Totgeglaubte Leben länger

Gastronom Salvatore Marrazzo lädt ECHO-Krimirätsler ein – Führung im Alten Rathaus: Spannende Geschichten aus der Esslinger Vergangenheit

Ein Toter am Kanzleiufer, Verwicklungen in kriminelle Machenschaften, Verdächtige, die sich in Lügen verstricken, ein geheimnisvolles Glockenspiel – das alles war Thema im jüngsten ECHO-Krimirätsel, in dem Kommissar Blickle den Mord an dem Esslinger Gastronomen Salvatore Marrazzo aufzuklären hatte. Auch ECHO-Leser betätigten sich als Detektive und ermittelten rasch den Buchhalter Peter Schaf als den Täter. Hatte der doch angegeben, zur Tatzeit um 17.30 Uhr das Glockenspiel am Alten Rathaus gehört zu haben. Ein erfundenes Alibi, denn das Spiel ertönt zu vollen Stunde.

Die fünf gezogenen Gewinner trafen sich mit ihren Begleitpersonen in der vergangenen Woche am Alten Rathaus, um eine exklusive Führung der Esslinger Stadmarketing und Tourismus GmbH in Esslingens geschichtsträchtigem Haus zu erleben und sich anschließend im Restaurant Accanto von Wirt Salvatore Marrazzo verköstigen zu lassen.

Wer glaubte, schon alles über das Alte Rathaus, die Uhr und das Glockenspiel zu wissen, der sah sich eines Besseren belehrt – durch die kompetenten Führer Heidi Rühle und Eckart Hirschmann. Die Kulturwissenschaftlerin und der Glockenspieler gewährten den Besuchern einen intensiven Blick hinter die Kulissen.  Im Alten Rathaus lässt sich besonders gut die Bedeutung des ehemaligen Status von Esslingen als Freie Reichsstadt nachvollziehen. Mehr als 800 Jahre genoss Esslingen das Privileg, nur dem Kaiser untertan und verpflichtet zu sein. „Das hat bis heute auf das Selbstbewusstsein der Bürger gewirkt“, so Stadtführerin Heidi   Rühle. Dass das Alte Rathaus 1420 zunächst als städtisches Kauf- und Steuerhaus errichtet wurde, wusste auch nicht jeder der Gewinner. Im Alten Rathaus sieht man, worauf die Bürger besonders stolz waren: Wohlstand und technische Neuerungen sollten der Welt zeigen: „Wir in Esslingen sind auf der Höhe der Zeit. Wir können was und wir können uns das leisten“, so beschrieb Rühle das damalige Selbstverständnis.

Das zeigt sich besonders an der astronomischen Uhr mit den Figuren, die sich über den Tag am Turm des Rathauses bewegen. Ein Adler, das Wappentier der Freien Reichsstadt, schlägt dazu mit den Flügeln.

Als das Rathaus 1926 renoviert wurde, wurde von den Esslinger Bürgern ein Glockenspiel mit 24 Glocken gespendet. Durch eine weitere Bürgerinitiative 1976 wurde das Glockenspiel noch einmal erneuert und um weitere Glocken erweitert. Der Herr am Spieltisch heute ist Eckart Hirschmann. Er hat die Aufgabe von seinem Schwager und Vorgänger Paul Schwob sozusagen „geerbt“. Hirschmann berichtete mit Stolz:  „In Deutschland gibt es etwa 240 derartige Glockenspiele, aber nirgendwo werden regelmäßig Live-Konzerte gespielt. Esslingen ist also auch in diesem Bereich einzigartig.“ Und auch gut ausgestattet: Zur Verfügung stehen mehr als 200 Lieder, die mit Lochbändern gesteuert werden. In Stuttgart seien es nur 15, wie Hirschmann erklärte. Hirschmann gibt 25 Konzerte im Jahr, ansonsten steuert ein Rechner das tägliche Glockenspiel.

Nach so viel Geschichte war relaxtes Genießen angesagt. Die gut gelaunte Truppe wurde im Restaurant Accanto  mit leckeren Vorspeisen und zwei verschiedenen Pastagerichten verwöhnt. Und dann tauchte er auf, quicklebendig und bester Laune: Wirt Salvatore Marrazzo begrüßte seine Gäste und unterhielt sie mit Anekdoten zu seiner „Ermordung“ Im Krimirätsel, die von einigen Leuten als real angesehen wurde. Das ECHO-Krimirätsel hat so viel Furore gemacht, dass auch die Eßlinger Zeitung über Marrazzos Erlebnisse berichtete.         bob / Fotos: bob


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