Heimat auf Zeit

Mehr Komfort im Berberdorf in Esslingen – Bewohner pflegen die Anlage


Für manche ist es eine Zwischenstation, für andere eine Art Heimat – das Berberdorf unter der Pliensaubrücke in Esslingen ist noch immer die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland. Das Aufnahmehaus, das die Evangelische Gesellschaft (eva) betreibt, ist kürzlich erweitert worden. Die Bewohner mögen das und planen weitere Verschönerungen.

Es gibt nach dem Umbau fünf Sanitärcontainer gegenüber einem vor dem Umbau, einer ist ausschließlich Frauen vorbehalten. Die Container bieten Dusche, Waschbecken und eine Toilette sowie im Vorraum Waschmaschine und Trockner. Damit  verfügt jede Wohngruppe, die aus fünf bis sechs Personen besteht, über eine Sanitäreinrichtung.

Zwei neue Wohnhütten sind außerdem aufgestellt, das Gemeinschaftshaus ist in kleinere Einheiten aufgeteilt worden. Neue Versorgungstrassen gibt es für Wasser, Heizung und Strom, eine Biokläranlage löst die Fäkaliengrube ab. Der Behandlungsraum für „Doc Martin“ ist auch neu. Der Esslinger Arzt kommt einmal in der Woche mit seiner mobilen Hausarztpraxis vorbei.

Architekt Wolfgang Schwarz hat außerdem die Wege zwischen den Containern befestigt und mit einer Außenbeleuchtung versehen. Die besseren Ausstattungen führen auch zu einem höheren Identifikationsgrad der Bewohner mit ihrem Dorf. So beschreibt es der Dorf-Sozialarbeiter Horst Kenschner. Die Bewohner fühlten sich verantwortlicher, putzten ihre Sanitärcontainer selbst. In manchen Gärtchen stehen Zwerge,
Blumen sind gepflanzt. „Derzeit besprechen wir, wie wir die Sanitärcontainer im Rahmen eines Kunstprojekts gestalten“, sagt Kenschner.

„Es ist jetzt viel schöner“, sagt Monika Seffert, die seit einem Jahr im Dorf lebt. „Man kann alles besser sauber halten“, sagt auch Harry Neumann, der seit vier Jahren im Dorf lebt. Er sucht seit Langem eine eigene Wohnung. Doch mit Mischlingshund Gero unterzukommen, sei nicht einfach. „Die Idylle trügt“, sagt Kenschner. „Man darf nicht vergessen, dass sich an den massiven Problemen der Bewohner durch den Umbau nichts verändert hat.“ In der Einrichtung leben derzeit 24 Menschen, darunter sechs Frauen und sechs Personen im intensiv betreuten Wohnen. Viele sind suchtkrank und durch das Leben auf der Straße oder im Gefängnis stark geprägt. Im Dorf als Aufnahmehaus sollen sie mit Unterstützung der Betreuer neue Perspektiven entwickeln.

Die Verweildauer im Dorf ist unterschiedlich lang. „Manche ziehen weiter, andere gehen in Therapieeinrichtungen“, erklärt Kenschner. Viele blieben jedoch für lange, weil sie dort eine Heimat gefunden haben, oder aber sie sterben im Dorf.

Die Sanierungen haben 460 000 Euro gekostet, 355 600 Euro sind schon über Spenden und Zuschüsse finanziert. Den Rest muss die eva über Spenden aufbringen.         bob / Foto: bob

 

Info: Das Dorf freut sich über Kleinmöbel wie ein Ledersofa für den Versammlungsraum, aber auch über Ehrenamtliche für Freizeitprojekte. Mehr bei Horst Kenschner unter t 07 11/93 88-142.


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