Mit Menschen und der Natur arbeiten

Seit 25 Jahren gibt es das Freiwillige Ökologische Jahr – Relativ wenig Stellen, aber breites Einsatzspektrum


Sophia Laumann ist für ihren Freiwilligendienst von Nordrhein-Westfalen nach Filderstadt gezogen. Denn dort auf der Jugendfarm fand sie die Stelle, die ihren Vorstellungen entsprach. Mit Kindern und mit Tieren arbeiten, am besten draußen – das kann sie im Rahmen ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres umsetzen. Das FÖJ ist sozusagen die jüngere, „grüne“ Schwester des Freiwilligen Sozialen Jahres. Eingeführt wurde es vor 25 Jahren, weshalb vergangene Woche in Stuttgart sein Jubiläum gefeiert wurde.

Auch Carolin Hartmann arbeitet seit dem 1. September als FÖJlerin auf der Jugendfarm Filderstadt. Selbst Pferdefan und Reiterin, fand die 19-Jährige dort das aus ihrer Sicht perfekte Aufgabengebiet. Das Konzept und der Alltag auf der Jugendfarm haben die beiden nicht enttäuscht.

Man lerne ständig Neues, werde an viele Dinge herangeführt, erzählen sie. „Wir haben relativ am Anfang schon sehr viel Verantwortung übertragen bekommen“, sagt Hartmann. Auch eigene Ideen würden vom Team offen aufgenommen, sodass man sich ausprobieren und auch „über sich hinauswachsen“ könne. Mit dem Schweißgerät arbeiten gehört da schon auch mal dazu, was Hartmann „total cool“ findet. Laumann hat auch im Umgang mit Tieren „viel Neuland“ betreten.

Bei sieben Ponys, zwei Eseln, sechs Hühnern, drei Ziegen, vier Schafen und zwei Katzen stellt sich die Erfahrung schnell ein.

Die Seminartage, die beim FÖJ wie beim FSJ blockweise stattfinden, loben beide ebenfalls: Da würden tolle, vielschichtige Inhalte vermittelt, „methodisch richtig gut“. Carolin Hartmann, die ein wirtschaftliches Studium anstrebt, hat darunter für sie interessante „wirtschaftlich-ökologische“ Themen gefunden. Sophia Laumann könnte sich gut vorstellen, auch beruflich in Richtung Natur und Pädagogik zu gehen: „Die Verbindung gefällt mir sehr gut.“ Jugendfarm-Mitarbeiter Klaus Schock hat an den Freiwilligen ebenfalls viel Freude. Wer sich auf ein FÖJ bewerbe, habe die Stelle oft sehr gezielt ausgesucht, ist seine Erfahrung – entsprechend motiviert erlebt er die jungen Leute.

„Ich hatte eigentlich überhaupt nicht im Blick, was Ökologisches zu machen“, gesteht dagegen Tamara Seidl. Aber die FÖJ-Stelle beim Naturschutzzentrum Schopflocher Alb passte. „Das klang nach Aktivitäten und nach draußen sein“, sagt die junge Frau, die mittlerweile zu ihrer eigenen Überraschung durchaus Interesse an der „grünen Branche“ gefunden hat.

Vor einem Jahr „wäre mir das nie in den Sinn gekommen“, gesteht sie. Ihr Kollege Nico Staiger, der ebenfalls am 1. September als „Öko-Freiwilliger“ begonnen hat, wusste dagegen schon, dass er eine forstwirtschaftliche Ausbildung machen möchte. Das FÖJ im Naturschutzzentrum erlaubt ihm, vorher noch ein Jahr lang in benachbarte Bereiche reinzuschnuppern. Und das hat durchaus seinen Berufswunsch bestätigt; Nicos liebste Tätigkeit ist, mit den Rangern – den Naturschutzwarten des Landkreises – auf Tour zu gehen.

„Hier kriegt man einen Einblick in ganz verschiedene Richtungen“, sagt Ulrike Walter vom Naturschutzzentrum, die die beiden begleitet. Die Palette reiche von manchmal schweißtreibenden Landschaftspflege-Einsätzen über Führungen für Schulklassen bis hin zum Wochenenddienst mit Verkauf im Shop des Zentrums: „Da hat man dann auch die Touristik-Seite.“

Etliche FÖJler hätten dort schon Interesse an „grünen Berufen“ entdeckt, viele auch – dank der Führungen – am Lehrberuf. Alle setzen im Lauf des Jahres selbstständig eine eigene, große Projektarbeit um: So will Tamara Seidl einen Barfußpfad für Kinder konzipieren und anlegen, während Nico Staiger Holzarbeiten für junge Besucher vorbereiten möchte. Im Naturschutzzentrum arbeiten zwar auch viele andere, ältere Ehrenamtliche – aber ohne die jungen Freiwilligen, die ein ganzes Jahr lang täglich da sind, ginge es nicht.

„Wir könnten das Geschäft nicht stemmen“, sagt Ulrike Walter. In der Dachwohnung im Naturschutzzentrum können bei Bedarf zwei Freiwillige unterkommen. Einige FÖJler, die von auswärts kamen, haben diese Möglichkeit schon genutzt. Auch in der Wohnung beziehungsweise deren Lage steckt durchaus eine Herausforderung: Zwischen Schopfloch und dem Schopflocher Moor liegt das Naturschutzzen­trum ziemlich einsam.          aia / Foto: aia


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