Der Soundtrack der Reformation

Ausstellung zur Reformation in Württemberg: „Freiheit – Wahrheit – Evangelium“ – Lieder der Luther-Zeit auf einer CD

   

Die große Reformationsausstellung „Freiheit – Wahrheit – Evangelium. Reformation in Württemberg“ im Stuttgarter Kunstgebäude am Schlossplatz und in den Klöstern Maulbronn, Bebenhausen und Alpirsbach im Land öffnet am 13. September. Neben vielen schriftlichen Zeugnissen zum Thema der Reformation im Land spielt die Musik eine große Rolle. Eine neu eingespielte CD – darauf auch ein Lied des Esslinger Reformators Ambrosius Blarer – liefert quasi den „Soundtrack“ zur Reformation. Die Aufnahmen und die CD wurden gemeinsam vom Landesarchiv Baden-Württemberg und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart produziert.
Die Ausstellung widmet sich der Frühzeit der Reformation im Herzogtum Württemberg. Die Organisatoren wollen zeigen, wie der reformatorische Gedanke nach Württemberg kam und wie er von der Bevölkerung aufgenommen wurde.
Für Peter Rückert, den Leiter des Ausstellungsteams, ist allerdings der „Sound“ der Zeit ein ganz zentrales Element, da man hören könne, wie die Reformationszeit klingt. „Wir verfügen über eine Vielzahl authentischer Zeugnisse von Menschen, die damals gelebt haben. Die sollen in der Ausstellung zum Leben erweckt werden“, erläutert Peter Rückert. Audiostationen in der Ausstellung sollen den Besuchern die Möglichkeit bieten, sich Musik und Stimmen anzuhören. Eingespielt haben die Tonzeugnisse junge Musikerinnen und Musiker der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart sowie die Schola Cantorum Tübingen unter Leitung von Stephan Morent. Die Texte, gesprochen von den Profis des Instituts für Sprechkunst der Musikhochschule, sollen so zu eindringlichen Zeugnissen einer bewegten Zeit werden. „So hat man das 16. Jahrhundert noch nicht gehört“, ist Rückert überzeugt. Die ausgebildeten Stimmen der Sprecherinnen und Sprecher wollten den 500 Jahre alten Zeugnissen Frische und Gegenwart geben. Bei der Vorstellung der CD im Sommer im Landesarchiv hat der ausgebildete Sänger Roger Gehring Lieder gesungen, Julia Reuter, Studentin der Sprechkunst und Spracherziehung, hat Texte vorgetragen – in spätmittelhochdeutschem Schwäbisch, wie Rückert anmerkte.
Bei den Vorbereitungen für „Freiheit – Wahrheit – Evangelium. Reformation in Württemberg“ stießen die Organisatoren auf die Niederschrift eines Liedes, das der Reformator Ambrosius Blarer geschrieben hatte. Der Mönch im Kloster Alpirsbach, zuständig für den südlichen Teil Württembergs, ist heute noch mit Liedern im Gesangbuch der Landeskirche vertreten. Dem jetzt aufgefundenen Liedtext „Jauchz, Erd und Himmel“ von 1536 konnte sogar die Melodie zugewiesen werden, nach der er gesungen wurde. Ebenfalls lässt sich nachvollziehen, dass der Reformer das Lied 1533 an die Freie Reichsstadt Esslingen geschickt hat: Dort sollten es die Schuljungen zu Christi Himmelfahrt singen.
Wie dieser Choral klingt, lässt sich unter anderem in der Ausstellung ab September erfahren – oder eben auf der CD hören, die es in der Ausstellung und im Landesarchiv zu kaufen gibt. Konzipiert von Peter Rückert, dem Leiter des Ausstellungsteams, und dem Musikwissenschaftler Andreas Traub versammelt sie neben den Liedern und mehrstimmigen In­strumentalwerken der Zeit auch Briefe und Erlasse, Reimsprüche und satirische Pamphlete. Dabei wurden weitere unbekannte Schriftstücke entdeckt – etwa von Hans Sachs oder dem bis dato unbekannten Spruchdichter mit dem Namen Hans Leberwurst. Bedeutende historische Figuren werden auf diese Weise sichtbar, auch bislang kaum bekannte Frauen der Reformationszeit wie Barbara von Dettingen-Schloßberg. Die CD ist inhaltlich in drei zeitliche Phasen eingeteilt und entspricht damit der Gliederung der Ausstellung. Am Beginn steht die unmittelbare Vorgeschichte der Reformation, darauf folgt die Zeit der Vertreibung des württembergischen Herzogs Ulrich, um schließlich mit der Zeit zu enden, in der die lutherische Lehre im Land ihre Wirkung entfaltet.
Die zentrale Ausstellung in Stuttgart stellt die Frühzeit der Reformation dar. Wertvolle Objekte wurden für die Ausstellungen zurückgeführt: kunstvolle Bücher und Schriftdokumente, aber auch Reliquien und liturgisches Gerät.
Die Ausstellungen in den Klöstern wiederum zeigen die Umbrüche und Veränderungen in den geistlichen Lebens- und Glaubensvorstellungen. Die Mönche wurden vor die Wahl gestellt: Sie mussten konvertieren oder die Abtei verlassen. Das Kloster Bebenhausen entführt Besucherinnen und Besucher in die Welt um 1534 – am Originalschauplatz.
Für das große Ausstellungsprojekt arbeiten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg zusammen.

Info: Die Ausstellung „Freiheit – Wahrheit – Evangelium. Reformation in Württemberg“ wird von 13. September bis 19. Januar im Kunstgebäude in Stuttgart neue Perspektiven auf die frühe Zeit der Reformation eröffnen. Gezeigt werden auf etwa 500 Quadratmetern zirka 300 Exponate, fast durchweg Zeugnisse der Zeit. Der thematische Fokus ist auf Württemberg gerichtet: Das Herzogtum war – neben Sachsen und Hessen – eines der frühesten Herrschaftsbereiche, die die Reformation einführten.
Die Ausstellung öffnet in Stuttgart am 13. September, im Kloster Maulbronn am 14. September, im Kloster Bebenhausen am 15. September und im Kloster Alpirsbach am 16. September. Weitere Infos unter www.reformation-in-wuerttemberg.de, www.kloster-maulbronn.de, www.kloster-be­benhausen.de und www.kloster-alspirsbach.de    bob / Fotos: bob


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