Erst müssen die Eidechsen weg

Nach der Umsiedlung der Tiere entstehen in der „Parksiedlung Nord-Ost“ 130 neue Wohnungen

Geht’s bald los mit den Bauarbeiten? Eine Frage, die sich so mancher Vorbeifahrende schon gestellt haben mag. Das Hanggrundstück oberhalb des früheren Gartenbaubetriebs Raisch in Ostfildern, auf dem sich über Jahre Gestrüpp und Buschwerk ausgebreitet haben, wirkt wie leer geräumt. „Keine Rodung“, betont Achim Geisbauer, Geschäftsführer der Hofkammer Projektentwicklung GmbH (HKPE). „Wir haben  alles oberflächennah zurückschneiden lassen.“ So sei es mit der Naturschutzbehörde abgesprochen worden. Hintergrund: Bevor die Erschließungsarbeiten für  das neue Baugebiet „Parksiedlung Nord-Ost“ beginnen, müssen alle Eidechsen, die auf dem sonnenbestrahlten Areal gute Lebensbedingungen gefunden haben, umgesiedelt werden.

Streng nach Artenschutz

Laut Geisbauer werden den ganzen Sommer über immer wieder Fachleute unterwegs sein, die die Tierchen mit kleinen Schlingen einfangen und auf die andere Seite der Breslauer Straße bringen. Dort hat man sogenannte Ersatzhabitate geschaffen, in denen die Eidechsen eine neue Heimat finden sollen. „Alles streng nach den Vorgaben des Artenschutzes“, betont der HKPE-Geschäftsführer. „So lange dürfen wir auf dem Grundstück nichts machen.“

Auf diese  paar Monate komme es ihm aber auch nicht mehr an. Geisbauer ist froh, dass er das Projekt überhaupt realisieren kann. Elf Jahre ist es her, dass die HKPE das Siedlungsprojekt zusammen mit der Stadt Ostfildern angestoßen hat. Doch das neue „Tor zur Stadt“, wie es angepriesen  wurde, lässt seither auf sich warten. Denn was auf dem Hanggrund vorgesehen ist, weckte   den Widerstand der oberhalb der Danziger Straße lebenden Menschen. Aus mehreren Gründen: Durch die neuen Baukörper werde die Sicht ins Neckartal erheblich eingeschränkt, lautet ein Kritikpunkt. Auch sei ein Verkehrschaos zu befürchten, wenn dort Wohnraum für mehr als 200 Menschen entsteht.  Vor allem wehren sich viele Bewohner der Parksiedlung gegen das Projekt, weil zu viele öffentliche Parkplätze in der Danziger Straße wegfielen.

2017 errangen die Gegner einen Sieg: Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim stoppte die Pläne mit der Begründung, dass der Lärmschutz zu wenig berücksichtigt sei. Verwaltung und Gemeinderat ließen dennoch nicht von dem Siedlungsprojekt ab. Man änderte die Pläne in der Weise, dass statt einer vielgliedrigen Bebauung nun lediglich fünf bis zu 17 Meter hohe Baukörpern entstehen sollen, die Platz bieten für  130 Wohnungen. In einer Tiefgarage soll Platz für 150 Fahrzeuge geschaffen werden.

Auch an den überarbeiteten Plänen regte sich massive Kritik: wegen der Höhe der Objekte, wegen der nicht minder problematischen Verkehrssituation und des Wegfalls vieler Parkplätze. Trotz aller Versuche von Anwohnern, das Vorhaben erneut zu stoppen, bekannte sich der Gemeinderat im November 2020 zur überarbeiteten  Fassung des Bebauungsplans. Mit 19 zu sieben Stimmen gab das Gremium grünes Licht für die „Parksiedlung Nord-Ost“. Seither ist der Bebauungsplan rechtskräftig.

Weitere Klagen anhängig

Trotzdem hoffen die Anwohner nach    wie vor, dass sie das Siedlungsprojekt noch kippen können. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, gibt es erneut eine Normenkontrollklage. Auf diesem Wege soll gerichtlich geprüft werden, ob beim Genehmigungsverfahren formale Fehler gemacht wurden, die einer Bebauung  einen Riegel vorschieben könnten. OB  Christof Bolay ist überzeugt, dass daran nicht zu rütteln ist, weil man diesmal alle Verfahrensschritte penibel geprüft habe. Auch Geisbauer geht davon aus, dass 2022 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zwei Jahre dürften ins Land gehen, bis die Wohntürme fertig sind.  hf / Foto: Ines Rudel


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