„Der wack’re Schwabe forcht sich nit“

Mehr als schaffen, sparen und putzen? – Ausstellung im Landesmuseum Stuttgart spürt Mythen, Klischees und Identitäten nach

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Am Samstag, 22. Oktober, wird im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart die Ausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ eröffnet. Anhand von etwa 300 Kunstwerken und Objekten der Alltagskultur soll sich der Besucher in thematisch gegliederten Bereichen auf die Spur der schwäbischen Identität, vermeintlicher Wahrheiten und der Klischees rund um die Schwaben begeben.

Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart hat sich mit seiner aktuellen Landesausstellung die Aufgabe gestellt, nach der schwäbischen Identität zu forschen und dabei scheinbare Selbstverständlichkeiten auf den Prüfstand zu stellen. „Wo liegt Schwaben? Wer ist Schwabe? Was ist typisch schwäbisch?“ – diese Fragen begleiten den Besucher der Ausstellung und fordern ihn heraus, das gängige Bild vom Schwäbischen zu überdenken.

„Das Schwabenbild  ist reichlich von Klischees geprägt. Die wollen wir hinterfragen und aufarbeiten“, erklärt Frank Lang, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung. Auf rund 1300 Quadratmetern Fläche beleuchtet die Ausstellung mit etwa 300 Kunstwerken und Alltagsobjekten den Wandel des Bilds von Schwaben und seinen Bewohnern. Skulpturen, Gemälde und Kunsthandwerk ebenso wie Gebrauchsgegenstände für den Haushalt und Industrieprodukte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart illustrieren Mythen und Zerrbilder von tapferen Kriegern und obrigkeitshörigen Kehrwochen-Enthusiasten, Tüftlern, Denkern und Häuslebauern.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass allein die räumliche Zuordnung des Schwabenlands in den vergangenen Jahrhunderten großen Veränderungen unterworfen war. Reichte Schwaben zur Stauferzeit noch vom Main und vom Elsass bis zu den Alpen, so instrumentalisierte im 19. Jahrhundert das Königreich Württemberg den Begriff zur Identitätsbildung in seinem Kerngebiet. Auch die politischen und kulturellen Zentren Schwabens änderten sich. In Konstanz, Ulm und vor allem in der europäischen Finanzmetropole Augsburg konzentrierten sich über Jahrhunderte politische Macht und künstlerisches Schaffen. Erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts kommt Stuttgart zu Bedeutung.

Mit dem politischen Aufstieg Württembergs gehen auch die Bemühungen um schwäbische Identitätsfindung einher. „Wir finden widersprüchliche Klischees und widersprüchliche Bilder von den Schwaben“, sagt Frank Lang. So strickt etwa der Dichter Ludwig Uhland 1814 in seinem Heldengedicht „Schwäbische Kunde“ über den Kreuzzug des Staufers Friedrich Barbarossa nach Jerusalem am Mythos des wackeren und ruhmreichen schwäbischen Reckens. Bedrängt von Feinden schreitet der Krieger voran, denn „der wack’re Schwabe forcht sich nit“. Erst als ihm das Treiben zu bunt wird, spaltet er mit einem „Schwabenstreich“, einem einzigen Schwerthieb, einen Gegner in zwei Hälften.

Zum Entstehen des Schwabenbilds trägt ebenso die Wiederauflage der schon alten Schmähgeschichte von den sieben Schwaben im 19. Jahrhundert bei. Möglicherweise aus neidvoller Betrachtung der Tüftler und Erfinder werden da die Schwaben als heillose Tölpel verspottet, die trotz schwerer Bewaffnung vor einem Feldhasen Reißaus nehmen.

Wie Lang erklärt, müssen viele Schwabenbilder neben ihrem historischen Kontext auch regional betrachtet werden. So sei Etliches, das als „typisch schwäbisch“ seinen Weg in die Welt gefunden hat, wie etwa der berüchtigte „schwäbische“ Dreiklang schaffen-sparen-putzen, gerade einmal im pietistischen Teil Württembergs ausgeprägt. „Im bayerischen Schwaben und in den katholischen Gebieten stimmt das Klischee nicht“, sagt Lang. So liefert die Ausstellung zwar keine endgültige Antwort auf die Frage nach dem „typisch Schwäbischen“. Aber sie erhellt viele Facetten dessen, wo Schwaben, was und wer ein Schwabe ist. „Und damit kann die Ausstellung den Blickwinkel der Besucher auf ihre Heimat erweitern“, sagt Frank Lang.
pst / Fotos: Landesmuseum Württemberg

Info: Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“, Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss, Stuttgart, 22. Oktober bis 23. April. www.schwaben-stuttgart.de.


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