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Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Katar hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft souverän gemeistert. Ist sie aber auch gerüstet, um in den Titelkampf einzugreifen?

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Für WM gerüstet?

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Im Notfall zählt jede Minute

Seit 20 Jahren leisten in Baltmannsweiler und Lichtenwald ehrenamtliche Helfer vor Ort professionelle Erste Hilfe

Bei einem Unfall oder einem medizinischen Notfall können manchmal Minuten über das Schicksal des Patienten entscheiden. Im ländlichen Raum, in dem der Rettungsdienst einen weiten Anfahrtsweg hat, kann dies zum Problem werden. Wie andernorts wurden daher in einigen Kommunen im Kreis Helfer vor Ort installiert – professionell ausgebildete ehrenamtliche Ersthelfer, die die Zeit zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungsdiensts überbrücken. In Baltmannsweiler und Lichtenwald sind diese Helfer seit 20 Jahren im Einsatz.

„Die Zeit ist während eines Notfalls unser Gegner, manchmal zählt jede Minute“, sagt Martin Kuhn, der Vorsitzende des Ortsvereins Baltmannsweiler des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Im Wissen darum hat das DRK Baltmannsweiler im Oktober 2001 die Helfer vor Ort installiert. Die sogenannten First Responder sind professionell im Sanitäts- oder Rettungsdienst ausgebildete Ehrenamtliche aus der Kommune, die im Fall der Fälle innerhalb weniger Minuten bei einem Patienten sein  können.

Arbeits- und Verkehrsunfälle überwiegen,  aber auch medizinische Notfälle wie Herzinfarkt, Schlaganfall, starke allergische Reaktionen und Kindernotfälle sind die Notrufstichworte. Mehr als 3200 Einsätze sind die Helfer in den vergangenen 20 Jahren auf dem mittleren Schurwald gefahren, wobei in den vergangenen Jahren die Einsatzzahlen stark zugenommen haben. „Statistisch waren wir schon mindestens ein Mal in jedem Haushalt in Baltmannsweiler und Lichtenwald“, rechnet Kuhn vor.

„Wir sind vom Ort, wir kennen die Straßen und wissen, wo die Häuser sind, die nicht direkt an der Straße stehen. Wir können also den Rettungsdienst dirigieren“, beschreibt Fabian Günther, Bereitschaftsleiter beim DRK Baltmannsweiler, den Vorteil ortskundiger Helfer. Ohne sie werde es bei Notfällen in der Natur problematisch. „Wir können uns die Umgebung oder die Waldwege beschreiben lassen und haben dann eher ein Bild vor Augen als der Rettungsdienst, der sich nicht auskennt und nicht weiß, wo er hinfahren muss.“ Ähnliches gelte bei medizinischen Notfällen im Haushalt oder beim Sport, wenn der Rettungswagen den Weg nicht findet oder keine Erste Hilfe durch Angehörige oder Nachbarn geleistet werde. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenschance pro Minute um zehn Prozent. Wir sind bis zu sieben Minuten vor dem Rettungsdienst beim Patienten. Der Helfer vor Ort rettet Leben“, sagt Günther.

Sie ergänzen dies mit statistischen Zahlen. Durchschnittlich sind die First Responder binnen vier Minuten nach dem Notruf beim Patienten in Baltmannsweiler, binnen sieben Minuten in Lichtenwald. Der Rettungsdienst benötige doppelt so lange. „Wenn der Rettungswagen kommt, ist vieles in die Wege geleitet, die Anamnese erledigt, adäquate und professionelle Erste Hilfe geleistet. In 24 Prozent aller Einsätze sehen wir eine Verbesserung des Patientenzustands beim Eintreffen des Rettungsdiensts. Bei 3200 Einsätzen in 20 Jahren kann man sagen, dass uns viele Leute  ihr Leben verdanken“, sagt Günther.

Für den DRK-Ortsverein hat der Dienst eine Schattenseite. „Unsere Hilfe ist nicht nur ehrenamtlich, sondern unentgeltlich. Wir bekommen keinerlei Unterstützung oder Zuschüsse von Krankenkassen oder vom Land“, berichtet Kuhn. 10 000 Euro müsse der Ortsverein jährlich aufbringen, um den Helfer vor Ort zu gewährleisten.

Größere Anschaffungen sind da  nicht mehr zu stemmen. Als das Einsatzfahrzeug im Juni mit Motorschaden in die Knie ging und der Ortsverein dann 42 000 Euro für ein neues Auto berappen musste, war das nur durch Spenden möglich. „Die Bevölkerung, Unternehmen und Vereine auf dem Schurwald haben uns ganz grandios unterstützt“, freut sich Kuhn. „Die Menschen in unseren Gemeinden wissen, dass sie vom Helfer vor Ort profitieren und unterstützen uns.“ 

pst/Foto: Peter Stotz


Wenn der Enkel in Not ist

Telefonbetrüger überrumpeln ihre Anrufer geschickt– Polizei: Sofort auflegen – Nicht nur alte Menschen betroffen

Es ist immer wieder die gleiche Masche: Ältere Menschen erreicht ein Hilfeanruf vom vermeintlich in Not geratenen Enkel oder von der Tochter.  Sie seien in einen Unfall verwickelt, ein Mensch sei zu Schaden gekommen, Gefängnis drohe gar. Und nur durch eine sofortige Barzahlung zur Hinterlegung einer Kaution könne das Schlimmste verhindert werden.

Schockanrufe heißen solche Kontakte am Telefon.  Und es sind nicht wenige, auch keineswegs nur alte Menschen, die  sich auf das Spiel einlassen und vermeintlichen Polizeibeamten oder anderen vorgeblichen  „Amtspersonen“ große Summen Bargeld übergeben.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen, das auch für den Landkreis Esslingen zuständig ist,  gehen täglich Anzeigen zu solchen Betrugsversuchen ein. Telefonbetrüger sind seit vielen Jahren aktiv und wechseln ihre Maschen oft. „Jetzt gerade ist die Masche der Schockanrufe beliebt, morgen kann es wieder eine andere Variante sein“, erklärt Simone Mayer vom Präsidium in Reutlingen. „Ursprünglich gaben sich die Betrüger als Polizeibeamte oder Staatsanwälte aus und versuchten mittels einer konstruierten Lügengeschichte –   wie  dass in der Nachbarschaft eingebrochen wurde und die Gefahr bestehe, dass beim Angerufenen ebenfalls eingebrochen werde – , an Geld oder Wertsachen der Angerufenen zu gelangen. Dabei nutzen die Täter die Angst vieler Senioren vor Einbrechern und das hohe Vertrauen in die Polizei aus.“

Wie anpassungsfähig und findig die Täter sind, beweist folgende Beobachtung, von der Mayer berichtet: „So wurden beispielsweise durch die Polizei Präventionskampagnen durchgeführt, bei denen auch Mitarbeiter von Banken sensibilisiert wurden für Fälle, in denen ältere Menschen größere Bargeldbeträge in der Bank abholen. In der Folge  versuchten die Betrüger  die Angerufenen davon zu überzeugen, dass der Bankmitarbeiter mit den Einbrechern unter einer Decke stecke.“

In der überwiegenden Anzahl der Fälle sind es ältere Menschen, die Opfer  werden –  obwohl die Betrugsmaschen eigentlich bekannt sind. Aber es erwischt auch Jüngere: „Durch geschickte Gesprächsführung und vor allem auch dadurch, dass das Gespräch nie unterbrochen wird und  das Telefonat über einen längeren Zeitraum geführt wird, wird erheblicher psychischer Druck ausgeübt und ihnen die Möglichkeit genommen, sich mit einem Angehörigen auszutauschen oder sich in Ruhe Gedanken über den Anruf zu machen“, sagt Mayer. Sie  rät: „Legen Sie sofort auf. Nehmen Sie Kontakt mit der  Polizeidienststelle in Ihrer Nähe auf oder wählen Sie den Polizeinotruf 110.“

Mayer versucht den Betroffenen auch die Angst vor weiteren Schädigungen zu nehmen: „Die Opfer haben nach solch einem Betrug häufig die Angst, dass  auch noch bei ihnen eingebrochen werden könnte, da sie am Telefon  ihre Vermögensverhältnisse preisgeben haben.“  Es habe  im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen in diesem Zusammenhang aber keinen  einzigen Einbruch gegeben.

Als positiv bewertet Mayer,  dass die  meisten Angerufenen  die Betrugsmasche  erkennen und auflegen. Im Jahr 2020 kam es im Bereich des Reviers Reutlingen zu  2985 angezeigten Fällen. In nur 108 Fällen handelte es sich  um einen vollendeten Betrug.

Info: Das Polizeipräsidium Reutlingen hat in eigens produzierten Videos einen Betrugsanruf nachgestellt und gibt Tipps und Hinweise, um mögliche Opfer, aber insbesondere auch die Angehörigen der oft älteren Geschädigten zu sensibilisieren. Die Videos sind im Internet auf der Homepage des Polizeipräsidiums Reutlingen unter https://ppreutlingen. polizei-bw.de, der Facebook-Seite des Polizeipräsidiums Reutlingen www.Facebook. com/PolizeiReutlingen/Videos und auf Twitter bei twitter. com/PolizeiRT zu finden. Weitere Tipps unter www.polizei-beratung.de.

bob/Foto: dpa


Alicensteg könnte neu erstrahlen

Schon mehrfach schien die Fußgängerverbindung dem Untergang geweiht – Nun ergeben sich ganz neue Perspektiven

Seit Jahren bewegt der Alicensteg die Gemüter.  Immer wieder scheint es, als sei die Fußgängerverbindung  zwischen Merkelpark und Zollberg dem Untergang geweiht – nur, um dann doch erhalten zu bleiben. Erst Anfang des Jahres wurde  der Abriss beschlossen, der Beschluss aber  bald auf Eis gelegt.  Inzwischen ist wieder alles anders: Neuerdings favorisieren das Land und die Stadt Esslingen die Führung des Radschnellwegs über den Alicensteg.  Das könnte nun  die Wende für die schon mehrfach abgeschriebene Brücke bringen.

Denn damit ist klar, dass der Alicensteg komplett abgerissen und neu gebaut werden muss. Zuletzt hatte sich der Gemeinderat für einen Neubau der Fußgängerbrücke auf dem bestehenden Unterbau ausgesprochen.  Doch wenn der sogenannte RS 4, der geplante Radschnellweg zwischen Stuttgart und Reichenbach, über den Steg führen soll, reicht der aktuelle Unterbau nicht aus.  Schließlich muss der Radschnellweg gemäß den Vorgaben vier Meter breit sein. Zudem soll ein Fußgängerweg über den Alicensteg führen. Beim Regierungspräsidium Stuttgart (RP), das die Planungen für den Radschnellweg  vorantreibt, rechnet man deshalb mit einer Breite von mindestens 6,50 Meter für den neuen Alicensteg. Vom RP heißt es: „Für die neue Radschnellwegbrücke kann der bestehende Alicensteg nicht genutzt werden.“ Man müsse eine neue Brücke errichten.

Diese muss nicht nur breiter sein als der jetzige Steg, sondern auch  barrierefrei.  Die Treppen, die aktuell die beiden Ebenen des Alicenstegs verbinden, sind damit ebenfalls passé. Stattdessen soll künftig ein durchgehend mit dem Rad befahrbares Gesamtbauwerk den Neckar und die B 10 überspannen, das laut den Vorgaben für Radschnellwege  nicht mehr als sechs Prozent Steigung haben darf.  Welche  Dimension das Gesamtbauwerk haben werde, sei ebenso wenig Gegenstand der derzeitigen Planungsphase wie die genaue Lage des künftigen Alicenstegs,  heißt es aus dem RP.  Auch zum Bauablauf sowie zu möglichen Einschränkungen des Verkehrs auf der B 10 oder auf dem Neckar während der Bauarbeiten könne man sich noch nicht äußern.

Nach Einschätzung von  Uwe Heinemann, Leiter des Esslinger Tiefbauamts, dürfte es aber durchaus möglich sein, den Neubau des Alicenstegs ohne längere Sperrungen  der B 10 oder des Schiffsverkehrs zu stemmen. Bei einem kompletten Neubau könnten zunächst die Fundamente errichtet und der fertige Überbau quasi in einer Hauruck-Aktion aufgesetzt werden. 

Im Gemeinderat hatte Heinemann  stets davor gewarnt, längere Sperrungen von B 10 und Neckarschifffahrt zu riskieren – jedoch im Zusammenhang mit einer Instandsetzung des  Unterbaus des Alicenstegs. Für Arbeiten am Bestand reicht der Platz neben der B 10 laut Heinemann nicht aus.  Bei einem Neubau sei das anders.  Klar sei: „Das neue Bauwerk hat nichts mehr mit dem Alicensteg in seiner jetzigen Form zu tun.“

Eigentlich hätte der Alicensteg bei den Haushaltsberatungen des Esslinger Gemeinderats wieder auf der Agenda gestanden. Auf Antrag der SPD hatte das Gremium entschieden, erst auf Grundlage eines noch zu erstellenden  Brücken-, Stege- und Wegekonzepts für die Gesamtstadt über die Zukunft des Stegs zu entscheiden. Doch:  „Solange der Radschnellweg über den Alicensteg diskutiert wird, hat sich das Thema im Gemeinderat erledigt“, sagt Heinemann. Schließlich sei das Land für den Radschnellweg zuständig – und damit auch für dessen Planung und Finanzierung.  

Allerdings müsse wohl über eine Kostenbeteiligung der Stadt für den Fußgängerweg auf der neuen Brücke gesprochen werden, so Heinemann. Denn für diesen ist das Land nicht zuständig. Vom RP heißt es dazu, dass eine Kostenteilung auf Grundlage des Straßengesetzes Baden-Württemberg erfolge. Konkrete Zahlen könne man  aber noch nicht nennen.  Auch der Zeitplan stehe noch nicht. Aber man gehe davon aus, dass die ersten Abschnitte des RS 4 frühestens im Jahr 2026 fertiggestellt werden könnten.   

meb/Foto: Roberto Bulgrin


Im Turbogang durchs Neckartal

Planer des Regierungspräsidiums präsentieren ihre  Vorzugstrasse für  Radschnellweg – Kritik aus Plochingen prallt ab

Der Radschnellweg nimmt jetzt hoffentlich die Fahrt auf, die man braucht.“ Mit diesen  Worten  hat der    Esslinger   Landrat Heinz Eininger die   neueste Vorzugsvariante      für die rund 20 Kilometer lange Strecke zwischen  Stuttgart und Reichenbach vor dem Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt kommentiert. In diese   Trasse haben die  Planer  im Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) die Anregungen und Kritik der Anlieger-Kommunen an ihrem ersten Vorschlag  vom  Dezember 2020 eingearbeitet.  Im September wurde das Ergebnis  den Bürgermeistern vorgestellt. Seitdem touren die Planer      durch die  Gremien – jetzt waren die  Kreistagsmitglieder an der Reihe.

Schon vor  der  zügigen Präsentation der neuesten Variante hat Eininger mit  Genugtuung  registriert, „dass man  sich  immer mehr der    Machbarkeitsstudie annähert“, die   der Kreis und ein  Fachbüro zusammen  mit den Kommunen  2019 entwickelt  hatten.   Die seinerzeit   favorisierte Trasse   benötigte   fünf neue Brücken und zwei Unterführungen, wurde auf  60 Millionen Euro geschätzt und als zu teuer gegeißelt.   Für die neueste RP-Variante braucht es vier neue Neckarbrücken, zwei Unterführungen und drei Filsbrücken. Die  Gesamtkosten  stünden erst am Ende  der Vorplanung fest, die Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden soll.    

Die größte Veränderung  in der neuesten Planung greift  zwischen Esslingen und Deizisau:  In Esslingen  soll der Radschnellweg, aus  Stuttgart kommend, auf einer neuen Brücke auf Höhe des Alicenstegs auf die Südseite des Neckars wechseln, um dann am westlichen Ortsrand von Deizisau über eine ebenfalls neue Brücke  beim Kraftwerk Altbach/Deizisau wieder ans Nordufer zu gelangen. Am östlichen Ende der Altbacher Neckarinsel  bringt ihn  dann  eine neue  Fuß- und Radwegbrücke zurück ans Südufer – etwa auf Höhe des Deizisauer Freibads. Der doppelte Brückenschlag im Bereich Deizisau/Altbach  wurde nötig, weil  Esslingen bei der ursprünglichen Nordvariante  zu wenig Platz und ökologische Bedenken vor allem im   Naturschutzgebiet Alter Neckar geltend gemacht hatte.   Auch wenn man mit der   Südvariante etwas weniger  Nutzer erreiche, habe man sich auf diesen Kompromiss geeinigt, sagt Tobias Twietmeyer vom RP.

Am  Plochinger Bruckenwasen ist man von einer Einigung  weit entfernt.  Dort hatten die Planer die Trasse zuerst über das  ehemalige Landesgartenschaugelände  auf dem westlichen Bruckenwasen gelegt.  Ein No-Go für die Plochinger. In der neuen Variante  führt das RP   die Piste von Deizisau  kommend zwar auch in einer neuen Unterführung unter der Kreisstraße  hindurch, dann geht sie aber  an dieser entlang am südlichen Rand des Bruckenwasens weiter und in einer neuen Unterführung unter  der Straße nach Plochingen (Landesstraße 1250). Unter der  B-10-Brücke  gelangt sie an den Neckar, der dort  auf einer neuen Brücke überquert werden soll.

Exakt an dieser Stelle teilen sich die Vorstellungen von  RP  und  Stadt. Während Ersteres  durch die Streuobstwiesen  des östlichen  Bruckenwasens auf  die Bahnunterführung zuhalten will, um den Weg dann über einen Ersatzbau für die bestehende Filsbrücke nördlich der Fils oder ohne Bücke südlich des Flusses weiterzuführen, favorisieren die Stadt, Naturschützer und Vereine  eine Fortsetzung  parallel zur B 10. Die verschone den Park, wäre kürzer, bräuchte aber eine  neue Bahnunterführung, was das RP  mit Verweis auf   die Kosten, die höhere Flächenversiegelung  und den drohenden Zeitverlust ablehnt.

„Ich sehe mit Wohlwollen, dass Sie unsere Wunschtrasse jetzt wenigstens mit roten Punkten  eingezeichnet haben“, sagte Joachim Hahn (SPD), Stadt- und Kreisrat aus Plochingen. „Aber unser Fokus liegt ganz klar auf der rot durchgezogenen  Trasse“, unterstrich  Twietmeyer nochmals die RP-Position. Anfang November soll es in Plochingen einen Termin mit externer Moderation geben. Dem Vernehmen nach hat Andreas Schwarz,  Chef der Grünen-Landtagsfraktion aus Kirchheim,  ein Treffen des RP mit Gemeinderäten, Verwaltung, Naturschützern, Vereinen und Radverbänden initiiert, an dem auch die Landtagsabgeordneten Natalie Pfau-Weller (CDU) und Andreas Kenner (SPD) teilnehmen werden.

„Wir wollen diese Diskussion  nicht hier im Kreistag führen“, blockte  Thomas Walz vom RP   ab. Somit blieb auch  die Nachfrage des Esslinger Grünen-Stadt- und Kreisrats Jürgen Menzel  zu einer Bewertung der Plochinger Problematik und den  ungelösten  Esslinger Problemen    im westlichen Streckenabschnitt   unbeantwortet. 

Günter Riemer   (Freie Wähler) wollte den Planern  „Mut mitgeben“. Der  Landrat hofft auf die  Kompromissbereitschaft der Kommunen.  Man könne nicht allen Bereichen Rechnung tragen, warb  Eininger für den    etappenentscheidenden Tritt nach vorne. 

Biz / Foto: Grafik: Zapletal


Flugrouten per Simulator prüfen

Fluglärmkommission gibt Gutachten zur Lärmbelastung  in Auftrag – Entscheidung soll im März fallen

Zu der möglichen neuen Flugroute über den Fildern   soll es ein Lärmschutzgutachten geben. Darauf  hat sich  die Fluglärmkommission ge­einigt. Zudem soll die alternative Route in einer Simulation durchgespielt werden.  Dabei könnten verschiedene Wetterbedingungen nachgestellt werden, sagte der Vorsitzende der Fluglärmkommission, der Ostfilderner OB Christof Bolay. Erwartungsgemäß sprach die Fluglärmkommission keine Empfehlung  zur Flugroute aus. Wegen des Widerstands betroffener Kommunen sowie einiger Bürgerinitiativen wurde die Entscheidung verschoben.

Kritiker der neuen Routen drängen darauf, Antworten auf ungeklärte Fragen zu bekommen. Vor zwei Wochen gab es dazu ein von Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann und Verkehrsminister Winfried Hermann moderiertes Gespräch, bei dem sich die  Parteien einigten, offene Punkte vor einer Empfehlung der Fluglärmkommission  zu klären. Die  Entscheidung  verbleibt aber bei dem Gremium, das im März 2022 erneut tagen soll.  „Bis dahin sollte nicht nur das Gutachten vorliegen, sondern auch Zeit sein, um die Ergebnisse interpretieren zu können“, sagte Bolay.

Das Gutachten soll Aufschluss geben, wie sich der Dauerschallpegel bei unterschiedlichen Routen verändert.  Die Vorbereitung des Gutachtens will  das Verkehrsministerium begleiten, indem es  eine Arbeitsgruppe einrichtet, der betroffene Kommunen angehören. 

Die vergangene Sitzung wurde von den Beteiligten unterschiedlich bewertet.  Unterstützung  bekam Bolay, der sich  mehrfach für die neue Flugroute ausgesprochen hatte, vom   neuen Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer. „Verkehr löst sich ja nicht in Luft auf“, sagte Klopfer. „Es wird immer Gewinner und Verlierer geben. So ist nun mal Politik.“ Es gehe darum abzuwägen. Wenn mehr Menschen  durch die neuen Routen entlastet würden als belastet, seien sie zu befürworten. „Aber natürlich gibt es immer Benachteiligte“, sagte Klopfer. Am Ende werde es wohl einen Kompromiss geben.

Für Esslingen würde die neue Route  eher eine Entlastung bedeuten, insbesondere für die Bevölkerung in Berkheim, Oberesslingen, Sirnau und Zell. Mit Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sitzt auch ein Vertreter Esslingens in der Fluglärmkommission.

Dass mit dem vereinbarten Vorgehen die öffentliche Debatte „nun wieder sachlich geführt werden kann“, begrüßte Frank Buß, der Bürgermeister Plochingens. Behauptungen zu Sicherheitsbedenken oder zusätzlichen Flugbewegungen sind aus seiner Sicht von der Deutschen Flugsicherung „eindeutig und plausibel widerlegt“.

Die Auswirkungen auf die lärmgeplagte Bevölkerung soll durch das gemeinsame Fluglärmgutachten bewertet werden. „Weil die Gesamtlärmbelastung weiter hoch sein wird, muss im hoch belasteten Neckartal jede Chance für eine Lärmpause ergriffen werden“, bekräftigte Buß.

Dass ein Lärmgutachten kommt, begrüßte auch der Nürtinger OB Johannes Fridrich, der sich mit weiteren Kollegen  gegen die Route ausgesprochen hatte: „Ich finde es positiv, dass nun ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben wird und auch die Flugrouten in Flugsimulatoren getestet werden.“ Er habe immer für ein Gesamtfluglärmgutachten plädiert: „Alle Lärmquellen zu erfassen – so wünschenswert das wäre –  sprengt die Aufgaben der Fluglärmkommission.“ Er sei gespannt, was das Ergebnis des Gutachtens sein werde, „ob etwa, wie von den Befürworten behauptet, die Entlastung von 90 000 Menschen den Tatsachen entspricht.“

Für den Nürtinger Rathauschef sind weiterhin viele Fragen offen: „Die Frage, ob die neue Route im Einklang mit dem Planfeststellungsverfahren steht, ist  offen und wird von Nürtingen anwaltlich untersucht. Sollte aufgrund neuer Routen ein Planfeststellungsänderungsverfahren notwendig werden, wäre das angedachte Verfahren gestorben.“ Unklar sei, ob damals Abwägungen hinsichtlich einer neuen Flugroute getroffen worden seien. 

jmf/eli / Foto: Roberto Bulgrin


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Am Samstag lief „Wetten, dass …“?  und   wurde ein Quotenhit. Das ZDF denkt nun über eine Fortsetzung nach. Gut so? Stimmen Sie hier ab.

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Durch die Altstadtgassen

Am 7. November finden der Eßlinger Zeitung Lauf und der verkaufsoffene Sonntag statt

Am 7. November gibt es gleich doppelten Anlass, Esslingen zu besuchen: Vormittags findet der Eßlinger Zeitung Lauf um den Sport-Flöss-Pokal statt, ab 13 Uhr laden dann die Geschäfte zum verkaufsoffenen Sonntag.

Die Corona-Pandemie hatte im vergangenen Jahr auch dem EZ-Lauf das Aus beschert. Nachdem im Sommer das Bürgerfest – in dessen Rahmen der Volkslauf sonst immer stattfindet – erneut abgesagt worden war, suchten die Veranstalter von der TSG Esslingen und der Eßlinger Zeitung nach einer Alternative. Das Ziel: Endlich wieder gemeinschaftliches Laufen zu ermöglichen und ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Und tatsächlich, der Lauf durch die Altstadtgassen wird gestartet. Auch wenn der Termin im Herbst ungewöhnlich ist und nicht nur dies den Unterschied zu den vorausgegangenen 20 Ausgaben macht.

In Abstimmung mit der Stadtverwaltung wurde ein Hygienekonzept erarbeitet. Das beinhaltet etwa, dass bei der persönlichen Abholung der Startunterlagen ein G-Nachweis (Geimpft, Genesen oder Getestet) vorgelegt werden muss.  Auch werden die Teilnehmerzahlen beim Hauptlauf (auf 1000) und den vier Bambiniläufen (auf jeweils 50, bei den beiden Läufen der 14/15er-Jahrgänge ist die Kontingentgrenze bereits erreicht) begrenzt. Bis zum Ende der Online-Anmeldung wurden im Hauptlauf rund 860 Starterinnen und Starter registriert, 140 Plätze sind demnach noch frei. Nachmeldungen – auch für die beiden noch freien Bambiniläufe und die drei Schülerläufe – sind nur am Samstag, 6. November, zwischen 11 und 15 Uhr möglich.

Zudem wird rings um das Schelztor ein Zuschauerbereich abgesperrt, der ebenfalls nur mit einem Nachweis für Geimpft, Genesen oder Getestet  betreten werden darf. Das Masketragen und Abstandhalten sind geboten. Eine Siegerehrung wird es vor Ort ebenso wenig geben wie den Verkauf von Speisen und Getränken an der Schelztorhalle.

Die ersten Bambini werden um 9 Uhr auf die Strecke geschickt, der erste Schülerlauf wird um 9.45 Uhr, der Hauptlauf über vier Runden à zweieinhalb Kilometer um 11 Uhr gestartet. Der Streckenverlauf wurde gegenüber vorausgegangenen Ausgaben in manchen Passagen geändert, Runden- und Gesamtlänge bleiben aber gleich. Start und Ziel sind nach wie vor in Bahnhof- und Schelztorstraße.

Am 7. November findet zudem der „Esslinger Herbst“ statt. Zum verkaufsoffenen Sonntag haben die Geschäfte  von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Zudem lockt die Gastronomie mit allerlei Köstlichkeiten. Und beim Herbstmarkt – bereits ab 11 Uhr  auf Markt- und Rathausplatz – gibt es herbstliche Genüsse, Kunsthandwerk und Antiquitäten. Auf dem Blarerplatz und dem Hafenmarkt kann man beim Floh- und Trödelmarkt schlendern, schauen und Schnäppchen machen. Schlienz Tours veranstaltet am Sonntag „Den anderen Tag der Reise“. In der Ritterstraße werden Reisebusse und -ziele präsentiert.

Die Geschäfte  in der Innenstadt haben zum „Esslinger Herbst“ Aktionen und Angebote initiiert. So flanieren etwa verzaubernde „Walking Acts“ durch die Straßen und Gassen. Bücher werden signiert, es gibt Kinderschminken, Gewinnspiele, Handarbeit mit Stoffen und Tüchern, Kunstaktionen, etliches mehr und natürlich Informationen und Beratung. An einigen Stellen wird musiziert, und auf der Inneren Brücke wird gespielt. Mit Betten Mews und Polsterwelt Engelhardt haben auch zwei Fachgeschäfte jenseits der Innenstadtgrenzen geöffnet. 

hin / Foto: hr


Brandschutz wird nachgerüstet

Die Egelseehallen in Neuhausen werden für 1,47 Millionen Euro auf den neuesten Stand gebracht

Die Mitglieder der Vereine in Neuhausen atmen auf. Obwohl das Landratsamt der Gemeinde bei der letzten Brandverhütungsschau strenge Auflagen gemacht hat, darf in den Egelseehallen weiter trainiert und gefeiert werden. Bis die Festhalle komplett saniert ist, dürfen sich dort 600 Zuschauer und Akteure  gleichzeitig aufhalten. Im Gemeinderat stellte der Architekt Jochen Wilfert vom Büro Knecht in Ludwigsburg die Pläne vor, wie das Brandschutzkonzept zügig umgesetzt werden kann. Die dringend erforderlichen Arbeiten kosten 1,47 Millionen Euro.

Nun drücken die Verwaltung und die Gemeinderäte bei der Umsetzung aufs Tempo. Es sei „nicht selbstverständlich“, dass das Büro Knecht sich so schnell um die Umsetzung kümmert, lobte Bürgermeister Ingo Hacker die Architekten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in der Egelseehalle.

Um wieder einen normalen Betrieb möglich zu machen, sind größere Arbeiten erforderlich. Zunächst muss nach Wilferts Worten die Brandmeldeanlage aufgerüstet und erneuert werden. Die Sicherheitsbeleuchtung inklusive der Stromversorgung muss erneuert werden, da sie den Anforderungen nicht mehr entspricht. Dazu müssen Decken in manchen Hallenteilen geöffnet und wieder geschlossen werden. Auch die Sicherung von Rettungswegen und Brandabschottungen stehen auf dem Plan.

Die Gesamtsanierung der Egelseehallen hat die Gemeinde ebenfalls prüfen lassen. Dieses Großprojekt liegt angesichts der angespannten Haushaltslage auf Eis. „Die Brandschutzsanierung lässt sich da gut abtrennen“, ist Däschler überzeugt. Die Kostenschätzung von 1,47 Millionen Euro schlüsselte der Experte Wilfert auf:  Die Arbeiten in der Festhalle kosten 899 000 Euro; die Technik im Untergeschoss zu erneuern, schlägt mit 125 750 Euro zu Buche.   Die Arbeiten in der Sporthalle 1 sollen 296 887 Euro kosten; die Sporthalle 2 wird für 77 812 Euro gerichtet. Die Arbeiten im Jugendhaus sollen 70 887 Euro kosten.

Bereits im Jahr 2019 hat das Büro Knecht für die Gemeinde ein Sanierungsgutachten erstellt. „Ich hatte 2019 nicht gedacht, dass man die ganze Brandmeldeanlage erneuern muss“, räumte Jochen Wilfert jetzt ein. Da hatte der Planer auf den Bestandsschutz gesetzt. Den Sanierungsbedarf haben nun aber die Brandschau des Landratsamts im Mai und die Expertise des Brandschutz-Sachverständigen Se­bastian Fischer ergeben. Dass weitere  Rettungswege ge­braucht würden, war Wilfert  schon 2019 klar.  Damals hatte er auch die Sanierung des Hallenfassade angeregt, und zwar „aus energetischen Gründen“. Für energetische Sanierungsprojekte gibt es nach seinen Worten auch Fördermittel. 

Bei den Kommunalpolitikern erntete der straffe Zeitplan Lob. In der Sitzung nutzten sie die Chance, Vorschläge zu machen.   Dominik Morar (CDU) hakte bezüglich der Technik im Untergeschoss nach. Dort brauchten die Vereine dringend Lagermöglichkeiten.   Marco Schulz (Initiative Grüne Liste) wollte wissen, ob die neue Mensa vor dem geplanten Start zum Schuljahr 2023/24 in Betrieb gehen kann: „Wir hatten gehofft, dass wir das Schuljahr 2022/23 mitnehmen können.“ Man brauche die Festhalle bis zum Sommer 2023.

Wie wichtig die Egelseehalle für das Gemeindeleben in Neuhausen ist, bekräftigte Jens Jenuwein (Freie Wähler). Die Vereine seien dankbar, dass es einen verlässlichen Zeithorizont für ihre Veranstaltungen gebe. Sorge bereitet ihm, welche Schäden noch auftauchen könnten, wenn die Decken geöffnet werden: „Kommt da doch noch Größeres auf uns zu?“ Jochen Wilfert ist „vorsichtig optimistisch“, dass dem nicht so ist. Für Roman Krieger (SPD) ist klar, „wir haben keine Wahl.“ Er fragte, ob im Zuge der Brandschutzarbeiten auch gleich Kabel für bessere WLAN-Anschlüsse eingebaut werden. Diese digitale Nachrüstung  ist laut Wilfert nicht im Sanierungspaket enthalten. 

eli / Foto: Ines Rudel


Blaues Auge für Kommunen

Mittlerweile herrscht mehr Klarheit zur Finanzlage – Vielerorts ist sie angespannt, aber nicht dramatisch

Landauf, landab hagelte es zu Beginn der Coronakrise düstere Prognosen: Riesige Einbußen, vor allem bei der Gewerbesteuer, brächten viele Kommunen finanziell ins Wanken. Mittlerweile sehen die Kämmerer klarer.  Wie ist die aktuelle Situation?  Städte und Gemeinden geben Auskunft.

Esslingen: Corona hat dem Stadtsäckel mächtig zugesetzt: Geringere Einnahmen und höhere Ausgaben machen sich nicht nur im städtischen Kernhaushalt bemerkbar, sondern zum Beispiel auch im Etat des städtischen Klinikums. Dabei musste Finanzbürgermeister Ingo Rust schon vor Corona mit spitzem Bleistift kalkulieren, weil die konjunkturelle Entwicklung und der Strukturwandel in der Wirtschaft Wirkung zeigten.  Die lange Jahre sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen gingen merklich zurück. Corona hat diesen Trend  verschärft: Die Gewerbesteuereinnahmen, die in den Rekordjahren 2017 und 2018 jeweils über 100 Millionen Euro lagen, erreichen 2021 nur noch etwa die Hälfte. Hinzu kommen stetig steigende Abschreibungen für Investitionen in Straßen, Brücken oder Gebäude. Dennoch will die Stadt bis 2026 fast 200 Millionen Euro in ihre Infrastruktur investieren. Dafür müssen nach zehn Jahren ohne neue Schulden und massiver Tilgungen nun wieder Kredite aufgenommen werden: Für die kommenden fünf Jahre droht eine Nettoneuverschuldung von 77 Millionen Euro.

Ostfildern: Viel besser als erwartet stellt sich die Finanzlage der Stadt Ostfildern dar. Statt eines Defizits in zweistelliger Millionenhöhe, das  zu befürchten war, dürfte am Ende des Jahres unterm Strich sogar ein Plus von einer halben Million Euro stehen. „Wir dürfen letztlich zufrieden sein“, sagt Oberbürgermeister Christof Bolay. Bei der Gewerbesteuer war man Ende 2020 noch von  13,5 Millionen Euro ausgegangen,  nun erwartet die Verwaltung Einnahmen von 17 Millionen Euro. Zudem profitiert Ostfildern vom kommunalen Hilfspaket des Landes. Hinzu kommt ein Einmalertrag von  4,5 Millionen Euro durch die Eingliederung des aufgelösten Eigenbetriebs Wohnungsverwaltung in den Kernhaushalt. 2022 erwartet die Stadt deutlich höhere Steuererträge. Dennoch rechnet Finanzbürgermeister Rainer Lechner mit einem Minus von 2,8 Millionen Euro im Ergebnishaushalt.

Plochingen:  Die Stadt ist   dieses Jahr „mit einem blauen Auge davongekommen“, berichtet der Beigeordnete und Kämmerer Michael Hanus. Zwar liegt der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer für 2021 eine Million Euro unter dem Planansatz von 9,7 Millionen Euro. Aber bei der  Gewerbesteuer greift ein Sondereffekt:  Dank  Nachzahlungen aus vergangenen Jahren wird der Planansatz für 2021 von 8,9 Millionen Euro um fast zwei Millionen übertroffen.  „Damit können wir den fehlenden Betrag bei der Einkommensteuer ausgleichen. Ohne diesen Einmaleffekt hätte uns Geld gefehlt.“   Auf der anderen Seite werden 150 000 bis 200 000 Euro für Desinfektionsmittel und Tests für  Verwaltung, Kitas und Schulen   an der Stadt hängen bleiben.  Dabei braucht die Stadt jeden Euro:  Im Doppelhaushalt 2022/23 muss sie alleine für die Sanierung des Gymnasiums mehr als  20 Millionen Euro aufbringen.

Nürtingen kommt finanziell betrachtet bisher einigermaßen gut durch die Coronakrise. Im ersten Pandemiejahr hat die Stadt mit 1,4 Millionen Euro Minus abgeschlossen. Ende dieses Jahres wird das Defizit wohl drei Millionen Euro betragen, doch es hätte deutlich schlimmer kommen können. Wie OB Johannes Fridrich in seiner Haushaltsrede sagte, hatte die Kämmerei mit einem zweistelligen Betrag gerechnet. Doch corona­bedingte Einsparungen und die gute Entwicklung der Gewerbesteuer lassen das Defizit  abschmelzen.  Nach einem  Einbruch 2020 haben sich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer mit mehr als 20 Millionen Euro auf „einem ordent­lichen Niveau stabilisiert“. Ordentlich für Nürtinger Verhältnisse, wie Fridrich erinnerte, denn im Kreis sei die Kommune das Schlusslicht unter den Großen Kreisstädten. Grund dafür seien die überschaubaren Gewerbeflächen in der Stadt.

Aichwald  Ähnlich ergeht es der Gemeinde Aichwald, die für 2021 ein Defizit im laufenden Betrieb von mehr als 1,7 Millionen Euro befürchtet hatte. Da aber auch auf dem Schurwald die Gewerbesteuereinnahmen höher ausfallen als   erwartet, schmilzt das Defizit. Positiv ausgewirkt haben sich  höhere Schlüsselzuweisungen des Landes und verringerte Ausgaben. Der Aichwalder Kämmerer Andreas Jauß geht derzeit unterm Strich noch von einem Minusbetrag von 500 000 Euro im Ergebnishaushalt aus. Eventuell endet das Jahr sogar mit der Schwarzen Null. Doch das sind Sondereffekte. Mit Blick auf die Zukunft müssen und wollen Rathaus und Gemeinderat auf Kosten und Einnahmen schauen, um das strukturelle Defizit zu beheben. 

red / Foto: Roberto Bulgrin