Kulturvermittlung inklusive

Buchhandlungen müssen sich gegen fachfremde Konkurrenz behaupten – Leseförderung als Aufgabe und Chance – Auch Online-Angebote


Bücher werden auch in Supermärkten, an Tankstellen und übers Internet verkauft. Das macht es für Buchhandlungen nicht leicht, zu bestehen. Dennoch glauben die Händler an ihre Zukunft, wenn sie ihr Profil als Kulturvermittler und persönliche Berater der Kunden pflegen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die selbst viel lesen und ein Gespür dafür entwickeln, was genau dem jeweiligen Kunden gefallen könnte – das können all jene nicht bieten, die Bücher quasi nebenbei verkaufen. Die Fachgeschäfte für Lesefreunde laden darüber hinaus ausdrücklich zum Stöbern und Schmökern ein. So hat die Buchhandlung Zimmermann in Nürtingen eine Leseecke, in der man auch einen Kaffee bekommt, und am ersten Samstag im Monat sogar Kuchen, von einer der Mitarbeiterinnen gebacken. Inhaberin Christiane Ahlgrimm setzt zudem auf ein erweitertes Sortiment. Nicht nur mit der großen Schreibwarenabteilung als zweitem Standbein, sondern auch mit Geschenkartikeln, Tees und mehr – damit man immer was Neues entdecke, wenn man ins Geschäft komme, sagt sie.

Sogenannte „Non-Books“ findet man auch bei der Esslinger Buchhandlung H. Th. Schmidt, allerdings nur in kleinem Umfang und wenn sie wirklich zum Sortiment passen, betont Inhaberin Eva Berndt: „Eine Buchhandlung ist kein Gemischtwarenhandel.“ Sie legt Wert auf viel Fachpersonal auf den drei Etagen des Geschäfts und auf Kulturvermittlung. So habe man vor drei Jahren eine „Gäste-bei-Schmidt“-Reihe begonnen, zu der jeweils im Frühjahr und Herbst eine Handvoll zumeist regionaler Autoren eingeladen wird. „Das findet großen Zuspruch“, stellt die Inhaberin fest, „das entwickelt sich zur Marke“.

Veranstaltungen mit regionalen Autoren sind auch ein Schwerpunkt im Esslinger Buchladen „Die Zeit-Genossen“. Dessen Inhaber Bert Heim sieht seine Stärke im ganz besonderen Sortiment: Man habe „nicht die üblichen Sachen“, sondern ausgewählte Titel, die ein eher politisches Publikum ansprechen. Er schätzt den Stammkundenanteil in seinem kleinen und etwas abgelegenen Geschäft auf mindestens 70 Prozent: „Da kennt man eigentlich alle und ihre Vorlieben und kann entsprechend einkaufen.“ Auch die überschaubare Größe des Geschäfts habe durchaus Vorteile.

Christiane Ahlgrimm organisiert ebenfalls Veranstaltungen – von der Krimi-Lesung bis zur Kreativ-Vorführung – in Nürtingen wie in der zweiten Niederlassung in Kirchheim. „Damit tragen wir zum kulturellen Leben in den Städten bei“, betont sie. Ulrich Straub, vom „Bunten Bücherladen“ in Bernhausen, sieht das ähnlich. Bei den Kulturterminen verdiene man nicht direkt Geld, könne aber Kunden binden und Leseförderung betreiben. In manchen Monaten hat er mehrere Lesungen auf dem Programm, mit bekannten Namen wie dem Moderator Stefan Siller oder dem Krimiautor Wolfgang Schorlau darunter. In der Leseförderung für Kinder engagiert sich der „Bunte Bücherladen“ mit altersgerechten Lesekoffern, die im Vier-Wochen-Rhythmus von Schulklasse zu Schulklasse weitergegeben werden. Die Klassen sind zudem zum Besuch der Buchhandlung eingeladen.

Den Online-Markt überlassen die Buchhandlungen nicht den großen Versendern; sie haben alle einen Online-Shop, meist mit reichlich Leseproben und Tipps. Bestellt werden kann per Internet oder Handy-App, geliefert wird auf Wunsch nach Hause oder in die Buchhandlung, wo man am Folgetag den Titel abholen kann. Das ist und bleibt der schnellste und günstigste Weg, betonen alle unisono.

Auch E-Books werden nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung gesehen. Wer einen offenen Reader – also nicht den aufs Amazon-Format beschränkten Kindle – kauft, kann damit verschiedene Formate lesen und sich direkt in der Buchhandlung oder über deren Online-Shop den Lesestoff he­runterladen. Lesefreunde nutzen diese Möglichkeit gern parallel zum gedruckten Buch, zum Beispiel im Urlaub, wenn am Sonntagnachmittag der Lesestoff ausgeht oder für ein in Druckform vergriffenes Buch. „Wir sind für die Inhalte zuständig. In welcher Form die geliefert werden, macht letztlich keinen Unterschied“, sagt Christiane Ahlgrimm, die davon überzeugt ist, dass das gedruckte Buch Bestand haben wird.

Ulrich Straub äußert sich ebenfalls optimistisch. Dass irgendwann nur noch online eingekauft werde, hält er für Humbug und ist überzeugt: „Irgendwann sind die Leute gesättigt und freuen sich über jedes stationäre Geschäft.“ Der Buchhandel müsse „eine Atmosphäre schaffen, wo sich die Leute wohlfühlen“ – das sei seine Chance.      aia / Fotos: aia


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