„Effektiv und schonend“

Nordic-Walking-Weltmeister Michael Epp gibt in Wernau Kurse – Auf den richtigen Stockeinsatz kommt es an

Nordic Walking hat längst das sportliche Nischendasein verlassen und wird von einer breiten Fangemeinde betrieben. Auch Michael Epp hat sich dem Sport verschrieben, er hat es mehrmals zu Weltmeisterehren darin gebracht. Am 1. und 2. April gibt Epp in Wernau Nordic-Walking-Kurse. Das Wochenblatt ECHO hat sich im Vorfeld mit ihm unterhalten.

 

Nordic Walking galt lange Zeit als Seniorensport. Sie haben in recht jungen Jahren damit begonnen – warum?

Epp: Auch für mich war das die Seniorenvariante vom Laufen und Gehen. Vor ziemlich genau zwölf Jahren bin ich dann über meine Frau Karin zum Nordic Walking gekommen. Sie hat damals einen Kurs besucht und war ganz angetan. Irgendwann wollte ich wissen, was so toll ist am Gehen mit Stöcken und habe es ausprobiert. Nach wenigen Metern war ich so begeistert, dass ich zu meiner Frau sagte, da mache ich den Trainerschein. Noch am selben Abend meldete ich mich zu einem Trainerlehrgang an. Die Begeisterung ist geblieben.

 

Warum soll man mit Nordic Walking beginnen?

Epp: Ich komme aus dem Laufsport und vom Fußball, bei beiden fehlte mir stets der aktive Oberkörpereinsatz. Nordic Walking ist zudem ein effektiver und schonender Ausdauersport, der Rücken wird trainiert und die Beine werden entlastet. Mir wurde nach und nach bewusst, was mit dieser Bewegungsart alles gefördert wird. Wenn Lauftechnik und Stockeinsatz stimmen, werden fast alle 700 Muskeln im Körper trainiert.

Wie sollte ein Anfänger in Sachen Ausrüstung herangehen?

Epp: Zu meinen Anfängerkursen kommen manche sogar in Jeanshosen, um Nordic Walking zu testen. Eine sportliche Bekleidung ist allerdings besser – aber ganz locker und frei, ohne irgendwelches High-Tech-Equipment. Wenn sich jemand für einen Sport entschieden hat, dann kann er sich nach und nach eine Ausrüstung anschaffen.

 

Empfehlen Sie spezielle Schuhe?

Epp: Die Sportschuhhersteller sind natürlich auch auf den Trend aufgesprungen. Ich mache aber relativ viel in meinen Laufschuhen, die einfach total bequem sind. Nordic-Walking- beziehungsweise Outdoor-Schuhe haben den Vorteil, dass deren Material meist Gore-Tex ist und sie vorne meist einen leichten Spritzschutz haben, so dass das Wasser bei denen nicht ganz so schnell durch dringt. Die Spezialschuhe sind auch vom Profil her ein bisschen robuster und etwas gröber beim Material.

 

Und was gilt es bei den Stöcken zu beachten?

Epp: Ich rate von den ganzen Supermarktgeschichten absolut ab, gut und günstig passt in diesem Bereich nicht zusammen. Oft bleiben die Stöcke liegen, weil es keinen Spaß macht. Ich bin aber auch kein Freund der Teles­kopvariante, weil die Stöcke ein bisschen schwerer und nicht ganz so stabil sind wie die am Stück.  Allerdings ist das Heranziehen des Skistocks auch nicht der richtige Weg. Die Nordic-Walking-Stöcke sollten an die Körpergröße des Sportlers angepasst werden. Ein Trainer arbeitet meistens mit einem Stockhersteller zusammen, vertraut diesen Stöcken und kann Tipps geben. Wichtig ist: Der Stock muss ein gutes Handschlaufensystem haben, sollte leicht und stabil sein und benötigt eine gute Spitze.

 

Und wen das Klappern auf hartem Boden stört?

Epp: Das Klappern ist meist ein Technikproblem, je schlechter die Technik, umso lauter der Stock. Wen das klack, klack wirklich stört, für den gibt es Gummipads unten dran.

 

Wie entstand die Sportart?

Epp: Da gibt es viele verschiedene Varianten der Entstehungsgeschichte. Die Amerikaner meinen, sie hätten es erfunden. Die nordischen Länder sagen: Wir waren es. Dort diente es den Langläufern als Sommertraining. Bei uns kam es um 1997 stärker auf, auch wenn man auch hierzulande schon recht lange mit Stöcken läuft.

 

Sie bieten auch die Nordic-Walking-Variante im Wasser an. Was hat es damit auf sich?

Epp: Das war eine Idee im Jahr 2006, um ein Kursangebot etwas aufzupeppen. Allerdings waren die normalen Nordic-Walking-Stöcke dazu nicht geeignet, weil die auftreiben. Und so haben wir den Aqua-Stock entwickelt, auf den wir ein Patent haben und mit dem viel in Therapieform gearbeitet wird.

 

Auf welchem Untergrund gehen Sie denn am liebsten?

Epp: Wiese, Wald und Schotterwege machen am meisten Spaß, im Wettkampf laufe ich aber am liebsten auf Asphalt. Ich trainiere aber auch viel auf der 400-Meter-Bahn im Stadion. Da kann ich Technik und Abdruck am besten testen, üben und trainieren.

 

Wenn ein Anfänger gut gearbeitet hat, soll der dann ins Joggen übergehen?

Epp: Nein – kann er, muss aber nicht. Meistens ist es so, dass Jogger zum Nordic Walking wechseln, weil sie die Knie schonen müssen. Aber eigentlich ist beides ganz toll zu kombinieren, wenn keine Probleme mit den Gelenken bestehen. Ich laufe morgens und mache abends Nordic Walking. Es gibt schon auch Fälle, in denen Läufer vom Nordic Walking ins Joggen übergehen – aber eher weniger.

 

Auf was können sich denn die Teilnehmer Ihres Kurses in Wernau freuen?

Epp: Wir haben sehr viele Anmeldungen und haben deshalb das Programm erweitert. Sieben bis acht Trainer werden die Gruppen jeweils betreuen. Zunächst wird es eine Nordic-Walking-Technikschulung auf dem Sportplatz geben, damit man mit dem Stock richtig umgehen kann. Dann geht es auf einen Rundkurs. Natürlich wird dann nicht nur gewalkt, auch hier gibt es Tipps zur Technik. Mittlerweile kann man sich nur noch für die Zusatzeinheiten anmelden.                   ch / Foto: Epp

Info: Das Nordic-Walking-Technik-Training auf dem Sportplatz des TSV Wernau beginnt am Samstag, 1. April, 10.30 Uhr; um 13.30 Uhr geht es ins Gelände. Am Samstagabend (17 Uhr) und am Sonntagmorgen (9.30 Uhr) werden weitere Kurse angeboten. Anmeldung für die Zusatzeinheiten per E-Mail an: michael@mika-sports.com.

 

 

Zur Person

Michael Epp ist nicht nur fünffacher Nordic-Walking-Weltmeister, mehrfacher nationaler Meister und Sammler weiterer Titel in dieser Disziplin, er hat auch schon Weltrekorde aufgestellt (etwa in 24 Stunden 170,7 Kilometer gehen und in sechs Stunden 55,88 Kilometer). Und er ist Nordic-Walking-Lehrer und -Trainer. Der 46-Jährige lebt in Altshausen in Oberschwaben, in der 4200-Einwohner-Gemeinde ist er im Hauptberuf Leiter des Bürgeramts. Für seine Trainertätigkeit hat Epp eine kleine Firma gegründet, neben Nordic-Walking- und Laufkursen bietet er auch Schneeschuhtouren an.


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