Betrieb wie in der Großfamilie

Tageseltern bieten flexible Betreuung – Großer bürokratischer Aufwand – Förderung in allen Kommunen des Landkreises

Betrieb wie in der Großfamilie1

Sylvia Rauch, Ochsenwang, und Tageskind Charlie
Sylvia Rauch, Ochsenwang, und Tageskind Charlie

Bei Tageseltern werden Kinder auch früh morgens, in den Abendstunden oder am Wochenende betreut. Viele Eltern greifen deshalb auf die Tagespflege zurück, während viele Kommunen sie brauchen, um ausreichend Betreuungsplätze nachzuweisen. Mittlerweile fördern alle 44 Gemeinden im Kreis Esslingen, ebenso wie der Landkreis selbst, die Betreuung durch Tagesmütter und Tagesväter. Das hat deren Situation verbessert. Aber im Detail steckt noch manche Tücke.

Sylvia Rauch hat regelmäßig Frühstücksgäste. „Da ist dann auf einen Schlag Leben im Haus“, sagt die Tagesmutter aus Ochsenwang. Eine ganze Reihe von Kindern überbrückt bei ihr die Zeit bis zum Kindergartenbeginn oder Schulbus. Andere verbringen die Mittagsschließzeit des Kindergartens bei Familie Rauch, wieder andere sind über längere Zeit am Tag da. „Das ist ein großes Kommen und Gehen“, sagt Sylvia Rauch, die in den vergangenen sieben Jahren insgesamt 22 Tageskinder betreut und selbst zwei Kinder im Alter von sieben und neun Jahren hat.

Lange war Tagespflege vor allem für Kleinkinder gefragt. Seit einiger Zeit wird sie auch für ältere Kinder als Ergänzung zur Kita oder Schule immer wichtiger. „Wir haben eine große Nachfrage nach Randzeiten“, sagt Sibylle Schober, die Geschäftsführerin des Tageselternvereins Kreis Esslingen. Wenn Eltern schichten, wenn sie abends oder am Wochenende arbeiten, reichen die institutionellen Angebote nicht aus. Tageseltern sind hier unschlagbar flexibel. Das kommt ihnen selbst nur begrenzt zugute, denn die baden-württembergische Verwaltungsvorschrift für die Tagespflege schreibt vor: Maximal fünf Kinder dürfen gleichzeitig betreut werden, maximal acht Verträge dürfen Tageseltern insgesamt abschließen. Wenn Kinder nur eine Stunde am Tag oder nur zwei Wochen in den Ferien kommen, blockieren sie folglich einen kompletten Platz. Das gehe am Alltag vorbei, sagt Sylvia Rauch. Nur fünf Kinder gleichzeitig, das kann sie halbwegs nachvollziehen. „Aber warum darf ich nur acht Verträge haben?“

Der Tageselternverein Esslingen arbeitet seit langem daran, die Situation der Tageseltern zu verbessern. So wurde eine Vereinbarung mit dem Landkreis erreicht: Dieser garantiert eine Entlohnung von 5,50 Euro pro Kind und Stunde und übernimmt die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Deren andere Hälfte soll einer Empfehlung zufolge die Kommune tragen, in der das betreute Kind wohnt. Seit kurzem hat sich mit Ohmden die letzte Gemeinde im Landkreis dieser Regelung angeschlossen. Mancherorts kommt die Gemeinde auch für Urlaubs- und Krankheitstage auf, die Tagesmütter können dort entsprechende Fehlzeiten dokumentieren und deren Ausgleich beantragen. Das ist allerdings ganz unterschiedlich. Wenn Tageseltern Kinder aus verschiedenen Gemeinden betreuen, müssen sie sich – da der Wohnort des Kindes zählt – mit den jeweiligen Regelungen und Ansprechpersonen auseinandersetzen.

Den Grundbetrag von 5,50 Euro bekommen sie dagegen vom Esslinger Landratsamt, das seinerseits wieder mit den Eltern abrechnet. Für eine mögliche Ausstattungspauschale für Kinder unter drei Jahren ist wiederum das Land zuständig. „Die Krux ist, dass die selbstständige Tagespflegeperson ganz unterschiedliche Ansprechpartner hat“, sagt Sibylle Schober. Sylvia Rauch erlebt das als enormen bürokratischen Aufwand, sehr viel Zeit müsse sie mit Papieren verbringen.

Das kann die 45-Jährige mit niemandem abrechnen, ebenso wenig wie die Elternarbeit. „Jede Betreuung hat Vorlauf“, sagt sie, und auch später stünden immer wieder Elterngespräche an. Schließlich haben Tageseltern wie Erzieherinnen einen Bildungsauftrag und beobachten die Entwicklung ihrer Schützlinge: „Das wird bisher überhaupt nicht bezahlt“. aia / Foto oben: Tageselternverein, Foto unten: aia


Eine Antwort auf „Betrieb wie in der Großfamilie“

  1. Wir haben unser Kleinkind seit einiger Zeit bei der Tagespflege. Interessant zu erfahren, dass immer mehr Kinder auch im Kindergarten- oder Schulalter diese Option nutzen. Wir werden sehen, ob sich unsere berufliche Situation bis dahin verändert hat, oder ob wir ebenfalls diesen Weg gehen.

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