Manche reden von Taubenplage

Rund um die Endhaltestelle in Nellingen tummeln sich häufig Vogelschwärme –  Bewohner  fühlen sich massiv belästigt

Ein Gurren dringt aus der Baustelle. Irgendwo in dem Gerüst, das die Realschule in Nellingen umschließt, tummeln sich deutlich hörbar Tauben. Einige der Vögel trippeln auf dem Gehweg vor dem Gebäude herum und suchen nach Essbarem, andere flattern umher und machen es sich auf dem Dach und auf Fenstersimsen am Haus gegenüber gemütlich. Alles in allem ist vielleicht ein Dutzend Tauben sichtbar. Aber die Anwohnerin Rose Wiedmann versichert: Da sind noch mehr. „Die sind überall“, sagt sie.

An der Endhaltestelle der Stadtbahn in Nellingen gibt es offenbar ein Taubenproblem. Zwar sind an diesem sonnigen Vormittag nur einzelne der grauen Vögel zu sehen, aber die Balkone der Seniorenwohnanlage an der Ludwig-Jahn-Straße sprechen eine andere Sprache. Überall an den Geländern hängen Folienstreifen und flatternde Bänder. Die Anwohner haben Windrädchen, Luftballons und Krähen-Attrappen angebracht. „Rascheln und Glitzern mögen die Tauben nicht“, sagt Rose Wiedmann. Auch die 86-Jährige hat auf ihrem Balkon aufgerüstet, denn sie fühlt sich stark belästigt. Überall liege der Kot der Vögel, eine 97-jährige Nachbarin habe dieser Tage bereits das zweite Ei entfernt. „Es ist eine Katastrophe. Es ist schon unerträglich“, klagt Rose Wiedmann. Sie spricht von einer Plage, „sonst würden sich die alten Leute keine Mühe machen, das Raschelzeug anzubringen“.

Die Schwärme sind laut ihrer Beobachtung immer auf der Wanderschaft. Mal seien sie da, dann sei wieder für ein paar Stunden oder Tage Ruhe. Bisweilen seien es aber Hunderte. Seit etwa drei, vier Jahren würden es immer mehr. Eine junge Frau beim örtlichen Bäcker bestätigt das. „Es ist schon übel geworden in den letzten Jahren“, sagt Rose Wiedmann.

Warum rund um die Ludwig-Jahn-Straße so viele Tauben sind, da kann Rose Wiedmann nur mutmaßen. Die Tiere seien wohl auf die Krümel aus, die auf den Boden fallen, wenn Bäckerei-Kunden ihr frisch erworbenes Gebäck auf dem Bahnhofsvorplatz verzehren. „Es gibt auch junge Eltern, die zeigen ihren Kindern, wie man Tauben füttert. Das ist der größte Quatsch.“

Der Stadtverwaltung Ostfildern ist das Problem bekannt, bestätigt der Sprecher Dominique Wehrle auf Nachfrage. Und nicht nur rund um die Stadtbahn-Haltestelle in Nellingen tummeln sich demnach immer wieder viele der Stadtvögel. Nahrungsangebote lockten die Tiere beispielsweise auch im Scharnhauser Park und auf dem Campus-Gelände an. Wehrle betont: Auf öffentlichen Flächen dürfen Tauben gemäß der städtischen Polizeiverordnung nicht gefüttert werden.

Bei der Stadtverwaltung will man die Angelegenheit nun mit Nachdruck angehen. „Wir sind derzeit im Austausch mit bürgerschaftlich Engagierten und Mitgliedern des Nabu, um dieses Thema gemeinsam zu bearbeiten“, lässt sich Bürgermeisterin Monika Bader in einer Stellungnahme der Stadt zitieren. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten werde der Taubenschutz auf dem Campus-Gelände ausgebaut. Am Gerüst an der Realschule könne indes aufgrund der Baumaßnahmen nichts dergleichen angebracht werden. Rose Wiedmann ist froh, dass sich endlich jemand der Sache annimmt. „Wir atmen alle auf.“    car / Foto: Caroline Holowiecki                                


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