Eine schmucke Villa für die Jugend

Der Stadtjugendring ist in die sanierte Gruner-Villa in der Pliensauvorstadt eingezogen – Offizielle Eröffnung mit OB

Der Schriftzug des Esslinger Stadtjugendrings (SJR) wird künftig auf der alten Bahnhofsuhr zu lesen sein, die neuerdings im Vorgarten der Gruner-Villa in der Pliensauvorstadt steht. Mitarbeiter des SJR haben sie von der Baustelle des ehemaligen ZOB gerettet und dort aufgestellt. „Das ist eine wunderbare Adresse, die für alle gut erreichbar ist“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer, als er vergangene Woche das Haus an den SJR übergab. „Es ist eine Wertschätzung, die die Stadt den Jugendlichen entgegenbringt“, hob Hagen Schröter, Geschäftsführer der Esslinger Wohnungsbau (EWB) hervor, die das denkmalgeschützte Gebäude langfristig an den SJR vermietet.
Von Anfang an war es Teil des Konzepts, dass der Stadtjugendring auch selbst mit Hand anlegt. So haben Jugendliche etwa einige Malerarbeiten übernommen. Und SJR-Geschäftsführer Markus Benz hat zusammen mit den beiden Architekten die historische Wandbemalung im Treppenhaus mühevoll freigekratzt. Am 16. Juli ist ein Tag der offenen Tür geplant, an dem der SJR sein Domizil präsentieren will.
Im Haus läuft der Betrieb bereits. Im Erdgeschoss ist auf rund 140 Quadratmetern das Jugendbüro untergebracht. Es ist das einzige Geschoss, das über einen Treppenlift an der Außentreppe barrierefrei erreichbar ist. Die Büros der Geschäftsstelle, Besprechungsraum und eine Teeküche sind im ersten Geschoss. Im Dachgeschoss wird es eine Wohngemeinschaft geben. Die WG-Zimmer sollen an Ehrenamtliche des Stadtjugendrings nach dem Motto „Wohnrecht gegen Engagement“ vermietet werden. Ein Raum wird als Notfallzimmer des Jugendbüros genutzt. Den öffentlichen Naturspielplatz neben der Villa, der bislang wenig genutzt wurde, möchte der SJR künftig mehr einbeziehen. Zum Gebäude gehört auch das kleine Waschhaus, das derzeit noch als Lager dient. Im Hof haben die barrierefreien Sanitär-Container des SJR und der Kulturpalast feste Plätze.
Dass die Gruner-Villa einmal so schön werden würde, hatten wohl selbst die Experten anfangs nicht für möglich gehalten. Das denkmalgeschützte Gebäude war verwahrlost und in schlimmem Zustand. Aber die Villa erwies sich im Laufe der Sanierung immer mehr als Wundertüte. Dass die früheren Bewohner fast alles Historische – von den edlen Porzellankacheln über Stuckelemente bis zu den Stofftapeten – kurzerhand übermalt, abgedeckt oder zugebaut hatten, erwies sich am Ende als Vorteil. Denn vieles hat so die Jahre unversehrt überstanden.
Bereits im März 2020 hat der Gemeinderat dem Umzug des Stadtjugendrings zugestimmt. Gemeinsam hatten sich Stadtverwaltung und Stadtjugendring auf die Suche nach einem geeigneten Standort gemacht, um die bislang in der Stadt verteilten Adressen zusammenzuführen und die nötigen Rahmenbedingungen für jugendkulturelle Aktionen und Angebote wie die Kinderspielstadt Karamempel oder das Inklusionsprojekt Mimamo zu schaffen.
Ein geeignetes Objekt fand sich schließlich unweit der Pliensaubrücke in der Stuttgarter Straße 2. In Kooperation mit der Esslinger Projektentwicklungsgesellschaft (ES-PEG), einer Tochterfirma der EWB, und der ibw Gesellschaft für innovatives Bauen und Wohnen wurde schließlich ein Konzept erarbeitet. Die Esslinger Wohnungsbau vermietet das Gebäude nun an den Stadtjugendring für 20 Jahre mit einer Option auf weitere zehn Jahre.
Mit einem Jahr Bauzeit wurde der Zeitrahmen ebenso eingehalten wie das veranschlagte Budget von rund einer Million Euro. Im hinteren Bereich des Grundstücks ist durch einen Grundstückstausch zudem ein Baufenster entstanden, auf dem die EWB ein Gebäude mit sieben Wohnungen errichtet hat. Die ersten Mieter werden demnächst einziehen.

pep / Foto: Roberto Bulgrin


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