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Die Schar der Helfer bröckelt

Seit 2002 pflegen Ehrenamtliche die Bürgergärten im Scharnhauser Park – Doch bald könnten Wiesen daraus werden

Die einen sprechen von 70 Freiwilligen, die anderen gar von 100. Die genaue Zahl kennt keiner so genau. Aber es waren erstaunlich viele Ehrenamtliche, die nach dem Ende der Landesgartenschau 2002 im Scharnhauser Park bereit waren, einen Teil der prachtvollen Traumfelder, wie die einzelnen Themengärten damals genannt wurden, dauerhaft zu pflegen. 20 Jahre hält dieses bemerkenswerte Engagement nun. Immer wieder gab es Wechsel. Aber viele sind, obwohl im vorgerückten Alter, noch immer im Bürgergärten-Team dabei.
Einer, der seit der ersten Stunde dabei ist, ist Adolf Wrana. Kurz nach der Gartenschau war der heute 84-Jährige mit seiner Frau vom Rheinland in den Scharnhauser Park gezogen. Ein paar Monate später las er einen Aufruf: Zur Mitarbeit in den Traumfeldern brauche man weitere Helferinnen und Helfer. Wrana entschied sich für den Bibelgarten. Aus Überzeugung. Denn der Glaube spielte in seinem Leben eine wichtige Rolle. Der gebürtige Sudetendeutsche übernahm den konzeptionellen und organisatorischen Part. So stammen von ihm die jährlich zusammengefassten Gedanken, Gebete und Lieder, die Besucher dort finden. Für die Pflege übernahm Erwin Kopp bis zu seinem Tod vor einigen Jahren die Verantwortung. An dessen Stelle ist Georg Grundmann gerückt.
Für Wrana ist der Bibelgarten eine Herzensangelegenheit. Nach Krieg und Flucht hatte die katholisch geprägte Familie in Maichingen von den Pietisten viel Gutes erfahren. Das prägte ihn. Deshalb stand für ihn außer Frage, dass der Bibelgarten stets ein religiöser Ort sein muss: „eine Kirche ohne Mauern inmitten der Schöpfung.“ Nun sei es an der Zeit, Verantwortung abzugeben. Aber ein paar Dinge hat Wrana sich noch vorgenommen. Typische Pflanzen aus der Bibel mit den entsprechenden Quellenangaben würde er sich im Garten wünschen. Auch die fünf Säulen der Kneipp-Philosophie könnte er sich in der Anlage vorstellen.
Mit Freude erinnert sich auch Ostfilderns Altoberbürgermeister Herbert Rösch an die Gartenschau. Bei vielen Menschen aus der Stadt habe sie eine Begeisterung entfacht, dass sie für sich entschieden, einen Teil der prächtigen Anlagen, die nicht der Bebauung zum Opfer fielen, als Bürgergärten weiter zu pflegen.
Für Hildegard Wagner ist der Rosengarten wie ein zweites Wohnzimmer. Gerne führt sie Schulklassen durch die Anlagen. Edelgard Hartmann zählte 18 Jahre lang zum Pflegeteam. In all den Jahren habe es immer ein gutes Miteinander gegeben, sagt Hartmann. Das Erfolgsgeheimnis sieht sie in den lockeren Vorgaben: Ob an den Hochbeeten, im Rosengarten, im Fabelhaften Garten oder im Montluel-Garten – jeder bringt die Zeit ein, die er hat. Keiner muss sich festlegen. Ein Glücksfall sei gewesen, dass der nun pensionierte Dieter Krautter vom städtischen Grünflächenamt immer ein offenes Ohr hatte, wenn etwas gebraucht wurde. Heimische Gärtnereien hätten immer wieder Pflanzen gespendet, berichtet Hartmann. Ein Team sorgt dafür, dass die öffentlichen Toiletten jeden Tag geöffnet und geschlossen werden. Selbst mit 91 Jahren lässt sich Pia Balle dafür einspannen. Sie ist die gute Fee, die auf dem Spielplatz nach dem Rechten schaut, Müll einsammelt und mal Leute anspricht, wenn diese achtlos Abfälle wegwerfen.
In der Stadtverwaltung ist man dankbar über die vielen langjährigen Ehrenamtlichen. Auf diese Weise wird das Grünflächenamt entlastet. Aber man registriert, dass weniger Menschen bereit sind, einen Teil der Freizeit fürs Allgemeinwohl zu opfern. „Uns brechen leider immer mehr Leute weg“, bedauert der Erste Bürgermeister, Rainer Lechner. Mit Veranstaltungen wie dem Gartenmarkt versuche man, neue Akteure für die Aufgaben zu begeistern. Wenn alles nicht hilft, sieht sich die Stadt laut Lechner gezwungen, aus den Bürgergärten pflegeleichte Wiesen zu machen.

hf / Fotografin: Ines Rudel


Ofenbauer werden überrannt

Aus Angst vor einer Energiekrise erleben die Handwerker einen massiven Kundenandrang – und das im Sommer

Heizen wird immer teurer. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steigen die Kosten für fossile Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas immer weiter. Auch die Preise für Brennholz sind bereits seit einigen Jahren auf Höhenflug. Neu ist die Sorge, ob Öl und Gas in der kommenden Heizsaison noch in ausreichender Menge zur Verfügung stehen werden. Viele Menschen sehen sich deshalb nach Alternativen um und wollen wieder mit Holz heizen. Die Ofenbauer im Kreis Esslingen erleben seit Wochen einen regelrechten Ansturm auf Einzelöfen, Heizkamine und Kachelöfen.
„Wir haben Geschäft ohne Ende“, berichtet Marius Kaselitz. „Alles, was schlecht ist, spielt uns momentan in die Karten“, ergänzt der Kirchheimer Ofenbauer, der einen Zwei-Mann-Betrieb führt und sich die große Nachfrage mit den hohen Heizölpreisen und der Sorge um den Gasnachschub erklärt. Viele wollten sich zur bestehenden Anlage eine alternative Heizquelle ins Haus stellen oder einen alten Kachelofen mit einem neuen Brenner auf den aktuellen Stand bringen, zumal die Bundesimmissionsschutzverordnung je nach Alter des Ofens einen Austausch bis spätestens 2024 verlangt.
Termine erst im Januar
Manche Betriebe waren in den vergangenen Wochen kaum noch zu erreichen. „Wir haben unser Telefon ganze Tage lang ausgeschaltet“, sagt ein Ofenbauer, der einen solchen Run zuletzt erlebte, als der Strom vor rund 20 Jahren so teuer wurde, dass sich viele Haushalte von ihren Elektrospeicheröfen trennen wollten. Die Auftragsbücher laufen über, Beratungstermine gibt es teils erst wieder im Januar, und vor dem Sommer 2023 ist an einen Einbau nicht zu denken, beschreibt Nicole Sohn vom Ofengeschäft Thiel in Dettingen die Lage. Das liegt auch an Lieferengpässen beispielsweise für Ofenstahl.
„Es frisst uns fast aus“, bestätigt auch eine Mitarbeiterin der Metzinger Leistra Kachelöfen und Kamine Gesellschaft, die eine Niederlassung in Nürtingen betreibt. Schon in den beiden Coronajahren sei der Wunsch nach einer Holz-Zusatzheizung spürbar gewachsen. „Man macht es sich zu Hause wieder schön. Die Kunden investieren in ihre Häuser“, berichtet die Beraterin und vermutet, manche Haushaltskassen seien gut gefüllt, da während der Pandemie Urlaubsreisen oft ausfallen mussten.
Ungeduldige und zum Teil sogar panische Kunden machen den Ofenbauern in der jüngsten Zeit das Leben schwer, ist aus Fachkreisen zu hören. Nicht jeder möchte seinen Namen in diesem Zusammenhang in der Zeitung lesen. Aber so mache die Arbeit keinen Spaß mehr, sagt etwa ein Fachmann, der ungenannt bleiben möchte. Mangels Zeit könne er seine Kunden nicht mehr so intensiv betreuen, wie es seine Aufgabe und die Liebe zum Beruf eigentlich erforderten.
Aber auch bei manchen Kundinnen und Kunden verfliegt die Begeisterung nach dem ersten Beratungsgespräch, denn die Anschaffung eines Kaminofens kann je nach Ausführung schnell einen fünfstelligen Betrag kosten. Es komme auf die jeweiligen baulichen und technischen Verhältnisse an, erklärt ein Ofenbauer. Häufig sei der Querschnitt eines alten Kamins nicht geeignet für einen modernen Ofen, dann müsse nachgerüstet oder der Kamin verlängert werden.
Im Gegensatz zu anderen Kommunen dürfen in Esslingen Einzelöfen und sogenannte Komfortöfen, die zusätzlich zu einer Heizung eingesetzt werden, übrigens nur zeitlich begrenzt genutzt werden. Die Brennstoffverordnung erlaubt den Betrieb maximal fünf Stunden an höchstens acht Tagen im Monat – und das nur auf Antrag. Begründet wird die Einschränkung mit „häufig auftretenden austauscharmen Wetterlagen“ und damit verbundenen „lufthygienischen Problemen“, die mit der topografischen Situation im Neckartal einhergehen.
Verordnung beschränkt
Einzelne Bürgerinnen und Bürger vor allem in den Hanglagen beklagten sich regelmäßig über Geruchsbelästigungen, die von unterhalb liegenden Heizungen ausgehen. „Einige haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen“, heißt es seitens der Stadt. Das liest sich in der Verordnung so: „Es ist nicht erwünscht, dass Einzelöfen, die nicht vorrangig der Wärmeversorgung dienen, dauerhaft betrieben werden, da die Belastung der angrenzenden Bewohnerinnen und Bewohner in keinem Verhältnis zum Nutzen solcher Öfen steht.“
Entsprechend hellhörig reagiert auch der Fachverband: „Ich empfehle schon im Vorfeld, das Projekt frühzeitig mit dem zuständigen Schornsteinfeger zu besprechen. So können die baurechtlichen und immissionsschutzrechtlichen Aspekte geklärt werden, um Rauchbelästigungen der Nachbarschaft zu vermeiden“, erklärt Walter Baum. „Die Leute sollen sicher heizen können“, betont der Obermeister der Schornsteinfegerinnung in Stuttgart. Viele Kundinnen und Kunden reagierten sensibel auf die veränderte Energiesituation und erinnerten sich jetzt an die wohlige Wärme, die ein Holzofen verströmt. Und immerhin können man sich mit einer Zusatzheizung „eine Zeit lang auf das Notwendige beschränken“.

com / Fotograf: dpa


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Günstige Mieten sind Mangelware

Wohin entwickelt sich der Wohnungsmarkt in Reichenbach  angesichts  rund 220 neuer Wohneinheiten?

Richtig teuer dürfte das Wohnen auf dem früheren Starmix-Gelände werden. Dort hat eine Tochtergesellschaft  der Frankfurter Phoenix Real Estate Development  unter der Überschrift „Das Domizil“ den alten  Querbau kernsaniert und zu 44 Wohnungen umgewandelt sowie weitere 22 Wohnungen in zwei vorgelagerten Neubauten errichtet. Innerhalb kürzester Zeit gingen die Wohnungen weg. Käuferin  ist eine Esslinger Investorengruppe. Nun geht es an die Vermietung, um die sich die Immobilienmaklerin Senta Hoffmann kümmert. „Ich bin sehr zufrieden. 60 Prozent sind bereits vermietet,“ sagt die Fachfrau, die von ihrem Reichenbacher Büro an der Ecke Schiller- und Stuttgarter Straße direkt auf die Immobilie  blickt. 

Mit rund  14 Euro pro Quadratmeter seien die Mieten teuer, räumt Hoffmann ein. Die Nachfrage sei trotzdem da, nicht nur bei Besserverdienern. Auch Zugführer und Zahnarzthelferinnen zählten zu ihren Kunden. Manche entschieden sich  für kleinere Grundrisse. Neben Neubaustandard und  Aufzug sprächen die zentrale Lage und die Nähe zum Bahnhof fürs  Domizil.

Noch ist unklar, was mit den übrigen, weit größeren  Starmix-Flächen geschieht. „Die Fabrik kommt weg“, sagt Bernhard Richter nur. Ansonsten  gibt sich der Reichenbacher Bürgermeister zugeknöpft. Schwierig seien die Verhandlungen mit dem Eigentümer, das lässt er durchblicken. Man sei noch ganz am Anfang des Weges zum modernen Wohnareal. Attraktiv, nicht zu sehr verdichtet, aber dennoch bezahlbar soll das Wohnen dort einmal sein. Ein Spagat, so  hatte es Richter im Zuge der Haushaltsberatungen erklärt.

Doch zurück zum Querbau und seiner hohen Anziehungskraft  auf  Investoren. Gleich gegenüber steht ein interessanter Gegenentwurf. Maklerin Senta Hoffmann logiert hier in einer   Gewerbeeinheit, deren Besitzer   deutlich      andere Ziele verfolgen als Hoffmanns Auftraggeber. Das Gebäude gehört der Siedlungsbau Neckar-Fils. Die  Nürtinger Bau- und Wohnungsgenossenschaft  hat 2018 erstmals in Reichenbach gebaut. 18 Mietwohnungen, eine Arztpraxis und besagtes Immobilienbüro sind so entstanden. Pro Quadratmeter zahlen die Mieter hier im Schnitt 8,50 Euro. Dafür gibt es Fußbodenheizung, bodengleiche Duschen, elektrische Rollläden und   einen Aufzug. Die Einstiegsmiete im Erdgeschoss beträgt acht Euro. Im beliebten Dachgeschoss würden zehn Euro fällig, sagt Carsten Martini, der als geschäftsführendes Vorstandsmitglied für mehr als 1000 Wohneinheiten zuständig ist.

„Wir betrachten es als unsere Hauptaufgabe, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagt der Wohnbaufachmann. Deshalb wolle man   rund zehn Prozent unter dem örtlichen Mietspiegel bleiben. Allerdings seien solch relativ günstige Neubaumieten nur auf Basis einer Mischkalkulation möglich.  Dabei handle es sich um eine Querfinanzierung der Solidargemeinschaft aller Genossen und Genossinnen, die sich 2020 über eine Dividende von vier Prozent freuen konnten.

  Auch der richtige Standort spielt eine Rolle. Der Reichenbacher Gemeinderat und Bürgermeister Richter hätten den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum erkannt und  beim Grundstücksverkauf keine überzogenen Forderungen gestellt, lobt Martini.„Wir wollen nicht möglichst viel Kohle“, sagt Richter. Die Kommune mache unterschiedliche Preise. „Wir machen seit mehr als 20 Jahren Innenentwicklung. Dafür haben wir konsequent Grundstücke aufgekauft“, erläutert der Rathauschef. Reichenbach habe  seine Einwohnerzahl seit 1990 um rund 1000 Köpfe  gesteigert. Ohne Neubaugebiete auf der grünen Wiese habe man den Generationenwechsel im Ort geschafft. „Die Leute verkaufen auf dem Siegenberg ihre Häuser und ziehen ins Zentrum. So schaffen wir den Werterhalt,“ erläutert Richter den Wandel.

Die im Bau befindlichen innerörtlichen Areale Wilhelmsquartier und Paulinengarten seien gute Beispiele, denn  die zugegebenermaßen hochpreisigen Eigentumswohnungen mit   Quadratmeterpreisen  von rund  5500 Euro gingen meist an Einheimische. Für Menschen mit kleinem Geldbeutel bleiben Mietwohnungen auf dem Siegenberg. Dort verwaltet die  Baugenossenschaft Reichenbach einen  Wohnungsbestand  aus den Nachkriegsjahren. 

com / Fotograf: Roberto Bulgrin


Ideales Umfeld für Lernen, Lehren, Leben

Das Rohräckerschulzentrum in Esslingen ist für 55,8 Millionen Euro grundlegend saniert und erweitert worden

Was lange währt, wird endlich gut: Die grundlegenden Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten am  Rohräckerschulzentrum in Esslingen haben nach rund 13 Jahren ihren Abschluss gefunden. „Endlich“, sprach Landrat Heinz Eininger den Schülern, Lehrern und Eltern bei der feierlichen Einweihung Ende Mai aus dem Herzen. Ursprünglich war die Fertigstellung für das Schuljahr 2017/2018 geplant gewesen.  Die umfangreichen Arbeiten haben  aber deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen.

Der Landrat  blickte weit in die Vergangenheit  zurück: Weil die Anlage auf dem Esslinger Zollberg weder den pädagogischen Ansprüchen  noch den baulichen Anforderungen der Zeit  entsprach, entschied sich der Landkreis als Träger des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) für eine Generalsanierung des mehr als 40 Jahre alten Schulzentrums für  Kinder mit Handicap. Diese wurden seither  auf einer Baustelle unterrichtet, was  laut Eininger „einer Operation am offenen Herzen“ glich. Die  Beeinträchtigungen des Schulbetriebes  während der Bauzeit seien eine enorme  Belastung für alle gewesen,   die betroffenen Klassen mussten zeitweise in eigens geschaffenen Interimsklassenräumen untergebracht werden.

Mensa mit Vollküche

20 Planungsbüros und rund 100 Unternehmen waren  am Großprojekt beteiligt. Die Arbeiten umfassten im Wesentlichen die Ertüchtigung des Brandschutzes, energetische Baumaßnahmen wie die Wärmedämmung der Gebäudehülle sowie  die Erneuerung der kompletten Gebäudetechnik inklusive der Anbindung an eine CO2-neutrale Fernwärmeversorgung und ein Holzhackschnitzheizwerk der Stadtwerke Esslingen. Zudem wurden eine Mensa mit Vollküche für die Zubereitung von täglich bis zu 480 Essen gebaut, der Sport- und Schwimmbereich saniert, das Foyer  aufgewertet, die Spiel- und Bewegungsflächen im Außenbereich auf Vordermann gebracht und die Medientechnik erneuert.   Schüler und Lehrkräfte würden in dem  modernen  Schulzentrum  nun ein „ideales Umfeld  für Lernen, Lehren und Leben“ vorfinden, hob der Landrat hervor.

Das alles hat freilich seinen Preis: Unterm Strich kostet der Umbau des Rohräckerschulzentrums rund 55,8 Millionen Euro – 13,1 Millionen Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. Den Großteil der Summe stemmt der  Kreis,  das Land Baden-Württemberg steuert 11,2 Millionen Euro bei, von der Stadt Esslingen kommen knapp 3,1 Millionen Euro. Das sei „gut investiertes Geld“, betonte Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der die „wunderbaren Bedingungen“ im Schulzentrum lobte. Anerkennend stellte er fest:  „Die SBBZ im Kreis sind in einem Top-Zustand. Das würde ich mir auch für die eigenen Schulen wünschen.“

Mit einer beispielhaften Kooperation haben die Landkreise Esslingen und Göppingen sowie die Stadt Esslingen im Jahr 1975 dieses Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum geschaffen.  Es ist laut Eininger  noch heute „eine außergewöhnliche Einrichtung“. Derzeit werden im Rohräckerschulzentrum in fünf Förderschwerpunkten etwa 800 Schülerinnen und Schüler in 96 Klassen unterrichtet. Hinzu kommt die Betreuung von etwa 50 Kindern in den drei Schulkindergärten.   Rund 350 Mitarbeitende haben dort ihren Arbeitsplatz.

Weiterer Raumbedarf

Doch in Einingers  Freude mischte sich auch Sorge. Denn schon heute zeichnet  sich weiterer Raumbedarf ab, die Interimsbauten auf dem Parkdeck werden auch  nach Abschluss der Bauarbeiten noch benötigt.   Die Gesamtschülerzahlen am Rohräckerschulzentrum haben sich  nach Angaben des Landrats seit Beginn des Schulbetriebes  verdoppelt. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien sie deutlich angestiegen:  Waren es im Schuljahr 2017/2018 noch 789 Schüler, sind es jetzt  856 –  19 mehr als im Vorjahr.

Die Kinder und Jugendlichen  besuchen  die Einrichtung auf dem Esslinger Zollberg  aber sehr gern,  zitierten die beiden Sprecher des Rohräckerschulzentrums, Christoph Schmitt-Stephan und Claudia Schmidt, Aussagen von   Schülern: Diese würden zum Bespiel die hellen Räume, die gute Ausstattung, das offene Foyer und das   Trampolin toll finden. „Im sanierten Haus fühlen wir uns richtig wohl“, steht auf einer der vielen Sprechblasen, die an den Wänden im gesamten Gebäude hängen. 

Sonderpädagoische Zentren des Landkreises

Angebot: Der Landkreis Esslingen ist Träger mehrerer Sonderpädagogischer Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) samt Schulkindergärten. Dazu gehören neben dem Rohräckerschulzentrum in Esslingen die Bodelschwinghschule in Nürtingen sowie die Verbundschule (Schule für Sprach- und Körperbehinderte)  in Dettingen.

Schülerzahlen: Im Schuljahr 2021/2022 werden nach Angaben des Landkreises Esslingen insgesamt 1158 Schülerinnen und Schüler in den SBBZ betreut, darunter 856 Kinder und Jugendliche  am Rohräckerschulzentrum, 175 Schüler an der  Bodelschwinghschule und 127 an der Verbundschule.

Rohräckerschule: Die  Rohräckerschule   im Esslinger Stadtteil Zollberg ist mit dem Förderschwerpunkt Lernen die größte Einrichtung ihrer Art im Kreis.  Ihr  angeschlossen sind  Schwerpunkt-Beratungszentren mit den Themen Lernen, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sprache sowie Schüler während längerer Krankenhausbehandlungen. 

eh / Fotograf: Roberto Bulgrin


Teurer Naturerlebnispfad

Denkendorf plant einen spielerischen Rundkurs zwischen Körschtal und Autobahn – Kosten liegen wohl bei 350 000 Euro

Gut  200 000 Euro hatte die Gemeinde Denkendorf für die Errichtung eines Naturerlebnispfads kalkuliert. Die aktuelle Kostenschätzung beläuft sich nun auf grob 350 000 Euro. Gründe seien Kostensteigerungen angesichts der geopolitischen Lage, aber auch die nun konkretisierte Gestaltung und Ausstattung, sagte der Bürgermeister Ralf Barth. Diese Summe, so machte der Gemeinderat klar, müsse reduziert werden. Zumal der bewilligte Zuschuss des Verbands Region Stuttgart auf 70 000 Euro gedeckelt ist.

Der Ostfilderner Landschaftsarchitekt Tobias von Kortzfleisch erläuterte Ende Mai im Gemeinderat das Konzept des Naturerlebnispfads, der für alle Generationen gleichermaßen attraktiv sein soll. Die knapp drei Kilometer lange Strecke führt durch die Streuobstwiesen im Körschtal. Der Verlauf orientiert sich an bestehenden Wegen. An elf Stationen können sich die Besucher informieren, rasten und sich spielerisch oder sportlich betätigen. Vor allem Kugelbahnen in verschiedener Ausprägung und Gestaltung sollen den Spaziergang für Jung und Alt unterhaltsam machen. Wiederkehrende Elemente wie Infotafeln unter anderem zu Fauna, Flora und zur Geschichte Denkendorfs gehören ebenso dazu wie Wegweiser, Sitzbänke oder Stationen mit einem Quiz zu Themen wie Tiere und Bäume.

Der Start ist beim CVJM-Vereinshaus vorgesehen, dort kann man sich an einem Automaten Holzkugeln für die Bahnen kaufen. Auch Fahrradabstellplätze sieht das Konzept vor. In den  Wiesen soll in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein und dem Naturschutzbund ein „Naschgarten“ mit heimischen Früchten und einem Insektenhotel entstehen.

 Wer die Steigung über das „Schneckengässle“ abenteuerlich bewältigen will, kann dies über einen Kletterwald, bestehend aus liegenden und stehenden Baumstämmen, Plattformen, Netzen und Balancierstämmen, tun. An den weiteren Stationen sind unter anderem eine Himmelsschaukel, eine große Holzliege, ein Barfußpfad sowie eine kleine Beobachtungsplattform geplant. Auch kann sich von Kortzfleisch unterwegs Balanciermöglichkeiten oder eine Rutsche vorstellen. Schließlich geht es wieder bergab um den Klostersee, durch den Klosterhof und in den Maierhof. Entlang der renaturierten Körsch führt der Erlebnispfad schließlich zurück zum Ausgangspunkt.

Die Kosten für das ambitionierte Projekt haben nicht nur den Bürgermeister erschreckt: „Sehr ansprechend, aber auch sehr teuer“, so das Urteil von CDU-Fraktionschef Peter Nester. „Wir sollten von dieser Summe deutlich runterkommen“, meinte  Frank Obergöker von der FWV. Johannes Henzler (SPD) befürchtet zudem  einen großen Unterhaltungsaufwand für die Anlagen. Um die Kosten zu reduzieren, will man nun weitere Partner ins Boot holen, die sich an der Herstellung wie auch der Finanzierung beteiligen.

 Barth ist überzeugt, dass  der Eigenanteil der Gemeinde deutlich reduziert werden kann, auf einige Elemente habe man schon verzichtet. Allerdings macht der Rathauschef  auch klar, dass man  die qualitative Grundausstattung des Erlebnispfads erhalten wolle. Eigenleistungen bei den Kugelbahnen oder bei Pflanzarbeiten könnten durch Vereine oder den Bauhof erbracht werden. Auch durch Patenschaften für einzelne Elemente, Spenden und Sponsoring-Aktionen soll ein Teil des Pfads finanziert werden.  Bis zum Herbst will man nun ausloten, in welchem Umfang Eigenleistungen und auch Co-Finanzierungen realisierbar sind. Einen konkreten Beschluss zur Umsetzung des Naturerlebnispfads soll es  im Dezember geben. Dann könnte die Umsetzung wohl im Frühjahr 2023 erfolgen. 

urh / Fotograf: Ulrike Rapp-Hirrlinger


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Das „Klimageld“, ein Ausgleich für gestiegene Energiepreise, soll an Erwerbstätige gehen, nicht an Rentner und Studenten. Ist das gerecht?

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Klimageld gerecht?

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Durchgangsverkehr rückt an Gleise

Die Plochinger Eisenbahnstraße wird bis zur Lammkreuzung in beide Fahrtrichtungen ausgebaut – Zweifel an Wirkung

Der Plochinger Gemeinderat hat Ende April die Weichen für die größte Verkehrsveränderung in der Plochinger Innenstadt seit den 1970er-Jahren gestellt: CDU und SPD wollen die Esslinger Straße vom Durchgangsverkehr entlasten, indem die Eisenbahnstraße entlang der Bahngleise zur Hauptverkehrsachse für die Ost-West-Verbindung werden soll. Das Vorhaben ist eingebettet in ein umfassendes Maßnahmenbündel, wie sich Verkehr und Mobilität bis 2035 in Plochingen entwickeln sollen. Das hat die damit beauftragte Bernard-Gruppe nach einem mehrstufigen Prozess und zwei Bürgerbeteiligungen im Rahmen ihres Mobilitäts- und Verkehrsentwicklungskonzept MOVE 2035 entwickelt. Mit dem knapp 40 Bausteine umfassenden Katalog will die Stadt den Umweltverbund – also ÖPNV, Radler und Fußgänger – stärken. „Wir erreichen aber trotz großer Anstrengungen nur minimale Veränderungen“, bedauerte nicht nur Reiner Nußbaum (CDU). Laut den Berechnungen des Büros würde der Pkw-Gesamtverkehr in Plochingen bis 2035 um rund 16 Prozent zulegen, wenn man nicht steuernd eingreife. Ziel ist es folglich, diese Steigerungsrate auf den Umweltverbund zu verlagern.
Da die Stadt den Bahnhofsbereich so schnell wie möglich zu einer multimodalen Verkehrsdrehscheibe umbauen und den Busbahnhof aufwerten will, drängte vor allem die Frage, wie der innerstädtische Durchgangsverkehr künftig geführt werden soll. CDU und SPD wollten sich wie der Bürgermeister Frank Buß an die Empfehlungen des Büros halten, ihn künftig komplett an die Bahngleise zu rücken. Dafür muss im Westen der Anschluss der Eisenbahnstraße an die Esslinger Straße ausgebaut werden. Und in Richtung Osten soll die bisherige Einbahnstraßenregelung der Eisenbahnstraße zwischen Bahnhof und Lamm-Kreuzung für beide Fahrtrichtungen geöffnet werden. Die Esslinger Straße soll stattdessen verkehrsberuhigt werden.
Der Offenen Grünen Liste (OGL) war es indessen ein Rätsel, wie man mit noch mehr Verkehr vor dem Bahnhof das von allen beschworene Ziel erreichen wolle, Bahnhof samt Vorplatz zur Mobilitätsdrehscheibe zu machen. Wo solle dort noch Platz für Leihräder, Lasten-E-Bikes, Carsharingangebote, zusätzliche Busplätze, Taxis oder eine Fahrradwerkstatt sein, fragte Peter Blitz. Würde man sich hingegen für einen Einbahnstraßenring entscheiden, gäbe es genug Raum für die künftigen Aufgaben und einen attraktiven Bahnhofsplatz. Er plädierte dafür, den Teilnehmern des geplanten städtebaulichen Wettbewerbs zwei Varianten ins Aufgabenbuch zu schreiben. Eine mit der Vorgabe einer Einbahnstraße vor dem Bahnhof und eine mit beiden Fahrtrichtungen. Zudem hatte er erhebliche Zweifel, ob der Platz für eine zweite Fahrbahn in der östlichen Eisenbahnstraße ausreicht, wenn die Stadt nicht für teures Geld das Gebäude Eisenbahnstraße 39 dazu kaufe, das in privater Hand ist.
„Kein seriöser Planer würde sich auf so eine duale Ausschreibung einlassen“, entgegnete indessen der Bürgermeister. Er versicherte, dass die künftige Verkehrsführung nicht am Erwerb der Immobilie hänge. „Persönlich glaube ich, dass wir alle wichtigen Funktionen auf dem Bahnhofsplatz unterbekommen.“ Dass vor dem Bahnhof eine „Stadtautobahn“ entstehen könnte, wie Harald Schmidt (ULP) die geplante neue Straßenführung geißelte, könne er sich bei „überwiegend Tempo 30“, die dort vorgeschrieben werden sollen, nicht vorstellen.
Der von der OGL favorisierte große Einbahnstraßenring würde jeden Tag zu 10 500 Mehr-Kilometern führen, die die Autofahrer dann an Umwegen zurücklegen müssten, argumentierte die CDU. Joachim Hahn (SPD) sah eine große Chance darin, mit der Bündelung des Verkehrs entlang der Bahn in der Esslinger Straße eine durchgängige Fahrradstraße einrichten zu können – vom Fischbrunnen bis zum Ortsausgang Richtung Altbach.
CDU und SPD setzten sich am Ende mit ihrer Stimmenmehrheit gegen OGL, ULP und Solist Klaus Hink durch.

biz / Fotograf: Roberto Bulgrin


Fitnesskur fürs Krankenhaus

Das Klinikum Esslingen wird in den nächsten Jahren für 270 Millio­nen Euro modernisiert – Ausweich-Bau macht den Anfang

Die Stadt Esslingen und ihr Klinikum machen Ernst mit ihren ehrgeizigen Zukunftsplänen: Rund 270 Millionen Euro will die Kommune in den kommenden 15 Jahren investieren, um auch auf lange Sicht eine vorzügliche medizinische Versorgung zu garantieren. Anfang 2021 hatten das Sozialministerium und der Esslinger Gemeinderat ein umfassendes Neubaukonzept abgesegnet. Dieser „Masterplan“ sieht den Neubau aller wesentlichen Klinikfunktionen und eine Sanierung der verbleibenden Gebäude in mehreren Bauabschnitten vor.
In einem ersten Schritt soll nun bis Mai 2023 ein vierstöckiges Modul-Gebäude entstehen, das die nötigen Ausweichflächen bietet, damit bestehende Gebäude nach und nach durch Neubauten ersetzt oder grundlegend modernisiert werden können. Mit einem symbolischen Spatenstich im Patientengarten des Klinikums gaben Vertreter von Stadtverwaltung, Geschäftsführung und Projektpartnern vor wenigen Tagen den Startschuss zu diesem Zukunftsprojekt.
Trotz knapper Kassen und der von ihm wiederholt beklagten Kostenexplosion gerade in der Baubranche ist OB Matthias Klopfer überzeugt, dass die Stadt mit dem größten Neubauvorhaben der kommenden 15 Jahre auf dem richtigen Weg ist: „Dieses Projekt ist ganz zentral für die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt und auch darüber hinaus. Mit der Umsetzung der Masterplanung werden die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, damit das Klinikum auch in Zukunft moderne, innovative Medizin und patientenorientierte Pflege so erfolgreich umsetzen kann wie bisher.“ Außerdem biete die Aufwertung der Infrastruktur dem Klinikum die Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren und damit bei den dringend gesuchten Fachkräften zu punkten.
Insgesamt gilt es, bis in die 2030er-Jahre mehr als 30 000 Quadratmeter Nutzfläche neu zu bauen oder grundlegend zu modernisieren. In einem ersten Schritt wird nun das vierstöckige Modul-Gebäude entstehen, das sich später „Haus 0“ nennen soll und auf rund 4600 Quadratmetern Platz für 150 Betten bieten wird. So wird Platz geschaffen, damit die nötigen Kapazitäten auch während der Neu- und Umbauzeit zur Verfügung stehen. „Vom neuen Gebäude werden Patienten und Mitarbeitende gleichermaßen profitieren“, ist Klinikums-Geschäftsführer Matthias Ziegler sicher. „Die Arbeitsplätze werden allesamt modern und voll digital ausgestattet, und die Patientenzimmer bieten eine sehr ansprechende Unterbringung mit einer zeitgemäßen Ausstattung. Wenn das Modul-Gebäude steht, wird es keine Dreibettzimmer ohne eigene Nasszelle mehr geben.“
Die Patienten werden weitgehend in Zweibettzimmern untergebracht, ebenso sind behindertengerechte Zimmer vorgesehen und Zimmer, die mit Schleuse neuesten Hygienestandards entsprechen. Untergebracht werden in dem neuen Gebäude unter anderem die Geriatrische Station und die Neurologie mit Schlaganfalleinheit. Und Haus 0 soll auch aus energetischer Sicht eine Vorreiterrolle einnehmen. Das Gebäude soll den Standard der Energieeffizienzgebäude 55 erfüllen und 45 Prozent weniger Energie verbrauchen als vergleichbare Gebäude.
Dass Bauprojekte dieser Größe aktuell mit manchen Unwägbarkeiten behaftet sind, wissen OB und Klinik-Chef nur zu gut. So mussten die kalkulierten Kosten für das Modul-Gebäude bereits von zunächst rund 20 auf knapp 25 Millionen Euro nach oben korrigiert werden.
Damit das neue Gebäude möglichst rasch zur Verfügung steht, haben sich Stadtverwaltung und Klinikum auf eine sogenannte Modul-Bauweise verständigt: Wie in einem riesengroßen Baukasten werden im kommenden Herbst 140 komplett vorgefertigte Module angeliefert und auf dem Gelände des Klinikums zu einem hochmodernen Gebäude verschmolzen. Klappt alles wie geplant, sollen die neuen Räume bereits im Mai 2023 in Betrieb gehen. „Das Klinikum bleibt während der gesamten Bauphase vollumfänglich für die Patientenversorgung geöffnet“, versichert die Klinikleitung.

adi / Fotograf: Roberto Bulgrin