Intensivbetten sind knapp

Medius-Kliniken im Kreis arbeiten am Limit – Im Gegensatz zu den ersten Wellen: Junge Menschen erkranken schwer

Die Impfkampagne hat Fahrt aufgenommen, der Lockdown zeigt erste Erfolge, die Zahl der Neuinfektionen sinkt leicht, doch von Entwarnung kann noch  keine Rede sein. In den Kliniken  im Land kämpfen Ärzte und Pfleger um das Leben von an Covid-19 erkrankten  Menschen. So auch in den Medius-Kliniken in Kirchheim und Nürtingen: Der Platz auf den Intensivstationen wird knapp.

„Wir arbeiten am Limit“, zieht Jan Schnack Bilanz. Der stellvertretende Leiter der Abteilung Kommunikation  der Medius-Kliniken blickt mit  Sorge auf die Entwicklung der Krankenzahlen aus den vergangenen Tagen. Eine „leichte aber deutliche Steigerung“ nennt Jan Schnack die Tendenz. Am Montag sind   50 Covid-Patienten in den  drei Kliniken behandelt worden. Eine Woche zuvor waren es noch 38.  An den drei Standorten in Nürtingen, Kirchheim und Ruit verfügen die Medius-Kliniken über insgesamt 42 Intensivbetten. Davon sind Stand Montag  39 belegt – nicht nur durch Covid-, sondern auch durch Notfallpatienten. Die Kliniken zählen insgesamt 31 Beatmungsplätze, davon ist  noch einer im Ruiter Krankenhaus   frei.

„Es sind ja auch Betten durch Patienten belegt, die zwar intensivpflichtig sind, aber nicht beatmet werden müssen“, erklärt Schnack und räumt mit einer irrigen Vorstellung auf: „Man kann dort aber ein Beatmungsgerät, das gerade nicht im Einsatz ist,   nicht einfach abschrauben und anderswo anbauen.“

Die Medius-Kliniken sind in einem Cluster mit anderen Kliniken verbunden, so können freie Plätze schnell festgestellt werden. „Die freien Kapazitäten an Intensivplätzen  in Baden-Württemberg liegen laut Rescue Track unter zehn Prozent“, sagt Schnack. „Deshalb schlagen Intensivmediziner Alarm, das ist ein ganz fragiles System, ein paar Patienten mehr, und ein Krankenhaus ist am Limit.“

So nehmen auch die Medius-Kliniken nur noch Notfälle auf, sogenannte elektive Eingriffe sind alle abgesagt. Insgesamt werden in den drei Medius-Kliniken 50 Covid-19-Patienten behandelt. Davon liegen 35 auf der Isolierstation und 15 auf der Intensivstation. Die Klinik in  Nürtingen zählt   15 an Covid Erkrankte, sieben  liegen isoliert, sechs Patienten  werden beatmet. In der Kirchheimer Klinik werden 18 Männer und Frauen mit Covid-19 behandelt, 13 liegen auf der Isolierstation, fünf unter Beatmung auf der Intensivstation. Das Alter der Corona-Patienten auf den Intensivstationen hat sich gegenüber der ersten und zweiten Welle verändert. Über 80-Jährige sind nun nicht mehr dabei – da macht sich die Impfung bemerkbar. Die meisten –  nämlich sieben – finden sich in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen, drei Patienten sind zwischen 70 und 79 Jahre alt, ein Kranker zwischen 50 und 59 Jahren, und  drei Patienten sind zwischen 30 und 39 Jahre alt.

„Die Krankheit ist  tückisch: Wir sehen immer wieder Patienten, bei denen sich der Zustand innerhalb kürzester Zeit rapide verschlechtert“, sagt Schnack. Und mittlerweile sind   schwer an  Covid Erkrankte auch deutlich unter 40 Jahren.  Im Allgemeinen belegen gewöhnliche   Intensivpatienten einen Intensivpflegeplatz wesentlich kürzer als Covid-Kranke, die nicht selten viele Wochen beatmet werden müssen. Laut Schnack rechnen  die Medius-Kliniken mit einem Höhepunkt an Corona-Erkrankten im Laufe dieser Woche.

Das Personal arbeite am Limit, sagt Schnack. Das drohende Szenario einer Triage, die Entscheidung, wem angesichts ausgelasteter Beatmungsplätze geholfen  wird und wem nicht mehr, sei ungeheuer belastend – ebenso wie  zu erleben, wie auf einmal auch junge Menschen sterben. „Wir bieten unseren Mitarbeitern über den psychologischen Dienst Hilfen an, aber es wird zunehmend schwieriger.“  bob / Foto: Britt Moulien


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