania schon viele erlebt hat.  Gut erinnern kann er sich  noch an „Wibke“, „Vivien“ und vor allem „Lothar“ in den 1990er-Jahren. Letzterer habe am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 immense Schäden hinterlassen.

Seit den 1990er-Jahren habe im  Forst Baden-Württemberg daraufhin ein Umdenken stattgefunden.  Standort- und Bodenuntersuchungen läuteten die Abkehr von der Fichte ein, die als besonders sturmanfällig gilt. Aber wer auf mehr Edelholz wie Eiche setze, müsse auch den Wildverbiss  in den Griff bekommen. So sorgt auch   Glowania, wie viele  seiner Zunft, in der Freizeit als Jäger für das Gleichgewicht im Wald. Außerdem setzt der Förster vermehrt auf Naturverjüngung durch die natürliche Aussaat.  „Da steht der Wald von morgen“, lenkt der Revierleiter den Blick auf die jungen Buchen und Eichen im Unterholz, deren Herbstlaub rund um die Schlösslesseen verheißungsvoll leuchtet. Künftig werde er wieder häufiger  mit Hündin  Bärbel zum Jagen durchs Revier streifen oder ein gutes Buch lesen, reisen oder mit dem Motorrad übers Land fahren, hofft Glowania. 

com/Foto: Roberto Bulgrin


Frischekur für ein Wahrzeichen

Ab kommenden Sommer wird die Plochinger Stadtkirche St. Blasius saniert –   Spendenkampagne gestartet

Dass die  Stadtkirche, zuletzt 1961/1962 renoviert, Sanierungsbedarf hat, ist schon lange klar. Seit 15 Jahren hat  man sich darüber hinter den Kulissen Gedanken gemacht. Allerdings hatte die Evangelische Kirche in Plochingen zunächst einige andere „Baustellen“ mit ihren Kindergärten und dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu bewältigen, wie Pfarrer Gottfried Hengel  sagte. Aber jetzt rückt die Kirchensanierung in den Fokus. Das spätgotische Gotteshaus hat nicht nur für die evangelischen Christen, sondern für die ganze Stadt eine hohe Bedeutung. Weithin sichtbar auf dem Kirchberg stehend, ist es ein Plochinger Wahrzeichen, für zahllose Vorbeifahrende eine Landmarke und für die Plochinger das Signal, dass sie zu Hause angekommen sind. Die Identifikation mit der Stadtkirche sei sehr groß, auch unabhängig von Religion und Konfession, so Hengel.

Eine äußerliche Frischekur, die der Kirche durchaus guttäte, ist vorläufig aber kein Thema. In den kommenden Jahren geht es um den Innenraum, die Orgel und vor allem die Dachkonstruktion. „Im Wesentlichen ist das noch der gotische Dachstuhl von vor 500 Jahren“, berichtete Hengel. Untersuchungen ergaben, dass die Tannenbalken zu großen Teilen in einem guten Zustand sind. Aber einige Schäden haben sie doch. Diese sollen ab Sommer 2022 Stück für Stück behoben werden. Das ist Schritt eins der Sanierung.

Im zweiten Schritt (ab Herbst 2022) soll der Innenraum heller, freundlicher, barrierefrei und flexibler nutzbar werden, erklärte Gerhard Nölle, der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Die Elektrik und die Medien- und Tontechnik müssen ebenso erneuert werden wie die Heizung. Anstelle der Warmluftgebläse ist eine innovative und umweltfreundliche Luft-Wärme-Pumpe mit elektrischer Zusatzheizung geplant. Für Licht und Weite werden dunkle Holztäfelungen durch hellere Wände ersetzt und die Decke aufgehellt. Um einen durchgängigen Raum auf einer Ebene zu erhalten, senkt man den Chorraum ab und entfernt die Podeste der Kirchenbänke. Statt der fest verbauten Bänke unter der Empore gibt es dort künftig eine flexible Bestuhlung – oder Freiraum zum Zusammenkommen, ob bei neuen Gottesdienstformen, beim Ständerling oder beim Kirchencafé.

Bestehen bleiben die Emporen, die Ausrichtung und die Bildgestaltung der Kirche. Ohnehin entsteht all das in enger Abstimmung mit der Landeskirche und dem  Landesamt für Denkmalpflege. Für die Neuanordnung der historisch bedeutenden Elemente Taufstein, Altar und Kanzel wird  sogar ein Künstlerwettbewerb ausgerufen. Die Orgel zeigt schon seit ihrem Einbau einige Schwächen und soll nicht nur überholt, sondern besser an den Kirchenraum angepasst werden. Die Arbeiten ab Sommer 2022 sind auf eineinhalb Jahre veranschlagt, Weihnachten 2023 hofft man, in der Stadtkirche feiern zu können. Die Orgelsanierung dauert aber deutlich länger.

Unterm Strich stehen für die drei Sanierungsschritte Kosten von 1,9 Millionen Euro zu Buche, wovon der Löwenanteil von knapp 1,4 Millionen Euro auf den Innenraum entfällt. Für diesen muss die Kirchengemeinde 540 000 Euro an Spenden auftreiben. Weitere 200 000 Euro braucht es für die Orgel, die komplett aus Spendengeld zu bezahlen ist. Das sind enorme Beträge, aber die Ausgangslage ist dank der langen Vorlaufzeit eher ermutigend. „Seit 15 Jahren sammeln wir schon“, so Nölle. So kamen für die Innenraumsanierung bereits 320 000 Euro zusammen. Da das mehr als 50 Prozent der geforderten Spendensumme sind, dürfen die Arbeiten schon begonnen werden. Ferner greift die Kirchengemeinde auf Rücklagen (470 000 Euro) zurück und bekommt Zuschüsse von der Landeskirche (650 000 Euro) und vom  Landesdenkmalamt (30 000 Euro). Eine große Spendenkampagne soll helfen, das restliche Geld zusammenzubringen. Dafür hat sich die Kirchengemeinde den Fundraiser Julian Feil ins Boot geholt, der nun mit der Öffentlichkeitsarbeit beginnt. 

aia/Foto: Karin Ait Atmane


Schulhaus wird bald abgerissen

Die Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule wird neu organisiert – Marode Leitungen werden erneuert

Die Zollberg-Realschule bekommt eine neue Nahwärmeversorgung. Mit der Sanierung der höchst maroden Leitungen soll die Schule künftig wieder zuverlässig und gleichmäßig beheizt werden können – und zwar aus regenerativen Energiequellen. Zudem will man den im Frühjahr anstehenden Abriss und anschließenden Neubau des schadstoffbelasteten Hauptgebäudes der Schule nutzen, um die Wärmeversorgung in dem Bereich  neu zu ordnen.

Die Stadtverwaltung macht keinen Hehl daraus, dass   die Leitungen des sogenannten Nahwärmenetzes „Zollberg – Traifelberg“ marode sind. Wegen undichter Stellen und des insgesamt sehr schlechten Zustands der Leitungen komme es immer wieder zu Ausfällen bei der Wärmeversorgung der Zollberg-Realschule, der Rohräckerschule und der nahe gelegenen Außenstelle der Württembergischen Landesbühne (WLB), die ebenfalls an diesem Netz hängt, heißt es  aus dem Rathaus.  Zudem würden die Gebäude nicht immer gleichmäßig warm. Deshalb sei eine Sanierung der Leitungen dringend notwendig.

Schon im Jahr 2018 hatten sich die bisherigen Vertragsparteien  – neben der Stadt Esslingen auch die WLB, die Stadtwerke sowie der Landkreis – zusammengesetzt und beschlossen, den bestehenden gemeinsamen Wärmeliefervertrag aufzuheben und jeweils neue Verträge abzuschließen. Eigentlich war die Sanierung und Neuordnung der Nahwärmeleitungen dann für 2020 und 2021 geplant. Doch als klar wurde, dass das Hauptgebäude der Zollberg-Realschule wegen der Belastung mit dem Schadstoff PCB abgerissen und neu gebaut werden muss, wurde der Sanierungsstart auf das Frühjahr 2022 verschoben.

Unterdessen soll in den kommenden Jahren auch der Ersatzneubau des Hauptgebäudes der Zollberg-Realschule über die Bühne gehen.  Derzeit wird der Abriss des bestehenden Gebäudes geplant. Dieser soll im Frühjahr nächstes Jahr starten und sechs bis sieben Monate dauern.  Gleichzeitig beschäftige man sich zurzeit mit der Vorentwurfsplanung  für den Neubau des Hauptgebäudes. Darüber hinaus sei die Interimsversorgung während der Bauphase mit Strom, Telefon, Wasser und Nahwärme sowie die Entsorgung des Abwassers derzeit Thema. Wenn alles läuft wie geplant, soll das neue Gebäude zum Schuljahr 2024/2025 fertig sein.

Der Neubau wurde notwendig, nachdem vor etwa drei Jahren ans Licht kam, dass das bestehende Hauptgebäude der Realschule so stark mit dem Schadstoff PCB (polychloriertes Biphenylen) belastet ist, dass dort kein Unterricht mehr stattfinden soll.   Der Grenzwert für den Schadstoff, der als krebserregend gilt, wurde bei Messungen in den Schulräumen teilweise um ein Vielfaches überschritten.  Selbst Mobiliar und Unterrichtsmaterialien waren teils so stark kontaminiert, dass sie nicht mehr genutzt werden konnten.  Zwar hatten die zuständigen Gesundheitsämter stets betont, dass trotz der erhöhten Werte keine Gesundheitsgefährdung für die Nutzer der Zollberg-Realschule bestanden hätte.  Dennoch musste die Stadt wegen der Überschreitung der sogenannten Vorsorgewerte reagieren.

Angesichts der massiven Schadstoffbelastung beschloss man im Rathaus, das Hauptgebäude zu räumen und die Schülerinnen und Schüler stattdessen in Containern unterrichten zu lassen.  Seit Herbst 2019 steht das Containerdorf, in dem nicht nur zahlreiche Klassenzimmer, sondern auch die Schulverwaltung untergekommen sind.   Wenn das neue Hauptgebäude der Schule tatsächlich zum Schuljahr 2024/2025 fertig wird, wird der  Interimscampus ganze fünf Jahre lang genutzt worden  sein.

Derzeit beschäftigt Schüler und Lehrer im Containerdorf   aber  wohl noch ein anderes Thema: Offenbar kühlen die Container durch das wegen der Corona-Pandemie notwendige regelmäßige Lüften extrem schnell aus, wie die SPD-Rätin Christa Müller in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses der Städtische Gebäude Esslingen (SGE) zu berichten wusste. Man werde sich des Themas annehmen und eventuell zusätzliche Heizlüfter aufstellen, versprach die Stadtverwaltung daraufhin. 

meb/Foto: Roberto Bulgrin


Abgestimmt!

Die Inzidenzen steigen: Kontaktbeschränkungen, 2 G oder 2 G plus, auch mehr Impfangebote sollen helfen. Reichen diese Maßnahmen aus?

Foto: dpa

Reicht das aus?

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  • Nein! (50% )
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Die Trauer hat nun einen Platz

Im Wernauer Stadtwald erinnert eine Lindenallee an die Toten, die der Pandemie im Landkreis zum Opfer gefallen sind

Knapp 30 neu gepflanzte Winterlinden säumen den idyllischen Waldweg im Gewann Sulzhau oberhalb von Wernau. Eine Linde steht für 20 Corona-Tote im Landkreis Esslingen. Bisher – denn über der kleinen Gedenkstunde, in deren Verlauf der Esslinger Landrat Heinz Eininger, tatkräftig unterstützt vom Wernauer Bürgermeister Armin Elbl, vergangene Woche die Allee mit der Pflanzung des letzten Baumes komplettierte, schwebte unausgesprochen eine Befürchtung: Das Verhältnis von 1:20 könnte sich, bis die vierte Welle der Pandemie endlich  überstanden sein wird, noch dramatisch verschlechtern.

„Nur selten machen wir uns im Alltag bewusst, dass hinter jedem Todesfall in Folge einer Covid-19-Erkrankung ein Mensch, ein Schicksal steht“, sagte der Kreischef unter Hinweis auf die 594 Menschen, die dem Virus im Landkreis Esslingen bis Ende vergangener Woche  zum Opfer gefallen waren. Ihnen allen zum Gedenken, aber auch in Würdigung all jener, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen, die Sterbende begleitet haben, die Hinterbliebene unterstützen, die unter den Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit leiden, deren Seele Schaden genommen hat, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen oder die mit den Folgen einer Infektion zu kämpfen haben, ist die Lindenallee gepflanzt worden.

Am Anfang und am Ende der Baumreihe laden zwei Holzbänke zum Innehalten und Verweilen ein. Zwei Stelen erinnern zudem an die Bestimmung der Gedenkallee. „Der Ort soll Trauer einen Platz geben und Trost spenden in der Natur“, sagte Eininger. Der Landrat nutzte das Gedenken,  um angesichts der sich zuspitzenden Situation in den Krankenhäusern eindringlich an die Impfbereitschaft der Menschen im Landkreis zu appellieren. Die Kapazität an Intensivbetten im Landkreis sei  erschöpft. Meist lägen dort Ungeimpfte. „Lassen Sie sich impfen. Impfen ist mehr denn je eine Bürgerpflicht! Wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern übernimmt auch Verantwortung für andere“, so der Kreischef.

Viel zu viele hätten auf den Intensivstationen um ihr Leben gekämpft und seien gestorben, oftmals einsam. „Sterben in der Pandemie, das ist oft ein Tod ohne Abschied, ohne Beistand, ohne eine letzte Umarmung geliebter Menschen“, erinnerte der Landrat. Aber auch die Angehörigen hätten nicht Abschied nehmen können von ihren geliebten Menschen und seien  ohne ein letztes Wort, einen letzten Wunsch, eine letzte Berührung, einen letzten Gedanken zurückgeblieben. Mit der Allee im Wernauer Stadtwald setze der  Landkreis ein Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung, sagte Eininger: „Ich möchte die Trauernden in unserem Landkreis einladen, hierher nach Wernau zu kommen und die Allee des Gedenkens zu besuchen. Setzen Sie sich auf die Bänke. Verweilen Sie, halten Sie inne. Trauern Sie. Suchen Sie Trost unter den Bäumen.“ 

adt/Foto: Ines Rudel


Die Diskussion dreht sich im Kreis

Der Kreisverkehr in Altbach soll schöner werden – Gemeinde redet geraume Zeit mit der falschen Stelle im Landratsamt

Im Altbacher Gemeinderat hat am Dienstag vergangener Woche der Tagesordnungspunkt 8 für Aufregung gesorgt.  Formulierungen  und Begrifflichkeiten wie  „schlampig“, „unakzeptabel“, „katastrophal“,  „ehrenkäsig“, „trauriges Kapitel“ und „völlig für die Katz“ fielen, als es um den einzigen Kreisverkehr im Ort ging. Den Kreisel, der nicht weit vor dem  Ende der Ortsdurchfahrt in Richtung Plochingen angelegt ist.

Fazit der Sitzung: Alle Überlegungen und Bemühungen, die bisher gemacht worden sind, um die Mittelinsel des Kreisels ansprechend zu gestalten, sind offensichtlich Makulatur. Die Vorschläge, die im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses  im  Frühsommer 2020 gesammelt und ausgewählt  worden sind,  sollen  sich, wie es heißt,  aus rechtlichen Gründen nicht umsetzen lassen, weil starre Hindernisse der Verkehrssicherheit zu wider liefen. Dies wurde den Gemeinderäten schon vor einiger Zeit signalisiert, nachdem das örtliche Bauamt mit den Preisträgerentwürfen beim Landratsamt als unterer Verkehrsbehörde vorstellig geworden war.

Erst in der jüngsten Sitzung jedoch haben die konsternierten Kommunalpolitiker erfahren, dass das Rathaus fast  eineinhalb Jahre lang mit der falschen Stelle gesprochen hat. Ortsbaumeister Jens Korff erklärte, dass ihm erst am Nachmittag des Sitzungstags mitgeteilt worden sei, dass in solchen Fallen nicht die untere Verkehrsbehörde, sondern das Straßenbauamt zuständig ist.  Bürgermeister Martin Funk stellte klar, „dass es natürlich  ärgerlich ist, dass man uns das erst jetzt gesagt hat“.  Allerdings seien die geltenden Regeln – unabhängig davon – genau die, die man kundgetan habe.

Der Kreisverkehr ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Gemeinde, täglich fahren dort Tausende Autos vorbei. Früher zierten drei Blauglockenbäume den Kreisel, zwei davon wurden allerdings umgefahren. „Es gab den Wunsch, den Kreisverkehr schön zu gestalten“, sagte Funk. Im vergangenen Jahr fand  ein offener Ideenwettbewerb statt. Beinahe 20 Vorschläge wurden eingereicht. 

Die Idee, die Flächen innerhalb eines Kreisverkehrs zu gestalten, ist nicht neu. Im benachbarten Plochingen legen sich die Mitarbeiter der Stadt beispielsweise regelmäßig bei der Bepflanzung des Kreisels an der Kreuzung der Karl-, Fabrik- und Eisenbahnstraße ins Zeug. Im Frühling und Sommer ist dort eine bunte Blütenpracht in den Stadtfarben zu bewundern. Die Große Kreisstadt Eislingen im Landkreis Göppingen hat sich sogar bundesweit einen Namen als Stadt der Kreisverkehrskunst gemacht. Dort zieren große Kunstwerke die Kreisverkehre.

In Altbach hätte die Verwaltung gerne  Motive aus dem Ideenwettbewerb aufgestellt. Unter den Vorschlägen waren künstlerische Ideen mit der Gestaltung der Ortssilhouette aus Stahl, die Abbildung des Gemeindewappens mit vielen Pflanzen oder die Andeutung der Himmelsrichtungen mit Hinweisen auf den Neckar, Streuobstwiesen, den Schurwald und die Industrie. Bei allen Ideen wurde jedoch bereits früh eine Gefahr für den Straßenverkehr gesehen. Nun soll überlegt werden, welche Ideen aus dem Wettbewerb vielleicht in abgewandelter Form umgesetzt werden können. Laut Ortsbaumeister Korff werden zunächst Stauden im Innern des Kreisels gepflanzt. Einig war man sich in der vergangenen Gemeinderatssitzung letztlich darin, dass an das ­Thema endlich ein Knopf gemacht werden muss. Auf welche Weise dies geschehen soll, wird allerdings erst die nächste Zeit zeigen – und vielleicht das Gespräch mit der richtigen Behörde. 

eas/bra/Foto: Philipp Braitinger


Aus in letzter Minute

Die Stadt Esslingen hat den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt einen Tag vor der geplanten Eröffnung abgesagt

Am Dienstag hätte er eröffnet werden sollen: der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Wenn auch in abgespeckter, coronakonformer Form. Einen Tag vor der geplanten Eröffnung hat die Stadt  doch noch die Reißleine gezogen. Grund sei, dass sich die pandemische Lage in Esslingen und der Region zugespitzt habe, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dabei war am Freitag noch bekräftigt worden, der Budenzauber werde stattfinden –  mit einem verschärften Hygienekonzept, das eine Umzäunung und den Einlass nur für Geimpfte und Genesene vorsah. Was sich übers Wochenende geändert habe? Die Belegung der Intensivstationen am Klinikum Esslingen, teilt die Stadt mit.  „Die Auslastung war schon vorher hoch“, räumt Niclas Schlecht, Sprecher der Stadtverwaltung, auf Nachfrage ein. Aber nun seien die Kapazitäten ausgelastet. Sollte es zu einem Unfall auf der B 10 kommen mit drei Schwerverletzten, dann könne nur noch einer von ihnen im Esslinger Krankenhaus versorgt werden.  „Wir sind dringend darauf angewiesen, dass sich die Anzahl der Covid-Patienten nicht noch weiter erhöht und müssen die medizinischen Versorgungs­kapazitäten sicherstellen“, wird der Geschäftsführer des Klinikums, Matthias Ziegler, in der Mitteilung zitiert.

Die Entscheidung ist in Absprache mit der Stadt Ludwigsburg gefallen, die zeitgleich ihren Weihnachtsmarkt abgesagt hat. „Ludwigsburg und Esslingen haben gemeinsam entschieden, dass ihre Weihnachtsmärkte nicht stattfinden“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer in der Gemeinderatssitzung am Montag. „Angesichts der sich dramatisch entwickelnden Situation in den Kliniken können wir es nicht mehr vertreten, die Märkte stattfinden zu lassen. Wir sind überzeugt, dass das die richtige und leider notwendige Entscheidung ist. Wir haben eine gesundheitliche Fürsorgepflicht und wissen, dass das Personal in den Kliniken mit dem Rücken zur Wand steht, das hat uns zu diesem Schritt bewogen.“

Die Absprache mit Ludwigsburg sei auch deswegen erfolgt, weil bei einseitiger Absage der Druck von steigenden Besucherzahlen auf den anderen Weihnachtsmarkt groß gewesen wäre, so Schlecht. Als weiteren Grund für die Absage nennt der Pressesprecher die verschärften 2-G-Plus-Regeln, die das Land Baden-Württemberg für Weihnachtsmärkte einführt. Der Zutritt soll nur für Geimpfte und Genesene möglich sein, die zusätzlich einen negativen Test vorweisen können. Damit lohne sich der Betrieb für die Händler jedoch vermutlich nicht mehr.

In die Entscheidung involviert waren neben der Rathausspitze  und der Esslingen Markt und Event GmbH (EME) auch der Gemeinderat und Vertreter der Marktbeschicker. Die Marktbeschicker wurden am Montag in E-Mails und in persönlichen Gesprächen über die Absage informiert. „Wer uns kennt, weiß, dass der Weihnachtsmarkt eine echte Herzenssache für uns ist“, sagte Michael Metzler, Geschäftsführer der EME, in der Gemeinderatssitzung am Montag. „Es tut uns von Herzen weh, diese Entscheidung jetzt so treffen zu müssen, wo der Aufbau in vollem Gange ist.“

„Seit Februar arbeite ich auf die Eröffnung des Weihnachtsmarkts zu. Fünf Tage habe ich aufgebaut. Und jetzt baue ich wieder ab“, verdeutlicht  Marktbeschicker Gerald Ritter, der  seit 25 Jahren seine kleinen Tonhäuser auf dem Marktplatz verkauft, das Dilemma. Auch   in Ludwigsburg und Leipzig wäre er dabei gewesen – aber auch diese Märkte  sind abgesagt. Und auch die EME  hat  schon gewaltig in die Vorbereitungen investiert.

Im Zuge der zunehmenden Absagen in der Region und im gesamten Bundesgebiet appelliert Michael Metzler an die Verantwortlichen von Bund und Land, für die Händler und Betroffenen der Weihnachtsmärkte wirtschaftliche Hilfsprogramme aufzulegen, zumal es sich vornehmlich um Familien- und Einzelunternehmen handelt. 

gg/meb/biz/Foto: Roberto Bulgrin