Furchtlos und treu

Fans des VfB Stuttgart gehen optimistisch in die Zweitligasaison – Zuwachs bei den Fanclubs

VfB Stuttgart - 1899 Hoffenheim

Der erste Frust ist vorüber, jetzt macht sich Optimismus breit. Erstmals seit dem Aufstieg 1977 muss der VfB Stuttgart wieder in der zweiten Bundesliga antreten. Am 8. August startet der schwäbische Traditionsverein in die neue Saison. Die Anhänger stehen zu ihrem Verein: Die Fanclubs verzeichnen Zuläufe.

20 000 Fans haben das VfB-Opening vor Kurzem besucht, die Mitgliederzahlen im Verein sind mit mehr als 47 000 auf ein neues Hoch gestiegen. Diesen Trend  sehen auch die Fanclubs in den eigenen Reihen.

„Wir haben mehr Zuläufe als Austritte“, sagt Joachim Schmid, der Vorsitzende der Rot-Weißen Schwaben Berkheim (RWS), mit 1100 Mitgliedern der größte Fanclub der Stuttgarter. In den Reihen der Rot-Weißen aus Esslingen-Berkheim sind 80 neue Mitglieder zu verzeichnen, demgegenüber stehen lediglich zehn Austritte. Überwiegend junge Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren seien den RWS beigetreten, sagt Schmid.

Die Hoffnung auf den sofortigen Wiederaufstieg dominiert mittlerweile die Gefühlslage der Fans. „Die Enttäuschung über den Abstieg ist zwar sicherlich noch da, aber man musste sich ja mit der neuen Situation arrangieren“, erklärt Schmid.   Gleichzeitig warnt er vor allzu großer Euphorie. „Es gibt noch viel zu tun, um die zahlreichen jungen Spieler zu festigen.“ Außerdem brauche der VfB noch Verstärkung im Angriff, vor allem einen neuen Außenstürmer. Ein paar gute Testspiele sagten da nicht viel aus.

Dem Fall in die Zweitklassigkeit  kann Michael Hack vom Dettinger Fanclub Rot-Weiß Leberkäs auch etwas Positives abgewinnen. Der Abstieg stellt für ihn die Chance auf einen Neuanfang dar.  „Hätte es der VfB dieses Jahr wieder geschafft, sich irgendwie zu halten, dann hätte es keine wirklichen Änderungen gegeben“, sagt Hack. Insofern sei der Abstieg wichtig gewesen. Hack haben die Visionen gefehlt, die Strategie und jemand, der Impulse setzt – ein Gesamtkonzept eben. Enttäuscht ist Hack vom Ex-Präsidenten Bernd Wahler, der bei seinem Antritt viel Hoffnung verbreitet hat und den VfB zeitnah in der Champions League gesehen hatte.

Auch Joachim Schmids Kritik richtet sich an Wahler: „Er hat große Hoffnungen geweckt, war aber nicht präsent, und er hat es versäumt, Tacheles zu reden.“

Wie kann man also neuen Enttäuschungen vorbeugen? „Alle im Umfeld des VfB müssen verstanden haben, dass jetzt professionelles Arbeiten gefragt ist“, sagt Michael Hack. Damit meint er auch die Sponsoren. „Wie können es sich Firmen, die Premiumprodukte herstellen, leisten, dass in einem Stadion, das ihren Namen trägt, zweitklassige Mannschaften unterwegs sind?“, fragt er und wünscht sich, dass der Hauptsponsor noch mehr Geld fließen lässt.

Auch im Club Rot Weiß Leberkäs aus Dettingen sind die Fans zusammengerückt. Der 70 Mitglieder starke Verein hat vier neue aufgenommen. Mit jetzt 34 Dauerkarten stehen sie laut Hack gut da. Überhaupt seien sie aktiv. In den vergangenen fünf bis sechs Jahren habe es kein VfB-Auswärtsspiel ohne mindestens einen „Leberkäsler“ gegeben. Meist seien fünf bis zehn Fans mitgefahren.

Ein kleiner aber beständiger Fankreis ist ASD 91 aus Wernau. Erst kürzlich sind sie vom VfB Stuttgart für ihr 25-jähriges Bestehen geehrt worden. Thomas Schäufele ist der Sprecher des Vereins, der vor 25 Jahren aus der Fusion zweier Fanclubs hervorging. Er spürt bei den 20 Mitgliedern eine „echte Aufbruchstimmung“. Rückblickend sagt Schäufele, sei der Schmerz über den Abstieg gar nicht so schlimm gewesen. „Man hat ja viel Zeit gehabt, um sich darauf vorzubereiten. Das Schlimmste haben wir wohl hinter uns.“ Der ASD, der auf den direkten Wiederaufstieg setzt, fährt laut Schäufele fast immer komplett zu jedem Auswärtsspiel. Schäufele übt sich derweil in Selbstironie: Er freue sich auf neue Reiseziele wie Dresden, Kaiserslautern oder Heidenheim.

Für den Saisonauftakt am kommenden Montag, 8. August, gegen St. Pauli sind bereits 51 000 Karten verkauft worden. „Die Anzahl der Fanclubs steigt nach wie vor stetig, wir liegen jetzt bei etwa 425 Clubs weltweit“, sagt VfB-Pressesprecher Steffen Lindenmaier. Eine „Delle“ aufgrund des Abstiegs habe es nicht gegeben. Kürzlich sind 14 neu gegründete Fanclubs aufgenommen worden, darunter auch die Gerschdaklopfer aus Weilheim.          bob / Foto: rr


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