„Es gibt nur einen Heimatverein“

Vom HSV zur HSG: Handballer Manuel Späth kehrt nach dem Ende seiner langen Profi-Karriere nach Ostfildern zurück

Es sei ein „schwerer Schlag“ titelte das Hamburger Abendblatt Mitte Dezember, nachdem Manuel Späth bekannt gegeben hatte, dass er am Ende der Saison seine Profi-Karriere beim HSV Hamburg beenden wird. Der Handball-Bundesligist wollte den Vertrag des 36-jährigen Kreisläufers unbedingt verlängern. Für Späth aber ist die Zeit gekommen. Er möchte in die zweite berufliche Karriere starten. Und er möchte, dass seine Töchter Nora und Dahlia daheim in Esslingen eingeschult werden. Zudem endet in einem Jahr die Elternzeit seiner Frau Vanessa. Handball aber will er weiter spielen – und das wird er dort tun, wo er als Kind begonnen hatte: bei der HSG Ostfildern. Es ist eine Entscheidung voller Konsequenz für den bodenständigen, heimatverbundenen Familienmenschen Späth. Und ein Coup für die HSG.
Späths erster Spielerpass trägt das Datum 29. September 1990. Und den Stempel des TB Ruit. Der Verein ist einer der beiden Teile der Handball-Spielgemeinschaft mit dem TSV Scharnhausen, die zurzeit in der Verbandsliga an der Tabellenspitze steht. „Es ist ein schöner Gedanke, wieder dort zu spielen, wo ich mit Handball begonnen habe“, sagt Späth mehr als 31 Jahre später. Er hätte auch zu den höherklassigeren TSV Neuhausen oder TV Plochingen wechseln können – oder zu fast jedem ambitionierten Amateurverein im Umkreis. Letzten Endes seien für ihn nur Neuhausen oder Ostfildern in Frage gekommen, sagt Späth. Zu beiden Clubs hat er eine enge emotionale Bindung. „Es gibt nur einen Heimatverein“, begründet er, warum er bei der HSG einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Zudem sei es das passende sportliche Niveau, denn der geringere Aufwand gegenüber der Bundesliga soll schon spürbar sein.
Die Neuhausener unterstützt Späth insofern, als er zu seiner bereits bestehenden Schirmherrschaft auch die Rolle des Leistungssportkoordinators für die A-Jugend der JANO Filder, der Jugendspielgemeinschaft aus Neuhausen und Ostfildern, übernehmen wird. Auch wird er die eine oder andere Trainingseinheit der Jugend leiten.
Im Verbandsliga-, oder wenn es mit dem Aufstieg klappt im Württembergligateam, möchte er sich aber ganz auf seine Rolle als Spieler konzentrieren. Nebenbei wird er die Trainer-C- und -B-Lizenz ablegen. Eine Aufgabe als Chefcoach einer Mannschaft kann er sich erst nach seiner aktiven Zeit vorstellen.
Bei der HSG sind sie natürlich glücklich über den prominenten Zugang. „Für das Gesamtprojekt machen wir den nächsten Schritt, da wird uns Manu sportlich, menschlich und fachlich weiterhelfen. Gerade für unsere Jugend erwarten wir einen Booster von ihm“, erklärt der sportliche Leiter Magnus Gründig. „Ich sehe solche Transfers, einen Spieler aus der Bundesliga zu holen, in der Regel als riskant an. Ich bin aber guter Dinge, weil es der Manu ist.“
Für Trainer Marco Gassmann ist es eine besondere Situation, immerhin ist er zehn Jahre jünger als der mit allen Handballwassern gewaschene Späth. Aber es herrscht bei ihm die pure Freude. „Es ist eine riesen Sache – mega, eine runde Geschichte“, jubelt Gassmann. Sorgen um die Eingewöhnung macht sich der Coach nicht. „In der Defensive kann er sich sofort einbringen, weil er seit Jahren einer der besten deutschen Abwehrspieler ist. Ich glaube, dass er sich auch im Angriff schnell integrieren wird“, sagt er.
„Ich bin immer noch ehrgeizig. Mir war wichtig, zu einem Verein zu gehen, bei dem ein Leistungsgedanke dahinter steht. Das ist in Ostfildern so, natürlich auf einem anderen Niveau“, sagt Späth. Dass ihn die Gegenspieler mit besonderer Härte entgegentreten werden, fürchtet er nicht: „Viel härter als in der Bundesliga kann es da am Kreis nicht zugehen.“
In Manuel Späths Leben gab und gibt es viele Konstanten. Elf Jahre lang war er bei Frisch Auf Göppingen, drei beim TVB Stuttgart. Erst in den vergangenen zwei Jahren genoss er es, in Porto und Hamburg die Welt kennenzulernen. Dass sie ihn beim HSV ungern gehen lassen wollen, freut ihn und bestätigt ihn zugleich in seiner Entscheidung: „Ich wollte meine Karriere in einer guten Zeit beenden.“ Währenddessen nimmt er sich bis zum Sommer Zeit, auch seine berufliche Karriere in neue Bahnen zu lenken. Das Studium des internationalen Managements ist längst abgeschlossen, Kontakte sind geknüpft. „Es gibt ein bis zwei Optionen“, sagt er.

sip / Foto: Jens Wild


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