Noch fliegt der Borkenkäfer nicht

Jungkäfer sind startklar – Nasskaltes Wetter kann Vermehrung dämpfen – Es gibt aber ein „erhöhtes Gefahrenpotenzial“

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Borkenkäfer krabbelt am 14.04.2014 beim Schliffkopf (Baden-Württemberg) im Schwarzwald über eine Ein-Cent-Münze, die auf einer Fichtenrinde liegt. Foto: Uli Deck/dpa (zu dpa "Nun schwärmen wieder die Borkenkäfer aus" vom 02.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Das nasskalte Aprilwetter hatte auch sein Gutes: Es hat die Entwicklung des Borkenkäfers gebremst. Der Fichtenschädling, der im vergangenen Jahr ideale Bedingungen vorgefunden hat, steht sozusagen in den Startlöchern, um sich bei entsprechender Witterung explosionsartig zu vermehren. Die Forstleute im Landkreis Esslingen sind wachsam und versuchen, befallene Bäume schnellstmöglich aus dem Wald zu entfernen.

Er bohrt sich durch die Rinde des Baumes und nistet sich im Kambium, der saftführenden Schicht, ein. Die Weibchen legen dort auf beiden Seiten des Fraßgangs Eier ab, die geschlüpften Larven fressen sich dann weiter durch die Rinde, was das typische verzweigte Muster aus parallelen Gängen ergibt. Diese zerstören die wasser- und nährstoffführende Schicht des Baumes bis hin zu seinem Absterben.

Die Voraussetzungen im vergangenen Jahr waren ausgesprochen gut für den Borkenkäfer, von dem vor allem zwei Unterarten große Schäden anrichten: der Buchdrucker, der größere Fichten mit schon dickerer Borke befällt, und der Kupferstecher, der sich bevorzugt durch noch zartere Rinde an schlanken Bäumen bohrt. Andere Arten wie der Tannenborkenkäfer oder der Waldgärtner hätten weniger dramatische Auswirkungen, sagt Anton Watzek, der Leiter des Kreis-Forstamtes Esslingen.

Im vergangenen Jahr hat der warme, trockene Sommer für eine starke Vermehrung der Fichtenschädlinge gesorgt, hinzu kam, dass durch Wirbelstürme im Osten von Baden-Württemberg und in Bayern reichlich „Käferholz“ anfiel. Damit liege klar „ein erhöhtes Gefahrenpotenzial“ vor, bestätigt Watzek. Die Beobachtungen der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) in Freiburg, die Daten wie die Flugaktivität der Käfer erfasst und sammelt, untermauern das.

Vergangenes Jahr habe sich die Zahl der Borkenkäfer in einer ähnlichen Kurve wie im Hitzesommer 2003 entwickelt, wenn auch auf niedrigerem Niveau, sagt Watzek. Man habe zudem im Winter relativ viele Jungkäfer unter der Rinde gefunden. Das bedeutet: Wenn die Temperaturen einige Tage lang über 15 Grad steigen, fliegen Buchdrucker und Kupferstecher aus und es könnte unter für sie günstigen Umständen zu einer Massenvermehrung kommen. Das hätte gravierende Folgen für den Fichtenbestand. Ein wirtschaftlicher Schaden, schon durch die Wertminderung des befallenen Holzes, entstünde natürlich auch.

Bisher waren die Krabbeltiere allerdings nur vereinzelt am Schwärmen. Das kann entscheidend dafür sein, ob sie es in diesem Jahr nur auf zwei oder doch auf drei Generationen bringen – jeder Tag zählt.

An betroffenen Bäumen fällt in fortgeschrittenem Stadium die Rinde ab und die Nadeln verfärben sich, wie bei großer Trockenheit, rot. Wenn diese Symptome sichtbar werden, ist es allerdings zu spät, die Käfer sind schon ausgeflogen und haben sich einen anderen Wirt gesucht. Deshalb sind Förster und Privatwaldbesitzer angehalten, wachsam zu sein und auf Indizien wie „Bohrmehl“ zu achten. Um eine Massenvermehrung zu verhindern, müssten befallene Bäume schleunigst gefällt und einschließlich der Baumkronen komplett aus dem Wald entfernt werden, erklärt der Esslinger Kreis-Forstamtsleiter. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln komme nur als letzter Schritt in Frage, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Ein gesunder Baum kann sich zwar in gewissem Umfang mit Harz gegen die Schädlinge wehren, einem starken Befall aber kaum standhalten – und die Trockenheit des vergangenen Jahres hat die Bäume ohnehin geschwächt.  aia / Foto: dpa


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