Neuordnung am Karstadt-Areal

Mit der Änderung des Bebauungsplans gibt der Esslinger Gemeinderat grünes Licht für die überarbeiteten Pläne

Das Tauziehen um die Zukunft des Esslinger Karstadt-Areals hat ein Ende: Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der  mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, CDU, FDP und OB Jürgen Zieger abgesegnet wurde, hat der Gemeinderat nun den Weg freigemacht für eine Neuordnung. Pläne für eine Neubebauung lagen bereits auf dem Tisch, wurden geändert und landeten wieder in der Schublade – auch unter dem Eindruck des Strukturwandels im Einzelhandel. Nun will ein neuer Investor mit verändertem Konzept zum Erfolg gelangen. Dem Bebauungsplanbeschluss waren teils leidenschaftliche Diskussionen vorausgegangen. Anwohner, der Bürgerausschuss und der Planungsbeirat der Architekten meldeten Bedenken an. Obwohl die Pläne mehrfach überarbeitet, die Höhe der Gebäude an der Martinstraße und im Innenbereich reduziert und die Fassadengestaltung korrigiert wurden, blie­ben Kritiker bei ihrer Einschätzung, dass der geplante Baukörper nicht ins Umfeld passe. Dage­gen bescheinigt Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht der Planung „hohe städtebauliche und architektonische Qualität“.

Die Änderung des Bebauungsplans von 2013 wurde nötig, nachdem der neue Bauherr  die ursprünglichen Pläne zum Bau von zusätzlichen rund 11 000 Quadratmetern Einzelhandelsflächen auf dem Karstadt-Areal aufgegeben hat. Das neue Konzept sieht auf dem etwa einen Hektar großen Gelände einen Mix aus Handel, Dienstleistungen, Büros und Wohnen sowie eine Tiefgarage vor, wobei deutlich weniger Flächen für Handel, dafür mehr Wohnungen, Büros und Dienstleistungsflächen geplant sind. Dafür sollen das bestehende Karstadt-Kaufhaus umgebaut und die bislang als Parkplatz genutzte Fläche neu bebaut werden. Im Rathaus gilt das Vorhaben als „eines der anspruchsvollsten Bauprojekte in der denkmalgeschützten Esslinger Altstadt“, das „von großer Bedeutung für die weitere Stadtentwicklung in diesem Bereich“ sei.

Vom Konzept der neuen Investoren erhofft sich die Stadt auch einen Beitrag zur Sicherung des Karstadt-Standorts. Anders als bisher vorgesehen soll das bestehende Warenhaus  umgebaut und in den oberen Geschossen künftig anders genutzt werden. OB Jürgen Zieger begrüßt die neue Ausrichtung des Projekts: „Damit unsere Innenstadt auch künftig attraktiv bleibt, müssen wir den Einzelhandelsstandort Esslingen sichern und stärken.“ Deshalb sei es richtig, den Schwerpunkt auf gemischte Nutzungen mit ei­nem hohen Wohnanteil zu legen. An die Karstadt-Geschäftsleitung in Essen appelliert Zieger, den Betrieb der Esslinger Filiale fortzuführen. Die Stadt habe „im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten alles unternommen, damit der Betrieb des Karstadt-Warenhauses fortgeführt werden kann“.

Nach den Plänen der Architekten gruppieren sich auf der derzeitigen Parkplatzfläche vier Baukörper um einen großen Innenhof. Geplant sind im Erdgeschoss des neu bebauten Bereichs etwa 1300 Quadratmeter Verkaufs- und Gewerbeflächen, 500 Quadratmeter Büro- und Dienstleistungsflächen sowie Wohnungen in den Obergeschossen. Im bestehenden Karstadt-Warenhaus werden die Verkaufsflächen auf das Untergeschoss, das Erdgeschoss und die zwei Obergeschosse reduziert. Im dritten Obergeschoss entstehen etwa 2000 Quadratmeter Büroflächen und auf dem Dach des Gebäudes werden – zurückgesetzt von der Gebäudeaußenkante – Reihenhäuser errichtet. In der zweigeschossigen Tiefgarage entstehen 220 Stellplätze. Insgesamt werden im Quartier 160 neue Wohnungen gebaut. Die Stadt verspricht derweil, für „mehr Aufenthaltsqualität“ zu sorgen, was Kritiker ob der Höhe des Neubaus allerdings bezweifeln. Noch im ersten Halbjahr 2021 erwartet das städtische Baurechtsamt nun ein Baugesuch.  adi / Foto: Roberto Bulgrin


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