Der unglückliche Klosterschüler

Denkendorf gedenkt Hölderlin – Brunnen und Gedenktafel  im Maierhof  enthüllt  – Vorträge im nächsten Jahr

Vor 250 Jahren wurde Friedrich Hölderlin  geboren, auch in Denkendorf hat der Dichter Spuren hinterlassen. Schließlich war er dort  von 1784 bis 1786 Seminarist in der Klosterschule. Zur Ehrung des Dichters wurden kürzlich dem Brunnen im Maierhof der Name „Hölderlin-Brunnen“ verliehen und daneben eine Gedenktafel enthüllt.

Eigentlich sollte das Jahr 2020 ein Hölderlin-Jahr in Denkendorf werden – mit zahlreichen Vorträgen,  Veranstaltungen und sogar einem Musical. Doch dann kam Corona und machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Einiges davon soll nun im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Doch der  Festakt mit feierlicher Enthüllung des Hölderlin-Brunnens und einer Gedenktafel wurde noch  im Jubiläumsjahr gefeiert. Im Maierhof, unterhalb der Denkendorfer Klosterkirche, erinnern nun      der Brunnen und eine   Gedenktafel an die Jahre Hölderlins als Klosterschüler.

Es waren keine glücklichen Jahre, wie Pfarrer Reiner Strunk    erklärt. Der promovierte Theologe  war über viele Jahre  Leiter der Evangelischen Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf und hat den Festakt kürzlich begleitet.

„Friedrich  Hölderlin haderte mit der Strenge und der  Humorlosigkeit   der Klosterschule“, sagt Strunk. Hölderlin war in seiner Zeit als Seminarist in Denkendorf ein Junge im Alter   zwischen  14 bis 16 Jahren. Im Kloster, das man sich wie ein Internat für angehende evangelische Theologen vorstellen muss, wurden die Zöglinge hart rangenommen, wie Strunk beschreibt. Um 5 Uhr in der Früh mussten dieJungen aufstehen, danach folgte die erste Andacht,  um 7 Uhr begann der Hebräisch-Unterricht. Die Nachmittage waren für Eigenstudien  bestimmt. „Höchstens an den Sonntagnachmittagen  gab es etwas Freizeit für die Klosterschüler“, so Strunk.

Überliefert ist , dass Hölderlin auch mal sanktioniert wurde, weil er es im sonntäglichen Gottesdienst wohl hat an Aufmerksamkeit fehlen lassen. So sei er in der Folge mit Entzug des Tischweins bestraft worden. In den Jahren in Denkendorf schrieb der junge Hölderlin erste, meist  fromme Gedichte.

Sie handeln laut Strunk  von Themen wie Buße und Reue und sind eher als erste Fingerübungen eines angehenden Dichters denn  als Werke von großer Bedeutung und Qualität zu sehen. „Es sind die Selbstbespiegelungen eines frommen jungen Mannes“, sagt  Strunk. Nach seinen zwei Jahren in Denkendorf wechselte Hölderlin ins Kloster Maulbronn, auch dort war er unglücklich. Für Reiner Strunk liegt Hölderlins Unglück zum Teil in der Strenge der Klosterwelt, zum anderen aber auch an der  inneren Zerrissenheit des Menschen Hölderlin. Ein Briefwechsel, den Hölderlin mit seinem Mentor, dem Diakon Köstlin in Nürtingen, pflegte, macht diese Zerrissenheit des jungen Dichters deutlich.

Dort heißt es: „Bald hatte ich viele gute Rührungen, die vermutlich von meiner natürlichen Empfindsamkeit herrührten und also nur desto unbeständiger waren. Es ist wahr, ich glaubte,  jetzt wäre ich der rechte Christ, alles war in mir Vergnügen, und in Sonderheit die Natur machte in solchen Augenblicken einen außerordentlich lebhaften Eindruck auf mein Herz; aber ich konnte  niemand um mich leiden, wollte nur immer einsam sein.“

Strunk sieht darin deutlich die Themen,  die Hölderlins Leben bestimmten und das in der Folge keinen glücklichen Verlauf genommen hat:  die Empfindsamkeit, sein Bemühen um Religiosität, seine Naturverbundenheit und sein Hang zum Einsamsein.  bob

Info: Die für dieses Jahr geplante dreiteilige Seminarreihe „Hölderlin verstehen“, die Reiner Strunk leitet, wird im nächsten Jahr nachgeholt. Ein Termin steht noch nicht fest. Das geplante Hölderlin-Musical wird nicht stattfinden. red Foto: Gemeinde Denkendorf


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