Ein Haus der Kreativität

Musikschule und Jugendkunstschule Nürtingen unter einem Dach vereint – Aus Gesundheitsamt wird „Haus der Künste“

Nach 29 Jahren haben die Musik- und die Jugendkunstschule der Stadt Nürtingen ein gemeinsames Domizil erhalten. Bei einer aufwendigen Sanierung wurde das frühere, denkmalgeschützte Gesundheitsamt in der Ersbergstraße auf den aktuellen Stand der Technik gebracht und zu einem „Haus der Künste“ umgerüstet, in dem auch die Stadtkapelle eine neue Heimat gefunden hat.

Auf einer Nutzfläche von rund 1600 Quadratmetern finden sich nun unter einem Dach diverse Ateliers und Werkstatträume für junge Künstler, Unterrichtsräume, ein Theaterraum und ein Band-Probenraum für die Musikschule sowie ein Vortrags- und Konzertsaal mit Platz für etwa 100 Besucher. Außerdem hat die Stadtkapelle einen Probenraum und Nebenräume für das Lagern von Instrumenten und Noten erhalten. Als verbindendes Element dient das großzügige, zweigeschossige Foyer, das als Begegnungsraum und Ort für gemeinsame und fächerübergreifende Veranstaltungen genutzt werden kann.

Die Musikschule und die Jugendkunstschule Nürtingens sind zwar beide städtische Bildungseinrichtungen,   waren aber über viele Jahre in verschiedenen Räumen über die Stadt verteilt. Die Chance zur Zusammenführung ergab sich, als die Ersbergschule das Gebäude des alten Gesundheitsamts nicht mehr benötigte, das sie  für die Ganztagsbetreuung und den Mensabetrieb genutzt hatte.  Die Verwaltung war überzeugt, dass die gemeinsame Nutzung große Synergieeffekte für die Kunstszene und den künstlerischen Nachwuchs der Stadt bringe. Dies sah auch  der Gemeinderat so und genehmigte das Projekt einstimmig.

Doch zunächst musste das Haus saniert werden.  Insbesondere mussten der Brandschutz aktualisiert, Rettungswege angelegt, Barrierefreiheit gewährleistet und neue Decken eingebaut werden. Dazu kamen  Einbauten für die Akustik und den Schallschutz. Die Kosten für die Sanierung wurden mit etwa 600 000 Euro veranschlagt. Allerdings wurde  klar, dass dieses Budget nicht zu halten sein würde. Denn das Gesundheitsamt, erbaut in den Jahren 1963/1964, ist als Kulturdenkmal eingetragen. Errichtet wurde es nach den Plänen der Architekten Max Bächer und Harry Lie, die als führende Vertreter des Baustils des „Brutalismus“ gelten. Der Begriff  leitet sich vom französischen béton brut, zu Deutsch Sichtbeton, ab. Das frühere Gesundheitsamt wird als architektonisch „herausragendes Beispiel für einen Verwaltungsbau“ jener Zeit bezeichnet.

Entsprechend musste die Sanierung daher in enger Abstimmung mit  dem Landesdenkmalamt   angegangen werden. Dies betraf auch die  Veränderung des Zuschnitts einzelner Räume, die nur gemeinsam mit den Denkmalexperten umgesetzt werden konnte, da der bauliche Charakter des Gebäudes nicht gestört werden durfte. All dies verzögerte die Fertigstellung und den Einzugstermin um rund ein Jahr. Überdies stiegen die Kosten auf etwa 1,3 Millionen Euro. Etwa 37 000 Euro steuerte das Land aus dem Denkmalförderprogramm bei, weitere 40 000 Euro kamen von der Denkmalstiftung. Laut Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich hat sich der Aufwand gelohnt. Das Gebäude stelle „Nürtingens Statement der kulturellen Bildung“ dar. „Hier vereinen sich Kunst und Musik in einem Haus der Kreativität – bemerkenswert und bedeutungsvoll für unsere Stadt“, stellte Fridrich zur Eröffnung fest.  pst / Jürgen Holzwarth


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