Bädern steht Wasser bis zum Hals

Eintrittspreise in den Esslinger Schwimmbädern sind um 15 Prozent gestiegen – Trotzdem hohes Defizit

Schwimmen, planschen und im Wasser entspannen ist teurer geworden: Die Esslinger Bäder haben ihre Eintrittspreise zum Jahreswechsel um 15 Prozent erhöht. Die Beckenmieten für Vereine und die Schulpauschalen wurden ebenfalls angehoben. Die Tarifänderung beschloss der Esslinger Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Weihnachtspause. Begründet wird der Schritt mit den hohen Ausgaben, dem steigenden Defizit, der Sanierung des Merkel’schen Schwimmbades und einer generellen Kostenunterdeckung.
Die Schwimm- und Freibäder sind nach Darstellung der Stadtverwaltung in ein unruhiges Fahrwasser geraten. Die Verwaltung rechnet vor, dass die Einrichtungen nicht kostendeckend betrieben werden könnten. Das Ergebnis für 2019 wird mit einem Minus von 2,39 Millionen Euro angegeben. Für 2022 wird sogar ein Defizit von 2,84 Millionen Euro vorhergesagt. Das Minus muss von der Stadt getragen werden. Durch die Erhöhung der Eintrittspreise könnten in diesem Jahr aber Mehreinnahmen von etwa 300 000 Euro erzielt werden. Unter Berücksichtigung der ­Sanierungsarbeiten im Merkel’schen Bad würden 2023 Mehreinnahmen von 160 000 Euro in die Kassen gespült. Für 2024 wird der Betrag mit 80 000 Euro angegeben. Ab dem Jahr 2025 erwartet die Verwaltung dann wieder Mehrerlöse von rund 300 000 Euro.
Zur Begründung der Tariferhöhung werden zudem die Preise in Einrichtungen in den Nachbargemeinden herangezogen. Ein Vergleich zeige, dass eine Tariferhöhung unter Berücksichtigung des Wettbewerbs vertretbar sei. Finanzbürgermeister Ingo Rust betonte, als Orientierungshilfe hätten nicht nur die Preise im Umland, sondern auch die Lohn- und Gehaltssteigerungen vergangener Jahre gedient. In der Sitzungsvorlage wird auf die Preisstabilität der vergangenen Jahre verwiesen. Der Eintritt in die Esslinger Bäder sei zuletzt mit Beschluss des Aufsichtsrates vom 15. November 2016 angepasst worden. Die Beckenmieten für Vereine und die Schulpauschale seien 2014 festgezurrt worden.
Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag der Verwaltung mit fünf Gegenstimmen von der Linken und FÜR Esslingen zu. Rust zerstreute in der Sitzung alle Illusionen über eine finanzielle Gesundung der städtischen Finanzen durch die höheren Eintrittspreise: „Die Bäder bleiben Zuschussbetriebe.“ Auch nach der Anhebung der Tarife werde nur ein Kostendeckungsgrad von 42 Prozent erreicht. Die Stadt müsse also immer noch 58 Prozent der Ausgaben tragen: „Daran wird deutlich, dass die Bäder weiterhin einen hohen Stellenwert für uns haben.“
Rusts Statement führte zu Diskussionen im Gremium. Martin Auerbach (Die Linke) positionierte sich gegen die Tarifanhebung: „Wir werden der Preiserhöhung nicht zustimmen. Bei explodierenden Energiepreisen und der hohen Inflation wollen wir die Kosten nicht an Bürgerinnen und Bürger mit kleinem Geldbeutel weiterreichen.“ Rena Farquhar (FDP) stellte den Zeitpunkt der Maßnahme in Frage. Coronabedingt seien die Leistungen in den Bädern reduziert worden. Karin Pflüger (CDU) schlug vor, den Eintritt für die Sauna im Merkel’schen Bad zu reduzieren. Coronabedingt könne nur ein Drittel der Einrichtung genutzt werden.
Doch Rust winkte ab: Man habe sehr viel über die Zeitmodelle diskutiert. Ziel sei es gewesen, möglichst vielen Menschen einen Bäderbesuch zu ermöglichen. Und natürlich wolle man wieder zu den normalen Öffnungszeiten zurückkehren. Es seien zusätzliche Angebote ins Programm aufgenommen worden. Er rate dazu, nicht zu sehr die Einzeleintritte im Blick zu haben, sondern lieber die besonders günstigen Saisonangebote: „In Coronazeiten die Preise zu senken, halte ich für schwierig. Schließlich steigt das Defizit, wenn weniger Besucher kommen.“ Vor allem im Wellnessbereich seien die Kosten sehr hoch.

meb/sw / Foto: Roberto Bulgrin


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