Büchereiplaner gehen in die Tiefe

Esslinger Bibliothek im Bebenhäuser Pfleghof wird modernisiert und erweitert – Probebohrungen in der Webergasse

Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat im Wahlkampf oft betont, die Stadtbücherei sei „der zentrale Bildungs- und Kulturstandort“ der Stadt. Doch die Bibliothek stößt immer deutlicher an ihre Grenzen, der Sanierungsstau zeigt Wirkung. Seit den 90er-Jahren wird über eine Erweiterung und Modernisierung diskutiert – nun sollen den vielfachen Bekundungen Taten folgen. Ein architektonisches Konzept wurde bereits vor zwei Jahren ausgewählt und kann seither öffentlich in der Stadtbücherei begutachtet werden. Hinter den Kulissen laufen derweil die nächsten Planungsschritte auf dem Weg zur Bibliothek der Zukunft. Dazu gehört auch, dass die Gebäudesubstanz und der Baugrund genauer untersucht werden müssen. Im Inneren der Bücherei wurde schon einiges untersucht – demnächst stehen einige Bohrungen entlang der Webergasse an. Welche Arbeiten geplant sind, hat die Stadtverwaltung nun in einer Informationsveranstaltung für die Anwohner erläutert.
Der Architekturwettbewerb zur neuen Bibliothek liegt bereits zwei Jahre zurück, und Oliver Wannek, der technische Betriebsleiter des Eigenbetriebs Städtische Gebäude Esslingen (SGE), betont: „Wir waren seither nicht untätig.“ Aktuell sei man dabei, den preisgekrönten und einhellig gelobten Siegerentwurf weiterzuentwickeln, das Raumprogramm zu optimieren und die Planungen voranzutreiben. Parallel dazu läuft eine Bürgerbeteiligung, die sicherstellen soll, dass die Wünsche und Erwartungen des Publikums in der neuen Bibliothek erfüllt werden und dass sich auch neue Nutzerinnen und Nutzer von den Angeboten überzeugen lassen. Die Bibliothek der Zukunft soll „kein Büchertempel sein, sondern ein Ort, an dem sich ganz unterschiedliche Menschen gerne aufhalten“, erklärt SGE-Projektleiter Philipp Kopper. Geplant ist der viel zitierte „dritte Ort“ der Identifikation neben Wohnung und Arbeitsplatz, der unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden und möglichst viele Esslingerinnen und Esslinger ansprechen soll.
Philipp Kopper nahm die Anwohnerinnen und Anwohner in der Informationsveranstaltung im Saal des CVJM-Hauses mit auf einen virtuellen Spaziergang durch die verschiedenen Geschosse der geplanten neuen Bibliothek. Er zeigte, wie sich das Gebäude in die historische Altstadt einfügen soll und wie die einzelnen Bereiche innerhalb des Gebäudekomplexes zwischen Heu- und Webergasse, zu dem künftig auch das Nachbarhaus Heugasse 11 gehören wird, angeordnet werden. Auf Nachfragen zu Gebäudehöhen und -abständen verwiesen Wannek und Kopper darauf, dass man sich noch in einem frühen Planungsstadium befinde und dass noch vieles im Fluss sei. Außerdem hätten die Anwohner im Zuge des Genehmigungsverfahrens ausgiebig Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Die Stadt will weiterhin regelmäßig über den Planungsstand berichten. Aktuell befindet man sich in der Vorentwurfsphase, danach soll die eigentliche Entwurfsphase beginnen.
Während hinter den Kulissen die Pläne für die neue Bücherei im Bebenhäuser Pfleghof weiterentwickelt werden, sind vorbereitende Arbeiten demnächst auch nach außen hin sichtbar. Voraussichtlich wird es vom 18. bis 20. Mai oder vom 23. bis 25. Mai einige Probebohrungen entlang der Webergasse geben. So wird die Beschaffenheit des Baugrunds im Bereich der nicht denkmalgeschützten Nanzhalle, die einem Neubau weichen soll, genauer un­tersucht. Da die Arbeiten mit einem sogenannten Kleinbohrgerät mit Geräuschen verbunden und kurzzeitige Verkehrsbehinderungen in der Webergasse zu erwarten seien, wollte die Stadt rechtzeitig informieren. Philipp Kopper geht jedoch davon aus, dass sich die Auswirkungen der Baugrunduntersuchung für die Anwohner in Grenzen halten werden.

adi / Foto: Roberto Bulgrin


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