Beide Gemeinden sind Gewinner

Statt einen Interimskindergarten mit Containern zu errichten, bringt Altbach  die Kleinen vorübergehend in Deizisau unter

Die Pläne waren bereits weit fortgeschritten: Auf dem Freigelände der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach sollte ein Interimskindergarten in Containerbauweise eingerichtet werden. Erst Anfang Juli hatte der Gemeinderat grünes Licht für das Projekt gegeben. Aus Sicht der Gemeinde wurde nun aber eine bessere Lösung gefunden: Im benachbarten Deizisau wird im Februar das neue Kinderhaus „Himmelblau“ eröffnet. Dort gibt es freie Plätze, die bis zu 35 Kinder aus Altbach nutzen können, die drei Jahre oder älter sind.

„Es ist eine Win-Win-Situation“, sagt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs. Für seine Gemeinde besteht der Vorteil der Vereinbarung darin, dass das neue Kinderhaus neben der Gemeindehalle besser ausgelastet ist als es ohne die Kinder aus der Nachbargemeinde der Fall wäre. Deizisau habe das Kinderhaus mit Blick in die Zukunft gebaut. Es wird voraussichtlich erst in den kommenden Jahren vollständig mit Kindern aus Deizisau belegt werden. „Mittelfristig hätte auch ein zweizügiger Kindergarten gereicht“, meint Matrohs. Die Gemeinde rechne aber langfristig durch die  Ausweisung  neuer Baugebiete und innergemeindlicher Nachverdichtung peu à peu mit wachsenden Kindergartenanmeldungen. Zunächst wird das Kinderhaus mit drei Gruppen starten. Platz gibt es aber für bis zu vier Gruppen.

Der Vorteil für Altbach liegt darin, dass die Kinder in einem festen Gebäude statt in Containern betreut werden können. „Es ist eine gute Lösung“, meint der Altbacher Bürgermeister Martin Funk. Die Anbindung aus seiner Gemeinde sei kein großes Problem. „Es sind keine großen Entfernungen“, sagt Funk. Dass der Anfahrtsweg für manche Eltern ein Wermutstropfen sein könnte, ist dem Schultes aber bewusst. Deshalb bekommen Eltern auf Antrag 20 Prozent der Kindergartengebühren von der Gemeinde Altbach rückvergütet. Genauere Informationen sollen Eltern zeitnah mit einem Rundschreiben und bei zwei Informationsabenden erhalten.

Altbach hätte für die Aufstellung der Container voraussichtlich knapp eine Million Euro bezahlen müssen. Für die Belegung von 35 Betreuungsplätzen in Deizisau könnten dagegen „nur“ rund 650 000 Euro bis August 2025 fällig werden.

Ein weiterer Vorteil der  Vereinbarung könnte darin bestehen, dass das Gelände mit der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Altbach früher verkauft werden könnte. Der Erlös des Grundstücksverkaufs soll in den Umbau der alten Schule fließen. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von mehr als vier Millionen Euro.

Dass die Gemeinde Altbach nun Kinderbetreuungsplätze in Deizisau belegt, liegt an der langen Suche nach einem geeigneten Standort für einen neuen Kindergarten in Altbach. Inzwischen wurde zwar die alte Schule als neuer Kindergartenstandort bestimmt. Bis die  notwendigen Planungen und Umbauten erfolgt sind, wird es aber noch Jahre dauern. In dem neuen Kindergarten sollen einmal bis zu drei Gruppen betreut werden können. Die 35 Plätze in Deizisau hat sich Altbach bis zum Ende der Sommerferien 2025 gesichert. Weitere 35 Plätze wurden in Altbach unlängst im Kindergarten St. Franziskus sowie im Waldkindergarten geschaffen. Insgesamt gibt es damit 249 Plätze. Zuzüglich der Plätze in Deizisau hofft Altbach nun, allen Eltern einen Kindergartenplatz anbieten zu können.

Am Standort des neuen Kinderhauses in Deizisau stand früher ein Wohnhaus mit zwölf Sozialwohnungen. Alle Bewohner hätten eine andere Wohnung bekommen, betont Matrohs. Im dritten Stock des neuen Kinderhauses seien außerdem erneut fünf Wohnungen gebaut worden, die für Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein vorgesehen seien. 

Für die beiden Gemeinden ist diese Art der Zusammenarbeit beispielhaft. „So etwas gibt es in der näheren Umgebung nicht“, sagt  Matrohs. Für Altbach und Deizisau reihe sich dieses Projekt in viele andere gemeinsame Unternehmungen ein, etwa zwischen Vereinen, bei der neuen Krankenpflegestation oder im Bereich der Schulen. 

bra / Foto: Philipp Braitinger


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