Hohes Potenzial

Esslinger Kreistag lässt die Machbarkeit für einen Filder-Radschnellweg prüfen –  Bei Neckartalstrecke gibt es Probleme

Den staugeplagten Autofahrern im Filderraum winkt Entlastung – ausgerechnet durch die viel gescholtenen Radfahrer. Der geplante Bau einer Radschnellverbindung zwischen Kirchheim und Stuttgart hat die nächste Hürde genommen. Nachdem schon das Land Baden-Württemberg dem Korridor ein hohes Potenzial für eine Radautobahn bescheinigt hatte, hat vor Kurzem der Landkreis Esslingen nachgelegt. Der Ausschuss für Technik und Umwelt hat der Verwaltung grünes Licht für die Durchführung einer Machbarkeitsstudie gegeben.

Im Einzugsbereich der 20 Kilometer langen Strecke von der Stuttgarter Stadtgrenze  bis in die Innenstadt von Kirchheim  liegen nicht nur zahlreiche Bildungseinrichtungen, sondern auch eine Reihe von Gewerbegebieten und der Flughafen als einer der größten Arbeitgeber in der Region. Zusätzlichen Reiz gewinnt die Strecke, die für schnelles und kreuzungsfreies Radfahren ausgelegt ist, durch ihren Verlauf in Siedlungsnähe. Einen zusätzlichen Zugewinn an umweltfreundlicher Mobilität verspricht sich die Politik durch den Bau von Querspangen. Wenige Kilometer Radweg würden genügen, um die neue, über Wendlingen, Denkendorf und Ostfildern geführte Trasse einerseits mit dem Radschnellweg im Neckartal zu verbinden und andererseits den Anschluss an den Radschnellweg Stuttgart herzustellen.

Unter dem Strich gehen die Planer davon aus, dass jeden Tag rund 2300 Radfahrerinnen und Radfahrer die Schnellverbindung über die Filder nutzen könnten. Zum Vergleich: Die weiter fortgeschrittenen Planungen für den durch das Fils-und Neckartal führenden Radschnellweg beruhen derzeit auf der Annahme, dass dort ungefähr  2100 Nutzer täglich in die Pedale treten.

Schon in seiner Haushaltsrede vor dem Esslinger Kreistag hatte der Landrat Heinz Eininger (CDU) das Thema raus aus der Radlerecke und auf die politische Tagesordnung gelupft. „Ende nächsten Jahres wollen wir eine weitere Studie für eine durchgehende Radschnellverbindung von Kirchheim über Denkendorf nach Ostfildern angehen“, kündigte der Kreischef im vergangenen Herbst an. Dabei kann sich die Verwaltung jetzt des Rückenwinds aus dem Kreistag sicher sein. „Radfahren soll Alltag werden und nicht nur am Wochenende stattfinden“, unterstreicht die SPD-Sprecherin Angelika Matt-Heidecker. Was die zu erwartenden Diskussionen über die künftige Trassenführung anbelange, habe sie ein „leicht besseres Gefühl“ als beim derzeit diskutierten Radschnellweg durch das Neckartal. Zumindest der Einschätzung, dass die umweltfreundliche Fortbewegung auch den Alltag erobern solle, stimmte Günter Riemer (Freie Wähler) zu. Allerdings hat der bekennende Radfahrer auf der Testfahrt vom Fuße der Teck an den Flughafen noch viele Stolperstellen ausgemacht.  „Ampeln, Bordsteine, Schotter, Poller, Baustellen, verschmutzte Wege – das war kein Spaß“, fasste er die Tour zusammen. „Wenn wir sichere und durchgängige Wege anbieten, dann bringen wir 60 Prozent mehr Menschen aufs Rad“, verweist Riemer  auf einschlägige Untersuchungen.

Die Anregung von Jürgen Menzel (Grüne), auch die Untersuchung einer  Querverbindung  von Nellingen nach Esslingen hinunter ins Pflichtenheft der Machbarkeitsstudie aufzunehmen, stieß auf einhellige Zustimmung. Ebenfalls wohlwollend aufgenommen wurde die Nachricht, wonach die Machbarkeitsstudie den Landkreis billiger kommt als noch in der Verwaltungsvorlage vermerkt. Nachdem für die Gesamtkosten nicht 240 000 Euro, sondern lediglich noch 80 000 Euro angesetzt sind und das Land ohnehin für 80 Prozent aufkommt, muss der Landkreis nur noch 16 000 Euro, verteilt auf zwei Haushaltsjahre, in die Hand nehmen. Liegen die Ergebnisse vor, kommt die Trasse auf den Prüfstand der Anrainer, der Träger öffentlicher Belange und der Bürgerschaft.  adt / Foto: dpa


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