Otto-Munz-Steg droht Sperrung

Die Reichenbacher Fußgängerbrücke über  B  10,  Fils und Bahngleise wird saniert – Mittelfristig muss neu gebaut werden

Viele Städte schlagen sich mit bröckelnden Betonbrücken herum. In Reichenbach ist es eine Holzkonstruktion, die Sorgen macht: Der Otto-Munz-Steg ist auf lange Sicht wohl nicht zu retten.  Am östlichen Ortseingang von Reichenbach empfängt die Brücke, kühn geschwungen, die Autofahrer auf der B 10. Die  Konstruktionsweise ist mindestens ungewöhnlich, wenn nicht sogar einzigartig. Architektonisch ist der Steg ein Highlight. Aber als „nachhaltig“ würde er diese Brücke nicht mehr bezeichnen, sagte Bürgermeister Bernhard Richter in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt. Zumindest nicht, wenn man die Nachhaltigkeit auf die Gemeindekasse bezieht.

Gerade mal gut 30 Jahre alt, ist der Steg schon fast an seinem Lebensende angelangt. Schäden an den Gerbergelenken, den Verbindungen zwischen den Brückenelementen, waren schon länger bekannt. Dafür gab es bereits einen Sanierungsplan. Im Zug der regelmäßig durchgeführten Prüfung stellten die Ingenieure aber 2018 zusätzlich zahlreiche Risse im Holz an der Brückenunterseite fest. Das sei nicht zwangsläufig dramatisch, sagten Christopher Grohmann und Katharina Schaller vom beauftragten Büro EHS Beratende Ingenieure. Die Entwicklung dieser Stellen müsse aber beobachtet werden.

Deshalb wurden kürzere Prüfin­tervalle angesetzt – und tatsächlich habe sich die Lage, vor allem in den vergangenen Monaten, gravierend verschlechtert. „Wenn die Ent­wicklung so linear weiterläuft“, so die Ex­perten, werde man die Brücke wohl im Februar sperren müssen. Nehme sie gar einen exponentiellen Verlauf, komme dieser Tag noch früher.

Ein Schuldiger für die Misere lässt sich aber kaum finden. Es sei immer vorschriftsmäßig geprüft worden, aber Holzbauwerke, die der Witterung ausgesetzt sind, seien unkalkulierbar, so Schaller: „Deshalb traut sich kaum jemand, so zu bauen.“ Lediglich „kurzfristige Ertüchtigungsmaßnahmen“, bei denen Schubdübel in die Konstruktion eingebracht würden, könnten die Brückensperrung verhindern. Damit sei es möglich, die Bausubstanz so weit zu sichern, dass sie noch rund zehn Jahre hält –  so lange, bis man gegebenenfalls eine alternative Brücke auf den Weg gebracht habe, sagte Grohmann. Allein für diese Maßnahme mit befristeter Wirkung müsse man nach einer  Schätzung mit Kosten von 150 000 bis 200 000 Euro rechnen, hinzu kämen Kosten für die Kontrollen.

Und noch ein paar weitere Schreckgespenster taten sich vor dem Gremium auf, schließlich überquert der Steg die B 10, die Fils und die Bahnlinie. Vor allem Arbeiten im Bereich der Gleise könnten sehr teuer kommen, sagte der Bürgermeister: Müsse  eine Bahnstrecke zeitweise gesperrt werden, koste das „ein Vermögen“.

Das waren unerfreuliche  Nachrichten für den Ausschuss. Einig waren sich alle Fraktionen, dass sie eine Fußwegverbindung im Osten der Gemeinde erhalten wollen. Der Steg führt in Richtung Freibad und Stadion und wird auch von vielen Radfahrern genutzt. „Das ist ein zentrales Element unserer Wegeführung“, meinte Matthias Weigert (Grüne). Man wolle allerdings kein Geld in ein Bauwerk stecken, dessen Tage gezählt sind, sagte Volker Hypa (CDU). Das wird sich jedoch kaum vermeiden lassen. „Wir haben eigentlich keine Alternative, weil wir sonst ab Mitte nächsten Jahres keine Brücke mehr haben“, so Richter. Die Sanierung sei „die Grundlage, um in die Planung eines Ersatzneubaus einsteigen zu können“, bestätigte Grohmann. Er halte es bei zügiger  Ausschreibung für möglich, die Arbeiten bereits im Frühjahr durchzuführen. Damit würde der Gemeinderat Zeit für „eine strategische Entscheidung“ gewinnen, meinte Karl Neher (LiGA).

Volker Hypa stellte Überlegungen an, ob ein anderer Standort für den Steg besser wäre, der jetzige scheine seiner Fraktion nicht ideal. „Eine Brücke ja, diese Brücke nein“, zog Thorsten Höger (Freie Wähler) Bilanz. Und auch Rudi Munz, der zu dem nach seinem Opa benannten Steg eine persönliche Beziehung hat, stimmte dem Vorgehen zu. 

aia / Foto: Karin Ait Atmane


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