Ein „Dorv“-Zentrum für das Dorf

Innovative Idee könnte das soziale Leben in Schopfloch fördern – „Entscheidend ist, was die Bürger wollen“

Der kleine Lenninger Teilort Schopfloch auf der Schwäbischen Alb mag zwar Ruhe und Beschaulichkeit ausstrahlen, doch ergeht es ihm wie vielen Dörfern in ländlich strukturierten Regionen. Die Infrastruktur ist ausgedünnt, es gibt keine Nahversorgung mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs und auch keinen Bürgertreff. Eine Gruppe Schopflocher Bürger hat daher die Initiative ergriffen und ein Projekt angeschoben, das Nahversorgung, Dienstleistung und soziales Leben unter einem Dach bündeln könnte.

Wie in vielen kleinen Ortschaften auf der Alb hat sich auch in Schopfloch das Leben  gewandelt. Viele Einwohner arbeiten im Tal, dort werden die Einkäufe erledigt und viele Dienstleistungen in Anspruch genommen.  Ein Laden etwa mit Lebensmitteln und den Dingen des täglichen Bedarfs ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten so nicht mehr zu betreiben. Entsprechend mager ist das Angebot vor Ort. Damit fehlt aber auch ein wichtiger Bezugspunkt für das soziale Leben.

Einige Schopflocher Bürger mochten  das nicht einfach hinnehmen und machten sich auf die Suche nach Lösungen. Dabei stießen sie  auf eine Initiative, die eine speziell auf kleine ländliche Ortschaften zugeschnittene Idee entwickelt hat: das „Dorv“-Zentrum.

Die Abkürzung „Dorv“ steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung. In etlichen kleinen Orten in Deutschland haben sich solche Einrichtungen bereits etabliert. Dort sind etwa kleine Läden, Postannahme- und Rezeptsammelstellen,  Café- oder andere Gas­trobetriebe unter einem Dach versammelt. Solch ein moderner Tante-Emma-Laden kann durch Kooperationen auch örtliche Handwerksbetriebe und landwirtschaftliche Erzeuger einbinden, was zum Erhalt und zur Stärkung ländlicher Strukturen, zur regionalen Wertschöpfung und zur Sicherung von  Arbeitsplätzen im Ort beitragen kann.

„Ein Dorfladen  wäre sicher eine gute Sache. Aber wir sind ein kleiner Ort und die wirtschaftliche Chance wäre sehr fraglich. Deswegen denken wir an ein Zentrum mit mehreren Angeboten unter einem Dach“, sagt Sofie Schneeweiß von der Initiativgruppe. Das Konzept stieß sowohl beim Ortschafts- als auch beim Lenninger Gemeinderat auf offene Ohren. Der Gemeinderat bewilligte 2000 Euro, um das Projekt voranzubringen. Zudem erhielt die Gruppe 4000 Euro aus dem Förderprogramm „Gut Beraten“ des Landes Baden-Württemberg. Damit werden Initiativen unterstützt, die Beteiligungsprojekte zur Verbesserung der Infrastruktur sowie des  sozialen und kulturellen Lebens im ländlichen Raum bearbeiten und sich für ihre Projekte  beraten lassen wollen.

Voraussichtlich im September wird nun mit dem Fördergeld eine Strukturanalyse für Schopfloch erstellt. Dazu gehören auch eine Ortsbegehung und eine Bedarfserhebung mittels einer Bürgerbefragung. Erst wenn diese Schritte abgeschlossen sind, wird das Projekt in die nächste Phase gehen. „Es geht  grundsätzlich darum, dass die Bürger entscheiden, was unter dem Dach eines Zentrums zu finden ist“, betont Schneeweiß.  Klar müsse sein, dass es keine Konkurrenzen zu bestehenden Betrieben geben werde. „Es kann nur Kooperationen geben. Vorhandene Strukturen sollen erhalten und gefördert werden. Entscheidend ist, was die Bürger wollen, welchen Bedarf sie haben. Das muss ein Projekt des ganzen Dorfes werden“, sagt sie.  pst / Foto: Geschäftsstelle Biosphärenreservat Schwäbische Alb/Susanne Gessner


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.