Der Weg zum Gemeinschaftsauto

Carsharing ist im Aufwind – Verschiedene Modelle und Möglichkeiten

Der Weg zum Gemeinschaftsauto

In der Pliensauvorstadt in Esslingen wurde kürzlich ein neuer Standort eröffnet, in Wernau versucht ein Bürger, Carsharing ins Leben zu rufen. Und während das Auto als Statussymbol bei jungen Menschen an Bedeutung verliert, wächst der Verein „Stadtmobil Stuttgart“, größter Carsharing-Anbieter in der Region. Wer ein Gemeinschaftsauto nutzt, hat zwar nicht jederzeit ein Fahrzeug startklar vor der Haustür stehen – aber insbesondere für „Wenigfahrer“ oder als Zweitwagen bietet dieses System eine ganze Reihe von Vorteilen.

In 32 Städten und Gemeinden der Region stehen mittlerweile mehr als 500 rote „Stadtmobile“ bereit, vom kleinen Toyota Aygo bis hin zum Kleinbus und Transporter. Wer bei Stadtmobil angemeldet ist, kann jedes verfügbare Fahrzeug nutzen, muss es aber an seinem festen Standort abholen und wieder dorthin zurückbringen. Gebucht wird per Internet oder über die rund um die Uhr besetzte Servicezentrale. Zugang zum Fahrzeug verschafft eine Karte, die Kunden erhalten und über die auch automatisch abgerechnet wird. Jeder, der eine solche besitzt, kann auch in anderen Stadtmobil-Städten in Deutschland die Flotte nutzen.

In Kirchheim, Nürtingen, Ostfildern und Filderstadt stehen jeweils mehrere Stadtmobil-Autos bereit, in Esslingen sind es 24 Fahrzeuge an zehn Stationen. Damit sich ein Gemeinschaftsauto trägt – einschließlich Versicherung, Steuer, Autowaschen, Kundendienst, Reifenwechsel und mehr – braucht es eine entsprechende Anzahl an Nutzern. Die kommen in einer größeren Stadt leichter zusammen als in kleineren Gemeinden. Aber auch andere Faktoren zählen: „Ausschlaggebend ist, wie sich die Ehrenamtlichen vor Ort engagieren“, sagt Edgar Augel, der bei Stadtmobil fürs Marketing zuständig ist. Oft werden in der Anfangszeit die Wartung und Kontrolle der Fahrzeuge ehrenamtlich durchgeführt, bei größerer Nutzerzahl setzt Stadtmobil Mini-Jobber ein. Als wichtigen Faktor sieht Augel auch den Standort der Fahrzeuge: Eine zentrale Lage und gute Anbindung ans ÖPNV-Netz seien von Vorteil – deshalb sind beispielsweise die fünf roten Stadtmobil-Autos in Nürtingen seit Kurzem bei der Alten Seegrasspinnerei in Bahnhofsnähe stationiert.

Firmen und Gemeindeverwaltungen können das Carsharing fördern, indem sie selbst Vertragspartner werden. Die Stadtverwaltungen von Ostfildern, Kirchheim und Esslingen gehen diesen Weg. „Wir haben zwei der Fahrzeuge für den Botendienst im Einsatz“, sagt Jochen Mack von der Stadt Ostfildern. Diese Autos sind tagsüber fest gebucht, stehen aber abends und am Wochenende anderen zur Verfügung. In Reichenbach ist es die örtliche Baugenossenschaft, die trotz des recht kleinen Nutzerkreises für eine ausreichende Auslastung des Gemeinschaftsautos sorgt. Denn das Wohnbauunternehmen bietet im Rahmen eines Sozialprojekts Fahrdienste für Senioren an und führt sie mit dem örtlichen Stadtmobil durch. Dennoch habe der Renault Kangoo genug Luft für andere Nutzer, sagt Joachim Schrader, der die Fahrdienste leistet, zumal diese eher abends und am Wochenende Bedarf hätten.

Wo die Nachfrage nicht ausreicht, um ein Stadtmobil zu finanzieren, kommen andere Modelle infrage. So hat sich in Wendlingen aus einer privaten Autoteiler-Initiative ein Verein gegründet, dem derzeit knapp zehn feste Nutzer und einige Gelegenheitsnutzer angehören. „Überrannt werden wir nicht“, sagt Ulrich Essig, der das Ganze initiiert und anfangs sein eigenes Auto zur Verfügung gestellt hat. Für die „Buchung“ der mittlerweile zwei Fahrzeuge nutzt die Gruppe ein einfaches Internet-Tool – im kleinen Rahmen sei das gut möglich, sagt Essig. Und mit Hilfe des deutschen Carsharing-Dachverbandes wurde eine passende Versicherung gefunden und Nutzerverträge gestaltet. Der Verein rechnet monatlich über Kilometer- oder Zeitpauschalen ab, die sämtliche Kosten decken sollen.

Bei Stadtmobil kommt eine Monatsgebühr hinzu, wobei die Nutzer die Wahl zwischen unterschiedlichen Tarifen haben. Allerdings sieht der Versicherungsschutz eine Selbstbeteiligung vor, die man aber durch einen erhöhten Monatsbeitrag reduzieren kann. Vorgabe für alle Fahrer ist, das Auto so zu verlassen, „dass man sich gern reinsetzt“, sagt Augel.

In Esslingen sind parallel zu den Stadtmobilen 50 Elektrosmarts der „car2go“-Flotte unterwegs. Diese Autos haben keinen festen Standort, mittels Smartphone-App finden die Kunden das nächste Fahrzeug, das sie innerhalb des Geschäftsgebiets auch wieder beliebig im öffentlichen Raum parken können.                         aia / Foto: Stadtmobil Stuttgart


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.