Letzte Ruhestätte für treue Begleiter

Hundefriedhof im Esslinger Stadtwald erzählt Geschichten – Europaweit einer der ältesten

Im Forstdistrikt Ettenfürst im Norden des Esslinger Stadtwalds stehen nahe der Kreuzung zweier Forstwege 13 teils stark verwitterte kleine  Sandsteinquader. Umgeben von hohen alten Bäumen markieren sie die Gräber von Jagdhunden. Dieser kleine Hundefriedhof wurde im Jahr 1912 vom königlich-württembergischen Forstwart Friedrich Wilhelm Hohl angelegt und  von seinen Nachfolgern bis in die 70er-Jahre genutzt. Er gehört somit zu  den ältesten Tierfriedhöfen Europas.

Das Ettenfürsttalsträßle liegt am Nordrand des  Esslinger Stadtwalds und verbindet das tief eingeschnittene Tal des Stettener Bachs mit der Schurwaldebene zwischen den Aichwalder Ortsteilen Schanbach und Lobenrot.

Es herrscht meist Ruhe in diesem Waldgebiet. Spaziergänger, die Erholung im Esslinger Teil des Schurwalds suchen, bevorzugen meist die leicht erreichbaren Wege entlang der Römerstraße. Nur wenige Wanderer wählen die direkte Querung des Stettener Bachtals mit steilen Ab- und Anstiegen, die sie auf diesen Wirtschaftsweg führen könnte. Nahe der Kreuzung des Ettenfürsttalsträßles mit einem weiteren Forstweg, dem  Saurainsträßchen, finden Fußgänger fast direkt am Wegesrand eine Gruppe von  kleinen Sandsteinquadern, umgeben von hohen, mehr als 100 Jahre alten  Douglasien, Roteichen und Thujen.

Eine kleine hölzerne Tafel verrät dem  Wanderer das Wesentliche: In der Abgeschiedenheit und der Stille des Waldstücks im Ettenfürst hat der königlich-württembergische Forstwart  Friedrich Wilhelm Hohl im Jahr 1912 zwei seiner Jagdhunde begraben.

Die letzte Ruhestätte der Tiere wurde mit alten Grenzsteinen aus Sandstein  markiert, in die die Namen der Hunde – Lisel und Wolle – und ihre  Lebensdaten eingemeißelt wurden. Friedrich Wilhelm Hohl, der seinen Dienst im Forstrevier Lobenrot im Jahr 1896 angetreten hatte und bis zu seinem Tod 1932 dort im Amt war, hat mit  den beiden Gräbern eine außergewöhnliche Förstertradition im Esslinger Stadtwald begründet.

Seine Nachfolger im Amt nutzten den Hundefriedhof bis in die 70er-Jahre weiter. 13 Tiere liegen im Ettenfürst begraben. Besonders ihr Alter hebt die kleine Anlage aus der Vielzahl der Tierfriedhöfe hervor. So handelt es sich bei dem Hundefriedhof im Esslinger Stadtwald mutmaßlich um einen der europaweit ältesten Tierfriedhöfe. Älter ist noch eine Anlage in der Nähe von Paris, der Cimetière des chiens in der Stadt Asnière-sur-Seine, die im Jahr 1899 angelegt worden war. Der Hundefriedhof Barsberge in Seehausen in Sachsen-Anhalt gilt sogar als weltweit ältester seiner Art. Er wurde im Jahr 1878 ebenfalls von einem Förster für seine treuen Begleiter angelegt.

Anders als die Grabstätten von Schoßtieren erzählen die Hundegräber im Ettenfürst Geschichten vom Hund als profanem Nutztier im Arbeitsalltag und vom lieb gewonnenen wichtigen Partner im manchmal nicht ungefährlichen Leben der Forstbediensteten in früheren Zeiten. So mussten im königlichen Forst Hunde für die herrschaftliche Jagd bereitgehalten werden, für die Jagd auf  Fuchs und Dachs war der fast obligatorische Försterdackel im Einsatz.

Doch noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren Hunde für den Forstmann auch ein wichtiger Schutz. Oft genug sahen sich die Förster mit  Holzdieben und auch bewaffneten Wilderern konfrontiert. Noch im Jahr 1919 wurde der Forstwart Friedrich Stotz im Wald bei Hegenlohe von einem  Wilderer getötet.

Der Hundefriedhof im Esslinger Stadtwald ist nicht in das Denkmalbuch  eingetragen. „Das muss auch gar nicht unbedingt sein“, findet Henry Wolter, Abteilungsleiter Wald und Verwaltung beim Grünflächenamt der Stadt  Esslingen. Viel wichtiger als eine formelle Eintragung sei, wenn  Spaziergänger und Wanderer, die an dem Hundefriedhof vorbeikommen, einen Moment lang innehalten und über die Geschichten, die er erzählt, nachdenken. Er setze auf neugierige Waldbesucher. „Es gibt noch viele Kleinodien bei uns im Wald, die auch nicht im Denkmalbuch stehen. Wir wünschen uns, dass die Menschen aufmerksam durch die Wälder gehen und freuen uns, wenn sie sich für das interessieren, was sie dort sehen, und weiter nachfragen“, erzählt Wolter.

Daher werde man auch künftig keine  Hinweisschilder auf den Hundefriedhof an Parkplätzen oder Abzweigungen von Forstwegen finden. „Wir wollen schließlich kein Disneyland im Wald haben.“            pst / Foto: pst


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