Markus Grübel und Michael Hennrich holen Direktmandate

CDU-Bundestagsabgeordnete verteidigen die Wahlkreise im Landkreis – In Esslingen zieht auch der Grüne Sebastian Schäfer in den Bundestag ein – Quartett als Nürtinger Vertreter in Berlin

Es war ein Wahlabend voller Spannung. Während sich SPD und CDU bundesweit ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, deuteten sich am Sonntag im Wahlkreis Esslingen zwar schon frühzeitig klare Verhältnisse in Sachen Direktmandat an. Dennoch waren starke Nerven gefragt, weil die Stimmauszählung in vielen Kommunen ungewöhnlich lange auf sich warten ließ: Während etwa Altbach sein Endergebnis bereits kurz nach 19.30 Uhr vermeldete, wurde anderswo bis in die Nacht ausgezählt. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel sicherte sich im Wahlkreis Esslingen einmal mehr das Direktmandat. Ein Blick auf die Zahlen dürfte seine Freude allerdings getrübt haben: Die 40 Prozent der Erststimmen, die schon 2017 nicht zu Jubelstürmen Anlass gegeben hatten, hat Grübel mit 32,0 Prozent klar verfehlt.  Nach einer  Zitterpartie hat es auch für Sebastian Schäfer (Grüne) für den Einzug in den Bundestag gereicht.

Die aktuelle politische Großwetterlage zeigte auch im Wahlkreis  Esslingen Wirkung. Anders als im Bund haben die Christdemokraten hier zwar noch die Nase vorn, doch die SPD hat zugelegt. Die Grünen gewannen gegenüber 2017 ebenfalls hinzu, blieben jedoch hinter den eigenen Erwartungen zurück. Deutliche Zugewinne gab es hingegen für die FDP, während AfD und Linke  Verluste verzeichneten.

Für  Markus Grübel, der auf der CDU-Landesliste nicht abgesichert war, hatte der Wahlkampf bereits im vergangenen Jahr begonnen – innerhalb der eigenen Partei. Denn mit dem Esslinger CDU-Stadtrat Tim Hauser hatte sich ein junger Parteifreund ebenfalls um die Kandidatur bemüht, war allerdings in der innerparteilichen Kandidatenkür deutlich unterlegen. „Mir geht es gut – nach der Vorgeschichte“, sagte Grübel am Wahlabend. Wochenlang sei die CDU gegen den Wind gesegelt, nun sei er aber doch als Erster ins Ziel gekommen. „Es freut mich persönlich“, sagte der 61-Jährige mit Blick auf das von ihm verteidigte Direktmandat im Wahlkreis Esslingen. Das Gesamtergebnis im Landkreis und im Bund sei jedoch für seine Partei nicht befriedigend. Nun gelte es für die Christdemokraten, das Wahlergebnis zu analysieren.

Dagegen geht Argyri Paraschaki (SPD), die ihre Kandidatur ebenfalls gegen innerparteiliche Konkurrenz durchsetzen musste, gestärkt aus der Bundestagswahl hervor. Ihr Erststimmenergebnis (21,8 Prozent) lag  über dem des Grünen-Kandidaten Sebastian Schäfer (18,4 Prozent). Dass Paraschaki den Einzug in den Bundestag verfehlt hat, hatte sich schon frühzeitig angedeutet: Platz 31 auf der baden-württembergischen SPD-Landesliste war eine zu hohe Hürde, um doch noch ein Mandat zu holen. „Das sind für mich gute Ergebnisse“, freute sich die 44-Jährige über den Stimmenzuwachs für ihre Partei in Bund und Wahlkreis.  

Der Grünen-Kandidat Sebastian Schäfer hat es nach einer „ganz engen Kiste“ geschafft. Schäfer reichte Platz 18 der Landesliste für den Einzug ins Parlament. Doch nicht nur das eigene Ergebnis hat Schäfer am Wahlabend beschäftigt: „Wir haben unser Ergebnis als Grüne zwar gegenüber 2017 gesteigert, aber das selbst gesteckte Ziel nicht erreicht. Die politische Situation in Berlin ist durch dieses Wahlergebnis nicht einfacher geworden. Ich kann nur hoffen, dass alle ihrer staatspolitischen Verantwortung nun gerecht werden und dass wir eine stabile Regierung bilden können.“

Robert Langer von der FDP blieb im Rennen um ein Bundestagsmandat chancenlos, weil  er  auf der Landesliste seiner Partei nicht abgesichert war. Der Kandidat der Linken,  Anil Besli,  hat mit seiner Partei die Erwartungen klar verfehlt, und auch für AfD-Bewerber Boris Malewski,   dessen Partei ebenfalls Stimmverluste  verbuchte, war mit einem Einzug in den Bundestag nicht zu rechnen.

Auch der Wahlkreis  Nürtingen bleibt eine sichere Bank für die CDU.  Deren Kandidat,  Michael Hennrich,  zieht dort erneut in den Deutschen Bundestag ein – zum sechsten Mal von den Wählerinnen und Wählern mit dem Direktmandat versehen. Dazu haben am Sonntag  30,1   Prozent der  Erststimmen gereicht. Dabei hat Hennrich, ebenso wie die CDU bundesweit, ordentlich Federn lassen müssen. Vor vier Jahren hatten ihm noch 39,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihr Vertrauen ausgesprochen.  Von „mehr als einem blauen Auge“ spricht  denn auch der Christdemokrat.

In dem ländlich geprägten Wahlkreis zwischen Filderebene,  Neckartal und Schwäbischer Alb kam Nils Schmid auf den zweiten Rang. Der Sozialdemokrat legte im Vergleich zur Wahl von 2017 um gut  zwei   Prozentpunkte auf 21 Prozent zu. Für ihn ist klar:  „Die Leute wollen Scholz und nicht Laschet.“ Entsprechend liebäugelt Schmid mit einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP.

Während sich der persönliche Stimmenzugewinn   des SPD-Kandidaten angesichts   des bundesweiten Höhenflugs seiner Partei relativiert und auch das Wahlkreisergebnis des  Grünen-Bewerbers Matthias Gastel  („Wir sind als Partei längst in der Mitte der Gesellschaft mit hoher Akzeptanz angekommen“) mit gut drei Punkten auf nun rund 18 Prozent  einen geringen Ausschlag nach oben ausweist,  darf sich Renata Alt als heimliche Gewinnerin fühlen.   Die FDP-Kandidatin lag mit 13,8 Prozent nicht nur deutlich über dem Bundesergebnis ihrer Partei, sie hat auch ihr eigenes Erststimmenergebnis  von  2017 um fast sechs Prozent  übertroffen.

Der Wahlkreis Nürtingen wird damit in den kommenden vier Jahren in Berlin weiterhin von einem erfahrenen Politiker-Quartett vertreten werden.  Hennrich war im Jahr 2002 erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt worden.   Gastel vertritt den Wahlkreis 262 dort immerhin schon seit der Wahl im Jahr 2013. Sowohl für  Schmid als auch für  Alt beginnt mit der ersten Sitzung des 20. Deutschen Bundestags am Sonntag, 24. Oktober, die zweite Wahlperiode im Parlament.

Den Kandidatinnen und Kandidaten der anderen Parteien waren schon im Vorfeld wenig Chancen auf einen Sitz im Bundestag eingeräumt worden. Das Verfolgerfeld hinter den großen Vier führt die AfD-Bewerberin Kerstin Hanske an (8,3  Prozent). Der Linken-Kandidat Hüseyin Sahin vereinigte lediglich 2,4 Prozent der Stimmen auf sich. Im Wahlkreis 262 haben sich  elf Kandidatinnen und Kandidaten um die Gunst der mehr als 200 000 Wahlberechtigten beworben.  Lediglich die Freien Wähler mit Markus Mangold und die Partei Die Basis mit Ilona Timmermann haben bei den Erststimmen noch die Zwei-Prozent-Hürde übersprungen.  Die Wahlbeteiligung liegt mit knapp über 80 Prozent auf dem Niveau von 2017. 

adi/adt / Foto: Horst Rudel


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