Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Im Landkreis Esslingen müssen bis zum Jahresende rund 3200 Flüchtlinge versorgt werden


Um Wohnraum für den weiteren Zustrom von Flüchtlingen zu sichern, hat Landrat Heinz Eininger alle Städte und Gemeinden aufgefordert, bis zum Ende der Sommerferien ihre Wohnmöglichkeiten und Grundstücke zu melden und zur Verfügung zu stellen. Eine weitere zentrale Aufgabe wird sein, die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge sowie ihre psychosoziale Betreuung sicherzustellen.

Rund 10 000 Flüchtlinge müssen jeden Monat in Baden-Württemberg untergebracht werden, das sind fast doppelt so viele Zuweisungen wie erwartet.

Bis zum Jahresende muss der Landkreis rund 3200 Unterkünfte für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt haben. Dabei sind auch  rund 1700 neue Plätze. Weitere 746 Plätze sind fürs nächste Jahr in konkreter Planung. Das dürfte aber längst nicht ausreichen: Im kommenden Jahr sind nach Schätzungen weitere 3000 Plätze notwendig, da mit einem weiteren Zustrom von Flüchtlingen gerechnet werden muss. Deshalb prüft die Kreisverwaltung, wie weitere Notunterkünfte geschaffen werden können. „Zelte, Traglufthallen, Container und Gewerbehallen können aber nur das letzte Mittel sein, Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu geben“, sagte Einiger.

Im Landkreis Esslingen haben Städte und Gemeinden schon Wohnraum zur Verfügung gestellt oder neu gebaut. Wie viele Personen aufgenommen werden, regelt eine Quote.

Wie viele Flüchtlinge aufgenommen werden müssen, hängt von der Einwohnerzahl der Stadt oder der Gemeinde im Verhältnis zur Landkreisbevölkerung ab. In Esslingen sind das 17,4 Prozent und damit werden 1160 Menschen an sieben verschiedenen Standorten leben. In Weil, in der Weststadt und in Zell werden bis Ende des Jahres rund 250 Plätze gebaut. Für das Jahr 2016 baut die Stadt auf der Flandernhöhe, in Oberesslingen und in Sulzgries.

Die Planungen für weitere 70 Plätze auf dem Zollberg laufen bereits. Auch anderswo wird gebaut. Aichwald steuert bis Mitte des Jahres 95 Plätze bei. 80 Plätze sind Ende September in Ostfildern fertig, 33 Plätze steuert Denkendorf bis November bei. In Neuhausen sollen bis Ende Januar 143 Plätze bezugsreif sein.

In Nürtingen werden bis zum Jahresende weitere 29 Plätze gebaut,  in Großbettlingen sind Ende März 2016 108 Plätze bezugsreif. Noch in diesem Jahr kommen Wohnplätze aus Altbach (40), aus Reichenbach (80), aus Plochingen (41) und aus Wendlingen (50) dazu. Bis Oktober kann die Gemeinde Hochdorf 240 Wohnplätze zur Verfügung stellen. Das ist viel mehr, als Hochdorf nach der Quote übernehmen müsste, aber laut Eininger besitzt der Landkreis ein Grundstück auf Hochdorfer Gemarkung, das er bebaut. Noch im August steuert Notzingen zehn Plätze bei, während in Weilheim derzeit 100 Plätze fertig werden.

Doch Fragen wirft nicht nur das sprichwörtliche Dach überm Kopf für die Menschen auf, die neben der Erst- auch die Anschlussunterbringung bedeutet. Die psychosoziale Betreuung der Menschen hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO), unterstützt von Ehrenamtlichen, übernommen. Der Kreis hat ein Konzept entworfen, das allerdings noch nicht durch die entscheidenden Gremien abgesegnet ist. Der Kreis will rund 0,75 Millionen Euro  investieren, um sieben neue Stellen zu finanzieren.  Das sind 75 Prozent der Kosten, den Rest tragen die Städte und Gemeinden. Der Kreis wird außerdem eine Koordinationsstelle einrichten und die Betreuung bei der Anschlussunterbringung und der Integrationshilfe ausbauen. Es gibt auch Überlegungen, Ärzte im Ruhestand für eine optimierte medizinische Betreuung der Asylsuchenden zu gewinnen – möglicherweise für eine mobile Arztpraxis. Im Landratsamt selbst sind mittlerweile 25 neue Mitarbeiter mit dem Thema Asyl beschäftigt.

„Es ist keine Frage ob, sondern wie wir die Flüchtlinge aufnehmen“, sagte der Esslinger Oberbürgermeister Zieger. Er sieht es als große Herausforderung und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, diesen Menschen die Hand zu reichen. Zieger appellierte an alle Gemeinden im Kreisgebiet und auch an die Kirchen, sich an der Aufgabe zu beteiligen und Flächen für Wohnhäuser zu akquirieren. Auch wenn es kleinen Gemeinden schwerfalle: „Wo ein Wille, da ein Grundstück“, so Zieger.

Am 25. September soll im Rahmen des runden Tischs zur Flüchtlingsunterbringung mit Vertretern der Kreistagsfraktionen der Städte und Gemeinden sowie den Kirchen über die Situation und weitere Maßnahmen beraten werden.               bob / Foto: dpa


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