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Noch kein Sieg in dieser Saison, wieder Heimspiel verloren, Platz im Tabellenkeller: Machen Sie sich schon (wieder) Sorgen um den VfB Stuttgart?

 

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Reha-Zentrum zieht ins QBUS

Die Nanz-medico-Gruppe wird auf gut 2000 Quadratmetern auch in Esslingen eine ZAR-Dependance eröffnen

Diese Nachricht könnte für eine gesunde Entwicklung des neuen, aber in der Bürgerschaft noch ungeliebten QBUS auf dem alten ZOB sorgen: Die Nanz-medico-Gruppe wird mit einem Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR) mehrere Etagen in dem neuen Wohn-, Gewerbe-, Einzelhandels- und Gastrokomplex am Esslinger Bahnhof belegen. Das Familienunternehmen mit Sitz in Stuttgart betreibt eigenen Angaben zufolge unter dem Namen ZAR bereits mehr als 30 Zentren für ambulante Rehabilitation in ganz Deutschland – darunter auch in Stuttgart und Tübingen. Und es ist auf Expansionskurs: Auch im künftigen Einkaufszentrum Nürtinger Tor in der Hölderlinstadt soll ein ZAR entstehen.
Für die Eigentümerfamilie Nanz sei das Engagement in Esslingen eine Rückkehr zu den Wurzeln, heißt es in einer Pressemitteilung der LBBW. Schließlich habe Vorfahre Theodor Nanz einst unweit des QBUS vor rund 120 Jahren sein allererstes Geschäft gegründet – einen Kolonialwarenhandel. Hans-Udo Baku, Mitarbeiter der LBBW-lmmobilien-Gruppe und Projektleiter des QBUS, freut sich über den langfristigen Mietvertrag. Das neue Reha-Zentrum mitten in der Stadt sei sowohl für die Stadt als auch für die Patienten ein „absoluter Gewinn“. Zudem würden damit in größerem Umfang Arbeitsplätze geschaffen. ZAR stehe seit 1996 für Rehabilitation, Therapie und Gesundheitsleistungen, heißt es in der Mitteilung der LBBW. Mittlerweile habe sich Nanz medico zum größten Anbieter für ambulante Rehabilitationsleistungen in Deutschland entwickelt. Das Spektrum reiche von der mehrwöchigen Rehabilitation im Heilverfahren über Anschlussbehandlungen nach dem Krankenhaus bis hin zur medizinisch-beruflich orientierten Reha. Darüber hinaus biete man Nachsorgeprogramme, Therapie auf Rezept, Rehasport oder Präventionsprogramme an.
„Wir wollen Reha, Therapie und Gesundheitsleistungen dorthin bringen, wo die Menschen sie benötigen“, so Geschäftsführer Markus Frenzer über den neuen Standort in Esslingen. Der bringt mit seiner zentralen Lage direkt bei dem Bahnhof, dem Ärztezentrum im Einkaufszentrum Das ES und den Krankenhäusern in Stadt und Nachbarschaft auch für die Anbieter beträchtliche Vorteile. „Die gute Erreichbarkeit, unsere Vernetzung zu Kliniken und Ärzten der Region und aufeinander abgestimmte Angebote sind beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Therapie“, erhofft sich Frenzer auch von dem neuen ZAR-Ableger, an dem die Patienten nach ihrem Programm jeden Tag wieder in ihr gewohntes Umfeld nach Hause gehen können.
„Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der rund 25 000 Patienten, die wir jährlich stationär behandeln, die Möglichkeit einer ambulanten Weiterbehandlung in Esslingen gerne in Anspruch nehmen werden“, kommentiert denn auch Matthias Ziegler, Geschäftsführer des Klinikums Esslingen, die Nachricht.
Der Neubau soll im ersten Halbjahr 2023 fertig sein. Der Rewe-Markt im Erdgeschoss des dahinterliegenden Parkhauses, das ebenfalls zu der Immobilie gehört, wird bis zur Berliner Straße erweitert. Zudem entstehen im QBUS eine Mobilitätsstation sowie 1650 Quadratmeter für gastronomische Einrichtungen. Mit der Vermietung der mehr als 2000 Quadratmeter für das ZAR sind noch 500 Quadratmeter Büroflächen im ersten Obergeschoss frei. Weiterhin beherbergt der fünfgeschossige Komplex 132 Mikroapartments und 19 Penthouse-Wohnungen.
Die Stadt will das Umfeld des Neubaus aufwerten, der von den Bürgern vor allem wegen seiner Massivität kritisiert wird. Auf der Berliner Straße soll eine Fahrspur dem Gehwegbereich vor dem QBUS zugeschlagen werden, sodass die Gastronomie die Möglichkeit zur Außenbewirtschaftung hat. Zudem will die Stadt den Bahnhofsplatz über die Berliner Straße hinweg erweitern.

biz / Foto: Ines Rudel


Ringen um den Radschnellweg

Plochingen will seinen Landschaftspark schonen – Esslingen diskutiert über Trasse am Nord- oder Südufer des Neckars

Eigentlich will das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) noch in diesem Jahr die Vorplanung für die rund 20 Kilometer lange Radschnellwegtrasse zwischen Esslingen und Reichenbach abschließen. Bislang strampeln sich die Planer aber noch an zwei Hürden ab: In Plochingen will der Gemeinderat auf keinen Fall eine Asphaltstrecke durch die Streuobstwiesen im Landschaftspark Bruckenwasen haben. Jetzt hat er einen Alternativvorschlag nach Stuttgart geschickt. Und die Stadt Esslingen hatte sich zuletzt zwar schon darauf festgelegt, dass die Trasse auf ihrer Markung ab dem Alicensteg auf der Südseite des Neckars Richtung Deizisau geführt werden soll. Auf welcher Flussseite sie zwischen der Markungsgrenze Stuttgart bis dahin aber verlaufen soll, wird noch einmal überprüft.
Für diesen ersten Esslinger Streckenabschnitt hatten die Planer bislang wegen der kreuzungsfreien Linienführung und dem höheren Nutzerpotenzial die Nordseite des Neckars favorisiert. Aus Sicht des Rathauses wäre der auch deshalb attraktiv, weil mit dem anschließenden Schwenk beim Landratsamt auf die andere Uferseite die Sanierung des maroden Alicenstegs mitfinanziert werden könnte. Es gibt jedoch auch Stimmen im Gemeinderat, die eine neue Neckarbrücke weiter flussabwärts für funktionaler und die Südroute über die Pliensauvorstadt für weniger konfliktbehaftet halten.
Auch die Plochinger Ratsrunde hat den Stuttgarter Planern für einen Teil der geplanten Trassenführung schon grünes Licht gegeben. Einig ist man sich mit dem RP, die neue Radlerstrecke von Deizisau kommend am südlichen Rand des Landschaftsparks Bruckenwasen entlang der Kreisstraße zu führen und über eine neue Brücke etwa unter dem Plochinger Dreieck aufs östliche Neckarufer zu leiten. Doch ab da scheiden sich bislang die Geister: Die Planer wollen die Radler am liebsten durch die Streuobstwiesen des östlichen Landschaftsparks und unter der bestehenden Bahnunterführung beim Fischerheim ins Filsgebiet leiten. Doch der Bruckenwasen ist für den Plochinger Gemeinderat tabu, zudem befürchtet die Stadt in der schmalen Bahnunterführung zu viel Gedrängel. Jetzt hat hat sich der zuständige Ausschuss einstimmig hinter eine Alternativroute gestellt, die das eigene Verbandsbauamt als Ausweg aus der Sackgasse entwickelt hatte.
Diese aktuelle Plochinger Wunschtrasse lehnt sich an eine schon länger bestehende Variante mit einer neuen Bahnunterführung nördlich der Wernauer Kläranlage an. Die war dem RP aber bislang zu teuer, zu zeitaufwendig und zu schwierig. Zumal sie dann weiter entlang der Bundesstraße hätte verlaufen sollen – inklusive massiver Höhenunterschiede und langer Rampen. Auch der neue Vorschlag aus Plochingen braucht die neue Unterführung, führt dann aber anschließend nicht bergaufwärts entlang der B 10, sondern schwenkt ins Filsgebiet ab, das die Stadt ohnehin komplett neu ordnen will. Dann soll es südlich entlang der Fils weiter in Richtung Reichenbach gehen – bislang hatte Plochingen das Nordufer der Fils bevorzugt.
Diese Streckenführung käme bei der neuen Bahnunterführung mit wesentlich kürzeren Rampen aus und könnte den bestehenden Zufahrtsweg südlich der Fils nutzen. Sie bräuchte im weiteren Verlauf Richtung Reichenbach zwar eine weitere Brücke. Dafür würde der Ersatz der alten Filsbrücke, die die Stadt im Zuge der Neuordnung ihres Gewerbegebiets plant, finanziell nicht zulasten des Radschnellwegs verbucht. Allerdings hat auch diese Trasse ihre Tücken: Sie braucht teils private Grundstücke, zudem müssen die Interessen eines landwirtschaftlichen Betriebs und der Kleintierzüchter berücksichtigt werden. Der Bürgermeister Frank Buß: „Wir sind überzeugt davon, dass das der bessere, schnellere und fahrradfreundlichere Weg ist.“
Diese Überlegungen waren bereits im März Thema eines Ortstermins mit Vertretern aus dem RP sowie Plochingen und Wernau. Verbandsbauamtsleiter Wolfgang Kissling zufolge hat es seitens der Nachbarstadt positive Signale gegeben. Und die RP-Vertreter hätten zugesagt, die Vorschläge in ihre Planungsüberlegungen einzubeziehen. Bereits die Machbarkeitsstudie des Landkreises von 2019 hatte für diesen Abschnitt eine neue Bahnquerung und eine ähnliche Streckenführung ausgewiesen.

biz / Foto: Roberto Bulgrin


Mehr als nur ein Planschbecken

Auch im Kreis Esslingen wird bei Hallenbädern gespart – Schließungen könnten schwere Folgen haben

Die Energiekrise zwingt das gesamte Land dazu, massiv Strom und Gas zu sparen. Das betrifft vor allem Kommunen und führte so weit, dass das Bundeskabinett kürzlich eine umfangreiche Energiesparverordnung erlassen hat. Darin steht beispielsweise, dass öffentliche Gebäude nur noch auf maximal 19 Grad beheizt werden dürfen. Auch welche Gebäude wann und wie lange beleuchtet werden dürfen, ist darin geregelt. Viele Städte und Gemeinden im Südwesten sehen aber noch in einem anderen Bereich ein hohes Einsparpotenzial: In den Schwimm- und Hallenbädern. Diese sind meist Zuschussbetriebe und verschlingen viel Energie.
Erste Kommunen in der Region haben deshalb beschlossen, nicht nur die Hallen- und Wassertemperatur herunterzusetzen, sondern die Betriebe vorübergehend ganz einzustellen. So haben beispielsweise die Hallenbäder in Albstadt nach den Sommerferien nicht geöffnet. Neben Freizeitsportlern und Wellness-Fans leiden darunter vor allem Sportvereine sowie Kinder und Jugendliche. Ihnen werden Möglichkeiten genommen, schwimmen zu lernen und dies zu üben. Ein Blick in den Landkreis Esslingen zeigt, dass auch dort Sparmaßnahmen getroffen werden. Schließungen sind bei den befragten Betreibern bislang noch nicht geplant – können aber nicht ausgeschlossen werden.
Nachdem bekannt wurde, dass im Ostalbkreis Hallenbäder den Betrieb einstellen werden, um Energie zu sparen, veröffentlichte der Württembergische Landessportbund (WLSB) einen Appell an die Städte und Gemeinden im Land: „Die Hallenbäder müssen offen bleiben“, heißt es darin. Wenn nicht, säßen nämlich die Schwimmkurse der Sportvereine ebenso wie der Schwimmunterricht wieder auf dem Trockenen.
Sollte es tatsächlich auch im Landkreis Esslingen zu Bäderschließungen kommen, könnte das aus Sicht von Carola Orszulik schwerwiegende Folgen haben. Sie ist die Geschäftsführende Vorständin des SSV Esslingen. Der größte Sportverein der Stadt braucht nicht nur für seine Leistungssportler Wasserflächen, sondern vor allem auch, um Kindern und Jugendlichen Schwimmunterricht zu bieten. „Ich halte das für gesellschaftlich unverantwortlich und zu kurz gedacht“, sagt Carola Orszulik über mögliche bevorstehende Bäderschließungen.
Diese könnten nämlich ein Problem, mit dem der SSVE und viele weitere Vereine im Südwesten schon seit Langem zu kämpfen haben, zusätzlich verschärfen: Ihnen fehlen generell Trainingsmöglichkeiten. So hat die Stadt Esslingen ohnehin verhältnismäßig wenige Wasserflächen zu bieten. Dem Gegenüber steht die Problematik, dass in der Coronapandemie über einen langen Zeitraum weder Schwimmunterricht noch -kurse möglich waren und viele Kinder Nachholbedarf haben, erklärt Orszulik. Derzeit herrsche eine extrem hohe Nachfrage nach Kursen. „Der Stau löst sich einfach nicht auf.“ Die Traineranzahl und das Know-how seien nicht das Problem, der Verein könnte dahingehend noch mehr auffahren. Doch es fehle an Wasserflächen. Würden zusätzliche Flächen wegfallen, habe das große Auswirkungen.
Eine gute Nachricht: Die angefragten Bäderbetriebe in Esslingen, Altbach und Wernau planen nicht, im Herbst und Winter den Betrieb einzustellen. Zunächst wollen sie versuchen, andere Mittel zu nutzen. So wird im Altbacher Hallenbad, das mit Fernwärme versorgt wird, die Wassertemperatur auf 27 Grad herabgesetzt. Weil es als Sport- und Gesundheitsbad genutzt wird, „sollte die Wassertemperatur für die Badegäste noch erträglich bleiben“, erklärt Karolin Stollsteimer, die im Rathaus für den Betrieb zuständig ist. Außerdem soll die Steuerungstechnik optimiert werden. Ähnliches gilt für Wernau, wo sowohl das Hallenbad als auch die Wellness-Landschaft im Quadrium wieder geöffnet haben. Das Wasser wird dort statt 28 nur 26 Grad haben. Zudem sind die Ticketpreise gestiegen.
Auch in den Hallenbädern der Stadtwerke Esslingen, dem Merkel’schen Bad und dem in Berkheim, müsse möglicherweise die Becken- und Raumtemperatur angepasst werden, heißt es in einer Mitteilung. Und eine Schließung könne nicht ausgeschlossen werden.

dcb / Foto: Ines Rudel


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Die Queen ist tot, es lebe der King. In Großbritannien wird aus dem Prinzen König Charles III. – im Alter von 73 Jahren. Hat Charles das drauf?

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Kann Charles König?

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Auf der Burg gehen die Lichter aus

Stadt und Stadtwerke Esslingen präsentieren Konzept zum Energiesparen – Plan mit Gutschriften für Gassparfüchse

Beim Gedanken an den Winter läuft es manchem eiskalt den Rücken herunter. Diese Bedenken haben ihre Berechtigung, meint Jörg Zou. Der Esslinger Stadtwerke-Chef rechnet mit einer Verdreifachung der Gaspreise. Zudem könne es bei der Energieversorgung zu Engpässen kommen. Gewerbetreibende müssten sich auf Einschränkungen einstellen. Privatleute seien weniger von den Folgen einer möglichen Energieknappheit betroffen. Doch solche Prognosen erfolgten immer unter Vorbehalt: Die Entwicklung hänge auch davon ab, wie kalt oder wie mild der Winter werde. Das Verhalten der Russen könne auch niemand vorhersagen. Dennoch wollen sich Stadtwerke und die Stadt Esslingen auf die Situation einstellen und Energie sparen.
Ohne Opfer geht es nicht, stellte Finanzbürgermeister Ingo Rust klar. Die Stadt tue, was notwendig, aber vor den Bürgern vertret- und zumutbar wäre. Zu den Reaktionen auf die Energiekrise zählte er in den Sporthallen die Absenkung der Raumtemperatur auf 17 Grad, eine niedere Temperatur bei Duschen und Warmwasser sowie eine geringere Heizung von Verkehrsflächen wie Fluren. Die Sporthallen sollen zudem künftig in den Schulferien nur noch für den Leistungs- und Spitzensport geöffnet haben.
Die Esslinger Burg, die Mettinger Kirche und der Turm der Frauenkirche bleiben im Dunkeln, Straßenbeleuchtungen werden eingeschränkt. Sicherheitsbedenken ließ Rust nicht gelten: Die Beleuchtung werde an die Nachtzeiten angepasst. Nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang sei es bis zu eine Stunde hell – in dieser Zeit würden die Laternen ausgeschaltet. Durch diesen Schritt sei das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger nicht beeinträchtigt.
Und noch eine Bemerkung war Rust wichtig: Kinder- und Anfängerschwimmkurse würden nicht gestrichen. Lediglich die Babyschwimmkurse würden entfallen, da sie sehr hohe Wassertemperaturen erfordern. Energie solle in den Bädern aber durch die Absenkung der Wasser- und Raumtemperaturen, die Außerbetriebnahme des Warmsprudlerbeckens und die Anpassung der Saunabetriebszeiten am Vormittag gespart werden.
Kritik übte der Finanzbürgermeister an dem zögerlichen Verhalten des Landes. Für die Kindergärten und Schulen würde es keine Empfehlungen zum Umgang mit der aktuellen Situation geben. Hier bestehe dringend Handlungsbedarf, da die Richtlinien auch umgesetzt werden müssten. Die Regelungen dürften nicht in das Ermessen jeder Kommune gestellt werden, da sonst ein Ungleichgewicht entstehen würde.
Städtische Mitarbeiter müssen sich im Winter aber warm anziehen. In den Büroräumen wird eine Raumtemperatur von 19 Grad festgezurrt. An den Wochenenden und nachts soll die Heizung noch weiter nach unten gedreht werden. Verkehrsflächen wie Flure oder Lagerräume sollen ebenfalls weniger geheizt werden. Vor einer Erkältungswelle und einem hohen Krankenstand fürchtet sich die Stadtspitze nicht. Er gehe nicht davon aus, dass seine Mitarbeitenden ihren Tätigkeiten im Parka nachkommen müssten, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Aber der Dresscode müsste angepasst werden. Mit einem Rolli unterm Anzug seien die Raumtemperaturen kein Problem.
Die Stadtwerke Esslingen (SWE) schnallen ebenfalls den Energiegürtel enger. Der Aufbau von Fotovoltaikanlagen, die vermehrte Nutzung von Wasserstoff sowie der Auf- und Ausbau des Nah- und Fernwärmenetzes der SWE sollen für Einsparungen sorgen, erklärte Jörg Zou. Geplant sei der Ausstieg aus fossilen Erzeugungsanlagen, die Energieberatungen für Verbraucher sollen ausgebaut werden. Ein Bonbon hält der Jörg Zou für Sparfüchse bereit: Wer weniger Gas verbraucht, bekommt Geld zurück (Anmeldung unter www.swe.de). Sinkt der Verbrauch um zwölf Prozent, könnte eine Gutschrift in Höhe von 80 bis 100 Euro erfolgen. Sparen tue not. Die Gasspeicher seien derzeit zu 85 Prozent gefüllt. Gesetzlich seien aber 90 bis 95 Prozent vorgeschrieben.

sw / Foto: Horst Rudel


Hochprozentiger Einsatz für die Natur

Die vier Obst- und Gartenbauvereine in Ostfildern wollen weg vom angestaubten Image – Eigener Schnaps ist ein Anfang

Wettbewerbe für den schönsten Blumenschmuck im Ort und Baumschneidekurse im Winter – das fällt einem normalerweise zur Arbeit der Obst- und Gartenbauvereine (OGV) ein. Doch das war gestern. In Ostfildern mit gleich vier eigenständigen Vereinen hat sich in den vergangenen Jahren ein grundsätzlicher Wandel vollzogen. „Weg vom angestaubten Image“, so lautet die Devise. „Wir sind heute ein äußerst motivierter, lebendiger Verein“, sagt Oliver Galle, der Vorsitzende des OGV Kemnat. „Unser Ziel ist, die Natur zum Erlebnis zu machen.“ Mit Erfolg, wie sich an den steigenden Mitgliederzahlen, gerade unter jungen Familien, ablesen lässt.
Der Jahreskalender ist voll mit Aktionen und Veranstaltungen. „Vor allem mit den Schulen und Kitas machen wir sehr viel“, erklärt Galle. Saft pressen, auf Wiesen die Welt der Insekten erkunden, einen Imker besuchen, Kartoffelernte, Betreuung des Schulgartens – den pädagogischen Auftrag nehme man im Verein sehr ernst. Aber auch junge Familien möchte man gezielt ansprechen. Mit den Kollegen aus den benachbarten Vereinen wolle man ein 8100 Quadratmeter großes Grundstück bei Ruit pachten, das Familien für gemeinsame Veranstaltungen nutzen können. Überhaupt peile man unter den Obst- und Gartenbauvereinen ein verstärktes Miteinander an. Der Oberbürgermeister Christof Bolay habe dafür seine Unterstützung zugesagt, so Galle.
Was aus einer solchen Kooperation erwachsen kann, zeigte sich Ende Juni beim „Gartentraum“ auf dem früheren Gartenschaugelände im Scharnhauser Park. Viele Besucherinnen und Besucher genossen bei traumhaftem Wetter das vom Amt für Kultur und Vereine der Stadt Ostfildern angestoßene neue Format: Begegnung, Markt und Austausch zu allen Themen des Gärtnerns. An mehr als 30 Ständen wurden Pflanzen, Dekoration, Obst und Gemüse angeboten. Eine tragende Rolle spielten dabei die heimischen Obst- und Gartenbauvereine. „Das war für uns alle eine tolle Sache“, findet Matthias Noske, der beim Verein in Kemnat aktiv mitmischt. Für den „Gartentraum“ konstruierte er ein Smoothie-Fahrrad. Mit einem Bike aus Schrottteilen konnte jeder Besucher einen Küchenmixer antreiben, der Obst und Gemüse für einen leckeren Trunk verarbeitete. Der Upcycling-Gag kam gut an, genauso wie die anderen Angebote der Vereine, zum Beispiel das beliebte Schlürferle, ein Gemisch aus Apfelsaft, Sekt und Most, das schon bei der Landesgartenschau 2002 ein Renner war.
Und natürlich der eigene Schnaps, der 2018 erstmals gebrannt wurde. Die gute Obsternte damals habe den Anstoß gegeben für eine Gemeinschaftsaktion der besonderen Art, berichtet Harald Eggert, der stellvertretende Vorsitzende des OGV Ruit, Parksiedlung und Scharnhauser Park. Bei einem Kennenlerntreffen der Vereinsvorstände habe man vereinbart, erstmals miteinander etwas auf die Beine zu stellen. Warum nicht einen Schnaps aus Ostfilderner Streuobst? Gesagt, getan. Mit 400 Liter Maische haben die Hobbybrenner vor vier Jahren angefangen. Das ergab etwa 40 Liter Hochprozentiges. 2019 waren es schon 1100 Liter Maische. Geld verdienen wollen die Vereine mit ihrem Schnaps-Projekt nicht. „Kommerz ist nicht unser Ziel“, sagt Oliver Galle. Viel mehr gehe es um Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein, miteinander das Kulturgut Streuobst zu pflegen.
Das schätzen viele Menschen, nicht nur in Ostfildern. Wenn die Schnäpse etwa bei der Kirbe angeboten werden, sind sie schnell vergriffen. Zur Schnapsgruppe in Ruit zählt auch Kai Libich. Der Physiker war mit seiner Frau nach zehn Berufsjahren in München wieder zurückgekehrt in die alte Heimat, auch der Natur wegen. Bei der Suche nach einem Gütle stieß er auf Harald Eggert. Und der konnte Libich schnell für die Arbeit im Verein begeistern. Für solche Naturschätze müsse man die Menschen viel mehr sensibilisieren, sagt Matthias Noske. Genau das wollten die Obst- und Gartenbauvereine erreichen. Ihm tue es in der Seele weh, wenn Lebensmittel vergammeln. Was Obst angehe, biete die Natur hier einen reich gedeckten Tisch.

hf / Foto: Horst Rudel


Nur Bewässerung rettet die Ernte

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate haben der Landwirtschaft auch im Kreis Esslingen zugesetzt

Extrem heiß, extrem trocken, extrem anstrengend: Dieser Sommer mit seinen Rekordtemperaturen und der wochenlangen Trockenheit hat nicht nur vielen Menschen zugesetzt. Sondern auch der Landwirtschaft im Kreis Esslingen – wenn auch nicht überall in gleichem Maße. Besonders hart getroffen hat es feuchtigkeitsliebende Kulturen wie Kartoffeln. Auch bei manch anderem Gemüse wäre die Ernte ohne Bewässerung wohl ein Totalausfall gewesen.
Andreas Rapp, der auf seinem Weilerhof in Esslingen Gemüse und Wein anbaut, hat bei den Kartoffeln rund 30 Prozent Ernteausfall zu beklagen. Den Pflanzen habe schlicht das Wasser gefehlt, sagt der Landwirt. Dadurch seien die einzelnen Knollen klein geblieben und der Ertrag gering. Allerdings habe er die Kartoffelfelder auch nicht bewässert, denn das wäre zu aufwendig gewesen. Bei anderen Kulturen hingegen ist er ums Beregnen gar nicht herumgekommen, etwa beim Salat oder empfindlichen Gemüsesorten. „Die Pflanzen wären sonst sofort verdorrt.“ Dennoch seien angesichts des Wassermangels viele Kulturen auffällig klein geblieben, etwa Sellerie, Rosenkohl oder auch Kürbis. Im vergangenen Jahr habe er teils wochenlang nicht bewässern müssen, in diesem Sommer sei das bald alle drei Tage nötig gewesen.
Für Rapp ist das ganz klar ein Zeichen für den Klimawandel. „Wir merken einfach, dass solche Extreme häufiger werden“, sagt er. Damit müsse man umgehen. „Wir Landwirte arbeiten immer schon mit der Natur und müssen uns immer wieder neu arrangieren.“ Er überlege jetzt, ob es sinnvoll sei, die Kartoffeln früher im Jahr zu setzen, wenn Niederschläge wahrscheinlicher sind. Aber dann müssten sie vielleicht im Hochsommer bei Temperaturen jenseits der 30 Grad geerntet werden – auch nicht gerade ideal. Sicher aber müsse man sich künftig auf andere Sorten konzentrieren, die resistenter gegen Hitze und Trockenheit seien. Im Weinbau sehe man das deutlich: Während der heimische Trollinger inzwischen oft zu kämpfen habe, gedeihe etwa der Syrah mittlerweile prächtig.
Auch Tobias Briem, Vorsitzender des Esslinger Kreisbauernverbandes, spricht von einem sehr ungewöhnlichen Sommer: „Ohne Bewässerung wäre die Landwirtschaft in diesem Jahr nicht denkbar gewesen.“ Selbst der Kohl, der so tief wurzele, dass er eigentlich nie gegossen werden müsse, habe zusätzliches Wasser gebraucht, ebenso wie fast die gesamte Palette der Gemüsesorten. Generell habe wohl jeder hier unter der Trockenheit gelitten – aber je nach Standort in sehr unterschiedlichem Ausmaß.
Denn es habe durchaus Regen gegeben, allerdings nur sehr punktuell und eigentlich nur im Zusammenhang mit Gewittern. Dabei sei zwar teils recht viel Niederschlag heruntergekommen, aber in so kurzer Zeit, dass der Boden die Feuchtigkeit auf die Schnelle gar nicht habe aufnehmen können. Zudem seien die Unwetter so lokal begrenzt gewesen, dass die Bedingungen für die Landwirtschaft teils im Abstand von wenigen hundert Metern extrem unterschiedlich gewesen seien. So habe man in manchen Bereichen mit bis zu 50 Prozent Ernteausfall zu kämpfen, in anderen mit gar keinem. Das kann der Esslinger Landwirt Rapp nur bestätigen: „Wir haben dieses Jahr das Gefühl, der Regen vergisst uns: Er fällt entweder auf den Fildern oder im Remstal.“ Unterdessen habe der mehrtägige, flächendeckende Landregen, den die Pflanzen so dringend gebraucht hätten, komplett gefehlt, so Briem.
Der Mais sei wegen der Hitze rund drei Wochen früher geerntet worden als üblich – und weise teils deutliche Trockenschäden auf, was für diese robuste Kultur sehr ungewöhnlich sei. Beim Getreide wiederum liege die Erntemenge zwar nur geringfügig unter dem Durchschnitt früherer Jahre. Doch wegen der Trockenheit sei der Eiweißgehalt im Korn geringer und die Qualität damit schlechter.
Gleichwohl sei der Kreis Esslingen nach wie vor ein „Gunst-Standort“ im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands, etwa in Hessen oder Thüringen, betont Tobias Briem. Hier wachse alles noch deutlich üppiger als anderswo. Doch die Landwirte müssten sich darauf einstellen, immer mehr mit dem Klimawandel zu tun zu haben – und etwa mit dem Pflanzen hitzeresistenter Sorten vorbeugen.

meb / Foto: Roberto Bulgrin


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Es gibt Diskussionen, ob Krankenkassen Kosten für Homöopathie übernehmen sollen. Die Grünen streiten über die ärztliche Fortbildung in dem Bereich. Setzen Sie auf Globuli?

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Auf Globuli setzen?

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Eine spannende Mischung

„ES funkelt“, die „Wein-Lounge“ und der Tag des offenen Denkmals sorgen in Esslingen am Wochenende für viel Betrieb

Genuss, Geschichte, Einkaufserlebnis: Am kommenden Wochenende lässt sich in Esslingen tief ins Leben eintauchen. Die „Wein-Lounge“, die lange Einkaufsnacht „ES funkelt“ sowie Tag und Nacht des offenen Denkmals sorgen für viel Betrieb.
Einkaufen bis Mitternacht heißt es bei „ES funkelt“ am Samstag, 10. September. Viele Geschäfte in der Innenstadt öffnen bis 24 Uhr, auch die Gastronomen machen einen Besuch Esslingens bis in die späten Abendstunden schmackhaft. Doch geht das Angebot des Abends über das reine Shoppen und Speisen hinaus. Die Geschäfte haben kreative Aktionen angekündigt. Die Straßen werden illuminiert. Ein „Lichtermarkt“ findet im Anschluss an den Wochenmarkt auf dem Marktplatz statt. Beim Nachtflohmarkt werden Kunsthandwerk, Antiquitäten, Upcyclingprodukte, Dekoratives und mehr angeboten, die Stände ziehen sich vom Rathausplatz über die Ritterstraße bis zum Blarerplatz. Eine Modenschau wird es geben, Sternentänzer treten auf, als „leuchtende Highlights“ sind Stelzenläufer angekündigt. Für Live-Musik sorgen in der Küferstraße Michael Niederkofler mit seiner Ukulele und der Singer-Songwriter Stefan Brog.
Mit der „Wein-Lounge“ hält ein neues Festformat Einzug in Esslingen. An zehn Ständen können auf dem Hafenmarkt überwiegend Tropfen aus der Stadt und der Region genossen werden, auch werden Speisen angeboten. Geöffnet ist das Weindorf von Freitag bis Sonntag, 9. bis 11. September, jeweils von 11 bis 23 Uhr. Die Viertelesschlotzer sollen dabei – wenn es nach den Veranstaltern Enzo Messinese und Markus Hägele geht – auch mit den Wengertern ins Gespräch kommen. Im Vordergrund soll die Begegnung stehen, Musik soll für einen angenehmen Hintergrund sorgen.
Die erste Esslinger „Wein-Lounge“ soll laut Messinese nicht nur Genuss-, sondern auch ein bisschen Messecharakter mitbringen. Sie solle den Wein, den Weingärtner und die Geschichte rund um den Wein neu ins Rampenlicht rücken. Angesprochen werden sollen etablierte Viertelesschlotzer aber auch die junge Vino-Generation. Und da mit einem Winzer-Generationenwechsel viel Dynamik in die Wein-Metropolregion Stuttgart gekommen sei, biete sich auch einem erfahrenen Genießer manche Überraschung. Das Angebot sei breit, facettenreich und durch alle Güteklassen gestreut, kündigen die Veranstalter an.
Esslingen kann mit einem ordentlichen Pfund an historischer Bausubstanz wuchern. Und da die Stadt auch noch Sitz des Landesdenkmalamts ist, ist es kein Wunder, dass sie zur Stätte der landesweiten Eröffnung des Tags des offenen Denkmals auserkoren wurde. Dadurch bleibt es allerdings nicht nur beim Tag, sondern wird es auch eine Nacht des offenen Denkmals geben. Beides wird damit in Verbindung gebracht, dass vor 50 Jahren das Denkmalschutzgesetz Baden-Württembergs erlassen wurde.
Am Samstag, 10. September, steht ab 17 Uhr die öffentliche Auftaktveranstaltung in der Stadtkirche St. Dionys auf dem Plan. Zurück in die Vergangenheit geht es dann ab 18 Uhr: Viele Denkmale dürfen bis weit in die Nacht hinein kostenfrei besichtigt werden. Nach Angaben der Veranstalter werden die ältesten Fachwerkhäuser und Sakralbauten aus der Zeit des Stadtausbaus ebenso präsentiert wie jüngere Bauten, etwa die Schelztor-Sporthalle. Es geht auf Tore und Türme, aber auch in mittelalterliche Gewölbekeller. Musik gibt es auch. Von 20.45 bis 21.30 Uhr werden in der Innenstadt im Wechsel Alphörner, das Glockenspiel und Trompeten zu hören sein.
Am Sonntag, 11. September, stehen beim Tag des offenen Denkmals ab 11 Uhr Führungen, Vorträge, Besichtigungen, Ausstellungen und Stadtrundgänge auf dem Programm, es werden Einblicke auch in sonst verschlossene Sehenswürdigkeiten gewährt. Der Gastgeber, das Landesamt für Denkmalpflege in der Berliner Straße 12, macht ebenso mit wie die städtischen Museen mit einem Programm für Groß und Klein. Das ausführliche Programm kann unter dem Stichwort „Tag des offenen Denkmals“ unter www.esslingen.de abgefragt werden.

hin / Foto: Ines Rudel