Gebäude soll Charakter behalten

Auf ehemaligem Electrostar-Gelände in Reichenbach haben Bauarbeiten begonnen –  5000 Quadratmeter neuer Wohnraum

Es wird gebaggert und viele Reichenbacher sind froh, dass die Arbeiten auf dem ehemaligen Electrostar-Gelände endlich begonnen haben.

Wie ein Skelett wirkt das frühere Produktions- und Verwaltungsgebäude der Firma Electrostar. Hinter Fensterrahmen ohne Scheiben gähnt Leere, trotzdem zeigt der lang gezogene Bau mit den schmalen Fliesenbändern in Querrichtung noch seine Charakteristik. Sie soll sich auch in der künftigen Fassadengestaltung wiederfinden. Zwar ohne Fliesen, weil die in der Regel nicht sehr lang haltbar seien, sagt Stephan Pflumm, Geschäftsführer bei der Projektgesellschaft Phoenix Living. Die Idee sei aber trotzdem, „dass man die Anmutung des bisherigen Gebäudes auch in der neuen Nutzung wiederfindet“ und neu interpretiere, ohne den Charakter grundlegend zu verändern. Schließlich handle es sich um einen markanten, prägenden Bau.

Phoenix Living wird sowohl dieses Gebäude, den sogenannten Querbau, zu 44 Wohnungen umbauen, als auch zwei Neubauten mit insgesamt 22 Wohnungen auf der trapezförmigen Fläche zwischen der Stuttgarter  und der Schillerstraße erstellen. Insgesamt geht es um mehr als 5000 Quadratmeter Wohnraum. Die Gesellschaft überschreibt das Quartier mit dem Titel „Das Domizil“ und ist erst relativ spät in das Vorhaben eingestiegen.

Vorher waren andere Projektentwickler zusammen mit den Eigentümern von Electro­star – beziehungsweise der Algo-Gruppe – am Werk, wobei es zu einigen Verwerfungen kam. Die erste Planung, eine Mischung aus Gewerbe- und Wohnnutzung, bei der auch die Verwaltung der Firma Electrostar mit eingezogen wäre, kam beim Gemeinderat gut an und war genehmigt. Sie wurde von Electrostar aber wieder verworfen, unter anderem, weil das Unternehmen 2018  komplett nach Ebersbach umzog.

Die Folgeplanung mit außen an den Querbau angefügten Balkonen und deutlich intensiverer Wohnnutzung lehnte der Gemeinderat ab. Danach brauchte es noch einige Zwischenschritte bis zum heutigen Ergebnis. Das alte Fabrikgebäude bekommt nun zwar zwei zusätzliche, außen angebaute Treppenhäuser, aber statt außen liegender Balkone lediglich einzelne Loggien nach innen. Seit Anfang April habe man die Baugenehmigung, sagt Stephan Pflumm, und sei direkt in die Vorbereitungen eingestiegen. Er lobt den guten Draht zur Gemeindeverwaltung und ist mit dem Verkauf sehr zufrieden.

Schon in einer Pressemitteilung vom 15. Mai berichtete das Unternehmen, dass innerhalb von vier Wochen alle Einheiten verkauft worden seien. Die Käufer hätten sich überwiegend entschlossen, ihre Wohnungen zu vermieten, erklärt Pflumm. Maklerin Senta Hoffmann aus Reichenbach wird weitervermitteln. Wohnraum ist eine Geldanlage, und attraktiv war in diesem Fall wohl auch die Förderung nach KfW-55-Standard. Ebenso eröffne die Tatsache, dass das Bauprojekt im Sanierungsgebiet Zentrum Nord liegt, interessante Abschreibungsmöglichkeiten.

Einen Eindruck vom Baufortschritt kann man auch über die Webcam auf phoenix-living.de bekommen. Im Querbau ist bereits die gesamte Haustechnik abgebaut, er soll im weiteren Verlauf „bis auf den Rohbau zurückgesetzt und neu wieder aufgebaut“ werden, so Pflumm. Der Zeitplan sieht vor, dass „Das Domizil“ bis zum Ende des ersten Quartals 2023 fertig ist. Damit wird aber nur ein kleiner Teil des Starmix-Geländes neu bebaut sein. Weitaus größer ist die restliche Fläche, auf der sich ehemalige Lager- und Montagehallen, Verwaltungsgebäude, Abstell- und Freiflächen befinden. Auch für dieses Areal  schwebt dem Reichenbacher Gemeinderat zentrumsnahes Wohnen vor. So hat das Gremium bereits vor zwei Jahren die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen und kürzlich eine Veränderungssperre verhängt. Die Grundstücke gehören allerdings nach wie vor der Firma Electrostar beziehungsweise ihrer Tochtergesellschaft.  aia/Foto: Karin Ait Atmane


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