Breit gefächerte Kundschaft

Die Mobile Tafel in Wernau versorgt seit zehn Jahren  Menschen mit kleinem Einkommen mit Lebensmitteln

Seit zehn Jahren öffnet die Mobile Tafel in Wernau immer donnerstags ihre Tür für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Sie bekommen dort gute Lebensmittel zum günstigen Preis. Gleichzeitig finden Lebensmittel, die im Supermarkt aussortiert wurden, so noch eine Verwendung.

Im April 2010 öffnete die Mobile Tafel in Wernau zum ersten Mal. Treibende Kräfte waren der damalige katholische Pfarrer Wolfgang Schrenk und die Wern­auerinnen Ulrike Mack-Landhäußer und Gabriele Rauer. Sie fanden im Carisatt-Laden in Esslingen den idealen Partner. Dort werden die Lebensmittel bei verschiedenen Spendern eingesammelt, dann sortiert und für den Verkauf vorbereitet. Immer donnerstags fährt ein Transporter nach Wernau und nach Wendlingen, um die dortigen Ausgabestellen zu bestücken. Einige Stunden später kommt er wieder vorbei und nimmt Übriggebliebenes wieder mit. Ergänzend nehmen die Ehrenamtlichen vor Ort aber auch weitere verpackte und haltbare Lebensmittel von Bürgern an, außerdem steuert die Bäckerei Hunn frische Backwaren bei.

Drei Freiwilligenteams, geleitet von Heike Benske, Helga Krause und Bernhard Boos, wechseln sich mit dem Betrieb der Mobilen Tafel in Wernau ab. Sie wissen nie genau, was der Transporter am jeweiligen Tag mitbringt. Aber kistenweise Gemüse und Obst sind immer dabei, auch Kartoffeln und Brotwaren sowie verpackte Sachen wie Milchprodukte, Reis, Zucker oder Konserven. Die Ware  kostet maximal ein Drittel des handelsüblichen Preises, oft  deutlich weniger. Gelegentlich kaufen die Ehrenamtlichen auch etwas dazu, was nur selten unter den gespendeten Waren ist – das ist dank der Geldspenden, die die Mobile Tafel bekommt, zum Glück möglich. Auch Dinge wie Schulranzen oder -mäppchen oder Schoko-Nikoläuse können die Helferinnen und Helfer immer mal wieder günstig auftreiben.

Ihre Kundschaft ist breit gefächert, Rentenbezieher, Alleinerziehende, Geflüchtete gehören dazu. Rund 60 Personen in der Stadt werden von der Mobilen Tafel versorgt, die Zahl der Bedürftigen und Berechtigten dürfte aber noch deutlich größer sein. Voraussetzung für den Einkauf ist ein Berechtigungsausweis, der gegen den Nachweis des geringen Einkommens direkt vor Ort in der Mobilen Tafel ausgestellt wird. Zur Zeit des großen Flüchtlingszuzugs war der Andrang weitaus größer als aktuell, damals haben die Teams ein System entwickelt, das einen geordneten Ablauf garantiert: Eine halbe Stunde vor Öffnung der Tafel ziehen die Anwesenden Nummern, die nach dem Zufallsprinzip die Einkaufsreihenfolge regeln. Das wird akzeptiert und ist auch jetzt in der Corona-Zeit hilfreich.

Während der Hochphase der Pandemie im Frühjahr musste die Mobile Tafel mehrere Wochen lang schließen. Denn damals wurden die Supermärkte und Discounter nahezu leergekauft, für die Tafeln blieb nicht genug übrig. Mitte Mai konnte dann die Ausgabestelle in Wernau wieder öffnen. Auf ihren 25 Quadratmetern Verkaufsfläche gelten strenge Corona-Regeln: Nur drei Freiwillige sind gleichzeitig im Laden und tragen Mund-Nasen-Schutz, ebenso wie die Kunden, die einzeln eingelassen werden. Das dient auch dem Schutz der Ehrenamtlichen, von denen die meisten zur älteren Generation gehören. Die eingespielten Teams, die den Verkauf vor- und nachbereiten, Berechtigungsausweise ausstellen und den Kontakt zur Kundschaft haben, sind die tragenden Säulen der Tafel – ohne sie gäbe es diese Einrichtung nicht.  aia / Foto: Stadt Wernau


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