Indikator für gesunde Streuobstwiesen

135 Steinkäuze im Landkreis Esslingen – Nabu pflegt Jungvögel – Beringungsaktion am Freitag – Förderbescheide des Ministeriums

 

Der Steinkauz gilt als bedrohte Tierart. Seine Lebensgrundlage, Landschaften wie Streuobstwiesen, gehen immer weiter zurück. Seit 41 Jahren kümmert sich die Artenschutzgruppe Steinkauz Köngen-Wendlingen im Nabu Kreis Esslingen um die kleine Eulenart. Die Population der Vögel im Landkreis Esslingen hat sich seitdem von ein paar wenigen Exemplaren auf 135 vergrößert. In der vergangenen Woche hatte die Aktionsgruppe zu einer Beringungsaktion nach Wendlingen eingeladen.
Auch der Esslinger Landrat Heinz Eininger und seine Stellvertreterin, Erste Landesbeamtin Marion Leuze-Mohr, waren gekommen. Im Gepäck hatten sie die Förderbescheide des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz über einen Betrag von 3045 Euro. Damit können die Vogelschützer um den Gründer der Gruppe, Dieter Schneider, einen Teil ihrer Aktivitäten finanzieren. Dazu gehört der Bau von Niströhren, die die Nabu-Leute in den Bäumen von Streuobstwiesen aufhängen. Sie sind mit extra verschmälerten Eingängen ausgestattet, damit Marder sich nicht reinzwängen und die Jungvögel reißen können. Ebenso gehören die Kontrollen der Niströhren, deren Reinigung sowie das Monitoring und die Dokumentation des Bestands zu den Arbeiten der Gruppe. Öffentlich machen die Vogelschützer das sogenannte Verhören der Vögel, bei dem mit Lockrufen die Vögel zum Antworten animiert werden, und eben das Beringen.
Drei junge Käuze sind es diesmal: Kleine gefiederte Kerlchen, so groß wie eine Hand, klappern mit dem gebogenen Schnabel, als Dieter Schneider sie gekonnt aus der Röhre in die Hand nimmt. „Angst hat der kleine Vogel nicht“, versichert Schneider. „Er hat ja noch keinen Begriff von Gefahr.“ Aber er ärgert sich über die Störung, legt sich auf den Rücken, gibt Unmutsgeräusche von sich und streckt die Krallen angriffslustig in die Höhe.
Dieter Schneider packt die Beinchen, hält eines fest, legt den markierten Ring darum und drückt ihn mit einer Zange sanft zusammen. Jetzt ist der Vogel mit dem Ring ausgestattet, der eine Art Ausweis für das Tier darstellt und Informationen über Herkunft und Alter gibt. Dann wird der Jungvogel vermessen und gewogen: 120 Gramm bringt das 20 Tage alte Kauzküken auf die Waage. Schneider nickt zufrieden, als er auch das Brustbein des Jungkauzes abtastet: „Ein gesundes und sehr gut entwickeltes Exemplar.“
Im gesamten Landkreis gibt es derzeit nach neuen Zählungen wieder 135 junge Käuze. So wie in der Ortsgruppe Köngen-Wendlingen, die auch in Jesingen, Dettingen, Nabern und Oberboihingen aktiv ist, arbeiten drei weitere Gruppen im Neckartal, auf den Fildern und auf dem Schurwald für den Kauzbestand. Rund 300 Stunden im Jahr investiert die Köngener Gruppe, 120 Niströhren hängen in ihrem Gebiet.
Den kleinen Eulenarten kommt auch zugute, dass das Bewusstsein für die Pflege alter Kulturlandschaften wie der Streuobstwiesen wieder gewachsen ist. Und es ist ein wechselseitiger Nutzen: „Ein Kauzbe­stand ist auch immer ein Indikator für eine intakte Streuobstwiese, und ohne Biotopschutz gibt es keinen Artenschutz“, sagt Schneider, der sich vom Landrat wünschte, dass man Streuobstwiesenbesitzer stärker unterstützen möge. Zum Beispiel mit dem Bezahlen eines ordentlichen Preises für ihre Äpfel. bob

Info: Zu einem öffentlichen Beringen lädt die Gruppe Köngen-Wendlingen am Freitag, 23. Juni, 18 Uhr, ein. Der Treffpunkt ist am Friedhof in Köngen (www.nabu-kreis-es.de).


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