Mehr Tempo beim Glasfaserausbau

Der Landkreis Esslingen hat zusammen mit der Gigabit-Region Stuttgart ehrgeizige Ziele

Nicht immer ist das Ländle vorne dran. In Sachen Glasfasernetz hinkt Baden-Württemberg sogar ziemlich hinterher. Das soll sich ändern: Die Region Stuttgart und mit ihr der Landkreis Esslingen haben die Aufholjagd begonnen. „Wir nehmen deutlich Fahrt auf“, sagte Landrat Heinz Eininger bei einem Pressetermin.

Basis für die Offensive ist die Gigabit-Region Stuttgart, in der sich neben der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und der Landeshauptstadt fünf Landkreise zusammengeschlossen haben. Der Zweckverband Breitbandversorgung Kreis Esslingen ist als Vertreter von 44 Kommunen dabei. Wenn es vorangehen soll – bisher sind gerade mal zwei Prozent aller Anschlüsse in Baden-Württemberg mit Glasfaser versorgt – müssen möglichst alle an einem Strang ziehen, da sind sich die Verantwortlichen einig. Sie haben zudem über einen Kooperationsrahmenvertrag die Telekom mit ins Boot genommen.

Seit gut einem Jahr wird in diesem Rahmen der Breitbandausbau vorangetrieben. Der Schwerpunkt lag zunächst auf Gewerbegebieten: In Kirchheim, Dettingen, Neuhausen und Esslingen ist schon einiges passiert; in Deizisau und Ostfildern wird gerade gebaut, in Weilheim und Denkendorf geplant. Ebenfalls angeschlossen sind sämtliche beruflichen Schulen im Kreis Esslingen wie auch die Medius-Kliniken.

Doch auch Privathaushalte rücken  verstärkt in den Fokus. Die Corona-Pandemie habe dabei „nicht nur im Bewusstsein einen Schub gebracht“, ist Eininger überzeugt. Sie habe gezeigt, wie wichtig digitale Anbindung ist, und wie schnell auch zu Hause das Datennetz überlastet ist, wenn mehrere Nutzer es brauchen. Der Landrat hofft deshalb, dass viele Privathaushalte die Glasfaseranbindung nicht nur fordern, sondern auch selbst einen Anschluss buchen. Das ist nach wie vor Bedingung für den Ausbau, der sich nur dann lohnt, wenn eine bestimmte Quote erreicht wird. Je nach Aufwand vor Ort kann diese unterschiedlich ausfallen, im Durchschnitt liegt sie bei rund 30 Prozent der Anschlüsse. Ist das Interesse geringer, wird der Ausbau an dieser Stelle nicht angepackt.

Pilotkommune in der Gigabit-Region war Bempflingen, das nun nach Kornwestheim am zweitbesten im Ländle versorgt ist. Nahezu alle Haushalte dort haben einen Glasfaseranschluss erhalten. Nächster Leuchtturm soll Lichtenwald werden, wo der Ausbau bereits läuft. In weiteren Gemeinden und Städten sind die Planungen abgeschlossen, unter anderem in Plochingen, Wendlingen und Wolfschlugen rollt die Umsetzung an. „Wir konzentrieren uns nicht nur auf die urbanen Gebiete, sondern auch auf ländliche Randbereiche“, betont Hans-Jürgen Bahde, der Geschäftsführer der Gigabit-Region Stuttgart.

Im Kreis Esslingen wurden innerhalb des ersten Jahres der Offensive mehr als 280 Kilometer Glasfaser verlegt und rund 4700 Haushalte und Unternehmen angeschlossen. Das Ziel sind mehr als 50 000 Anschlüsse bis Ende 2021. Selbst dann bleibt noch Potenzial, denn der Landkreis Esslingen zählt rund 225 000 Haushalte.

Die Region insgesamt strebt eine 90-prozentige Abdeckung bis 2030 an. Dafür sollen 1,6 Milliarden Euro investiert werden. Die Telekom hatte ohnehin ein Engagement über 600 Millionen Euro in der Region geplant und im Zug des Kooperationsrahmenvertrages weitere 500 Millionen zugesagt – vorausgesetzt, die Gemeinden vor Ort tragen die Finanzierung mit.

Das halten nicht alle Kommunen für richtig, doch aus Sicht der beteiligten Partner liegt hierin die Chance, voranzukommen. Man habe lange darauf gesetzt, dass die freie Marktwirtschaft die Sache regelt, sagt Eininger: „Dass dem nicht so ist, wissen wir inzwischen.“ Trotz der Partnerschaft mit der Telekom wird der Netzausbau jeweils ausgeschrieben, sodass auch andere Bieter zum Zug kommen können. Für die Kunden spielt das längerfristig ohnehin keine Rolle, nach zwei Jahren  haben sie freie Anbieterwahl.  aia / Foto: Max Kovalenko/Gigabit-Region Stuttgart


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