Mittendrin statt außen vor

Beim integrativen Fußballturnier der Behindertenförderung Linsenhofen gibt es mehr als nur einen Gewinner

Mittendrin statt außen vor

Das Motto der Aktion Mensch lautet: „Das Wir gewinnt.“ Genauso gut würde das zum integrativen Fußballturnier der Behindertenförderung Linsenhofen passen: In Oberboihingen haben dabei Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Auszubildenden von Firmen aus der Region temporeichen Hallenfußball geboten.

Die Ränge der Ballsporthalle am Oberboihinger Kirchrain sind bestens gefüllt. Rund 80 Fans und Freunde fiebern mit, während die Mannschaften unten in der Halle dem runden Leder hinterherjagen. Was die Zuschauer mitreißt, sind die Leidenschaft und der Spaß, den die Mannschaften transportieren.

Unter den Zuschauern ist auch Landrat Heinz Eininger. Allzu viel Zeit hat der Schirmherr des Turniers zwar nicht mitgebracht, doch die erste Begegnung des Turniers lässt der fußballbegeisterte Kreischef sich nicht entgehen. Ebenso wenig wie die Ehre des ersten Anstoßes, die er mit Johann „Buffy“ Ettmayer, dem ehemaligen Spieler des Bundesligisten VfB Stuttgart, teilt. Dann setzt sich Eininger zu den Spielern auf die Ersatzbank und geht bei jedem Angriff begeistert mit. „Die Idee, die hinter dem Turnier steckt, ist einfach klasse“, erklärt er. Inklusion – was anderswo viel diskutiert und abgewogen wird, hier auf dem Spielfeld funktioniert das spielerisch und einfach. Zusammen trainiert hat keines der Teams, doch wie selbstverständlich wird aufeinander Rücksicht genommen und jeder Akteur bekommt in den Partien seine Spielanteile.

Das Turnier, das inzwischen zum dritten Mal von der Behindertenförderung Linsenhofen (BFL) ausgerichtet wird, erfährt immer größeren Zulauf – vor allem bei den verschiedenen Einrichtungen im Landkreis, die sich für Menschen mit Handicap engagieren: „Teils sind die Werkstätten mit zwei Mannschaften dabei“, sagt Organisator Martin Adam von der gleichnamigen Werbeagentur, die die Behindertenförderung bei der Ausrichtung unterstützt. Gerne würde die BFL weiteren Spielern mit Handicap die Teilnahme ermöglichen, doch dazu fehlte es in diesem Jahr an Auszubildenden bei den teilnehmenden Firmen. „Zehn Mannschaften sind unser Ziel“, setzt Adam darauf, für Turnier Nummer vier noch mehr Unternehmen gewinnen zu können.

Insgesamt treten dieses Mal neun Teams an, zwei mehr als im Jahr zuvor. Maximal zwölf Spieler inklusive Torwart gibt es pro Mannschaft. Sechs sind jeweils auf dem Spielfeld, mindestens drei davon sind Spieler mit Handicap – so lautet das Regelwerk. Für Robin ist die Teilnahme eine spontane Entscheidung gewesen. Der junge Auszubildende der Firma IST genießt die lockere Stimmung beim Turnier und die Begeisterung auf dem Spielfeld. Auch für Günther vom Team der Firma Nagel/BFL 2 steht der Spaß im Vordergrund. Dass es dieses Mal sportlich betrachtet nicht so gut läuft, ist ihm egal: „Ich sehe das nicht so eng.“

Für Rainer Haug von der ArBeg Wernau, die in diesem Jahr zusammen mit Azubis der Karl-Schubert-Werkstätten antritt, ist das Turnier eine tolle Möglichkeit zur Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Handicap. Denn noch immer seien die Vorurteile in den Köpfen der Menschen groß, weiß der Gruppenleiter aus seinem Arbeitsalltag mit Besuchern und Praktikanten in der Werkstatt: „Viele haben überhaupt keine Vorstellung davon, was bei uns geleistet wird“, sagt Haug. Dass unter anderem für Bosch oder auch Daimler gefertigt wird, überrasche viele.

Am Ende des Tages stehen die Spieler der Werkstätten Esslingen-Kirchheim im Team mit den Auszubildenden der Firma Metabo als Sieger fest. Den neuen Fairplay-Pokal, der die Mannschaft auszeichnet, in der die Menschen mit Behinderung am besten integriert wurden, nehmen Günther und seine Teamkollegen mit nach Hause. Gewinner aber sind alle, die bei diesem Sportereignis dabei sind und die tolle Atmosphäre und das Fairplay miterleben durften. Besser kann Inklusion kaum aussehen.        mo / Foto: mo

Info: mehr Informationen unter www.behinderten-foerderung.de


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