Für den Frieden

Am Internationalen Friedenstag läuten auch im Landkreis Esslingen Glocken – Gebete und ökumenische Gottesdienste

Anlässlich des Internationalen Friedenstags am 21. September werden erstmals in der Geschichte europaweit kirchliche und säkulare Glocken gemeinsam läuten und damit ein starkes Zeichen des Friedens senden. In Deutschland haben der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, das Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschland, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz dazu aufgerufen, sich am Freitag, von 18 bis 18.15 Uhr, am gemeinsamen europäischen Glockenläuten zu beteiligen. Mit dem Läuten soll an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und an Anfang und Ende des 30-jährigen Kriegs erinnert werden. Auch im Landkreis Esslingen finden Aktionen für den Frieden statt.
In Wernau läuten fünf Glocken: die der St. Magnus Kirche, der St. Erasmus- Kirche, der Maria- Hilf- Kapelle, der Johanneskirche und die des katholischen Jugend- und Tagungshauses. Sowohl Pfarrer Felix Thome für die Katholische Gesamtkirchengemeinde als auch Pfarrer Ulf Schlimper für die Evangelische Kirchgemeinde Wernau haben ihre Teilnahme zugesichert.
In Esslingen beteiligen sich Evangelische und Katholische Kirche mit Geläut und Aktionen am Gedenktag. So gibt es einen Gottesdienst in der Krypta der katholischen Kirche St. Albertus Magnus in Oberesslingen, außerdem ein ökumenisches Friedensgebet auf dem Marktplatz in der Stadtmitte. Die Liturgen sind in St. Albertus Pfarrer Reinhard Walzer und Pastoralreferent Uwe Schindera, auf dem Marktplatz Pfarrerin Cornelia Krause und das Friedensteam des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen. „Es beginnt mit dem Läuten der Glocken um 18 Uhr“, schildert Cornelia Krause den Ablauf des Friedensgebets auf dem Marktplatz. Texte zum Thema werden gelesen, das Versöhnungsgebet wird gesprochen. „Auch das Nagelkreuz von Coventry wird gezeigt“, erklärt Krause. Das Kreuz, aus Nägeln geschaffen, erinnert an die Zerstörung der englischen Stadt Coventry und der dortigen Kathedrale im Jahr 1940 durch die deutsche Luftwaffe. Das Nagelkreuz aus den Trümmern wurde ein Friedenssymbol. Kirchen können Mitglied in der Nagelkreuzgemeinschaft werden.
So wie der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen, der als erster Kirchenbezirk Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft geworden ist und seitdem zwei Kreuze aus Nägeln besitzt. Eines der beiden Kreuze hat einen festen Platz in der Stadtkirche, das andere soll als „wanderndes Kreuz“ bei Friedensgottesdiensten und ähnlichen Aktionen dabei sein – so wie am kommenden Freitag am Marktplatz.
Glockenläuten auch in Neuhausen: Um 18 Uhr beginnen die Glocken der katholischen Kirche St. Peter und Paulus zu schlagen, allerdings keine 15 Minuten lang, wie das Pfarramt mitteilt. Die Gemeinde Denkendorf lädt gemeinsam mit den Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinden, der Neuapostolischen Kirche und dem Musikverein zu einer Veranstaltung anlässlich des Internationalen Friedenstags ein. Von 17.30 bis etwa 18.10 Uhr findet die Veranstaltung auf dem Rathausplatz statt, bei schlechtem Wetter im Rathausfoyer. Eröffnet wird mit einem Musikstück, danach gibt es eine Ansprache des Bürgermeisters. Nach einem weiteren Musikstück gibt es Gebete und Lesungen. Im Anschluss werden ab 18 Uhr die Glocken der Klosterkirche, der Auferstehungskirche, der katholischen Kirche St. Johann Baptist und der Friedhofskirche läuten.
Die evangelischen Kirchen der Gesamtkirchengemeinde Kirchheim schließen sich dem Läuten am 21. September an. Im Anschluss um 18.15 Uhr findet in der Martinskirche ein Friedensgebet statt.
Das Friedensläuten ist das erste seiner Art. „Und das Glockenläuten dauert mit 15 Minuten ja auch außergewöhnlich lang“, sagt Stefan Möhler, der leitende Pfarrer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Üblicherweise läuten die Esslinger Glocken nach einem sogenannten Läuteplan, berichtet Möhler. Und zwar meist zweimal zu den Gottesdiensten und täglich morgens um 7, mittags um 12 und abends um 19 Uhr. Ein kurzes Gebet, ein Innehalten, ein Gedanke an Gott sollten damit angeregt werden.
Besonderes Geläut, je nach Kirche, erklinge zum Teil mit den großen Glocken zu besonderen Anlässen. Möhler verweist auf die tradierte Bedeutung der Kirchenglocken, die über den religiösen Hintergrund hinausgehe. „Man darf nicht vergessen, dass Glocken auch zu sehr pragmatischen Anlässen geläutet wurden, zum Beispiel, um vor Gefahren zu warnen. Zum Beispiel, um Bauern bei einem nahenden Gewitter vom Feld zu holen.“ So hätten die Kirchtürme meist die einzigen Uhren im Ort getragen. „Ihr Viertelstundenschlag, wie er heute noch zu hören ist, war meist die einzige verbindliche Zeitangabe,“ so Möhler.
Nicht alle Gemeinden läuten zusätzlich noch bis zu viermal täglich die Kreuzglocke im Gedenken an die Passion Christi. Eher selten werde um 9 Uhr zur Aufrichtung des Kreuzes geläutet, weiß auch Claus Huber, der Glockensachverständige der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Um 11 Uhr erinnert das Kreuzläuten an die einbrechende Finsternis und den Beginn des Todeskampfs Christi. Das Läuten um 15 Uhr markiert seine Todesstunde. „Manchmal geschieht dies freitags, wie etwa in der Esslinger Stadtkirche, mit einem besonderen Geläut“, erklärt Huber. Das Vesperläuten zwischen 16 und 18 Uhr sei Zeichen für die Kreuzabnahme und Grablegung. Eine schöne Tradition ist laut Huber auch das Einläuten der Sonn- und Feiertage am Vorabend.
Im Fokus des Kulturerbejahres 2018 steht das Gemeinschaftliche und Verbindende europäischer Kulturen. Es steht unter dem Motto „Sharing heritage“ – „Erbe teilen“. Eins der größten Projekte dabei ist das europaweite Glockenläuten, das unter dem Leitspruch „Friede sei ihr erst Geläut“ läuft. In insgesamt 32 europäischen Ländern erklingen Tausende Glocken. bob/Foto: Archiv der Stadt Wernau

Info: Wer Informationen über die teilnehmenden Kirchen sucht, schaue auf der Internetseite der jeweiligen Kirchengemeinden nach.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.