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Stadt übernimmt Teil der Kosten

Schaden im Kemnater Hallenbad war wohl nicht versichert – Wiedereröffnung für Frühjahr geplant – Spendenaktionen

Die Stadt Ostfildern und die ehrenamtliche Hallenbad­initiative bleiben mangels Versicherung wohl auf dem Schaden sitzen, den eine defekte Leitung am ersten Weihnachtsfeiertag im Kemnater Hallenbad verursacht hat. Damals waren 160 000 Liter Wasser aus dem Becken in den Keller des Gebäudes gelaufen. Die Ursache ist mittlerweile geklärt. „Dass die Pumpe ausfiel, lag an einem Defekt in der Wasserleitung“, sagt Marcus Bienzle, der sich bei der Hallenbadinitiative um die Technik kümmert. Weil die Stadt, der das Gebäude gehört, für das Leitungsnetz offenbar keine Versicherung abgeschlossen hatte, ist der Fall in finanzieller Hinsicht nach Bienzles Worten klar. Dennoch gibt es für den Verein auch eine gute Nachricht. „Die Stadt Ostfildern wird sich an den Kosten beteiligen“, teilte der Sprecher der Stadtverwaltung, Dominique Wehrle, mit. Schon im Laufe des Frühjahrs will die Initiative das Bad in der Hagäckerstraße wieder öffnen.
Dass eine ehrenamtliche Initiative ein Hallenbad in Eigenregie betreibt, ist in der Region eine Besonderheit. Das Modell besteht in Kemnat seit dem Jahr 2005. „So haben wir die drohende Schließung des Bades abgewendet“, sagt Bienzle. Der Verein kümmere sich kontinuierlich um die Wartung der Anlagen im Gebäude. An Weihnachten sei die Pumpe kaputt gegangen, weil offenbar zu viel Wasser aus der Leitung geströmt sei, erläutert Bienzle. „Das war kein menschliches Versagen“, stellt Bienzle klar, der auch Vorsitzender des TV Kemnat ist. Obwohl die Vereinsmitglieder das Bad mit dem 25-Meter-Becken täglich kontrollierten, sei ein Großteil des Beckeninhalts in den Keller gelangt – dort sei die gesamte Technik des Bads untergebracht. Um die gewaltigen Wassermengen abzupumpen, war die Feuerwehr ausgerückt. Dass die Stadt für diesen speziellen Fall wohl nicht versichert ist, verwundert Bienzle. Nun müsse man das Beste aus der Situation machen.
Dass die Stadt sich an der Schadensregulierung beteiligen wird, steht für Dominique Wehrle außer Frage: „Wer welche Kosten übernimmt, werden wir nun mit der Initiative klären.“ Dass der Leitungsschaden die Ursache für das Auslaufen des Wassers war, bestätigt er. Weshalb die Leitungen am Gebäude nicht mitversichert sind, vermag Wehrle hingegen nicht zu beantworten. Das sei ein komplexer Fall. Ganz die Hoffnung aufgegeben hat man im Rathaus offenbar noch nicht. „Die Stadt prüft und verhandelt zurzeit noch, ob andere Versicherungen greifen“, so Wehrle. „Wichtig ist uns, dass wir jetzt alles tun, damit das Kemnater Bad möglichst schnell wieder genutzt werden kann.“
Was die Sanierung genau kosten wird, kann Marcus Bienzle noch nicht genau beziffern. Er geht derzeit von Kosten um 70 000 Euro aus, „was sich aber jederzeit ändern kann, wenn wir entsprechende Angebote bekommen“. 280 Arbeitsstunden hätten die Mitglieder der Initiative bereits jetzt in die Arbeiten am Hallenbad investiert. Bienzle ist froh, „dass wir mit den Stadträten und mit der Verwaltung in einem so guten Dialog sind“. Er ist zuversichtlich, dass der Verein die Mehrkosten für die nun anstehenden Sanierungsarbeiten schultern kann. Dennoch setzt der Verein nicht nur auf Hilfe von der Stadt, sondern will auch mit einer Spendenaktion Geld für die Arbeiten sammeln.
Katja Behringer, die zum Vorstandsteam der Initiative gehört, leitet auch die Schwimmsportabteilung des Kemnater Turnvereins: „Unsere Schwimmkurse sind sehr gut gebucht.“ Wie wichtig es ist, dass Kinder schwimmen lernen, weiß die erfahrene Trainerin.
Aus dem Lehrplan der benachbarten Pfingstweideschule sei der Schwimmunterricht nicht wegzudenken, sagt die Rektorin Christiane Brüning. Die Pädagogin und ihr Team legen an der Grundschule Wert darauf, dass die Jungen und Mädchen bald schwimmen lernen, „auch wenn das in manchen Familien nicht möglich ist“. Dass das Kemnater Hallenbad nur ein paar Schritte von der Schule entfernt ist, sei ein Privileg. „Viele unserer Kinder haben nun Angst, dass das Hallenbad schließt“, sagt Brüning. Daher hätten einige spontan ausgelesene Bücher verkauft und den Erlös gespendet. Jeden Donnerstag soll es künftig zudem einen Kuchenverkauf in der großen Pause geben.

eli / Foto: privat


Singe, wem Gesang gegeben

Der Männergesangverein Liederkranz Schanbach wird 125 Jahre alt – Fehlender Nachwuchs – Werben um Frauenstimmen

Der Männergesangverein Liederkranz Schanbach ist ein eingeschworener Haufen. In diesem Jahr wird er 125 Jahre alt. Und obwohl bislang nur sangesfreudige Männer mitmachen durften und immer noch dürfen, verwundert es auf den ersten Blick umso mehr, dass der Verein zuletzt ausgerechnet mit einem Workshop-Tag nur für Frauen ins Jubiläumsjahr gestartet ist. Die Resonanz stellte die Verantwortlichen zufrieden. Das Angebot gab es aber nicht ganz ohne Hintergedanke. „Wir planen im Herbst einen Projektchor für Frauen zu machen“, kündigt Bernd Wiedmann an, der den Verein seit 14 Jahren federführend als Vorsitzender leitet. Was sich daraus ergebe, sei völlig offen. Jedenfalls hofft der Liederkranz, dass sich vielleicht einige der Frauen aus dem Workshop für den Projektchor interessieren könnten.
Laut Wiedmann wird es nicht nur für den Liederkranz immer schwieriger, neue Sänger für den Männerchor zu gewinnen. Dass die Idee, Frauen stärker in das Singen einzubinden, nicht ganz neu ist, zeigt ein Blick in die Chronik des 125 Jahre alten Gesangvereins. Im Jahr 1924, also vor fast 100 Jahren, trat ein gemischter Chor bei einer Gesangbuchfeier in der evangelischen Kirche in Schanbach auf. Der Erfolg war wohl so groß, dass die Generalversammlung des Liederkranzes im Jahr 1926 beschloss, bei „besonderen Gelegenheiten“ auch als gemischter Chor zu singen. Allerdings verlor sich dieser damals revolutionäre Ansatz alsbald wieder im Dunkel der Geschichte und ist bis heute laut Wiedmann kein Thema mehr gewesen – oder zumindest fast kein Thema, denn seit 2015 leitet mit Isolde Holzmann eine Frau sowohl den Hauptchor als auch die „Stimmbandschoner“. Während der Hauptchor sich vor allem der klassischen Chormusik verschrieben hat, singen die „Stimmbandschoner“ seit 2010 eher modernere Lieder.
Manche Sänger wie Uwe Gienger, der sich beim Liederkranz um die Finanzen kümmert, singen sogar in beiden Chören. Angefangen hat Gienger vor fünf Jahren bei den „Stimmbandschonern“, doch schon bald machte er auch beim Hauptchor mit. „Der Kameradschaft wegen“, wie er sagt. Der Verein sei schon ein „toller Haufen“ und es mache „einfach Spaß“, zu singen.
Gegründet wurde der Männergesangverein Liederkranz Schanbach im Jahr 1898 von 16 Schanbacher und Krummhardter Sängern. Deshalb hatte der Verein anfangs auch Gesangverein Schanbach-Krummhardt geheißen. Wann er sich schließlich seinen heutigen Namen gegeben hat, ist nicht dokumentiert. Schriftführer Friedbert Krieg vermutet, dass das schon bald nach der Gründung geschehen sein muss. Was aber über 125 Jahre hinweg konstant geblieben ist, ist das Vereinsziel, wie es im Jahr 1898 in den Statuten formuliert wurde: „Der Gesangverein Schanbach-Krummhardt stellt sich die Aufgabe, den Gesang – nach Maßgabe der ihm zu Gebot stehenden Kräfte auch den kirchlichen – zu pflegen, sowie den Mitgliedern gesellige Unterhaltung zu bieten“.
Bis sich der Männergesangverein allerdings eine eigene Fahne leisten konnte, hatte es laut Wiedmann ein paar Jahre gedauert. Sie wurde erst 1903 geweiht und zählt heute zu den wertvollsten Dingen, die der Verein sein Eigen nennt – in ideeller, aber auch in finanzieller Hinsicht. „Damals hatten die Leute einfach nicht so viel Geld“, sagt der Vereinschef. Die benötigten 470 Mark wurden seinerzeit durch Spenden der Mitglieder finanziert. Laut Friedbert Krieg wurde das historische Stück vor zehn Jahren in einer Karlsruher Fahnenfabrik für 3000 Euro restauriert. „Die Kanten gingen langsam weg, und der Stoff hat sich aufgelöst“, erzählt Krieg. Ihm sei damals gesagt worden, dass es heute 40 000 Euro kosten würde, die Fahne von Hand herzustellen. Zu sehen ist sie unter anderem bei den Auftritten der beiden Chöre. 

Info: Proben des Hauptchors finden donnerstags von 19.30 bis 21 Uhr im Vereinsraum der Schurwaldhalle statt, die „Stimmbandschoner“ treffen sich dort alle 14 Tage freitags. Am 22. April steht ein Jubiläumsabend in der Schurwaldhalle an. Am 23. Juli findet ein historisches Sommerfest auf dem alten Festgelände in der Ziegelgasse statt, am 28. Oktober eine Geburtstagsparty in der Schurwaldhalle.

kai / Repro: Andreas Kaier


Weniger Ware, mehr Nachfrage

Immer mehr Menschen strömen in die Tafelläden im Kreis Esslingen – Es trifft die Ärmsten der Gesellschaft

Als sie im Herbst die spärlich befüllten Regale im Esslinger Tafelladen gesehen habe, sei sie erschrocken, erinnert sich Sabine Eckert. Seitdem tut die Esslingerin ihr Möglichstes, um die Einrichtung der Caritas zu unterstützen. Derzeit kaufe sie zwei bis drei Mal pro Woche für die Caritas ein und spende Lebensmittel wie Kartoffeln, Wurst oder Käse. Vor kurzem veröffentlichte sie sogar auf Ebay-Kleinanzeigen, einem schwarzem Brett im Internet, einen Aufruf. „Wer kann noch haltbare Lebensmittel spenden?“, heißt es darin. „Den meisten von uns geht es gut. Was ist dabei, im Angebot mal ein Päckchen Nudeln oder Reis mehr zu kaufen?“
Zwar herrsche noch keine Not, erklärte Mitte Januar Roswitha Marin, die stellvertretende Marktleiterin der Carisatt-Tafel in der Neckarstraße; dorthin sollten die Sachspenden laut Eckerts Aufruf gebracht werden. Doch Marin blickt mit Bauchschmerzen in die Zukunft. Bereits ab 8.30 Uhr stünden teils 50 Kunden vor dem Laden, um ein möglichst breites Sortiment vorzufinden. Drei Stunden bevor das Geschäft öffnet. Immer mehr Menschen, die besonders stark unter den gestiegenen Lebenskosten leiden, kaufen in der Einrichtung ein. Ein Großteil davon seien Geflüchtete aus der Ukraine, stetig landen neue Anmeldungen auf dem Schreibtisch von Marin.
Auch Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands des Landkreises Esslingen, berichtet von einem starken Ansturm auf die Tafelläden. Etwa 30 Prozent mehr Kunden verzeichneten die von der Diakonie betriebenen Geschäfte in Ostfildern, Bernhausen und Leinfelden-Echterdingen. „Und in Bezug auf die gestiegenen Energiekosten erwarten wir auch keine Entspannung“, sagt Haußmann. Sorgen bereiten den Helfern der Diakonie, dass die Lieferungen der Supermärkte abnehmen. Das komme zu großen Teilen daher, erklärt der Chef der Kreisdiakonie, dass sich das Warenmanagement der Discounter verbessere. Es bleibt also weniger übrig. Das trifft die Tafeln schwer – und damit die Bedürftigen.
„Armut ist ein hartes Brot“, sagt Haußmann. So könne die Einführung des Bürgergelds, und damit das höhere Einkommen von Langzeitarbeitslosen, die gestiegenen Kosten bei Weitem nicht ausgleichen. „Diese Leute haben keine Rücklagen. Wenn dann mal die Waschmaschine kaputt geht, dann ist das für die Familien häufig eine Katastrophe“, so seine Erfahrung. Dankbar seien er und seine Kollegen für die vielen Spenden, die sie in der vergangenen Zeit bekommen hätten. Diese hätten nämlich nicht abgenommen. „Das ist eine schöne Kultur im Kreis Esslingen“, sagt der Geschäftsführer, „dass Menschen mit dem Auto vorfahren und Einkäufe für die Tafel vorbeibringen.“ Aber auch Geldspenden helfen den Einrichtungen, den Betrieb am Laufen zu halten – selbst, wenn es nur fünf Euro sind.
In der Esslinger Carisatt-Tafel fehlt es derzeit neben Waren wie Obst und Gemüse, die saisonal im Winter schwieriger zu bekommen sind, vor allem an Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Zucker, Salz, Nudeln, Reis und Konserven. Auch Produkte wie Zahnpasta, Duschgel, Wasch- oder Spülmittel seien sehr willkommen. Es gebe zwar Tage, an denen das Lieferauto des Sozialmarktes voll sei, sagt Roswitha Marin. Genauso komme es auch vor, dass nur wenige Waren zusammenkommen. „Wir können alles brauchen. Von der Zahnbürste bis zur Babynahrung.“
Das Ebay-Gesuch von Sabine Eckert ist inzwischen mehr als 1100 Mal aufgerufen worden. Die Esslingerin hat auch schon Rückmeldung bekommen – positive wie negative. „Jeder Mensch kann in die Armut abrutschen“, sagt Eckert. Deshalb sei es so wichtig, die Bedürftigen zu unterstützen. „Wir sollten die Augen aufmachen“, sagt sie.

Die Tafeln unterstützen
Spenden: Wer den Tafeln mit Sachspenden helfen möchte, erkundigt sich am besten im Vorfeld, welche Artikel benötigt werden. Grundsätzlich sind aber viele Waren willkommen, vor allem lang haltbare Lebensmittel wie Konserven, Nudeln oder Kaffee. Auch ehrenamtliche Helfer, die mit anpacken, werden gesucht.
Einkaufen: Um eine Kundenkarte der Carisatt-Tafel in Esslingen zu bekommen, muss man bestimmte Nachweise zum Lebensunterhalt vorlegen. Dazu zählen Dokumente zu Bürgergeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung. Auch Geringverdiener und alleinerziehende Eltern können dort einkaufen; genau wie Eltern, die mehrere Kinder zu versorgen haben, oder Menschen, die nur eine bescheidene Rente beziehen.  

dcb / Foto: Roberto Bulgrin


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Rudi Völler soll als Nachfolger von Oliver Bierhoff beim DFB bis 2024 den Sportdirektor geben. Wird Völler die Fußballnationalmannschaft wieder auf Kurs bringen?

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Richtet’s Rudi?

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Warmes Essen an warmem Ort

Von 29. Januar bis 12. Februar öffnet die Esslinger Vesperkirche im Gemeindehaus am Blarerplatz ihre Pforten

Gutes Essen ist für alle wichtig. Und wenn die Mahlzeit in angenehmer Gesellschaft und in geheizten Räumen eingenommen wird, schmeckt sie noch besser. Damit auch Menschen mit kleinem Geldbeutel gut satt werden können, starten am 29. Januar die Vesperkirchen in Esslingen und Kirchheim. In Nürtingen werden die Speisen bereits seit Sonntag kredenzt.
In Esslingen läuft die Vesperkirche in diesem Jahr bis 12. Februar und anders als gewohnt ab. Zum ersten Mal werden die Tische nicht mehr in der Frauenkirche, sondern im Gemeindehaus am Blarerplatz gedeckt. Für den Wandel gebe es viele Gründe, sagen Dekan Bernd Weißenborn und Projektleiter Bernd Schwemm. Diese hingen mit der Coronapandemie und der Energiekrise zusammen. Als die Planungen begannen, sei nicht absehbar gewesen, wie es mit den Coronaauflagen weitergehen würde. Deshalb habe sich der Große Saal im Gemeindezentrum am Blarerplatz, dem „Neuen Blarer“, angeboten. Hier ist vieles möglich. Nach Bedarf können die Stühle auf Abstand gestellt und der Raum gut durchgelüftet werden. Zum ersten Mal seit der Pandemie können die Gäste wieder gemeinsam essen, das ist Weißenborn und Schwemm wichtig.
Immerhin steht die Vesperkirche unter dem Motto „Begegnung, Beratung, Zuspruch“ und löst den Auftrag der Kirche ein, Menschen nicht alleine zu lassen. Die Akteure rechnen allerdings mit weniger Zulauf als in den Jahren vor der Pandemie. Diesmal sollen 170 Essen pro Tag auf den Tisch kommen, während es vor Corona bis zu 550 waren. Das frische Essen wird bei dem Esslinger Altenhilfeträger Dienste für Menschen geordert und im Blarer-Gemeindehaus nur noch warm gemacht. Auf diese Weise sei die Esslinger Vesperkirche autark. Es sei gut, die Vesperkirche diesmal bereits Ende Januar in der kalten Jahreszeit zu starten und eine gemütliche Mittagspause im geheizten Gebäude anzubieten, so Weißenborn. Damit lasse sich auch der Anspruch vom „Neuen Blarer“ einlösen, wonach das kirchliche Gebäude das Haus der Esslinger Stadtgesellschaft sein soll.
Abhängig sei die Zahl der Gäste außerdem von der Zahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, und da diese drastisch von 600 auf jetzt nur noch 170 Menschen zurückgegangen ist, können nicht so viele Gäste wie gewohnt versorgt werden. Auch dieser Umstand habe gegen die Frauenkirche gesprochen, wo früher bis zu 70 Menschen pro Tag für den Betrieb der Vesperkirche gebraucht wurden. Im Blarer sei dafür vieles einfacher zu organisieren, weil unter einem Dach: „Es gibt hier allein drei Küchen, und die Sanitäranlagen sind auch vorhanden“, lobt Schwemm. Im Vergleich zu dem hohen Kirchenraum sei der Gemeindesaal mit deutlich weniger Energieaufwand warm zu kriegen.
Für den Rückgang der Ehrenamtlichen zeigen Weißenborn und Schwemm Verständnis. Viele hätten sich im Laufe der Pandemie in der Geflüchteten­arbeit oder bei den Tafeln engagiert, zumal die Vesperkirche 2021 ganz ausfiel und 2022 nur ein Mitnahmeessen anbieten konnte.
Gleich bleibt in diesem Jahr der günstige Preis von 1,50 Euro pro Mittagessen. Es gibt Suppe, Hauptgang, Salat, Kaffee und Kuchen – „und nette Menschen, die Sie bedienen“, heißt es auf dem Informationsblatt. Die Aktion wird erneut getragen von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen und dem Kreisdiakonieverband, die mit der katholischen Kirche Esslingen, der evangelisch-methodistischen Kirche sowie der Caritas Fils-Neckar-Alb kooperieren. Da das Essen stark subventioniert wird, müssen in diesem Jahr rund 40 000 Euro Spenden eingeworben werden. 

Info: Das „Neue Blarer“ ist während der Vesperkirchenzeit von 11.30 bis 14.30 Uhr geöffnet. Die Essensausgabe ist von 12 bis 14 Uhr. Infos auch für Kuchenspenden bei Bernd Schwemm unter Telefon 01 51/54 40 00 98 oder E-Mail: bernd.schwemm@elkw.de.

com / Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger


„Stegi“ schließt im Februar

Nach dem Aus für den „Wurstkessel“ im November macht in Baltmannsweiler nun die Familie ­Stegmaier ihren Laden zu

Am 11. Februar ist endgültig Schluss. Dann schließt auch der letzte „Stegi“ seine Türen für immer. Die Rede ist vom Fachgeschäft für Schreib-, Spiel- und Haushaltswaren, das die Familie Stegmaier 60 Jahre lang in Baltmannsweiler betrieben hat. Damit geht auch das Stegmaier-Stammgeschäft vom Markt. Alle Filialen waren bereits geschlossen worden. In Baltmannsweiler ist das die zweite Schließung eines Einzelhandelsgeschäfts in wenigen Monaten, nachdem bereits Ende November Torsten und Verena Scharpf ihren Lebensmittelladen mit Metzgerei, bekannt als „Wurstkessel“, aufgegeben hatten.
„Seit ein paar Jahren ist der Laden nicht mehr profitabel“, begründet Manfred Stegmaier die Entscheidung, die er gemeinsam mit seinem Bruder Stefan getroffen habe. Die Frage, ob die Schließung typisch für den Niedergang des stationären Einzelhandels sei, bejaht der Betriebswirt zunächst, korrigiert dann aber seine Bewertung. Er wolle das Ganze eher positiv beschreiben und von einem Wandel sprechen, erklärt Manfred Stegmaier, der für den Familienbetrieb bis heute die Bücher führt, während sein Bruder Stefan als Einzelhandelskaufmann und Inhaber für das operative Geschäft zuständig ist. Manfred Stegmaier spricht vom veränderten Kaufverhalten der Kundschaft. Das habe sich seit Ende der 1980er-Jahre abgezeichnet, als die Ladenöffnungszeiten abends verlängert wurden. Auf einmal war es für Familien möglich, nach Feierabend freitags gemeinsam zum Erlebniseinkauf in die Stadt loszuziehen.
In Baltmannsweiler habe sich die Bewegung der Kundschaft weg vom Ortszentrum aber erst mit dem Bau des neuen Edekas an der Landesstraße vor elf Jahren abgezeichnet. Bis dahin habe ihr Laden in der Reichenbacher Straße an einer Art kleinem Marktplatz gelegen. Doch auch das ist längst Geschichte: der Metzger nebenan verstarb ohne Nachfolger, im ehemaligen „Rössle“ machte der kleine Lebensmittelladen dicht, Jahre zuvor schon zog der kleine Edeka einige Hundert Meter weiter und musste als „Wurstkessel“ nun – wie erwähnt – aufgeben.
Auch für die Stegmaiers ist der große Einzelhändler zum Problem geworden. „Edeka verkauft zu unseren Einkaufspreisen“, erläutert Manfred Stegmaier. Während früher das Ortszentrum wie ein Magnet gewirkt habe, ziehe es die Kundschaft nun an den Ortsrand. „Warum soll der Kunde nach Baltmannsweiler reinfahren, wenn er den Kochlöffel auch bei Edeka bekommt“, fragt Stegmaier, der als Geschäftsführer eines internationalen Konzerns arbeitet. Ohne Laufkundschaft könne man aber nicht existieren. Wegen der guten Stammkundschaft und des Teams, das sich „für den Laden zerreiße“, sei ihnen die Schließung nicht leicht gefallen.
„Die Kundschaft ist hier sehr treu“, bestätigt Brigitte Schreiter. Sie stand mehr als 30 Jahre für die Stegmaiers hinter der Ladentheke und zählte genauso wie Carmelo Burtone zur Stammbelegschaft im Wernauer Stegmaier am Stadtplatz, bevor die Konkurrenz der Discounter und Drogeriemärkte die Filiale 2020 unrentabel machte. Bereits ein Jahr zuvor war der Plochinger Betrieb eingestellt worden. Ihr kürzestes Gastspiel gaben die Stegmaiers in den 1990er-Jahren in Reichenbach, wo sich ihr Spielwarengeschäft nach drei Jahren nicht mehr lohnte. Dabei seien die 80er- und 90er-Jahre die beste Zeit gewesen, erinnern sich die beiden Brüder. 1994 habe die Mutter, die noch bis ins hohe Alter mitarbeitete, den Laden übergeben. Immer größer sei der bürokratische Aufwand geworden. Als kleiner Einzelhändler müsse man wegen der digitalen Kassensysteme gleichzeitig EDV-Fachmann sein. Das zermürbe zusätzlich.
Aber flexibel wollen die beiden Brüder auch künftig bleiben, betont Stefan Stegmaier. Er will nicht nur den Abverkauf der Waren aus Baltmannsweiler über seinen Onlineshop organisieren, sondern auch den Verkauf von Schulbüchern ins Netz verlagern und dabei den individuellen Service, den man als kleiner Betrieb bieten könne, beibehalten. Über die Jahre hätten sich enge Kontakte zu Schulen entwickelt. Was mit dem Laden passiert, ist unklar. Eilig haben es die Brüder in dieser Frage nicht, denn das Gebäude ist Familieneigentum.

com/hin / Foto: Roberto Bulgrin


Schnelles Netz rückt in weite Ferne

Insolvenz von Hello Fiber hat sieben Gemeinden kalt erwischt – Erneute Ausschreibung für Glasfaserausbau kostet Zeit

Die Firma Hello Fiber ist nach gut einem Jahr auf dem Markt schon wieder Geschichte: Das Unternehmen Liberty Networks Germany hat für sein Tochterunternehmen Insolvenz angemeldet – die Glasfaseraktivitäten wurden deshalb bundesweit eingestellt. Als Gründe für das Aus werden veränderte gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen wie Inflation, Zinsniveau und steigende Ausbaukosten genannt. Die Pleite von Hello Fiber hat sechs Kommunen im Landkreis Esslingen und eine Gemeinde im Kreis Reutlingen kalt erwischt: Sie werden so schnell keine Anschlüsse ans schnelle Internet bekommen.
Der noch vor wenigen Monaten vollmundig angekündigte Ausbau des Glasfasernetzes in Beuren, Frickenhausen, Erkenbrechtsweiler, Großbettlingen, Kohlberg und Neuffen sowie Grafenberg liegt auf Eis. Bis Ende 2024 sollten den ursprünglichen Plänen von Hello Fiber zufolge dort rund 15 300 Haushalte Zugang zu einem der schnellsten Netze Deutschlands mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde erhalten. Für die Erschließung der Wohn- und Gewerbegebiete in dieser Region wollte das Unternehmen insgesamt rund 236 Kilometer Glasfaserleitungen verlegen. Der Aufbau der Infrastruktur, so hieß es noch im vergangenen Mai bei Liberty Networks Germany, werde unabhängig von der Vermarktung und rein privatwirtschaftlich erfolgen. Doch dazu kommt es jetzt nicht mehr.
Der überraschende Rückzug von Hello Fiber ist laut Frickenhausens Bürgermeister Simon Blessing eine herbe Enttäuschung, schließlich bemüht man sich seit Jahren um eine Verbesserung der unzureichenden Breitbandversorgung im Ort. „Noch in der letzten Sitzung des Gemeinderates im Dezember 2022 bestätigten Vertreter des Unternehmens, dass mit der technischen Umsetzung Anfang dieses Jahres begonnen wird und erste Kunden im Sommer 2023 schnelles Internet bekommen werden“, teilt er der Bürgerschaft auf der Internetseite der Gemeinde mit. Anfang des Jahres dann habe das Rathaus die Mitteilung erreicht, dass Hello Fiber den Ausbau des Glasfasernetzes komplett stoppt.
Die Nachricht hat auch den Zweckverband Breitbandversorgung Landkreis Esslingen überrascht. „Wir haben sie mit großem Bedauern aufgenommen“, sagt Geschäftsführer Markus Grupp. Beim Blick zurück ist jedoch eine gewisse Ernüchterung festzustellen: „Wir haben im Laufe des vergangenen Jahres bei verschiedenen Themen festgestellt, dass die Prozesse noch nicht so eingespielt sind wie bei etablierten Unternehmen, die schon seit Jahren im Ausbau tätig sind.“ Sowohl der Zweckverband als auch die Kommunen hätten das junge Unternehmen „in vielen Punkten daher umso mehr unterstützt, um die Prozesse zu optimieren“.
Die Pleite von Hello Fiber reißt laut Grupp zunächst eine Lücke in die ambitionierten Ausbauplanungen und -aktivitäten im Landkreis Esslingen: „Sie verursacht vor allem auch einen zeitlichen Versatz.“ Jetzt heißt es, alles zurück auf Anfang: Es müssten erneut Förderanträge gestellt werden, „die Suche und die Bewertung neuer Angebote beginnen von Neuem“. Die Firmen müssen sich dann mit ihrem Ausbaukonzept den jeweiligen Gemeinderäten vorstellen, die wiederum über die Vergabe zu entscheiden haben, erklärt der Geschäftsführer das Prozedere. Der gesamte Prozess dauerte bei Hello Fiber in Frickenhausen zum Beispiel mehr als zehn Monate. Der Zweckverband Breitbandversorgung befindet sich nun im engen Austausch mit den betroffenen Kommunen. „Dabei verfolgen wir zwei Lösungsansätze“, erläutert Markus Grupp. Zum einen werde man die zurückgestellten Förderanträge für Schulen, Gewerbegebiete und die sogenannten weißen Flecken, also Gebiete mit weniger als 30 Mbit pro Sekunde Downloadgeschwindigkeit, „wieder aktivieren und schnellstmöglich zur Ausschreibung bringen“. Zum anderen sei der eigenwirtschaftliche Wettbewerb für diese Kommunen wieder eröffnet, teilt Markus Grupp mit.
Der wichtigste Akteur im Glasfaserausbau in der Region Stuttgart ist die Telekom. Im Landkreis Esslingen will das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr Glasfaser in 17 Kommunen verlegen, um Schulen, Gewerbegebiete und Haushalte in bislang unterversorgten Gebieten mit modernen Internetanschlüssen zu versorgen.

eh / Foto: dpa


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Seit dem Wochenende findet die Urlaubsmesse CMT in Stuttgart statt. Haben Sie Ihre Reise schon gebucht fürs Urlaubsjahr 2023?

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Der Probebetrieb startet

Vom 23. Februar an werden auf neuer Route pro Stunde höchstens zwei Flüge nach Süden geführt – Klagen werden erwogen

Der Probebetrieb auf der neuen Route für Flüge in den Süden beginnt am 23. Februar. Damit wird die umstrittene Änderung umgesetzt, für welche sich die für den Flughafen Stuttgart zuständige Fluglärmkommission mehrheitlich ausgesprochen hatte. Die Genehmigung zur Publikation sei vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) bereits erteilt, sagt Arved Saur, der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS).
Durch den steileren Steigwinkel der abfliegenden Maschinen in östliche Richtung werden die Kommunen Denkendorf, Neuhausen, Wolfschlugen, Nürtingen-Hardt, Aichtal und mit Abstrichen auch Köngen neu von Lärm betroffen sein. Dort hatten sich Gegner in Bürgerinitiativen formiert und mehr als 15 000 Unterschriften gegen die Pläne gesammelt. Höchstens zwei Flüge pro Stunde dürfen über die neue Route geführt werden – ob das überhaupt möglich ist, hängt allerdings von der Wetterlage ab. Damit sollen stark vom Lärm betroffene Kommunen im Neckartal wie Deizisau, Altbach und Plochingen entlastet werden.
Gegner der neuen Route hatten ein unabhängiges Gutachten gefordert. Die Expertise ergab, dass bei der Belastung nur „Verschiebungen im Promillebereich“ zu erwarten seien, wie es der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Ostfilderns Rathauschef Christof Bolay, formulierte.
Um die tatsächlichen Auswirkungen für die neu betroffenen Gebiete zu evaluieren, hatte Bolay den einjährigen Probebetrieb angeregt, der nun im Frühjahr beginnen soll. „Es ist durchaus üblich, solche Verfahren zunächst in einem Probebetrieb zu testen“, sagt Arved Saur von der DFS. Am Ende des Probebetriebs werden die Erkenntnisse ausgewertet und in der Fluglärmkommission beraten.

Mobile Messstation im Einsatz
Noch vor dem eigentlichen Start beschäftigt der Probebetrieb die betroffenen Kommunen. Die Fluglärmkommission wird den Testlauf mit einer Arbeitsgruppe begleiten. Dabei werden auch die Kommunen gehört, die nicht als feste Mitglieder in dem Gremium vertreten sind. „Es ist wichtig, dass wir am Ende belastbare Ergebnisse unter realen Bedingungen bekommen“, sagt Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh, der wie Nürtingen und Aichtal keinen festen Sitz in der Kommission hat. Seine Kommune wird verhältnismäßig stark betroffen sein. Ihm ist es wichtig, dass bei den Auswertungen die Einzelschallereignisse berücksichtigt werden, „gerade dann, wenn es um Flüge in den Morgenstunden geht“.
Um die tatsächliche Verschiebung der Lärmbelastung bewerten zu können, haben die Kommunen ein Messkonzept ausgearbeitet, das der Flughafen Stuttgart umsetzt. Neben den fest stationierten Lärmmessstationen in den Anrainerkommunen ist auch eine mobile Messstation im Einsatz. Das Konzept sehe vor, die Lärmwerte vor und nach Inbetriebnahme der neuen Route zu messen. Auf dieser Grundlage wird die Fluglärmkommission dann die Ergebnisse nach einem Jahr betrachten und entscheiden, ob die Flugroute in den Dauerbetrieb geht.
In den kommunalen Gremien wird die Einreichung einer Feststellungsklage gegen die neue Route diskutiert. Wolfschlugens Kommunalpolitiker hatten sich im Vorfeld für den Klageweg ausgesprochen. Auch die Mehrheit des Nürtinger Gemeinderats hat sich dafür ausgesprochen, Oberbürgermeister Johannes Fridrich zu beauftragen, eine Klage auf Feststellung der Rechtswidrigkeit für die neue Flugroute zu beantragen. Zusammen mit Aichtal und Wolfschlugen wolle man sich die Kosten für dieses Verfahren teilen. „Wir werden den Probebetrieb kritisch begleiten“, sagt indes Rolf Keck, der Sprecher der Bürgerinitiativen gegen die neue Route.


Unmut in den Kommunen
Die Fluglärmkommission hatte die Routenänderung im stark lärmbelasteten Umfeld des Flughafens vorgeschlagen – hinter verschlossenen Türen war sie bereits seit 2018 geplant worden. Gemeinsam mit Experten der Flugsicherung haben die Piloten Oliver Hasenbein von Eurowings und Valentin Reinhardt von der Lufthansa die alternative Streckenführung ausgearbeitet. In den Kommunen hatte Unmut ausgelöst, dass ausgerechnet Vertreter der Fluggesellschaften die Pläne in den Gemeinden vorstellten. Nach dem knappen Votum der Fluglärmkommission mit sechs Ja-, fünf Neinstimmen und fünf Enthaltungen lag die endgültige Genehmigung in Händen des BAF.

eli/Foto: Horst Rudel