Die Glocken läuten wieder

Nach neun Monaten ist der Turm der Aegidiuskirche in Baltmannsweiler saniert

Wie frisch aus dem Ei gepellt zeigt sich der Turm der Aegidiuskirche in Baltmannsweiler. Nach knapp neun Monaten ist seine Sanierung fertiggestellt. Behoben wurden dabei auch Schäden, die fast 400 Jahre alt waren.

Nach außen hin sichtbar ist, dass die Fassade gestrichen, das Ziffernblatt der Turmuhr neu vergoldet und die Schallläden erneuert  wurden. Dafür habe es „viel alte Handwerkskunst“ gebraucht, sagt Pfarrer Jonathan Dörrfuß. Die wichtigsten Arbeiten fanden aber im Inneren des denkmalgeschützten Turms statt, der 1507 erbaut wurde – etwas später als das Kirchenschiff mit Baujahr 1486. Im Jahr 1648, am Ende des 30-jährigen Krieges, haben französische Soldaten ein Feuer in der Kirche gelegt, dessen Flammen auch dem Kirchturm zusetzten. Die damals entstandenen Risse und Brüche waren bis heute nicht fachgerecht saniert und wurden erst 2017 im Zuge von Taubenschutzmaßnahmen entdeckt.

An den Schäden haben die Experten mit viel Aufwand gearbeitet. Teilweise haben sie gebrochene Steine mit Edelstahlnadeln zusammengeschraubt, teils ersetzt. Fugen wurden erneuert, Lücken gefüllt. Außerdem wurden in den 1960er-Jahren aufgebrachte, heute nicht mehr zulässige Holzschutzmittel aus dem Gebälk entfernt. Noch nicht fertig sind die Glocken: Zwei von ihnen bekommen neue hölzerne Joche, deren Lieferung sich verzögert hat. Diese Arbeiten könnten aber problemlos nachträglich durchgeführt werden, erklärt der Pfarrer, der hofft, dass zum ersten Advent nach neun Monaten Schweigen wieder Glockengeläut zu hören sein wird.

Der Naturschutz spielte bei der Sanierung ebenfalls eine wichtige Rolle. Für das regelmäßig im Turm brütende Turmfalken-Paar hat man am Pfarrhaus Ausweichquartiere angebracht, die es leider nicht annahm. Die Vögel seien aber immer wieder im Dorf gesehen worden, berichtet Dörrfuß, sie haben sich wohl an anderer Stelle niedergelassen. „Die Chancen sind sehr gut, dass die Falken nächstes Jahr wieder einziehen“, hat der Pfarrer von der beauftragten Biologin erfahren. Neu entdeckt wurden  Spuren von Fledermäusen, unter anderem vom seltenen Grauen Langohr. Für sie wurden Quartiere im Turm eingerichtet.

Die Kosten für den Naturschutz lagen schließlich deutlich höher als geplant, die Steinmetzarbeiten waren dafür günstiger. Unterm Strich liege man nach aktuellem Stand im Kostenrahmen, sagt Dörrfuß. Die Gesamtkosten für die Sanierung wurden mit rund 340 000 Euro berechnet, die bürgerliche Gemeinde trägt davon 145 000 Euro, die Evangelische Landeskirche und der Kirchenbezirk tragen 76 000 Euro. Bleibt ein Eigenanteil von 118 000 Euro für die Verbundkirchengemeinde Baltmannsweiler. Ihr Ziel, 65 000 Euro durch Spenden aufzubringen, hat sie bereits erfüllt: Momentan beträgt der Spendenstand 67 313 Euro. Seit dem Jahr 2017 war mit verschiedensten Aktionen – von Flohmärkten übers Frühlingsdinner bis zum Sockenstricken – Geld gesammelt worden. Fürs „Kleingeldfasten“, bei dem die Bürger sieben Wochen lang die Münzen aus ihren Geldbeuteln räumten und spendeten, hat die Gemeinde sogar den Fundraisingpreis der Landeskirche und damit auch 1500 Euro Preisgeld gewonnen. Hinzu kamen viele kleine und große Spenden von Einzelpersonen und Firmen.

Eine Baustelle ist geschafft, eine weitere steht der Evangelischen Kirchengemeinde noch bevor: Auch das Dach auf dem Kirchenschiff braucht eine Erneuerung. Dafür müsse man zunächst „durchschnaufen“ und ansparen, sagt Dörrfuß.  aia / Foto: aia

Info: Am ersten Advent wird die Turmsanierung gefeiert:  coronabedingt aber nur mit einem Gottesdienst im Freien. Ab 10 Uhr trifft man sich auf der Kirchstraße, die dafür gesperrt wird.


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