„Blaue Flecken sind unerwünscht“

Dominik Bruntner aus Hochdorf ist Mister Germany 2017 – Der 23-Jährige will bodenständig bleiben – Weiter beim TV Hochdorf kicken

Wer würde nicht gerne eine Woche mit den Finalistinnen der Miss-Germany-Wahl verbringen? Dominik Bruntner aus Hochdorf fliegt in diesen Tagen mit den 22 Missen der Endauswahl nach Fuerteventura: Das gehört zu den Aufgaben des amtierenden Mister Germany, ähnlich wie er mittlerweile bei einer ganzen Reihe von Wochenenden als Jurymitglied bei den verschiedenen Landesfinalen mitwirkte.

Der 23-Jährige kann gut mit den Kandidatinnen mitfühlen und ihre Nervosität nachvollziehen. Schließlich ist es noch nicht lange her, dass er sich selbst um den Titel „Schönster Mann Deutschlands 2017“ bewarb. Am 10. Dezember trat er in Linstow im Kreis Rostock gegen 16 weitere Kandidaten an – wobei die Herren sich einmal im Anzug, einmal oben ohne präsentierten. Qualifiziert hatte sich der Schwabe, als er im November zum Mister Baden-Württemberg gewählt wurde. Auf der anderen Seite, in der Jury, fühle man sich schon deutlich entspannter als auf dem Laufsteg, sagt er.

Angesichts seiner vielen Termine ist es gar nicht leicht, mit dem Hochdorfer einen Termin zu bekommen. Am ersten Morgen nach der Wahl zum Mr. Germany riefen schon die ersten Radiostationen, Fernsehsender und Printmedien an. Und auch die zehn Tage danach habe „von morgens bis abends das Telefon durchgeklingelt“, sagt er.

Seitdem ist der 23-Jährige ständig unterwegs, obwohl er eigentlich sehr heimatverbunden ist. In Hochdorf ist er aufgewachsen, dort wohnt er noch immer – derzeit gerade auf dem Sprung, aus dem Elternhaus in eine WG mit einem Freund zu ziehen.

Er wird in diesem Jahr viele Orte und viele neue Menschen kennenlernen, das ist mit dem Titel „Schönster Mann Deutschlands“ verbunden. Ein geregelter Tagesablauf ist beim Modeln ohnehin nicht drin. Das weiß Bruntner, der diese Karriere im Nebenjob begann und seit einem Jahr ganz auf diese Karte setzt. Begonnen hat alles, als ihn ein Fotograf auf Facebook „entdeckte“ und zum Fotoshooting einlud. Das war vor sieben Jahren und Bruntner machte mit, zumal ihm ein paar schöne Bilder als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter gelegen kamen. Weil das Ganze sehr gut lief, bewarb er sich auf Anraten des Profis bei einer Agentur und bekam erste Aufträge.

Zunächst hatte Bruntner Indus­triekaufmann in einer Reichenbacher Firma gelernt und war dort nach dem Abschluss noch ein Jahr lang angestellt. Dann wechselte er ganz in die Schönheitsbranche, modelte für Haarpflegeprodukte, für Sportmarken, für Mode. Auch in der Bravo-Fotostory war der 1,87-Meter-Mann mit blauen Augen und dunkelbraunen Haaren schon zu sehen. Insgesamt ist die Modebranche nach wie vor sehr weiblich, Männer seien da schon immer in der Minderheit, erzählt er. Dass sich vier Männer unter 40 Frauen wiederfinden, ist bei Modelterminen nicht selten.

Frauen bekämen in dieser Branche mehr Jobangebote und mehr Geld, andererseits könne ein Mann den Beruf lange ausüben: Auch Herren mit grauen Schläfen und ein paar Charakterfalten im Gesicht sind durchaus noch gefragt. Für Frauen ab spätestens 35 werde es dagegen schwierig, auch wenn sich die Stimmung langsam wandle.

Bis zu den grauen Schläfen braucht der 23-Jährige aber noch nicht zu denken, vorerst hat er mehr als genug zu tun. Dass sich „Türen öffnen“, dass er interessante Begegnungen hat, das erhofft er sich von seinem Jahr als Mister Germany. Ein zweites Mal kann man sich für diesen Titel nicht bewerben. Aber es gibt ja auch noch den Mister World: „Warum nicht?“, sagte Dominik Bruntner, als er in der SWR-Landesschau gefragt wurde, ob er sich eine Kandidatur bei diesem Wettbewerb vorstellen könnte.

Ebenso vorstellbar ist für ihn, irgendwann in den Büroalltag zurückzukehren. Überhaupt wirkt der junge Mann ganz und gar nicht abgehoben. Dass seine natürliche und unverkrampfte Ausstrahlung bei der Mister-Germany-Wahl zu seinem Sieg beitrug, kann sich Dominik Bruntner gut vorstellen, schließlich machte er auch gegen deutlich muskulösere und durchtrainiertere Typen das Rennen. Mehrmals pro Woche Fitnessstudio stand aber im Vorfeld auch bei ihm auf dem Programm. Das wird weiterhin dazugehören, außerdem spielt der Hochdorfer gern Tennis und Fußball. Er hofft, weiterhin beim TV Hochdorf, wo er seit der Kindheit kickt und Freunde hat, aktiv bleiben zu können. Ganz einfach wird das nicht: Zum einen verpasst er aufgrund von Terminen nun häufig das Training, zum anderen sind blaue Flecken beim Modeln unerwünscht. Trotzdem will er es versuchen, denn „ganz ohne Fußball kann ich halt auch nicht“.            aia / Foto: dpa


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