Behörde statt Pflegeschule

Landkreis ändert seine Pläne für das ehemalige Plochinger Krankenhaus – Die Stadt sieht’s positiv

Behörde statt Pflegeschule

Das ehemalige Plochinger Krankenhaus wird nicht wie geplant zum Gesundheitscampus, sondern zu einer Außenstelle des Esslinger Landratsamtes. Rund 280 Arbeitsplätze der Kreisverwaltung sollen in dem Gebäude auf dem Stumpenhof angesiedelt werden. Die zen­trale Krankenpflegeschule, die nach den bisherigen Plänen dort vorgesehen war, kommt dagegen nach Nürtingen.

Zunächst war geplant, die beiden Krankenpflegeschulen in Ruit und Nürtingen sowie die Weiterbildungsakademie der Kreiskliniken im ehemaligen Krankenhaus auf dem Stumpenhof unterzubringen. Dafür hat der Kreis auch schon einen Förderantrag beim Land eingereicht. Den will er nun zurückziehen, denn die Vorzeichen haben sich geändert.

So will die Bundesregierung die Ausbildung in den Pflegeberufen reformieren: Künftig soll es nur noch eine gemeinsame Ausbildung für die drei Bereiche Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege geben. Das Bundeskabinett hat den Entwurf des „Pflegeberufereformgesetzes“ bereits beschlossen, derzeit durchläuft er das parlamentarische Verfahren. Ab 2018 könnte dann die neue Ausbildung greifen. Nürtingen ist unter diesen Vorzeichen der bessere Standort, denn die dortige Pflegeschule der Kreiskliniken bietet bereits jetzt im Modellversuch eine Kombi-Ausbildung an. Zudem kann an der benachbarten Fritz-Ruoff-Schule die Fachhochschulreife erworben werden. Dort könnte man also auf bestehende Strukturen aufbauen, sich räumlich vergrößern und die Ruiter Pflegeschule inte­grieren. Auch die Fort- und Weiterbildungsakademie der Kreiskliniken soll nun nicht nach Plochingen umziehen, sondern bleibt bis auf Weiteres an ihrem jetzigen Standort in Kirchheim.

Das ehemalige Krankenhaus möchte der Landkreis dagegen komplett zu Büros umbauen, wofür er einschließlich Brandschutz rund 4,5 Millionen Euro investieren muss. Das Gesundheits- und Veterinäramt, das inhaltlich auch zu
einem Gesundheitscampus gut passte, ist mit seinen rund 80 Mitarbeitern schon vor einem Jahr eingezogen. Nun sollen weitere Zweige der Kreisverwaltung mit rund 200 Arbeitsplätzen folgen. Denn es herrscht Platznot im Amt, die Zahl der Stellen bei der Kreisverwaltung ist vor allem durch die Betreuung von Flüchtlingen stark angestiegen – und wird es noch weiter tun.

Im ehemaligen Krankenhaus könnten rund 4000 Quadratmeter Bürofläche entstehen. Es muss dafür von den Kreiskliniken an den Landkreis übergeben werden; juristische und steuerliche Details werden noch geprüft. Zudem sind im Rahmen eines „Sonderkontingents“ derzeit noch knapp 100 irakische Flüchtlinge – Frauen und Kinder – im Krankenhaus untergebracht. Diese könnten aber nach nebenan ins ehemalige Personalwohnheim umziehen, das ja nach dem neuen Konzept nicht mehr für Krankenpflegeschüler gebraucht wird.

In Plochingen kann man mit dieser Variante gut leben, weitere Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien willkommen, sagt Bürgermeister Frank Buß. Sie kämen ja dem Stadtteil Stumpenhof und seinen Geschäften zugute. Auch der Gedanke an eine psychiatrische Ambulanz, die eigentlich im ehemaligen Krankenhaus hätte entstehen sollen, wird weiter verfolgt. Das bestätigt die Pressereferentin der Kreiskliniken, Iris Weichsel: „Derzeit werden entsprechende Räumlichkeiten zur Unterbringung dieser Einrichtung in Plochingen geprüft.“  aia / Foto: aia


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