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Investor kündigt Karstadt

BPI setzt bei Entwicklung des Areals in Esslingens Innenstadt nicht mehr auf das Kaufhaus – Galeria hält an Standort fest

Die Vorzeichen der vergangenen Monate ließen nichts Gutes erahnen. Erst hatte Karstadt, das mittlerweile unter dem Namen Galeria firmiert, seine Junge Mode im Erdgeschoss ausgeräumt und den Bereich zugemauert, dann wurde der Parkplatz geschlossen – angeblich wegen Sicherheitsmängeln. Der ist auf Druck der Stadt wieder offen. Anfang Mai hat der Investor BPI Esslingen nun mitgeteilt, man plane nach wie vor „ein Stadtquartier, das in jeglicher Hinsicht zukunftsfähig ist“. In den Plänen ist allerdings kein Platz mehr für Karstadt, man habe dem Galeria-Konzern gekündigt. Von Karstadt-Seite heißt es indes, dass der Esslinger Standort gehalten werden soll. Die Entwicklung und das Gezänk sorgen in Esslingen für Ernüchterung.
Der Gemeinderat hatte nach hartem Ringen im März 2021 den dritten Anlauf innerhalb von rund zehn Jahren für die Bebauung des Karstadt-Areals über die Bühne gebracht: In den geplanten Wohnblöcken auf dem Parkplatz und in den Obergeschossen des bestehenden Warenhauses sollen 160 Wohnungen entstehen. Zu den 10 470 Quadratmetern Verkaufs- und Büroflächen im Bestandsgebäude sollen in den Neubauten – vor allem entlang der Martinstraße – weitere 1800 Quadratmeter Gewerbeflächen hinzukommen. Doch BPI baut eben nicht mehr auf Karstadt in der Entwicklung des städtebaulichen Filetstücks zwischen Bahnhof-, Martinstraße und Ehnisgasse wird.
„Wir haben Gespräche mit dem Warenhaus geführt und versucht, eine gute, zukunftsfähige Lösung zu finden – leider ohne Erfolg“, berichtet Tom Walsh, einer der Geschäftsführer von BPI. Die Mietverträge seien nun von BPI gekündigt worden oder fristgerecht ausgelaufen.
In der Konzernzentrale der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH in Essen betont man indessen, dass man sehr viel Potenzial in Esslingen sehe und „rundum zufrieden“ mit dem Standort sei. Die Esslinger Karstadt-Chefin Gabriele Post berichtet, der Investor versuche allerdings seit Monaten, das Kaufhaus aus dem Mietvertrag zu drängen. Die heute bereits leer stehenden Flächen in der Bahnhofstraße 10 wurden demnach bereits gekündigt und stehen seitdem leer. „Die Mietverträge für das Warenhaus und den Parkplatz laufen fest bis Mitte 2026 mit weiteren Optionen zugunsten von Galeria bis 2036. Aber auch diese beiden Verträge hat der Eigentümer mit für uns nicht nachvollziehbaren Argumenten gekündigt“, sagt Post.
Die Streitparteien stehen sich derzeit offenbar in einem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegenüber. Bei BPI geht man von der Rechtmäßigkeit der Kündigung aus. Laut Markus Rahner von der beratenden Kommunikationsagentur des Investors will dieser die städtebaulich umstrittenen Pläne weiterverfolgen. Man habe frühzeitig versucht, mit Karstadt ins Gespräch zu kommen, wie es sich für die Zukunft aufstellen wolle. „Aber es gab recht wenig Bewegung von Karstadt.“ Dem widerspricht Post: Galeria habe sich stets sehr konstruktiv an den Planungen beteiligt, mehrfach habe man sehr konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet. Diese seien alle pauschal abgelehnt wurden, zuletzt auch im Rahmen eines Mediationsverfahrens sowie in einem durch OB Matthias Klopfer moderierten Vermittlungsgespräch. Karstadt setzt bei der Modernisierung der Filiale auf die „Strategie Galeria 2.0“.
Aus dem Rathaus heißt es, die Verwaltungsspitze habe beiden Seiten sehr deutlich signalisiert, dass für die Stadt sowohl die Weiterentwicklung des Areals als auch der Weiterbestand des Kaufhauses wichtig sei. Was bleibt, ist „großes Bedauern“.
Die Stadt war dem Investor im Bebauungsplan weit entgegengekommen, in der Hoffnung, Karstadt zu sichern. Nun wird auch im Gemeinderat heftig diskutiert, ob noch etwas zu retten ist. Man hoffe unverändert auf ein Einlenken von BPI und sei zuversichtlich, vor Gericht die besseren Argumente zu haben, sagt Gabriele Post. Der Investor hingegen macht deutlich: „BPI hofft, dass Karstadt nun bald den Weg für diese innerstädtischen Verbesserungen freimacht und nach Erteilung der Baugenehmigung schnell mit dem Projekt begonnen werden kann.“ Das letzte Wort ist in jedem Fall noch nicht gesprochen.

biz/meb/adi/hin / Foto: Roberto Bulgrin


Starre Hindernisse sind verboten

Die Idee, den Altbacher Kreisverkehr mit einem Kunstwerk zu verschönern, ist vom Tisch – Blumen sind erlaubt

Es bleibt, wie es ist. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen in diesem Jahr schoss eine bunte Blütenpracht aus dem Boden des Altbacher Kreisverkehrs. Das ursprünglich geplante Kunstwerk für die Anlage soll nicht mehr gebaut werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich. Zuvor hatte die Gemeinde ein Gutachten erstellen lassen, das bei einigen Gemeinderäten für Kopfschütteln sorgte.
Ursprünglich zierte ein Ensemble aus drei Blauglockenbäumchen die Mitte des Kreisverkehrs. Doch die Bäumchen fielen dem Verkehrsgeschehen zum Opfer: Sie wurden umgefahren und mussten schließlich entfernt werden. Die Gemeinde überlegte, wie sie die Mitte des Kreisels wieder zu einem Hingucker machen könnte. Im Jahr 2020 wurde ein öffentlicher Ideenwettbewerb ausgelobt. Die drei Siegerentwürfe wurden im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Allerdings stellte sich dann heraus, dass die zuständige Straßenbehörde keine Möglichkeit sieht, einen der Kunstentwürfe auf dem Kreisverkehr zu befürworten. Dass die Rahmenbedingungen für das Aufstellen der Kreisverkehrskunst nicht bereits vor dem Bürgerwettbewerb erörtert worden waren, rief bei vielen Menschen in Altbach Unverständnis hervor.
„Die Siegerentwürfe sind nicht realisierbar“, lautete das Fazit des Altbacher Bürgermeisters Martin Funk. Die Gemeinde hatte nach den Absagen der Verkehrsbehörde ein eigenes Gutachten erstellen lassen. Das Problem seien „starre Hindernisse“ in allen Entwürfen, wie der Ortsbaumeister Jens Korff ausführte. Es sei noch versucht worden, mit dem Erstplatzierten eine Anpassung seiner Idee zu erreichen – vergebens. Die Siegerversion sah vor, die Einbettung Altbachs mit Symbolen von Schurwald, Neckar oder der Industrie darzustellen. Ohne „starre Hindernisse“ wäre das aber kaum möglich gewesen. Es sind allerdings auf vielen Kreisverkehren in der Umgebung „starre Hindernisse“ zu finden. Die Vorschriften hätten sich in der Vergangenheit verschärft, lautete die Erklärung der Verwaltung im Gemeinderat. „Es ist fast nichts anderes möglich als eine Bepflanzung“, resümierte Funk.
Unter den Gemeinderäten sorgte der angestrebte Beschluss für teils heftige Reaktionen. „Jeder, der sich halbwegs an die Verkehrsregeln hält, kann nicht mitten durch den Kreisverkehr fahren“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Barth. Außerdem fehlten in dem Verkehrsgutachten Hinweise, auf welche Gesetze oder Vorschriften sich der Gutachter beziehe. „Das kann es nicht sein“, befand Barth. Ähnlich sah es ihr Fraktionskollege Achim Weber: „Ich halte das Gutachten für nicht aussagekräftig.“ Die vorgeschlagene Bepflanzung sei nicht das, was man gewollt habe. Der CDU-Gemeinderat Jörg Reutter meinte zu dem Gutachten trocken: „Außer Bildern ist nicht viel drin.“
Ein anderer Teil des Gemeinderates betonte, dass ein Schlussstrich unter das Thema Kreiselkunst gezogen werden solle. „Wir machen uns lächerlich“, befürchtete Manuela Feigele (UWV). Ähnlich sah es der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Euchenhofer. Es gebe in Altbach auch noch andere Themen als den Kreisverkehr. Das Gutachten halte er aber ebenfalls für nicht nachvollziehbar. Aber „wir kommen nicht weiter“.
Der Ortsbaumeister Korff erklärte, dass der Gutachter den Kreisverkehr anhand von festgelegten Kriterien bewertet habe. Diese könnten die Gemeinderäte auf Wunsch einsehen. Seit dem Jahr 2020 stünden Kunstwerke auf Kreisverkehren auf einer Negativliste. Würde Altbach nun trotz der Vorgeschichte auf die Kunst im Kreisel bestehen, würden die Gemeinde beziehungsweise der Bürgermeister haften, falls es zu einem Unfall kommt. „Dieser Haftung werde ich mich nicht stellen“, betonte der Schultes.

bra / Foto: Philipp Braitinger


Am Landratsamt beginnt Abbruch

Zug um Zug wird das Verwaltungsgebäude in Esslingen abgebaut – Neubau kostet 123,5 Millionen Euro

Der Bauzaun an der Eingangsfront macht es deutlich: Die Arbeiten für den Abbruch des Landratsamts in den Esslinger Pulverwiesen haben begonnen. Im Inneren des im Jahr 1978 errichteten Gebäudes erfolgt Zug um Zug der Rückbau. An derselben Baustelle soll ein Neubau errichtet werden. „Mit unseren Planungen schaffen wir nicht nur eine höhere Kapazität an Arbeitsplätzen in einem modernen Verwaltungsneubau, sondern können damit auch einen hohen ökologischen Standard setzen“, sagt dazu der Esslinger Landrat Heinz Eininger.
Ende April erhielt das Bauunternehmen Züblin, das mit den Planungs- und Bauleistungen beauftragt wurde, die Schlüssel für das Verwaltungsgebäude. Beginnend im sechsten Stock, wird das Gebäude in den kommenden Monaten von oben nach unten entkernt. Zunächst wird die Stromversorgung unterbrochen, dann werden abgehängte Decken und Zwischenwände entfernt und die Bodenbeläge herausgerissen. Zudem werden Leitungen aller Art entfernt.
Die Baustoffe werden sortenrein getrennt und bestmöglich weiterverwendet oder wiederverwertet. Der Ansatz des sogenannten cradle to cradle, wie man ihn aus der Kreislaufwirtschaft von Baustoffen kennt, werde konsequent angewendet, bis hin zum Recycling des verwendeten Betons, heißt es aus dem Landratsamt.
Ein Bauzaun sichert das Gebäude während der Dauer der Bauarbeiten ab. „Der Zugang zum Infopoint und später zur Empfangstheke im Erweiterungsbau wird mit Bannern bestmöglich markiert, damit sich die Kundinnen und Kunden weiterhin gut zurechtfinden“, sagt Andrea Wangner, die Sprecherin des Landratsamts. Der Infopoint im Bestandsbau bleibe in der nächsten Zeit wie gewohnt in Betrieb.
Derzeit wird im Erweiterungsbau, der das Sozialdezernat beherbergt, ein barrierefreier Zugang mit Empfangstheke geschaffen. Die Parkplätze entlang der Pulverwiesen sollen erhalten bleiben. Die Rückbauarbeiten im Bestandsgebäude dauern laut der Pressesprecherin Wangner voraussichtlich bis September dieses Jahres. Danach folgt der Abbruch des Gebäudes bis ins Frühjahr 2023. Anschließend kann mit den Aushubarbeiten und dem Rohbau begonnen werden. Die Übergabe des neuen Gebäudes ist auf Ende 2025 terminiert.
Der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes ist notwendig geworden, weil das Bestandsgebäude aus dem Jahr 1978 zu klein geworden ist für die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zudem erhebliche bauliche, technische und auch funktionale Mängel aufweist. Eine Realisierungsstudie, in der verschiedene Sanierungsvarianten im Vergleich zu einem Neubau untersucht wurden, kam zu dem Schluss, dass es gesamtwirtschaftlich sinnvoller sei, das Bestandsgebäude abzubrechen und an dessen Stelle einen Neubau mit bis zu 675 Arbeitsplätzen zu erstellen.
Den viergeschossigen Neubau des Esslinger Verwaltungsgebäudes errichtet das Stuttgarter Bauunternehmen Züblin nach den Plänen des Büros BfK Architekten zu einem verbindlichen Gesamtpreis von 123,5 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für das neue Esslinger Landratsamt inklusive der Mietkosten für die Ausweichquartiere während der knapp vierjährigen Bauzeit sowie die Anschaffung von Mobiliar und Bürotechnik belaufen sich auf 144 Millionen Euro.

hf / Archivfoto: Roberto Bulgrin


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Der Markt für Tofuwürste, Seitanschnitzel oder Veggieburger boomt, Hersteller vegetarischer oder veganer Fleisch-Alternativen verzeichnen große Zuwächse. Greifen auch Sie häufiger zum Veggieburger?

 

 

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„Vier Peh“ hat doch eine Zukunft

Nach monatelanger Hängepartie bekommt die Esslinger Kulturkneipe einen neuen Pachtvertrag – Zunächst wird saniert

Gute Nachrichten für die Freunde der Esslinger Kulturkneipe Vier Peh: Nach monatelangem Tauziehen hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vergangene Woche grünes Licht für einen neuen Pachtvertrag gegeben. Ein Gutachter hatte das Gebäude, das in den 1970er-Jahren neben der Hochschule an der Flandernstraße entstanden war, untersucht und eine Mängelliste notiert. Was moniert wird, müssen die Betreiber zunächst erledigen – dann steht der Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege. Pächterin Uli Kopp und der Fördervereinsvorsitzende Micha Schauer drücken aufs Tempo, damit das „Vier Peh“ rasch wieder durchstarten kann. Die Wiedereröffnung wollen sie möglichst noch im Juni oder spätestens im Juli feiern.
Zum Jahresende hatte vieles darauf hingedeutet, dass die Tage der Kulturkneipe gezählt sind: Die Stadt wollte sich nicht zur Verlängerung des Pachtvertrags entschließen und verwies auf bauliche Mängel, der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hatte die Argumente aus dem Rathaus bereits abgenickt. Doch als die Nachricht vom drohenden Ende des Vier Peh publik wurde, regte sich Widerstand: Langjährige Freunde, Gäste und Künstler des Hauses reagierten mit Unverständnis, viele auch mit unverhohlener Verärgerung, dass die Stadt diese Institution im Esslinger Norden so einfach zur Disposition stellt, ohne sich ernsthaft um eine Lösung zu bemühen. Der OB und die Ratsfraktionen machten sich schließlich selbst ein Bild von der Situation vor Ort und schlugen einen konstruktiven Weg ein.
Mittlerweile wurde das Gebäude des Vier Peh aus allen fachlichen Perspektiven begutachtet, und die Betreiber wissen, was die Stadt geändert haben möchte. Was nicht genehmigungspflichtig ist, wurde bereits weitgehend erledigt – nun warten die Macherinnen und Macher der Kulturkneipe auf eine rasche Baugenehmigung für die grundlegenderen Arbeiten.
Die Bedingungen für den neuen Pachtvertrag sind klar formuliert: Die Pächterin muss kurzfristig Arbeiten in einer Größenordnung von rund 47 000 Euro auf eigene Kosten umsetzen und anschließend vom Gutachter kontrollieren lassen. Danach soll der Eigenbetrieb Städtische Gebäude (SGE) das Pachtverhältnis verlängern. Als Zeithorizont sind zunächst fünf Jahre im Gespräch. Die Konditionen sind auch mit Blick auf das kulturelle Engagement des Vier Peh bewusst günstig, damit die Betreiberin die laufende Instandhaltung leichter finanzieren kann.
Im Verwaltungsausschuss war man sich einig, dass es richtig war, die Entscheidung über die Zukunft des Vier Peh zu überdenken. „Wenn wir kein Interesse gehabt hätten, dass es weitergeht, hätten wir uns nicht so bemüht“, betonte OB Matthias Klopfer. Carmen Tittel (Grüne) hofft, dass die Kneipe an der Flandernstraße rasch wieder durchstarten kann. Andreas Koch (SPD) bedankte sich beim OB und der Verwaltung dafür, dass sie „vom zwischenzeitlichen Aufgeben zum Ermöglichen gekommen sind“. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) fand, die Einschaltung eines externen Gutachters habe sich bewährt. Wo ein Wille ist, habe sich auch ein Weg gefunden. Lobend erwähnte sie, dass sich die Freunde des Vier Peh tatkräftig engagiert hätten. Rena Farquhar (FDP) zeigte sich „sehr einverstanden mit dem gefundenen Weg“. Tim Hauser (CDU) blickte zurück auf einen „holprigen Weg“ bis zur Einigung, zeigte sich aber beeindruckt von der großen Solidarität mit dem Vier Peh: „Gut, dass wir diese Lösung gefunden haben.“ Martin Auerbach (Linke) resümierte: „Es ist ein schönes Zeichen, dass sich Beharrlichkeit auszahlt und dass guter Wille viel bewegt.“

adi / Archivfoto: Roberto Bulgrin


Der Himmel darf wieder funkeln

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause gibt es im August wieder das Feuerwerksfestival „Flammende Sterne“ in Ostfildern

Vor zwei Jahren setzte die Pandemie einer Traditionsveranstaltung in Ostfildern ein vorläufiges Ende: Die für August 2020 vorgesehene 18. Auflage des Feuerwerksfestivals „Flammende Sterne“ musste abgesagt werden. Mittlerweile sind die meisten Corona-Beschränkungen aufgehoben. Großveranstaltungen wie das Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen dürfen wieder stattfinden. Das gilt auch für die „Flammenden Sterne“. Im Augenblick steht einem Neubeginn nichts im Wege. Deshalb hat die MCE Ideenschmiede, die das Festival organisiert, bereits mit dem Ticketverkauf begonnen. „Die Lust der Leute auf spektakuläre Inszenierungen ist groß“, sagt Gesellschafter Jürgen Wünsche. „Viele scharren schon mit den Füßen und fragen nach Karten.“ Wie früher wird es wieder drei Feuerwerksabende geben. Und zwar von Freitag, 19. August, bis Sonntag, 21. August.
Vor der Coronakrise hatte es Diskussionen um die Zukunft der Veranstaltung gegeben. Ausgelöst wurden diese, nachdem die Stadt Konstanz als erste deutsche Kommune den Klimanotstand ausgerufen hatte. Wegen der vermeintlich hohen Umweltbelastung durch die Feuerwerkskörper plante man im Rathaus der Bodenseestadt, das Seenachtsfest künftig ohne Feuerwerk über die Bühne gehen zu lassen. Doch kam man von diesem Vorhaben wieder ab. Bei einer Online-Befragung votierte eine große Mehrheit dafür, an der spektakulären Inszenierung am Himmel über dem See festzuhalten.
Auch in und um Ostfildern meldeten sich damals viele Kritiker zu Wort und forderten, aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes auf die „Flammenden Sterne“ zu verzichten. Jürgen Wünsche hatte schon damals darauf verwiesen, dass von den Feuerwerkskörpern an den drei Tagen nur eine verschwindend geringe Belastung durch Feinstaub und Kohlendioxid ausgehe. Das habe sich längst durch Untersuchungen bestätigt, sagt er. Der Verband der Pyrotechniker hätte das Thema von Anfang an viel offensiver angehen sollen.
Im Ostfilderner Rathaus ist von der damaligen Skepsis augenblicklich nichts mehr zu spüren. Weil der bis 2023 laufende Fünf-Jahres-Vertrag mit dem Veranstalter wegen Corona nicht eingehalten werden konnte, habe man im Jahr 2020 einen neuen Kontrakt geschlossen, berichtet Erster Bürgermeister Rainer Lechner. Den dort getroffenen Vereinbarungen für zwei weitere Veranstaltungen komme man nun nach. Wenn die Pandemie den Veranstaltern keinen Strich durch die Rechnung macht, werden diese 2022 und 2023 stattfinden. Lechner selbst steht auch aus einem anderen Grund hinter dem Feuerwerksfestival. Die Veranstaltung habe für Ostfildern einen „besonderen Wert“, sagt er. Die „Flammenden Sterne“ seien ein großer Werbeträger für die Stadt.
Um eine Überfüllung des Geländes zu verhindern, werden die Tickets erstmals an einen bestimmten Veranstaltungstag gebunden sein. Bisher konnte man das individuell entscheiden. Die Folge: An Abenden mit gutem Wetter war der Ansturm wesentlich stärker als an Abenden mit niedrigen Temperaturen und Regen. „Mit der neuen Regelung können wir die Besucherströme selbst besser steuern“, sagt Jürgen Wünsche. Rainer Lechner ist ebenfalls überzeugt, dass diese Neuerung sinnvoll ist. In den vergangenen Jahren habe man das Sicherheitskonzept für die Großveranstaltung stetig verbessert. Ziel sei es, maximal 25 000 Menschen an einem Abend auf die Festwiese am Rande des Scharnhauser Parks zu lassen. „Mit der neuen Regelung bleiben wir sowieso unter dieser Marke“, ist er überzeugt.
In der Vergangenheit pilgerten bei schönem Wetter schon mal 50 000 Gäste und mehr an einem Wochenende zu den „Flammenden Sternen“. Doch die Veranstalter erlebten auch so manche Pleite, wenn das komplette Wochenende verregnet und kühl war.

hf / Foto: Hubert Hartmann


Ein gefährliches Vergnügen

Vor dem Start in die neue Motorradsaison warnt die Polizei vor Selbstüberschätzung

Die Zahl der Unentwegten, die das ganze Jahr über auf ihrem Bike sitzen, ist überschaubar. Doch sobald im Frühjahr die Temperaturen in angenehme Zonen steigen, holen viele ihre Maschinen wieder aus der Garage. Motorradfahren ist Vergnügen, bedeutet aber auch zusätzliche Gefahren auf den Straßen. Vor allem dann, wenn Raser unterwegs sind oder Biker, die ihr Fahrkönnen überschätzen. „Gerade zu Saisonbeginn, wenn die Übung schlicht noch fehlt, besteht ein erhöhtes Unfallrisiko“, sagt Martin Raff, Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen.
Seine Warnung kommt nicht von Ungefähr. In den vier Landkreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb, die das Präsidium umfasst, gab es 2021 insgesamt 446 Unfälle, an denen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer beteiligt waren. Sechs ließen dabei ihr Leben, vier mehr als im Jahr zuvor. 108 erlitten schwere Verletzungen, 254 wurden leicht verletzt.
„In 72 Fällen war die Geschwindigkeit die Hauptunfallursache bei den von Motorradfahrern verursachten Unfällen“, berichtet Raff. Bei insgesamt 235 Unfällen dieser Art sei das eine Quote von 30,6 Prozent. Nicht immer sei dabei die zulässige Geschwindigkeit überschritten worden. Oft sei „nicht angepasste Geschwindigkeit“, wie es dann im Polizeibericht heißt, ursächlich gewesen. „Nicht angepasst“ beziehe sich vor allem auf das eigene Fahrvermögen, die Straßenverhältnisse oder den Straßenverlauf.
Bei speziellen Kontrollaktionen auf den beliebten Ausflugsstrecken im Bereich des Polizeipräsidiums wurden in der Motorradsaison 2021 rund 800 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer kontrolliert. Dabei wurden 500 Verstöße registriert, 290 davon wegen überhöhter Geschwindigkeit. Rund 130 Mal stellten Polizeibeamte technische Mängel an den Maschinen fest.
Gerade zu Beginn der Motorradsaison, wenn man noch nicht wieder richtig vertraut sei mit dem Gefährt und die Übung noch fehle, bestehe ein erhöhtes Unfallrisiko, erklärt Polizeisprecher Raff. Um dieses so weit wie möglich zu reduzieren, müsse man ein paar Dinge beachten.

Routine besonders wichtig
„Ein Motorrad hat keine Knautschzone. Bei Unfällen sind die Fahrerinnen und Fahrer gegenüber Pkw oder Lkw immer im Nachteil.“ Eigentlich eine Binsenweisheit, aber das müsse man sich immer wieder bewusst machen. „Wer mit diesem Bewusstsein unterwegs ist und seine Fahrweise entsprechend anpasst, der trägt viel dazu bei, seine Touren möglichst unfallfrei genießen zu können“, so Raff.
Auch die Beschaffenheit der Straße spiele für Motorradfahrer eine wichtige Rolle. Immerhin beschränke sich der Bodenkontakt der beiden Räder mit dem Asphalt zusammengenommen in der Regel auf ein DIN-A5-Blatt.
Überbleibsel vom Winter wie Salz und Splitt oder vom Frost aufgerissene Schlaglöcher stellten besondere Gefahren dar. Ebenso schattige Kurven, Strecken in Waldstücken oder sonst verunreinigte Straßen, auf denen es schnell glatt werden kann. Um auf solche Straßenverhältnisse möglichst gut vorbereitet zu sein, sei Routine besonders wichtig. Und die müsse nach einer monatelangen Zweirad-Abstinenz zu Beginn der neuen Saison erst wieder neu eingeübt werden. „Das langsame Herantasten an die Geschwindigkeit und die Schräglage sind gerade am Anfang für Bikerinnen und Biker unerlässlich – nicht nur praktisch, sondern auch mental“, erklärt der Polizeisprecher. Sich gedanklich bereits vor Fahrtantritt auf kritische Situationen vorzubereiten, sei ebenso empfehlenswert.
Nicht zuletzt sollte das Bike nach seiner oft halbjährigen Standzeit auf Herz und Nieren überprüft werden. „Der technische Zustand, also unter anderem die Profiltiefe, der Reifendruck, die Bremswirkung oder die Füllstände der Betriebsflüssigkeiten verdienen zwingend besondere Aufmerksamkeit“, erklärt Raff.
Damit die Zahl der Motorradunfälle möglichst gering bleibt, setze das Polizeipräsidium Reutlingen auch in diesem Jahr wieder verstärkt auf Prävention. Im Vordergrund stünden dabei der persönliche Austausch und die Aufklärung.
Ein Aktionstag, wie es ihn schon vor der Coronapandemie regelmäßig gab, ist für den 22. Mai in Hülben geplant. „Wir wissen, dass die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer überlegt auf den Straßen unterwegs ist und sich an die Verkehrsregeln hält“, betont der Polizeisprecher. Dennoch werde man in den kommenden Monaten wieder zahlreiche Kontrollen ansetzen, vor allem entlang der unter Motorradfahrern besonders beliebten Ausflugsstrecken.

hf / Foto: dpa


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Der 1. Mai ist dieses Jahr auf einen Sonntag gefallen. Nun werden in der Politik Stimmen laut, die in solchen Fällen das Nachholen des Feiertags fordern. Eine gute Idee?

 

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Büchereiplaner gehen in die Tiefe

Esslinger Bibliothek im Bebenhäuser Pfleghof wird modernisiert und erweitert – Probebohrungen in der Webergasse

Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat im Wahlkampf oft betont, die Stadtbücherei sei „der zentrale Bildungs- und Kulturstandort“ der Stadt. Doch die Bibliothek stößt immer deutlicher an ihre Grenzen, der Sanierungsstau zeigt Wirkung. Seit den 90er-Jahren wird über eine Erweiterung und Modernisierung diskutiert – nun sollen den vielfachen Bekundungen Taten folgen. Ein architektonisches Konzept wurde bereits vor zwei Jahren ausgewählt und kann seither öffentlich in der Stadtbücherei begutachtet werden. Hinter den Kulissen laufen derweil die nächsten Planungsschritte auf dem Weg zur Bibliothek der Zukunft. Dazu gehört auch, dass die Gebäudesubstanz und der Baugrund genauer untersucht werden müssen. Im Inneren der Bücherei wurde schon einiges untersucht – demnächst stehen einige Bohrungen entlang der Webergasse an. Welche Arbeiten geplant sind, hat die Stadtverwaltung nun in einer Informationsveranstaltung für die Anwohner erläutert.
Der Architekturwettbewerb zur neuen Bibliothek liegt bereits zwei Jahre zurück, und Oliver Wannek, der technische Betriebsleiter des Eigenbetriebs Städtische Gebäude Esslingen (SGE), betont: „Wir waren seither nicht untätig.“ Aktuell sei man dabei, den preisgekrönten und einhellig gelobten Siegerentwurf weiterzuentwickeln, das Raumprogramm zu optimieren und die Planungen voranzutreiben. Parallel dazu läuft eine Bürgerbeteiligung, die sicherstellen soll, dass die Wünsche und Erwartungen des Publikums in der neuen Bibliothek erfüllt werden und dass sich auch neue Nutzerinnen und Nutzer von den Angeboten überzeugen lassen. Die Bibliothek der Zukunft soll „kein Büchertempel sein, sondern ein Ort, an dem sich ganz unterschiedliche Menschen gerne aufhalten“, erklärt SGE-Projektleiter Philipp Kopper. Geplant ist der viel zitierte „dritte Ort“ der Identifikation neben Wohnung und Arbeitsplatz, der unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden und möglichst viele Esslingerinnen und Esslinger ansprechen soll.
Philipp Kopper nahm die Anwohnerinnen und Anwohner in der Informationsveranstaltung im Saal des CVJM-Hauses mit auf einen virtuellen Spaziergang durch die verschiedenen Geschosse der geplanten neuen Bibliothek. Er zeigte, wie sich das Gebäude in die historische Altstadt einfügen soll und wie die einzelnen Bereiche innerhalb des Gebäudekomplexes zwischen Heu- und Webergasse, zu dem künftig auch das Nachbarhaus Heugasse 11 gehören wird, angeordnet werden. Auf Nachfragen zu Gebäudehöhen und -abständen verwiesen Wannek und Kopper darauf, dass man sich noch in einem frühen Planungsstadium befinde und dass noch vieles im Fluss sei. Außerdem hätten die Anwohner im Zuge des Genehmigungsverfahrens ausgiebig Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Die Stadt will weiterhin regelmäßig über den Planungsstand berichten. Aktuell befindet man sich in der Vorentwurfsphase, danach soll die eigentliche Entwurfsphase beginnen.
Während hinter den Kulissen die Pläne für die neue Bücherei im Bebenhäuser Pfleghof weiterentwickelt werden, sind vorbereitende Arbeiten demnächst auch nach außen hin sichtbar. Voraussichtlich wird es vom 18. bis 20. Mai oder vom 23. bis 25. Mai einige Probebohrungen entlang der Webergasse geben. So wird die Beschaffenheit des Baugrunds im Bereich der nicht denkmalgeschützten Nanzhalle, die einem Neubau weichen soll, genauer un­tersucht. Da die Arbeiten mit einem sogenannten Kleinbohrgerät mit Geräuschen verbunden und kurzzeitige Verkehrsbehinderungen in der Webergasse zu erwarten seien, wollte die Stadt rechtzeitig informieren. Philipp Kopper geht jedoch davon aus, dass sich die Auswirkungen der Baugrunduntersuchung für die Anwohner in Grenzen halten werden.

adi / Foto: Roberto Bulgrin