Junge profitieren

Zehn Jahre Jobcenter Kreis Esslingen – Sonderprogramm für Langzeitarbeitslose


Im Jahr 2005 sind die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe zusammengelegt worden. Das Jobcenter Landkreis Esslingen mit seinen vier Standorten in Esslingen, Leinfelden-Echterdingen, Kirchheim und Nürtingen regelt seitdem die Belange von Leistungsberechtigten nach dem Sozialgesetzbuch II – im Volksmund Hartz-IV-Empfänger genannt. Die Träger des Jobcenters, die Vertreter der Agentur für Arbeit und des Landkreises Esslingen ziehen nach zehn Jahren eine positive Bilanz.

„Im Jobcenter haben die Arbeitsmarktprofis der Agentur für Arbeit und die Spezialisten der Sozialhilfe zusammengefunden und von Anfang an vertrauensvoll und partnerschaftlich zusammengearbeitet“, stellt Landrat Heinz Eininger fest. Für ihn macht diese „Mischung“ den Erfolg des Jobcenters aus, aber auch die Kontinuität in der Geschäftsführung.

Mit Zahlen untermauern Eininger, Wilfried Hüntelmann, der Leiter der Agentur für Arbeit Göppingen und Werner Schreiner, der Geschäftsführer des Jobcenters, ihre Bilanz. Haben im Jahr 2005 noch 7033 Menschen Grundsicherung bezogen, so liegt ihre Zahl im Jahr 2014 bei 5851 – ein Rückgang von fast 17 Prozent. Allgemein ist die Arbeitslosigkeit im Kreis um fast 35 Prozent gesunken.

Vor allem der Blick auf jugendliche Arbeitslose zeigt Erfreuliches: Die Zahl der jungen Leute in der Grundsicherung unter 25 Jahren ist um mehr als die Hälfte zurückgegangen. 2005 waren 733 junge Menschen arbeitslos. Heute sind es 340. Laut Werner Schreiner zahlt sich neben der guten Wirtschaftslage dabei die gute Kooperation mit den Unternehmen in der Region aus: „Firmen müssen bereit sein, jungen Menschen eine echte Chance zu geben.“ Das scheint zu funktionieren: Im Jahr 2014 sind laut Schreiner die Hälfte der jungen Leute oft über Praktika in feste Anstellungen gelangt.

Doch nicht alle Hartz-IV-Empfänger profitieren vom Aufschwung. Langzeitarbeitslose stellen etwa die Hälfte der Hartz-IV-Empfänger. Im Jahr 2007 waren 3001 Menschen langzeitarbeitslos, die Zahl reduzierte sich 2013 auf 2697 und stieg im Jahr  2014 wieder auf 2787an. Besonders schwer haben es Arbeitslose jenseits der 50. Um ihre Position zu verbessern, hat das Bundesarbeitsministerium „Perspektive 50plus“ aufgelegt. Mit den 600 000 Euro zusätzlich soll das Jobcenter Qualifizierungen finanzieren, denn die Hälfte der Langzeitarbeitslosen hat keinen Ausbildungsabschluss. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die zwar arbeiten, davon aber nicht leben können: Das sind die sogenannten Aufstocker (14,5 Prozent) und die Beschäftigten in schlecht bezahlten Jobs (9,4 Prozent).

Das Jobcenter betreut 13 899 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in mehr als 10 250 Bedarfsgemeinschaften – das sind 3,1 Prozent weniger als 2005. Insgesamt hat das Jobcenter sieben Millionen Euro für Qualifizierung und Weiterbildung zur Verfügung. Der gesamte Etat des Jobcenters beträgt rund 100 Millionen Euro, darin enthalten sind 80 Millionen Euro für die Leistungsempfänger sowie die 20 Millionen Euro für die Arbeit des Centers. Die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg beträgt vier Prozent, der Landkreis Esslingen liegt etwas darunter.       bob / Foto: dpa


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