Mit Schwert und Schild

Auf eine Zeitreise zu den Rittern mit der „Legion of the Stag“ in Grabenstetten – Sicherheit hat beim Kräftemessen höchste Priorität

Ob König Artus oder Prinz Eisenherz: Seit jeher üben die Helden in Rüstung eine große Faszination aus. Die Männer und Frauen der „Legion of the Stag“ Grabenstetten belassen es aber nicht bei der Rückbesinnung, bei Büchern oder Filmen: Mit Schwert und Schild tauchen sie in die Ritterzeit ein.

Sonntags, mitten in Grabenstetten, ist das Mittelalter auf einmal lebendig: Im Hof an der Falkensteiner Halle umkreisen sich zwei Kombattanten in glänzender Rüstung und gezückten Schwertern. „Na komm“, sagt Marcus Borchert, senkt sein Schild etwas und nickt seinem Gegenüber auffordernd zu. Der lässt sich nicht lange bitten und attackiert. Etwas zu hektisch: Eine geschickte Parade, ein Schritt zur Seite und der Angriff läuft ins Leere.

Jeden Sonntag trainiert die „Legion of the Stag“ dort – so das Wetter mitspielt. Elf Mitglieder hat die Kompagnie derzeit. Im Übrigen nicht nur Männer: Auch Frauen mischen beim „Circle“, wie die Kampfrunden heißen, mit.

Die Idee zur Legion kam von England rüber zu den Schwaben. Dort ist das Combat-Reenactment, also die Nachstellung historischer Kampfweisen und Schlachten, weitaus verbreiteter als in Deutschland. Doch inzwischen haben auch hierzulande etliche den Reiz des Freizeit-Rittertums für sich entdeckt: Allein die Legion hat bundesweit rund 50 Mitglieder in verschiedenen Kompanien. Dazu kommen eine Vielzahl anderer Rittergilden und -bünde. In mehr als 20 Vereinen oder Fechtschulen zwischen Nordsee und Alpen werden die Schwertkampftechniken der Ritter unterrichtet.

Bei der „Legion of the Stag“ Grabenstetten messen sich die Kämpfer auf freundschaftlicher Basis. Dabei gilt der Sicherheit die höchste Priorität. Ohne gepolsterte Jacke, dem sogenannten Gambeson, Helm und Handschuhen sowie sicherem Schuhwerk geht nichts. Die Schwerter sind weder scharf noch spitz, nicht kontrollierbare Waffen wie Dreschflegel oder Morgenstern sind tabu. „Auch die Wucht der Schläge bremsen wir vor Kontakt immer ab“, betont Borchert. Das Verletzungsrisiko beim Schwertkampf sei nicht höher als bei jedem anderen Breitensport.

Mitmachen darf erst, wer 18 Jahre alt ist; mit Erlaubnis der Eltern ab 16. Für die ersten Gehübungen als Ritter stellt die Legion Anfängern Waffe, Helm und Gambeson. Wer dabei bleibt, legt sich aber meist schnell eine eigene Ausrüstung zu. Billig ist das allerdings nicht: Je nach Material und Qualität kommen für Waffen und Rüstung schnell einige hundert Euro zusammen. Viele machen sich deshalb die Ausrüstung auch selbst. So auch Borchert, der im Umgang mit Leder zwischenzeitlich einige Erfahrung hat.

Neben dem regelmäßigen Training und den Abenden, an denen gemeinsam an Kleidungsstücken oder Ausrüstung gearbeitet wird, gehören Besuche verschiedener Events und Ritter-Märkte zu den Aktivitäten der Gruppe. Mehrere Lager gibt es für die Mitglieder so über das Jahr hinweg. Absolutes Highlight für die schwäbischen Ritter war in diesem Jahr die Teilnahme an dem nachgestellten Gefecht in Templecombe im englischen Somerset.

Anders als andere Vereine und Gruppen in der Living-History-Szene ist die „Legion of the Stag“ nicht auf eine bestimmte Epoche festgelegt.

„Bei uns gibt es vom Wikinger bis zum voll gepanzerten Ritter aus dem Hochmittelalter und Landsknecht alles“, sagt Borchert. Zwar ist dabei nicht immer alles originalgetreu, moderner Schnickschnack wie Plastikdose oder Handy sind aber im Lager oder auf einem Markt unerwünscht. Ein Umstand, der für Borchert das Hobby umso attraktiver macht: „Es entschleunigt so schön.“      mo / Foto: privat

Info: Die Kompanie „Legion of the Stag“ Grabenstetten trainiert bei trockenem Wetter sonntags von 13 bis 16 Uhr an der Falkensteiner Halle in Grabenstetten. Wer Interesse an einem Schnuppertraining hat, kann sich mit Captain Marcus Borchert, t 01 77/2 53 38 90, ­E-Mail: M_Borchert@mail.de, in Verbindung setzen. Informationen gibt es auch unter legion-of-the-stag-germany.de.


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