Abgestimmt!

In Freiburger Kitas und Grundschulen gibt es in den Mensen künftig ein Einheitsmenü – ein vegetarisches. Kostengründe werden angegeben. Ein Beispiel für andere Kommunen?

Foto: dpa

Mensa ohne Fleisch?

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Zurück zu den Anfängen

Die Ausstellung „Maßstäbe“ in der Städtischen Galerie Ostfildern zeigt die internationale Baukunst von Jürgen Mayer H.

Karierte Schatten, die über Plätze fliegen, und Wellen an Außenfassaden, die aussehen wie Haifischzähne: Die fließenden Formen der Baukunst von Jürgen Mayer H. ziehen die Blicke auf sich. Die Eröffnung der Ausstellung im Stadthaus im Scharnhauser Park mit Arbeiten von Jürgen Hermann Mayer, der der besseren Erkennbarkeit wegen als Jürgen Mayer H. firmiert, glich am vergangenen Wochenende einem Treffen der Architekturszene. Zu „Maßstäbe“, so der Titel der Schau, strömten nicht nur viele junge Studierende. Weggenossen und Entscheidungsträger, die vor 20 Jahren dabei waren, als das Stadthaus nach den Plänen des Architekten gebaut wurde, waren ebenfalls gekommen.
Auch wenn Mayer einen Allerweltsnamen trägt – seine kühnen Entwürfe, für die er weltbekannt ist, ziehen die Blicke auf sich. Die anspruchsvolle Denk- und Arbeitsweise wird in der großzügigen Präsentation in der Städtischen Galerie deutlich. Schließlich machte ihn das aufsehenerregende Stadthaus so berühmt, dass Galerieleiterin Holle Nann ihn freudig begrüßte: „Zu Hause in aller Welt, zu Gast im eigenen Haus.“
Mayer hat einen hohen gestalterischen Anspruch. Er verknüpft in seinen Arbeiten Architektur, Kunst, Design und Kommunikation. Das zeigt sich deutlich bei der großen Holzskulptur „off.spring“, die in einen spannenden Dialog tritt mit einer großformatigen Aufnahme der freien dynamischen Form des Projekts „Metropol Parasol“ in Sevilla. Das 5000 Quadratmeter große Rasterdach schlingt sich über den Platz. Der komplexe Bau lässt karierte Schatten über die Fläche und über die Treppen fliegen. Stolze 28 Meter hoch, gilt die riesige urbane Skulptur als eine der weltweit höchsten Holzkonstruktionen. Wenn die Sonne durch die Oberlichter der Galerie scheint, korrespondieren die Schatten in Sevilla und im Scharnhauser Park besonders schön.
Ähnlich verschlungen, nur viel kleiner, gestattet die Skulptur in der großen Galerie Einblicke, bewahrt aber gleichzeitig eine gewisse Intimität im tiefen Innern durch verschachtelt angebrachte Holzformen. Umgesetzt wurde die 26-teilige Steckarbeit aus Kiefer-Fichte-Schichtplatten nach Plänen Mayers in 220 Stunden von dem Ostfilderner Künstler Tobias Ruppert.
Auch mit den 19 „Data“-Collagen entsteht ein Wechselspiel durch die organisch-verschlungene Formensprache. Schon früh begann Mayer, sich mit den Datensicherungsmustern – etwa in Innenseiten von Briefkuverts – am Bau, aber auch künstlerisch auseinanderzusetzen. Die wirren Muster sollen private Inhalte wie Abrechnungen oder PINs von außen unlesbar machen. Diese Grenzen von Privatsphäre, Öffentlichkeit und Anonymität werden durch die mäandernden, amorphen Strukturen in den Collagen sichtbar gemacht. Am Bau denkt Mayer die natürliche Grenzlinie der Architektur durch das Anbringen derartiger Informationsflüsse neu und spielt mit den Erwartungen der Betrachter – seine Arbeitsweise ist sehr gut nachvollziehbar anhand zahlreicher Beispiele, die auf drei Monitoren abgespielt werden.
Verwirrend ist das Raumgefühl beim Anblick des riesigen Banners mit einer Fotografie des Zipper-Towers in Düsseldorf. Die 450 Wellenelemente an der Außenfassade des Hochhauses scheinen sich wie gigantische Haifischzähne um eine Frau zu schließen, die auf einer Plattform stehend den Blick über die Dächer der Weltstadt genießt.

Info: Jürgen Hermann Mayers Entwürfe für das Stadthaus im Scharnhauser Park sind im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Bei der Ausstellung im Scharnhauser Park sind im Obergeschoss Fotografien zu sehen, die die Menschen im Stadthaus zeigen. Sie sind mit der Lichtbildnergruppe Esslingen entstanden. Die Ausstellung „Maßstäbe“ ist bis zum 24. Januar in der Galerie zu sehen. 

pb / Foto: Petra Bail


Düsterer Blick auf Finanzlage

Die Stadt Esslingen muss heftig sparen – Bürgermeister Ingo Rust schwört auf schwierige Zeiten ein

Der Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust schlägt Alarm: Rückläufige Einnahmen, steigende Kosten und unkalkulierbare Aufwendungen durch Corona und Ukraine-Krieg machen der Stadt zu schaffen. Deshalb führt für Rust an einem konsequenten Sparkurs kein Weg vorbei. In einer Brandrede hat er Gemeinderat und Bürgerschaft nun auf harte Zeiten eingestimmt. Seine Botschaft ist eindeutig: „Es geht nicht mehr um ein bisschen Kosmetik. Es geht um den kompletten Haushalt.“ Ein Kraftakt stehe bevor, wie ihn Esslingen in der Nachkriegszeit noch nicht gesehen habe. Die Tiefe der Einschnitte werde zunehmen.
Erste Schritte zur Haushaltskonsolidierung hatten Gemeinderat und Verwaltung noch in der Ära Zieger auf den Weg gebracht. Rust machte jedoch deutlich, dass die bisher angepeilten Einsparungen von zunächst fünf Millionen Euro nicht ausreichen werden, um den Stadtsäckel dau­erhaft ins Lot zu bringen. Und auch die nächsten beiden Stufen von jeweils weiteren zwei Millionen Euro, die den Haushalt bis Ende 2026 um insgesamt neun Millionen Euro entlasten sollen, seien noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Seither hat sich die Welt in einer Massivität verändert, wie wir es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben“, so Rust. Es werde ein Paradigmenwechsel benötigt.
Rust skizzierte eine ganze Reihe von Faktoren, die den finanziellen Horizont verdüstert haben – allen voran der Ukraine-Krieg, der rund 2000 Flüchtlinge in die Stadt gebracht und die Konjunktur eingetrübt hat. So gab es Zeiten, da die Stadt mehr als 100 Millionen Euro an Gewerbesteuern verbucht hatte – zuletzt ging man nur noch von drei Viertel dieser Summe aus. „Kommen wir jetzt in eine Rezession, müssen wir unsere Zahlen nochmals nach unten korrigieren und stehen womöglich nur noch mit gut der Hälfte unserer früheren Gewerbesteuereinnahmen da“, so der Dezernent. Und das in einer Zeit, in der die Inflation auch bei den kommunalen Ausgaben bereits Wirkung zeige – bis hin zu den Personalkosten.
Schon vor der Ukraine-Krise habe die Stadt geplant, ihre Verschuldung für anstehende Investitionen auf über 120 Millionen Euro zu verdoppeln. Angesichts explodierender Baupreise werde das nicht mehr ausreichen. So soll der Neubau der Zollberg-Realschule 19 Millionen Euro mehr kosten, die neue Realschule Pliensauvorstadt fünf Millionen extra, die Sanierung des Merkelbads drei Millionen, bei der neuen Stadtbücherei werden zusätzliche 37 Millionen Euro geschätzt. All das werde außerdem höhere Abschreibungen nach sich ziehen. Mit Blick auf explodierende Energiekosten fordert der Finanzbürgermeister, dass die Strom- und die Gaspreisbremse nun auch für Kommunen und ihre Einrichtungen gelten müsse.
Oberstes Ziel muss nach Rusts Worten ein genehmigungsfähiger Haushalt sein. Andernfalls könne das Regierungspräsidium „auf eine andauernde Haushaltssperre bestehen“, mit der keine Investition neu begonnen werden dürfe. Im Blick hat Rust nicht die Pflichtaufgaben, die die Kommune zuverlässig erledigen müsse, sondern „Leistungen, die wir auf hohem Niveau freiwillig tun, die wir im Auftrag anderer tun, obwohl wir keine volle Kostenerstattung bekommen, oder die wir einfach für andere erledigen, ohne dafür zuständig zu sein“. Rust denkt beim Verzicht an Dinge, „an die sich die Esslingerinnen und Esslinger gewöhnt haben, die man vielleicht lieb gewonnen hat“.
Den Gemeinderat forderte der oberste Hüter der städtischen Finanzen zu Mut und Gemeinsamkeit auf – „auch wenn einzelne Lobbygruppen anderer Meinung sind. Als Stadträtinnen und Stadträte sind Sie dem Gesamtwohl der Stadt verpflichtet.“ Es gehe um alle Einwohnerinnen und Einwohner.

adi / Foto: Roberto Bulgrin


Eltern-Ärger über Busunternehmen

Bei der Beförderung der Schüler zur Rohräckerschule in Esslingen soll es akute Mängel geben – Es fehlt an Personal

Maria Mangold ist ratlos: „Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Über mehrere Wochen habe die Beförderung ihres Sohnes „gar nicht“ funktioniert. „Ich bin Ärztin und muss pünktlich bei der Arbeit sein, und mein Kind wird oft zu spät oder gar nicht abgeholt“, sagt die Mutter des Zehnjährigen, der eine Behinderung hat und die Esslinger Rohräckerschule besucht. Mangold ist unter den zahlreichen Eltern, die dem Busunternehmen Schlienz mit Sitz in Kernen im Remstal Versäumnisse bei der Beförderung vorwerfen. Der Elternbeirat der Schule schreibt in einem Beschwerdebrief: „Selbstverständlich ist uns auch bewusst, dass krankheitsbedingte Ausfälle und Personalmangel auch bei Schlienz vorhanden sind, aber wir sehen das Wohl und die Sicherheit unserer Kinder gefährdet.“
Schlienz bedient im Kreis Esslingen viele Linien, das Unternehmen ist im Auftrag des Landratsamts auch für die Schülerbeförderung an die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungsstätten verantwortlich. Auch Eltern, deren Kinder die Bodelschwinghschule in Stuttgart-Möhringen besuchen, melden Probleme mit Schlienz. Ein heikles und emotionales Thema, da die individuellen Bedürfnisse der Kinder und deren Eltern auf die komplexe Planung eines Unternehmens treffen.
Der Schlienz-Geschäftsführer Erhard Kiesel sagt zu den Vorwürfen: „Wir wissen, dass es die sensibelste Art der Personenbeförderung ist, die es gibt. Die Planung ist superkomplex. Jedes Kind hat verschiedene Attribute: Beim einen ist eine Rollstuhlmitnahme erforderlich, beim anderen muss ein E-Rollstuhl mit, wofür man ein anderes Fahrzeug braucht.“ Diese und viele weitere Aspekte müssten eingeplant werden. Das Busunternehmen mache diese Arbeit schon seit vielen Jahren. Wieso werden also gerade jetzt Beschwerden laut?
„Es läuft derzeit sehr schlecht, und es ist keine Besserung in Sicht“, sagt Bettina Polanski, Mutter des 16-jährigen Lukas, der ebenfalls die Rohräckerschule besucht. „Es ist eine Schande, wie behinderte Kinder hier behandelt werden.“ Sie fürchte um ihren Arbeitsplatz, da sie als Schulbegleiterin pünktlich sein müsse.
Laut Kiesel ist sich das Unternehmen der Tragweite der Problematik bewusst: „Die aktuelle Krankheitssituation ist zum Super-GAU geworden.“ Teils seien sieben von acht Personen in der zuständigen Fachabteilung krank geworden. „Wir müssen uns jeden Tag mit abwechselnden Fahrerkrankmeldungen durchkämpfen“, sagt Kiesel. „Wir haben den Verkehr aufrecht erhalten, indem wir Personal aus anderen Abteilungen abgezogen haben.“ Zudem seien auch sie vom bundesweiten Fahrermangel betroffen.
Neben mangelnder Zuverlässigkeit beklagt der Elternbeirat der Rohräckerschule auch mangelnde Sicherheit. So soll sich der Sohn von Deborah Schad im März bei einem Bremsvorgang auf der Heimfahrt im Bus den Oberschenkel gebrochen haben. Sein Rollstuhl sei nicht mit dem Fahrzeug verbunden gewesen. Statt den Rettungswagen zu rufen, sei der Fahrer mit dem verletzten Kind, das im Auto gelegen und geschrien habe, weitergefahren bis zu dessen Adresse. Der Fahrer habe erst zwei Wochen später gefragt, wie man den Rollstuhl richtig sichert. Laut Schad erklärte der Fahrer, dass er als Schulung nur ein 20-minütiges Video angeschaut habe. Der Schlienz-Geschäftsführer weist diese Vorwürfe von sich und gibt an, dass jeder Fahrer ausreichend geschult werde. „Teilweise sprechen die Fahrer kein Deutsch, denen kann ich nicht einmal erklären, was ein epileptischer Anfall ist, und die sollen dann in einem Notfall den Rettungsdienst rufen“, sagt Judith Beier.
Mit ihren Anliegen hätten sich die Eltern mehrfach an das Landratsamt gewandt. „Ich verstehe, dass es für die Eltern schwierig ist, mit dieser Situation umzugehen. Wir – und auch das Unternehmen – setzen alle Kräfte dafür ein, dass diese Situation so schnell wie möglich behoben wird“, sagt Johannes Weiß, Leiter des Amts für Kreisschulen im Landratsamt Esslingen. In der Regel sei Schlienz ein verlässlicher Vertragspartner. Und der Elternbeirat der Rohräckerschule sagt: „Wir möchten der Firma Schlienz gerne die Chance geben, das Vertrauen wieder aufzubauen, indem sie uns mit ins Boot nehmen.“

ff / Foto: Horst Rudel


Abgestimmt!

Der Kanzler macht Energiegeschäfte mit arabischen Diktatoren. Steht die deutsche Energieversorgung über den ethischen Grundsätzen?

Foto: dpa

Ist Energie wichtiger?

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Immer mehr Blitzer am Straßenrand

Der Kreis Esslingen baut die Geschwindigkeitsüberwachung aus – 20 stationäre Anlagen kommen in nächster Zeit hinzu

Achtung, Fuß vom Gas! Viele Autofahrer im Landkreis Esslingen haben wohl schon festgestellt, dass immer mehr Blitzersäulen am Straßenrand stehen. Ob in Aichwald-Schanbach, Erkenbrechtsweiler, Lenningen-Brucken, Owen, Weilheim, Denkendorf oder Bempflingen – überall wurden in jüngerer Vergangenheit solche schwarz-silbernen Hightechgeräte installiert. Die Kreisverwaltung baut eigenen Angaben zufolge die stationäre Geschwindigkeitsüberwachung weiter aus. Hintergrund der Offensive ist unter anderem die wachsende Nachfrage vieler Gemeinden nach Tempokontrollen. Die wenigsten von ihnen blitzen in Eigenregie – anders als die größeren Städte im Kreis, die über eigene Bußgeldstellen verfügen.
„Das Landratsamt Esslingen hat im Jahr 2018 eine Konzeption zur Erneuerung der stationären Geschwindigkeitsmessanlagen im Landkreis Esslingen erarbeitet“, berichtet der Sprecher der Behörde, Wolf-Dieter Roser. „Dem vorausgegangen war die Überlegung, wie mit der damals auslaufenden, alten Technik bei den stationären Messanlagen umgegangen werden sollte.“ Insbesondere die umgangssprachlich als „Starenkästen“ bezeichneten Radarfallen waren in die Jahre gekommen und störanfällig geworden.
Der Landkreis Esslingen hat sich laut Wolf-Dieter Roser für eine technische Neuausstattung entschieden und das neue Konzept den Kommunen vorgestellt. Alle Standorte seien gemeinsam von Polizei, Bürgermeisterämtern sowie der Kreisbehörde festgelegt worden. Die fest installierten Messstationen zur Geschwindigkeitsüberwachung sollen, so lautet das erklärte Ziel, „zu einer angepassten Fahrweise der Verkehrsteilnehmer führen und für mehr Verkehrssicherheit sorgen“.
„Nach der Beendigung eines europaweiten Ausschreibeverfahrens konnten im Jahr 2021 die ersten 23 stationären Anlagen projektiert und in Betrieb genommen werden“, informiert Roser. Die Blitzersäulen wurden bei der Firma Jenoptik beschafft. Doch damit nicht genug: „Aktuell erfolgt die Inbetriebnahme von weiteren zehn Säulen, die im kommenden Jahr nochmals um zehn Anlagen aufgestockt werden“, teilt Roser mit.

Teil des Lärmaktionsplans

So wurde Anfang September in der Ortsdurchfahrt von Holzmaden eine Blitzersäule aufgebaut, um die Einhaltung des Anfang dieses Jahres ausgewiesenen Tempolimits von 30 Kilometern je Stunde überwachen zu können. Die Geschwindigkeitsreduzierung in der Bahnhofstraße, erläutert Bürgermeister Jochen Schepp, sei Teil des Lärmaktionsplans. Laut Gutachten hätten die Pegelwerte bei einer Vielzahl von Wohnhäusern entlang der Strecke über den gesundheitlich bedenklichen Werten gelegen. Schepp stellt aber klar: „Als Gemeinde haben wir hiervon keinen finanziellen Mehrwert. Die potenziellen Bußgelder gehen komplett zugunsten des Landratsamts.“
Die Blitzersäulen sind übrigens nicht die einzigen Messgeräte, die von der Esslinger Landkreisverwaltung betrieben werden. Zusätzlich erfolge die Geschwindigkeitsüberwachung im Kreis Esslingen mit drei mobilen Messeinheiten im Schichtbetrieb, berichtet Roser. „Im Zuge der technischen Neuausstattung wurde in diesem Jahr auch eine semistationäre Anlage, ein sogenannter Blitzeranhänger, beschafft.“ Der Vorteil dieses leicht versetzbaren „Enforcement Trailer“ sei, dass er Tempokontrollen auch an solchen Stellen ermögliche, die nicht mit einer festen Anlage überwacht werden könnten.
Die technische Aufrüstung spült übrigens ordentlich Geld in die Kasse des Kreises. „Es ist festzustellen, dass die Geschwindigkeitsverstöße und damit auch die Bußgeldeinnahmen in den vergangenen Jahren ansteigen“, sagt Roser mit Verweis auf entsprechende Zahlen. Und in dieser Statistik seien Fälle, die die Polizei oder die Städte messen, gar nicht berücksichtigt, merkt er an.
Wurden im Jahr 2020 im Landkreis Esslingen noch 40 119 Tempoüberschreitungen geahndet und insgesamt rund 923 500 Euro eingenommen, stieg die Zahl der vom Landratsamt verschickten Knöllchen im Jahr 2021 auf 44 424 an – und mit ihnen stiegen die Einnahmen auf 1,3 Millionen Euro. Allein in diesem Jahr sind laut Roser bis August bereits 45 523 Tempoverstöße registriert worden, die eingenommenen Verwarnungs- und Bußgelder kletterten bis dato auf 1,8 Millionen Euro. Wobei der deutliche Anstieg dieser Summe auch mit der Verschärfung des Bußgeldkatalogs im vergangenen November in Zusammenhang stehe, fügt Roser erklärend hinzu. Seither gelten bei gravierenden Überschreitungen nämlich höhere Geldstrafen.

Wie Raser ausgebremst werden

Blitzer: Die neuen Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte der Firma Jenoptik haben ein schwarz-silbernes Design. Das Messsystem mit modernsten Lasersensoren liefert präzise Messergebnisse und hochauflösende, beweissichere Bilder – auch bei Dunkelheit oder wetterbedingt schlechteren Sichtverhältnissen. Sie können Geschwindigkeiten in beiden Fahrtrichtungen und auf mehreren Spuren gleichzeitig messen.
Tempoverstöße: Seit dem 9. November 2021 gilt der neue Bußgeldkatalog. Unter anderem sind Tempoverstöße teurer geworden: Die Verwarnungsgelder für Überschreitungen ab 16 bis 20 km/h wurden verdoppelt – von 35 auf 70 Euro, außerorts von 30 auf 60 Euro. Punkte in Flensburg gibt es aber erst ab 21 km/h zu schnell. Härter bestraft werden Raser: Wer etwa mit 91 km/h statt der erlaubten 50 km/h in der Stadt fährt, zahlt jetzt mindestens 400 statt wie davor 200 Euro.

eh / Foto: Gemeinde Holzmaden


Kein Strom zum Festpreis mehr

Die Eisstadien in Esslingen und Wernau starten in die Saison – Sorgen wegen Kostensteigerungen

Eisstadien haben einen hohen Stromverbrauch. „Es gibt für uns Großkunden seit Juli keine Angebote mit Festpreis mehr“, sagt Heike Mack, die Geschäftsführerin des Wernauer Eisstadions. Sie ist heilfroh, dass ihr Zwei-Jahres-Stromvertrag noch bis 31. Dezember läuft. Damit hat sie drei Monate Planungssicherheit, aber wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Die EnBW als Grundversorger in der Region habe sie auf das Portal „Smart energy“ verwiesen, mit dem Unternehmen selbst ihren Strom bei der Pariser Börse einkaufen können. Wie das genau funktioniert, weiß Mack noch nicht. Sie muss sich in das Thema reinknien und dann am Jahresende entscheiden, ob und wie sie die Saison zu Ende bringen kann.
Im Esslinger Richard-Hirschmann-Stadion ist man schon mittendrin in der Strombeschaffung – zwangsläufig: Der bisherige Vertrag lief zum 31. August aus, der Anbieter wollte ihn nicht verlängern. Und es fand sich auch kein anderer Stromlieferant, berichtet Dirk Sihling, der stellvertretende Vorsitzende der ESG Esslingen. Ein Mehraufwand sei das natürlich, jetzt auch noch selbst den Strom einzukaufen, sagt Sihling. Aber Corona sei schließlich die beste Schule für Herausforderungen aller Art gewesen. Die Eissportgemeinschaft geht davon aus, dass sie trotz der Energiepreise über die aktuelle Saison kommt. Ihre Rücklagen werden dabei aber stark schrumpfen.
Im Esslinger Richard-Hirschmann-Stadion ist die „Vorsaison“ bereits gestartet, ab 8. Oktober läuft der Betrieb regulär. Zum Auftakt in Wernau gibt es am 29. September einen Tag der offenen Tür.
In Esslingen wie in Wernau ist es der Strom, der den größten Teil des Energieverbrauchs ausmacht. Er wird für die Kältetechnik gebraucht: für die Kühlung der Eisfläche von unten, aber auch beim Aufbringen der frischen Schicht an der Oberfläche. Dafür erwärme man das Wasser sogar, sonst verbinde es sich nicht mit dem bestehenden Eis, erklärt die Chefin des Wernauer Eisstadions. In Wernau habe man aber schon vor Jahren die Wassertemperatur von 60 auf 22 Grad senken können, dieses Jahr wolle man versuchen, mit der Temperatur aus der Leitung klarzukommen.
Beide Eishallen haben Photovoltaikanlagen auf dem Dach, speisen den gewonnenen Strom aber ins Netz ein. Alles andere wäre nicht sinnvoll, denn sie liefern ja den meisten Strom im Sommer.
Gas brauchen die Eisstadien nur für die Heizung und für Warmwasser. Man wolle aber davon „ziemlich runterkommen“, sagt Heike Mack. Das heißt in Wernau: keine Warmwasserbereitung und somit auch kein Duschen in diesem Winter. Das Publikum aus dem offenen Betrieb hat ohnehin nie vor Ort geduscht, betroffen sind aber die Gruppen, die zwischen den Laufzeiten trainieren. Geheizt werden nur noch die Personalräume und die Gaststätte, was in erster Linie über Abwärme aus der Kälteerzeugung funktioniert. In Esslingen bleiben die Duschen in Betrieb, denn bei der Eissportgemeinschaft hat der Vereinssport eine hohe Bedeutung. Aber auch hier hofft man, mithilfe der Abwärme den Gasverbrauch zu drosseln.
In beiden Einrichtungen steigen die Preise zur neuen Saison leicht an. Das sei unabhängig von der Energiekrise ohnehin geplant gewesen, versichern die Betreiber. Schließlich steigen auch die Personal- und andere Kosten. Die Energiekosten komplett auf die Kunden umzulegen, halten sie für nicht möglich, das würde mindestens eine Verdoppelung bedeuten. „Wir wollen ja, dass weiterhin Leute kommen“, sagt Dirk Sihling. Die Öffnungszeiten bleiben wie gehabt, was in Wernau aber auch heißt: Wie schon seit den Coronabeschränkungen öffnet das Eisstadion vormittags nur für angemeldete Schulklassen.
Trotz aller Ungewissheiten freuen sich die Betreiber, dass es jetzt wieder losgeht. „Wir versuchen, das Ganze optimistisch anzugehen, und freuen uns über jeden, der kommt“, sagt Dirk Sihling.

aia / Foto: Ait Atmane


Feiertage für die Jazzstadt

Maximilian Merkles Festival präsentiert vom 1. bis 22. Oktober internationale Stars und junge Musiker der Szene

Internationale Stars und junge Musiker geben sich vom 1. bis 22. Oktober beim internationalen Jazzfestival in Esslingen die Ehre. An unterschiedlichen Veranstaltungsorten von der Württembergischen Landesbühne (WLB) über die Stadtkirche St. Dionys und das Kulturzentrum Dieselstraße bis hin zum Neckar Forum und dem Jazzkeller in der Webergasse werden Musikerinnen und Musiker ein facettenreiches Bild ihres Genres zeichnen. Dass dabei auch der Nachwuchs zum Zuge kommen wird, ist Teil des Konzepts von Veranstalter Maximilian Merkle, der verrät: „Die Planung des Festival-Programms ist wie ein Puzzle. Und das Schöne ist: Es geht am Ende immer auf.“
Mit dem Saxofonisten Sandi Kuhn und dem Pianisten Volker Engelberth bestreiten zwei baden-württembergische Jazzpreisträger am 1. Oktober in der WLB den Auftakt. Gemeinsam mit dem Bassisten Jens Loh und dem Schlagzeuger Daniel Mudrack versprechen sie zarte Klänge von geradezu magischer Sogkraft. Im zweiten Teil des Konzerts setzt ein US-Quartett ein erstes Highlight: Schlagzeug-Legende Billy Hart, Ethan Iverson am Klavier, der Saxofonist Mark Turner und der Bassist Ben Street zählen zur Elite der New Yorker Jazzszene.
Das zweite Festivalwochenende steht zunächst im Zeichen des Klaviers, wenn am 7. Oktober der unlängst von der Jazz Journalists Association zum Pianisten des Jahres gekürte Vijay Iyer in der Stadtkirche St. Dionys zu hören sein wird. Iyer hat sein Können schon in unterschiedlichsten Besetzungen bewiesen – nun zeigt er in Esslingen, dass er auch solo eine Klasse für sich ist. Und am 8. Oktober erklingen kubanische Klänge in St. Dionys, wo sich der Pianist Gonzalo Rubalcaba und die Sängerin Aymée Nuviola als kongeniales Duo präsentieren.
Mit Enrico Pieranunzi hat sich ein Pianist angesagt, der am 13. Oktober nicht zum ersten Mal im Jazzkeller Akzente setzt – diesmal ist er solo zu hören. Die 23-jährige Pianistin Katherine Zyabluk eröffnet am 14. Oktober in der Württembergischen Landesbühne den Abend. „Ihre Eigenkompositionen bewegen sich zwischen Debussy und Monk, aber seit Beginn des Krieges adaptiert sie auch verstärkt ukrainische Volkslieder“, weiß Maximilian Merkle. Dieses Konzert beschließt das Quarteto Afro-Cubano des kubanischen Pianisten Omar Sosa. Klassische kubanische Musikstile wie Danzon und Cha-Cha-Cha verschmelzen mit Traditionen afrikanischer Musik.
Abdullah Ibrahim, der große Mann des afrikanischen Jazz, wird am 15. Oktober in der Stadtkirche St. Dionys auftreten. Neben der Zusammenarbeit mit John Coltrane, Ornette Coleman, Duke Ellington, Elvin Jones und Don Cherry in verschiedenen Besetzungen trat der südafrikanische Pianist – wie nun in Esslingen – immer wieder auch solo auf. Den Abschluss des dritten Wochenendes wird am 16. Oktober das Trio des tunesischen Oudspielers Dhafer Youssef gestalten, der für eine Fusion aus nordafrikanischer Musik und Jazz steht und sein Projekt „Sounds of Mirrors“ ins Neckar Forum mitbringt. Im Vorprogramm spielt die Festivalband – junge Jazzerinnen und Jazzer, die bereits beim renommierten Jazzfestival in Vienne in einem Workshop zusammengearbeitet haben und die nun in Esslingen ihr Programm perfektionieren.
Das Kulturzentrum Dieselstraße setzt dann am 22. Oktober den Schlusspunkt, wenn die französische Sängerin Leïla Martial mit ihrem Trio „BAA BOX“ eine charmante und komödiantische Performance von außergewöhnlicher Spannung verspricht.

adi / Foto: Veranstalter


Abgestimmt!

Es gibt Diskussionen, ob Krankenkassen Kosten für Homöopathie übernehmen sollen. Die Grünen streiten über die ärztliche Fortbildung in dem Bereich. Setzen Sie auf Globuli?

Foto: dpa

Auf Globuli setzen?

  • Ja! (53% )
  • Nein! (47% )
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Eine spannende Mischung

„ES funkelt“, die „Wein-Lounge“ und der Tag des offenen Denkmals sorgen in Esslingen am Wochenende für viel Betrieb

Genuss, Geschichte, Einkaufserlebnis: Am kommenden Wochenende lässt sich in Esslingen tief ins Leben eintauchen. Die „Wein-Lounge“, die lange Einkaufsnacht „ES funkelt“ sowie Tag und Nacht des offenen Denkmals sorgen für viel Betrieb.
Einkaufen bis Mitternacht heißt es bei „ES funkelt“ am Samstag, 10. September. Viele Geschäfte in der Innenstadt öffnen bis 24 Uhr, auch die Gastronomen machen einen Besuch Esslingens bis in die späten Abendstunden schmackhaft. Doch geht das Angebot des Abends über das reine Shoppen und Speisen hinaus. Die Geschäfte haben kreative Aktionen angekündigt. Die Straßen werden illuminiert. Ein „Lichtermarkt“ findet im Anschluss an den Wochenmarkt auf dem Marktplatz statt. Beim Nachtflohmarkt werden Kunsthandwerk, Antiquitäten, Upcyclingprodukte, Dekoratives und mehr angeboten, die Stände ziehen sich vom Rathausplatz über die Ritterstraße bis zum Blarerplatz. Eine Modenschau wird es geben, Sternentänzer treten auf, als „leuchtende Highlights“ sind Stelzenläufer angekündigt. Für Live-Musik sorgen in der Küferstraße Michael Niederkofler mit seiner Ukulele und der Singer-Songwriter Stefan Brog.
Mit der „Wein-Lounge“ hält ein neues Festformat Einzug in Esslingen. An zehn Ständen können auf dem Hafenmarkt überwiegend Tropfen aus der Stadt und der Region genossen werden, auch werden Speisen angeboten. Geöffnet ist das Weindorf von Freitag bis Sonntag, 9. bis 11. September, jeweils von 11 bis 23 Uhr. Die Viertelesschlotzer sollen dabei – wenn es nach den Veranstaltern Enzo Messinese und Markus Hägele geht – auch mit den Wengertern ins Gespräch kommen. Im Vordergrund soll die Begegnung stehen, Musik soll für einen angenehmen Hintergrund sorgen.
Die erste Esslinger „Wein-Lounge“ soll laut Messinese nicht nur Genuss-, sondern auch ein bisschen Messecharakter mitbringen. Sie solle den Wein, den Weingärtner und die Geschichte rund um den Wein neu ins Rampenlicht rücken. Angesprochen werden sollen etablierte Viertelesschlotzer aber auch die junge Vino-Generation. Und da mit einem Winzer-Generationenwechsel viel Dynamik in die Wein-Metropolregion Stuttgart gekommen sei, biete sich auch einem erfahrenen Genießer manche Überraschung. Das Angebot sei breit, facettenreich und durch alle Güteklassen gestreut, kündigen die Veranstalter an.
Esslingen kann mit einem ordentlichen Pfund an historischer Bausubstanz wuchern. Und da die Stadt auch noch Sitz des Landesdenkmalamts ist, ist es kein Wunder, dass sie zur Stätte der landesweiten Eröffnung des Tags des offenen Denkmals auserkoren wurde. Dadurch bleibt es allerdings nicht nur beim Tag, sondern wird es auch eine Nacht des offenen Denkmals geben. Beides wird damit in Verbindung gebracht, dass vor 50 Jahren das Denkmalschutzgesetz Baden-Württembergs erlassen wurde.
Am Samstag, 10. September, steht ab 17 Uhr die öffentliche Auftaktveranstaltung in der Stadtkirche St. Dionys auf dem Plan. Zurück in die Vergangenheit geht es dann ab 18 Uhr: Viele Denkmale dürfen bis weit in die Nacht hinein kostenfrei besichtigt werden. Nach Angaben der Veranstalter werden die ältesten Fachwerkhäuser und Sakralbauten aus der Zeit des Stadtausbaus ebenso präsentiert wie jüngere Bauten, etwa die Schelztor-Sporthalle. Es geht auf Tore und Türme, aber auch in mittelalterliche Gewölbekeller. Musik gibt es auch. Von 20.45 bis 21.30 Uhr werden in der Innenstadt im Wechsel Alphörner, das Glockenspiel und Trompeten zu hören sein.
Am Sonntag, 11. September, stehen beim Tag des offenen Denkmals ab 11 Uhr Führungen, Vorträge, Besichtigungen, Ausstellungen und Stadtrundgänge auf dem Programm, es werden Einblicke auch in sonst verschlossene Sehenswürdigkeiten gewährt. Der Gastgeber, das Landesamt für Denkmalpflege in der Berliner Straße 12, macht ebenso mit wie die städtischen Museen mit einem Programm für Groß und Klein. Das ausführliche Programm kann unter dem Stichwort „Tag des offenen Denkmals“ unter www.esslingen.de abgefragt werden.

hin / Foto: Ines Rudel