Opfer der Globalisierung

Eingeschleppter Pilz verursacht Eschentriebsterben – Zukunftsbaum ohne Zukunft – Mindestens 80 Prozent im Landkreis betroffen

Opfer der Globalisierung

Noch vor wenigen Jahren galt die Esche bei den Forstleuten als Baumart mit großer Zukunft. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit an verschiedene Standortbedingungen und nicht zuletzt ihrer Wärme- und Trockenheitstoleranz schien sie hervorragend geeignet, den Folgen des Klimawandels zu trotzen. Doch die Zukunft der Esche scheint beendet zu sein, bevor sie richtig begonnen hat. Landesweit sind etwa 90 Prozent aller Eschen von der Baumkrankheit Eschentriebsterben befallen und müssen kurz- bis mittelfristig gefällt werden. Auch die Bestände im Landkreis sind sehr stark betroffen. Schuld daran hat ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz, der sich seit 2006 in Baden-Württemberg ausbreitet.

Die Esche ist nach der Buche und der Eiche der am dritthäufigsten vorkommende Laubbaum in Baden-Württemberg. 4,9 Prozent der Waldfläche im Land sind mit Eschen bestanden, damit ist Baden-Württemberg das eschenreichste Bundesland in Deutschland. Lange Zeit wurde die Esche als zukunftsträchtige Baumart betrachtet, da sie aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an trockenen und kargen Standorten wie auf und an der Schwäbischen Alb ebenso gut gedieh wie etwa in den feuchten Niederungen am Oberrhein. Angesichts des Klimawandels machte aber besonders ihre Toleranz gegenüber langen Trockenheitsperioden die Esche für die Forstwirtschaft interessant.

Doch die Globalisierung machte Waldbesitzern und Fortsfachleuten einen dicken Strich durch die Rechnung. Zu Anfang der 90er-Jahre wurde mit der starken Zunahme von Holzimporten aus Ostasien ein dort heimischer Pilz nach Europa eingeschleppt, der bei den heimischen Eschen die Krankheit Eschentriebsterben verursacht. Seit etwa zehn Jahren breitet sich der Pilz auch in Baden-Württemberg aus. Forstfachleute befürchten, dass ihm möglicherweise bis zu 90 Prozent der Bestände landesweit zum Opfer fallen werden.

Hymenoscyphus fraxineus, Falsches Weißes Stängelbecherchen, breitet sich über Sporen aus, die vom Wind auf die Blätter der Bäume getrieben werden. Von dort aus dringt der Pilz in die Triebe des Baums vor, die daraufhin absterben. Der Baum bildet Ersatztriebe aus, die aber ebenfalls nicht überleben. So lichtet sich die Baumkrone nach und nach, der Baum wird schwächer und stirbt schließlich ab. Zusätzlich kann der Pilz auch den Stammfuß befallen. An diesen Stellen bilden sich sogenannte Stammfußnekrosen, über die andere, holzzerstörende Pilzarten in den Baum eindringen und ihn in wenigen Jahren zum Absterben bringen. Dies geschieht besonders häufig bei feuchten Standorten.

Auch der Landkreis Esslingen ist vom Eschentriebsterben nicht verschont geblieben. Wie Anton Watzek, der Leiter des Kreisforstamts, berichtet, hat das Eschentriebsterben kreisweit etwa 80 Prozent aller Eschen befallen. „Es sind alle Altersstufen dabei, noch relativ junge ebenso wie gestandene, 150 Jahre alte Exemplare“, erzählt er.

Wenn die Krankheit in einem Eschenbestand oder bei Einzelexemplaren festgestellt wird, bleiben keine Alternativen. „Die toten oder kranken Bäume müssen herausgenommen werden“, sagt er. Dies sei aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht geboten. Tote Äste könnten plötzlich herabstürzen und auch gesund wirkende Bäume, die jedoch nicht mehr standsicher sind, ohne Vorwarnung umfallen. Neuanpflanzungen werde es keine mehr geben. „Die Esche war einmal ein Zukunftsbaum, aber davon müssen wir Abschied nehmen. Wir fördern die Esche nicht mehr bewusst“, sagt Watzek. Vielmehr soll künftig verstärkt auf Eichenarten gesetzt werden. Allerdings wollen die Forstleute die Esche nicht gänzlich aufgeben. Aus noch nicht genau geklärten Gründen nämlich sind etwa zehn bis 20 Prozent der Eschen gegen die Krankheit resistent und werden sogar dann nicht krank, wenn sie direkt neben infizierten Exem­plaren stehen. „Das könnte auf eine besondere Erbinformation dieser Bäume zurückgehen. Das macht es für die Forschung interessant. Wir wollen die Esche als Baumart erhalten und wünschen uns, dass es bei uns bei den 80 Prozent kranken Bäumen bleibt“, sagt Watzek. Sicherheit gebe es dabei freilich nicht. In einer globalisierten Welt und angesichts der Klimaveränderungen könne es durchaus auch zu neuen Problemen kommen. „Auf Einschleppungen von Arten kann man sich letztlich nicht vorbereiten. Das wäre ein Kampf gegen Windmühlenflügel“, sagt Anton Watzek.      pst / Foto: Petercord/LWF


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