Der Kreis packt mit an

Die Hilfsbereitschaft für die Menschen in der Ukraine und auf der Flucht ist groß – Kommunale und private Initiativen

Die Bilder aus der Ukraine sind erschütternd. Zerstörte Häuser, Menschen, die in U-Bahn-Stationen Schutz vor den Bombenangriffen suchen, Geflüchtete, die in Eiseskälte an der Grenze zu Polen ausharren. Viele der Flüchtlinge finden in den direkten Nachbarländern Unterschlupf, aber auch in Deutschland sind sie willkommen. „Wir spüren eine große Hilfsbereitschaft und Solidarität im Landkreis Esslingen, den flüchtenden Menschen aus der Ukraine zu helfen“, stellt Landrat Heinz Eininger fest.
„Die Aufnahme von Flüchtlingen ist die konkreteste Form der Unterstützung, die der Landkreis, seine Städte und Gemeinden, die Kirchen und Hilfsorganisationen leisten können“, sagte Eininger nach einer Zusammenkunft von Rathauschefs, Dekanen der christlichen Kirchen, DRK und Maltesern vergangene Woche. Städte und Gemeinden sowie die Kirchen, auch die Kreisverbände von DRK und Maltesern nehmen demnach Wohn-und Hilfsangebote entgegen. Der Landkreis koordiniert die Hilfen, das Landratsamt bittet, von direkten Angeboten an den Landkreis abzusehen. Teilweise war zunächst unklar, wie mit Sachspenden umgegangen werden soll.
Wohn- und Hilfsangebote gingen schnell und zahlreich ein. Unter anderem haben die Städte Plochingen, Nürtingen und Kirchheim Aufrufe gestartet: Wohnungseigentümer werden gebeten, leer stehende oder kurzfristig frei werdende Wohnungen zu melden (über die städtischen Homepages). Dort kann man auch individuelle Hilfsangebote wie die Unterstützung im Alltag melden.
Auch in Esslingen ist die Hilfsbereitschaft groß. So unterstützten Stadt und Feuerwehr einen privat organisierten Hilfstransport nach Polen, der sich vergangene Woche auf den Weg gemacht hat. Man wolle ganz konkrete, direkte und vor allem schnelle und unkomplizierte Hilfe leisten, sagte Manuel Uez von der Esslinger Agentur Blumberg. Auch Herbert Klingohr, Geschäftsführer der ibw-Gesellschaft, hat zusammen mit dem Esslinger Bauunternehmen Zujko einen Hilfstransport an die ukrainisch-polnische Grenze organisiert.
Die Stadt Esslingen hat ein Spendenkonto eingerichtet, um in verschiedenen Projekten Flüchtlinge aus der Ukraine zu unterstützen. Zunächst fließt Hilfe in Esslingens ungarische, 200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Partnerstadt Eger. Weitere Aktionen richten sich an Flüchtende in Grenzgebieten sowie diejenige, die in Esslingen ankommen.
Die Filder-Kommunen Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen verbinden Partnerschaften mit der Stadt Poltawa in der Ukraine. Gemeinsam haben die Oberbürgermeister Christof Bolay, Christoph Traub und Roland Klenk eine koordinierte Hilfsaktion gestartet und in einem Brief an ihren ukrainischen Amtskollegen Oleksandr Mamaj ihre Solidarität und Unterstützung bekundet. In einem Stab wird nun nach gesicherten Wegen für Finanzhilfen und Sachspenden nach Poltawa gesucht, ein gemeinsames Konto für Geldspenden wurde eröffnet. Wer aus der Ukraine geflüchtete Menschen unterstützen möchte, kann sein Angebot über die Homepages der Filder-Städte mitteilen: etwa Wohnraum, Dolmetscherdienste oder Jobs als Alltagspaten. Auch über Ostfilderns polnische Partnerstadt Bierawa, wo schon viele ukrainische Flüchtlinge angekommen sind, wird Hilfe koordiniert.
Über die Fellbacher Firma Barth Feuerwehrtechnik, die enge Kontakte in die Ukraine unterhält, haben die Feuerwehren in Baden-Württemberg Ausrüstung für die Kollegen im Kriegsgebiet zur Verfügung gestellt. Auch aus dem Landkreis Esslingen haben Wehren Material gespendet.
In etlichen anderen Kommunen im Landkreis Esslingen werden weitere Hilfsaktionen gestartet. Solidarität und Unterstützung seien das Gebot der Stunde, sagte etwa Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz. Landrat Eininger hatte noch einen weiteren Appell: Auch aus anderen Krisenherden dieser Welt müssten Flüchtlinge untergebracht werden, auch für diese werden Wohnungen benötigt.

ap/hf/eh/hin / Foto: Roberto Bulgrin


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