Flugshow im WM-Jahr

Dieses Jahr gibt es relativ viele Maikäfer – Trotzdem keine größeren Schäden

Manch einer wurde in letzter Zeit in der Abenddämmerung von einem dicken Brummer angeflogen. Und auch tote Maikäfer auf dem Boden kann man derzeit finden. Gerade in Jahren, in denen die Fußball-WM ist, treten Maikäfer vermehrt auf. Das liegt daran, dass die Maikäferpopulation einen vierjährigen Zyklus aufweist, bedingt durch die Entwicklungszeit der Insekten: Ihre Larven, die Engerlinge, leben mindestens drei Jahre in der Erde, bevor sie schlüpfen und die restlichen vier bis sechs Wochen ihres Lebens die Luft erobern. In dieser letzten Lebenszeit paaren sich die Tiere auch und legen Eier ab.

Natürlich fliegen auch in den Jahren dazwischen Maikäfer, aber die vierjährliche Häufung ist regelmäßig zu beobachten. Das kann an regionalen Maikäfer-Stämmen liegen, deren Zyklus besonders ins Gewicht fällt, oder auch an besonders günstigen Bedingungen für die Krabbeltiere. Engerlinge mögen es warm und trocken, der Klimawandel kommt ihnen entgegen – gut möglich, dass sie sich künftig stärker oder in kürzeren Zyklen vermehren. Auch heuer waren schon viele Maikäfer im April unterwegs.

Maikäferjahr hin oder her, in unserer Region ist ihre Zahl bislang überschaubar. „Im Kreis Esslingen haben wir in den letzten 40 Jahren zumindest keine größeren, flächendeckenden Schäden gehabt“, sagt Hansjörg Güthle vom Kreislandwirtschaftsamt. In Südbaden, zum Beispiel am Kaiserstuhl, sei das anders – da finden auch immer wieder Bekämpfungsaktionen gegen die braunen Krabbler statt.

Bis in die 1950er- und 60er-Jahre waren Maikäfer gefürchtet: Sowohl Engerlinge als auch die fertig entwickelten Käfer, die in Massen Laub- und Obstbäume kahl fraßen, richteten beachtliche Schäden an. Die nach dem Krieg großgewordene Generation erinnert sich noch, wie man sie von den Bäumen schüttelte und den Hühnern zum Fraß vorwarf. Dann wurde den Käfern mit DDT der Garaus gemacht, so gründlich, dass sie nur noch selten anzutreffen waren. Jetzt scheinen sie langsam wieder mehr zu werden. Auf Maikäfer folgen übrigens die etwas kleineren, aber sonst ganz ähnlich aussehenden Junikäfer, bei denen ebenfalls Häufungen zu beobachten sind. Die einen wie die anderen haben eine Funktion im Ökosystem, versichert Biologin Brigitte Beier vom Umweltzentrum in Plochingen: „Große Fledermausarten fressen die ganz gern“, sagt sie, ebenso  Vögel, Maulwürfe, Dachse oder Spitzmäuse.

Bei Menschen in Deutschland stehen Maikäfer dagegen heute nicht mehr auf dem Speiseplan. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war dagegen Maikäfersuppe durchaus verbreitet und auch kandierte Käfer wurden früher verspeist.  aia / Foto: dpa


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