Neue Wege gehen

Land fördert neun Premiumwanderstrecken im Kreis – Impulse für lokale Wirtschaft prognostiziert

Insgesamt 21 Wanderwege in der Region Mittlere Alb und im Biosphärengebiet Schwäbische Alb werden sich künftig mit dem Qualitätssiegel Premiumwanderweg schmücken. Neun von ihnen liegen im Landkreis Esslingen. Der baden-württembergische Tourismusminister Guido Wolf hat kürzlich dem Esslinger Landrat Heinz Eininger und seinem Reutlinger Amtskollegen Thomas Reumann bei einem Vor-Ort-Termin am Kunstwerk Hülbener Brille direkt am Albtrauf eine Förderzusage des Landes überbracht. Demnach bezuschusst das Land die Beschilderung, die Ausstattung mit Sitzbänken und die Zertifizierung der Wege mit 228 000 Euro und damit 50 Prozent der anfallenden Kosten. Die beteiligten Kommunen werden zwar teilweise beachtliche Summen beisteuern müssen, der Kreis setzt jedoch auf eine Ankurbelung der lokalen Wertschöpfung.

Die Wanderregion der Mittleren Alb bietet mit dem Unesco-Biosphärengebiet und dem Albtrauf mit etlichen Aussichtsplattformen, schroffen Steilhängen und Schluchten, weiten Kuppenlandschaften und tiefen Wäldern ein beliebtes Ziel für Tages- und Wochenendbesucher. Doch nach den Erkenntnissen von Tourismusexperten haben sich deren Ansprüche stark geändert. Zwar nehmen nach den Zahlen des Deutschen Wanderinstituts rund 50 Prozent der Deutschen regelmäßig längere Strecken unter die Sohlen der Wanderschuhe, doch beschauliche Landschaften allein oder auch die spannenden Erlebnisse auf manchmal unmarkierten Pfaden sind nur noch selten in ihrem Sinn. So haben Forschungen des Wanderinstituts ergeben, dass die Mehrzahl der Wanderer überschaubare Streckenführungen, abgesicherte Erlebnisqualität und eine moderne Infrastruktur schätzt.

Nach dem Vorbild anderer deutscher Wandergebiete setzt nun die Region der Mittleren Alb mit der Einrichtung von Premiumwanderwegen darauf, diesem Trend Rechnung zu tragen, den Wandertourismus zu entwickeln und damit nicht zuletzt auch regionales Wirtschaftswachstum zu generieren. In einer von den Landkreisen Esslingen und Reutlingen, dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb, der Tourismusgemeinschaft Mythos Schwäbische Alb und einigen anderen Partnern getragenen Projektgruppe wurde eine Wanderkonzeption für die Region entwickelt. Ähnlich wie rund um Bad Urach, an der oberen Donau oder bei Albstadt sollen Wanderwege ausgewiesen werden, die besonders für Genusswanderer mit gehobenen Ansprüchen attraktiv sind und anhand einer langen Liste an Kriterien vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert werden. 21 Wege, die zwischen vier und maximal 14 Kilometer lang sind, wurden in der Region ausgewählt, neun von ihnen liegen im Landkreis Esslingen. Unter anderem sollen die Wege nicht asphaltiert sein und eine angemessene Breite aufweisen, sie müssen durchgängig gut und unmissverständlich beschildert, ohne Kartenstudium gehbar und nicht zu lang sein sowie nicht zuletzt natursensibel verlaufen.

Das alles kostet viel Geld. Die Beschilderung, die Möblierung und auch die Zertifizierung schlagen mit 456 000 Euro zu Buche. 228 000 Euro und damit 50 Prozent steuert das Land bei. „Wir haben etwas Besonderes zustande bekommen. Wir betreiben Förderung über die Grenzen der Kommunen und der Kreise hinweg und sind damit auch von der Kirchturmspolitik in der Tourismusentwicklung weggekommen“, sagte der baden-württembergische Tourismusminister Guido Wolf bei der Übergabe der Förderzusage des Landes an die Landräte der Kreise Esslingen und Reutlingen, Heinz Eininger und Thomas Reumann. Doch die Projektentwickler rannten nicht überall offene Türen ein. Denn die Kommunen, deren Gemarkung von den neuen Wegen berührt wird, müssen sich an den Kosten beteiligen. Pro Kilometer auf dem Gemarkungsgebiet werden 1000 Euro jährlich fällig, hinzu kommen pro Jahr 3800 Euro für die Vermarktung und 800 Euro pro Kilometer für die Wartung der Wege.

Angesichts der Kosten oder auch eigener Tourismuskonzepte haben daher etwa Weilheim, Neidlingen oder Dettingen eine Beteiligung abgelehnt, andere wie etwa Lenningen zögern noch und wollen zunächst prüfen, inwieweit die versprochene regionale und lokale Wertschöpfung tatsächlich eintreten könnte. Für Thomas Reumann und Heinz Eininger scheint dies ausgemacht. Die Förderung der Premiumwanderwege setze „ein dickes Ausrufezeichen hinter die Region Mittlere Alb und ihre Zukunftsfähigkeit“, sagte Reumann. Eininger betonte, dass mit den neuen Wegen eine nachhaltige Entwicklung für die Natur, das Biosphärengebiet und auch die Kommunen angeschoben werde. So soll das Marketing dafür im Sinne einer umweltschonenden Besucherlenkung gestaltet werden. „Das löst wiederum Impulse in den Kommunen aus. Daher ist das Geld, das wir vom Land bekommen, und das der Projektpartner vor Ort gut angelegt.“   pst / Foto: pst


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