Badespaß im Grünen

Drei Seen zum Schwimmen geeignet – Häufige Kontrollen – Neckar zu belastet


Die Badesaison hat begonnen. Neben den Schwimmbädern in der Region laden im Landkreis Esslingen drei Badeseen zum Schwimmen ein. Der Aileswasensee in Neckartailfingen, der Bissinger See und der Untere Bürgersee in Kirchheim sind gut besuchte Badeplätze, deren Wasserqualität regelmäßig kontrolliert wird.

Die Seen sind zum Baden gut bis sehr gut geeignet. Regelmäßige Kontrollen auf Enterokokken und Escherichia Coli, die das Gesundheitsamt des Landkreises durchführt, führen zur Bewertung mit Sternen. Der Aileswasensee und der Untere Bürgersee haben drei, der Bissinger See hat zwei Sterne. Proben werden alle zwei Wochen entnommen. „Das ist doppelt so häufig wie die EU-Richtlinie vorschreibt“, erklärt Albrecht Wiedenmann. Der Arzt leitet beim Gesundheitsamt Esslingen das Sachgebiet Infektionsschutz und Umwelthygiene. Die Bewertung ergibt sich aus den Daten aus einem Zeitraum von vier Jahren, in denen der mittlere Wert über ein aufwendiges Rechenverfahren, das sogenannte Percentilverfahren, ermittelt wird. Die Ergebnisse werden auf den Internetseiten der Landesanstalt für Umwelt, Messungen, Naturschutz in Baden-Württemberg eingestellt und in einer interaktiven Karte veröffentlicht. Auskunft über die Ergebnisse der aktuellen Qualitätsüberwachung gibt es auch in den jeweiligen Rathäusern und an den Seen selbst, auch wenn dieser kurzfristig gesperrt werden sollte.

Der Aileswasensee liegt in einem Naherholungsgebiet am südlichen Rand von Neckartailfingen. Es gibt das Seerestaurant, einen Kiosk sowie Grillplätze. Am Südufer des Sees baden Familien mit Kindern gern in der Flachwasserzone mit aufgeschüttetem Sandstrand. Am Wochenende wacht die DLRG über die Badenden. Die Gemeinde hat vor zwei Jahren begonnen, Parkgebühren zu erheben. Probleme mit wildem Parken gibt es noch, vor allen an den Wochenenden.

Ähnliches erlebt der Freundeskreis der Bürgerseen in Kirchheim. Mitglieder gehen fast täglich frühmorgens an die Seen und räumen die Hinterlassenschaften der Besucher weg. „In den vergangenen Jahren hat der Abfall deutlich zugenommen“, sagt Volker Mangold, der Vorsitzende des Vereins. Nach den Wochenenden bleibe viel Müll von Partys liegen.

Die Bürgerseen umfassen drei Gewässer. Nur am Unteren See ist Baden erlaubt, am Mittleren wird geangelt, der Obere See hingegen ist gesperrt. Er dient als Rückzugsgebiet für Vögel und Amphibien. In Bissingen liegt der See fast mitten im Dorf. Es gibt einen Kiosk und Parkplätze. Der See ist etwa vier Meter tief und wird durch einen Bach gespeist. Ein Schieber kann den Zulauf des Bachwassers nach starken Regenfällen einschränken.

Das Baden in der Natur hat seine Grenzen: Auch wenn Flüsse wie der Neckar heute als „sauber“ gelten, sind sie zum Baden ungeeignet, wie Wiedenmann sagt. Von den Grenzwerten an Fäkalkeimen, die für Badeseen gelten, sei der Neckar „meilenweit entfernt“, so Wiedenmann. Das Baden im Fluss könne krank machen.   bob / Foto: Panitz

 

Info: www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/12521


Die Kinderstube der Steinkäuze

Bei einer Beringungsaktion gibt Dieter Schneider Einblicke ins Leben der bedrohten Eulenart


Der Steinkauz ist einer der Verlierer des enormen Siedlungsdrucks im Stuttgarter Raum. Immer seltener findet die kleine Eulenart, die bevorzugt in den Streuobstwiesen lebt, natürliche Nistmöglichkeiten. Bis auf einige wenige Exemplare ging der Bestand im Landkreis Esslingen zurück. Dank der ehrenamtlichen Arbeit der Artenschutzgruppe Steinkauz des Nabu Köngen-Wendlingen steigt die Zahl der Brutpaare aber wieder.

Schön ist es im Wohnzimmer der Steinkäuze. Alte Obstbäume, weite Felder und Wiesen hat die kleine Eule bei Köngen quasi direkt vor der Haustür. Gute Jagdgründe also für die Vertreter der Athene noctua. Mäuse, kleine Amphibien, aber auch Insekten wie die brummenden Junikäfer stehen auf dem Speiseplan der bis zu 23 Zentimeter großen Eulenart mit den schwefelgelben Augen. Nun allerdings steht jede Menge Besuch im Vorgarten: Mehr als 50 Teilnehmer hat Dieter Schneider von der Artenschutzgruppe Steinkauz zu einem ganz besonderen Ereignis im Geleit: der Beringung der jüngsten Steinkauz-Generation.

Bevor die Besucher jedoch einen Blick auf den flauschigen Nachwuchs werfen dürfen, gibt es erst einmal ein paar Daten und Fakten. Schneider ist ein echter Steinkauz-Kenner. Seit 39 Jahren bemüht er sich um den Fortbestand der nachtaktiven Vögel in der Region. 1972 – der Steinkauz ist gerade Vogel des Jahres – findet er kein einziges Brutpaar in seinem Bezirk. Ans Aufgeben denken der engagierte Naturschützer und seine Helfer nicht, sie bieten Nisthöhlen an und patrouillieren regelmäßig durch die Streuobstwiesen rund um Wendlingen, Köngen, Oberboihingen, Notzingen und Jesingen.

Nach zwanzig Jahren Arbeit wird der Erfolg langsam sichtbar: Acht Brutpaare verzeichnet er 1992 in seinem Gebiet. Inzwischen ist die Zahl sogar weiter gestiegen; im Schnitt sind es rund 25. Für Schneider nur ein Teilerfolg. Denn wo immer alte Streuobst-Hochstämme gefällt werden, geht ein Stück Lebensraum für die kleine Eule verloren. „Natürliche Nisthöhlen finden die Tiere kaum noch“, sagt der Nabu-Mann. „Früher haben die Steinkäuze auch nahe bei den Menschen gelebt, in Scheunen oder Unterständen, doch auch die gibt es kaum noch.“

Auch das Klima macht den Vögeln zu schaffen. Ist es so heiß und stickig wie vor wenigen Tagen, drohen die Jungen in den Niströhren zu verdursten. Bei seinen Kontrollgängen päppelt Schneider die Nestlinge deshalb schon mal mit einer Pipette voll Wasser auf. Anders als bei Reh oder Hase macht es den Kauz-Eltern übrigens nichts aus, dass er dazu die Vögel in die Hand nimmt: „Steinkäuze haben nur einen schlecht ausgeprägten Geruchssinn“, erklärt Philip Rösler, der Schneider seit Jahren assistiert. Nur wenn die Mutter auf den Eiern sitzt, ist Vorsicht geboten: „Stört man sie, kann es sein, dass sie das Gelege im Stich lässt.“

Mindestens 4000 Kilometer fährt Schneider Jahr für Jahr in Sachen Artenschutz. Neben dem Steinkauz kümmert er sich um Wanderfalke, Uhu und Kolkrabe. Die regelmäßige Kontrolle der Niströhren ist aufwendig, aber notwendig. Ist es nass, füttern die Elterntiere auch Regenwürmer. Da sie aber den Kot nicht ausräumen, entstehe ein ungutes Milieu in der Röhre, so dass gesäubert werden müsse.

In der Regel beginnen die Steinkäuze, die bei den Griechen als Vogel der Weisheit verehrt, in Mitteleuropa aber als Unglücksvogel verschrien und getötet wurden, Anfang April mit der Eiablage. In diesem Jahr verzeichnet Schneider aber einige Nachzügler. „Woran das liegt, kann ich nicht sagen“, sagt er. Trotz Marderverbiss rechnet er für 2015 mit rund 60 jungen Steinkäuzen, die dazu beitragen, die Eulenart in unseren Breiten zu erhalten.

Fünf davon werden gar zu Botschaftern ihrer Art. Als Gerhard ­Deusch­le die fast schon flüggen Jungtiere aus dem Jutesäckchen holt, klicken unzählige Fotoapparate und Handykameras, um die flauschigen Nachkommen mit ihren großen Augen in Pixeln festzuhalten. Auch Anfassen ist erlaubt. Dann aber geht Rösler daran, den Nachwuchs zu wiegen und zu vermessen. Die Daten bekommt das Max-Planck-Institut in Radolfzell zur Auswertung, um noch mehr über die fliegenden Kobolde der Streuobstwiesen zu erfahren.   mo / Foto: mo


„Es ist sehr gefährlich“

Wege am Wielandstein weiterhin gesperrt – Sicherung kann teuer werden


Zu Anfang des Jahres krachte bei einem Felssturz ein Teil des Wielandsteins bei Oberlenningen in die Tiefe. Aus Sicherheitsgründen bleibt das Gebiet auf unbestimmte Zeit gesperrt. Das Gutachten zu einer geologischen Untersuchung der Felsformation ist noch in Arbeit.

Am Wielandstein, einer ausgesetzt stehenden Felsformation am Trauf oberhalb des Lenninger Ortsteils Oberlenningen, stürzten zu Anfang des Jahres auf einen Schlag etwa 400 Kubikmeter Gestein in die Tiefe. Der Felssturz riss dazu etwa einen halben Hektar Gemeindewald unterhalb des Wielandsteins nieder. Aus Sicherheitsgründen wurden die Forst- und Wanderwege in dem Gebiet und auch die Zugänge zur Burgruine Wielandstein und zu den Kletterrouten weiträumig gesperrt. Im März wurde der Wielandstein geologisch untersucht. Die Ergebnisse des Gutachtens zum Zustand der Felsformation und zu möglicherweise weiteren Risiken, die der Albtrauf an dieser Stelle erwarten lässt, sollen im Juli dem Lenninger Gemeinderat vorgestellt werden. Der wird sich dann mit der Sache befassen

So lange setzt sich das Warten auf die Ergebnisse der geologischen Untersuchungen und das Gutachten fort. „Derzeit wissen wir nur, dass alles sehr brüchig ist“, sagt Lenningens Hauptamtsleiter Günther Kern. Je nach Einschätzung der Experten könnten die Sicherungen am Fels und für die Wege eine größere Summe verschlingen.

So ist derzeit noch völlig offen, wann und mit welchem Aufwand die Felsen gesichert werden können und ab wann die Wege dort wieder nutzbar sind. Daher bittet Kern die Wanderer um Geduld. Etliche von ihnen würden aus Neugier die Sperrung missachten. „Und wir können natürlich nicht alles kontrollieren. Derzeit können wir nur eindringlich bitten, die Absperrungen zu respektieren.“ Dies müsse im Interesse jedes Wanderers liegen. „Am Wielandstein ist es nach wie vor sehr gefährlich“, warnt er.

Auch wenn die Warnung nur für das derzeit gesperrte Gebiet bei Oberlenningen gilt, nagen Wind, Wetter und vor allem das Wasser überall an der Schwäbischen Alb und tragen sie ab. Es bröselt und bröckelt an den Steilhängen, immer wieder poltern auch Steine zu Tal. Regen von der Hochfläche sickert durch Risse und Spalten nach unten, wäscht Kalk aus, Klüfte entstehen, bei hohen Temperaturunterschieden entwickeln Wasser und Eis zudem Sprengkraft in den Rissen. Direkt am Trauf können sich so ganze Schollen vom Gebirge lösen, die im Verlauf von Jahrtausenden zu Tal gleiten oder aber am Steilhang und in exponierten Lagen wie am Wielandstein abbrechen.

Dies bremst nicht nur Wanderer. In den vergangenen Wochen und auch jetzt noch mussten und müssen sich Autofahrer, die vom Lenninger Tal aus auf die Alb wollen, immer wieder auf Straßensperrungen und Umleitungen einstellen. Zur Sicherung der Albaufstiege vor Steinschlag werden an den Hängen oberhalb der Straßen brüchige Felsen und lose Steine abgetragen.         pst / Foto: aka


Abgestimmt

Ein ausgebüxter Zirkuselefant hat einen Menschen getötet. Tierschützer fordern,
Löwen, Bären und Elefanten im Zirkus zu verbieten, da sie nicht artgerecht lebten.
Was sagen Sie? Sollen diese Tiere raus aus dem Zirkus?

Foto: dpa

Großtiere verbieten?

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Abgehärtet ins Abenteuer des Lebens

Zwei Schwimmer aus Ludwigsburg wollen (fast) den ganzen Neckar bezwingen – Etappenziele sind auch Neckarhausen und Esslingen

Mehr als 360 Kilometer ist er lang, der Neckar, von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein. Volker Heyn und Martin Tschepe sehen dies als Herausforderung und starten am Samstag, 13. Juni, zum Abenteuer ihres Lebens. Die beiden Ludwigsburger wollen den schwimmbaren Teil des Flusses, das sind etwa 300 Kilometer, innerhalb von zehn Tagen bezwingen. Etappenziele sind unter anderem Neckarhausen und Esslingen. Mit der Aktion wollen die beiden Sportler zudem Geld für ein Schwimmprojekt für behinderte Menschen sammeln, das „Bahn9“ betitelt ist.

Der 43-jährige Heyn und der 50 Jahre alte Tschepe werden als „Urgesteine“ des Schwimmvereins Ludwigsburg (SVL) beschrieben. „Aus einer Schnapsidee wird jetzt Ernst“, sagt  Tschepe. Der Redakteur der „Stuttgarter Zeitung“ und sein Trainingspartner, der Architekt und SVL-Vorsitzende Heyn, reden schon lange über das Vorhaben. Nun wollen sie den gesamten Neckar schwimmend bezwingen. Zumindest fast. Denn gestartet wird zwar am Samstag bei der Neckarquelle in Schwenningen. Weil der Fluss in Schwenningen aber kaum mehr als ein Rinnsal ist, müssen die beiden Kumpel die ersten rund 60 Kilometer auf dem Rad zurücklegen. Am Freitagabend wollen Heyn und Tschepe in dem kleinen Tümpel bei der Quelle einen symbolischen Start hinlegen. Dort können die beiden Extremschwimmer aber kaum mehr als 50 Meter kraulen.

Dann aber stehen deutlich längere Distanzen auf dem Programm. Durchschnittlich sind täglich rund 30 Kilometer geplant, etwa acht Stunden werden sie jeden Tag im Wasser sein – mit kleinen Pausen. Essen, schwimmen, essen, schwimmen, essen, schwimmen, essen, schlafen – so ähnlich sieht der Tagesablauf aus. Die beiden ziehen ihr Gepäck in wasserdichten Säcken hinter sich her. Eine Begleitmannschaft gibt es nicht. Die 27 Schleusen auf der Strecke müssen Tschepe und Heyn zwar umlaufen. Alle anderen Abschnitte hingegen sollen möglichst geschwommen werden. Am Abend des 16. Juni wollen sie in Neckarhausen Station machen, am 17. Juni kommen sie dann in Esslingen an. Die Langstreckenschwimmer kommen an den Etappenzielorten überwiegend bei Privatleuten unter. Ein Sponsor will zwar die Übernachtungskosten in Pensionen oder Hotels tragen. „Wer uns aufnimmt, der spendet also indirekt“, sagt Tschepe. Denn übrig bleibende Sponsorengelder werden für das Behindertenschwimmprojekt verwendet.

Heyn und Tschepe haben ihr Projekt „Bahn9“ getauft. Bahn9, so hat der Schwimmmeister im Ludwigsburger Freibad früher den Neckar genannt, der unmittelbar neben dem Sportbecken mit den acht Bahnen fließt. Wenn der Mann in Weiß über die Lautsprecheranlage  abends den Badeschluss verkündet hat, dann hat er oft augenzwinkernd hinzugefügt: „Ihr könnt gerne auf Bahn neun weiter schwimmen.“ Damals haben alle stets abgewinkt. „Aber die Idee war im Kopf“, erzählt Tschepe. Auch weil die Wasserqualität des Flusses mittlerweile deutlich besser ist als damals, wird sie jetzt umgesetzt. Im Jahr 2013 machten die beiden einen 30 Kilometer langen Test im Neckar und ließen auch sonst keine extreme Trainingsmöglichkeit aus. Sie holten sich erfahrene Profis ins Boot, die sich auf die Organisation von Langstreckenschwimmen spezialisiert haben. Und sie gingen zur Abhärtung bei der Ice Swimming German Open in Burghausen an den Start – bei der Tschepe dann auch noch Gold in seiner Altersklasse abräumte. Im Januar dieses Jahres hatte das Wasser des Wöhrsees eine Temperatur von unter 5 Grad Celsius. Auch sonst haben die Schwaben kaum etwas dem Zufall überlassen.

Mehr als 20 Grad Wassertemperatur hat der Neckar auch im Sommer nicht, deshalb werden sich die zwei Abenteurer in Neoprenanzüge zwängen. Zudem gilt es, möglichst nah am Ufer zu schwimmen, um Kollisionen mit Lastkähnen zu vermeiden, auch deren Bugwelle und Sog am Heck bergen noch erhebliche Gefahren.

Nach dem Radauftakt geht es ab Sulz für die beiden schwimmend weiter. Die zehntägige Route verläuft zunächst über Horb, Tübingen, Neckarhausen, Esslingen, Remseck nach Ludwigsburg. Die längste Etappe wird die von Horb nach Tübingen sein, die 45 Kilometer glauben Heyn und Tschepe aber mit der kräftigen Strömung im Rücken an einem Tag bewältigen zu können. Auf dem SVL-Gelände in Ludwigsburg wollen die Extremsportler am 18. Juni „Bergfest“ feiern, ehe es tags darauf über Kirchheim (Neckar), Neckarsulm, Zwingenberg, Hirschhorn und Heidelberg zum Zielort des kräfteraubenden Unterfangens geht. Mannheim soll am 24. Juni erreicht werden.          red / Foto: Martin Tschepe

 

Info: Mehr Informationen über „Bahn9“ sind im Internet unter www.bahn9.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/bahn9 zu finden.


Abgestimmt

Präsidenten und Regierungschefs von sieben der größten
Wirtschaftsnationen haben sich in Elmau zum Austausch
beim G7-Gipfel getroffen – mehr als 100 Millionen Euro
hat das gekostet. Machen solche Treffen Sinn?

Foto: dpa

Macht das Sinn?

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Heimat auf Zeit

Mehr Komfort im Berberdorf in Esslingen – Bewohner pflegen die Anlage


Für manche ist es eine Zwischenstation, für andere eine Art Heimat – das Berberdorf unter der Pliensaubrücke in Esslingen ist noch immer die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland. Das Aufnahmehaus, das die Evangelische Gesellschaft (eva) betreibt, ist kürzlich erweitert worden. Die Bewohner mögen das und planen weitere Verschönerungen.

Es gibt nach dem Umbau fünf Sanitärcontainer gegenüber einem vor dem Umbau, einer ist ausschließlich Frauen vorbehalten. Die Container bieten Dusche, Waschbecken und eine Toilette sowie im Vorraum Waschmaschine und Trockner. Damit  verfügt jede Wohngruppe, die aus fünf bis sechs Personen besteht, über eine Sanitäreinrichtung.

Zwei neue Wohnhütten sind außerdem aufgestellt, das Gemeinschaftshaus ist in kleinere Einheiten aufgeteilt worden. Neue Versorgungstrassen gibt es für Wasser, Heizung und Strom, eine Biokläranlage löst die Fäkaliengrube ab. Der Behandlungsraum für „Doc Martin“ ist auch neu. Der Esslinger Arzt kommt einmal in der Woche mit seiner mobilen Hausarztpraxis vorbei.

Architekt Wolfgang Schwarz hat außerdem die Wege zwischen den Containern befestigt und mit einer Außenbeleuchtung versehen. Die besseren Ausstattungen führen auch zu einem höheren Identifikationsgrad der Bewohner mit ihrem Dorf. So beschreibt es der Dorf-Sozialarbeiter Horst Kenschner. Die Bewohner fühlten sich verantwortlicher, putzten ihre Sanitärcontainer selbst. In manchen Gärtchen stehen Zwerge,
Blumen sind gepflanzt. „Derzeit besprechen wir, wie wir die Sanitärcontainer im Rahmen eines Kunstprojekts gestalten“, sagt Kenschner.

„Es ist jetzt viel schöner“, sagt Monika Seffert, die seit einem Jahr im Dorf lebt. „Man kann alles besser sauber halten“, sagt auch Harry Neumann, der seit vier Jahren im Dorf lebt. Er sucht seit Langem eine eigene Wohnung. Doch mit Mischlingshund Gero unterzukommen, sei nicht einfach. „Die Idylle trügt“, sagt Kenschner. „Man darf nicht vergessen, dass sich an den massiven Problemen der Bewohner durch den Umbau nichts verändert hat.“ In der Einrichtung leben derzeit 24 Menschen, darunter sechs Frauen und sechs Personen im intensiv betreuten Wohnen. Viele sind suchtkrank und durch das Leben auf der Straße oder im Gefängnis stark geprägt. Im Dorf als Aufnahmehaus sollen sie mit Unterstützung der Betreuer neue Perspektiven entwickeln.

Die Verweildauer im Dorf ist unterschiedlich lang. „Manche ziehen weiter, andere gehen in Therapieeinrichtungen“, erklärt Kenschner. Viele blieben jedoch für lange, weil sie dort eine Heimat gefunden haben, oder aber sie sterben im Dorf.

Die Sanierungen haben 460 000 Euro gekostet, 355 600 Euro sind schon über Spenden und Zuschüsse finanziert. Den Rest muss die eva über Spenden aufbringen.         bob / Foto: bob

 

Info: Das Dorf freut sich über Kleinmöbel wie ein Ledersofa für den Versammlungsraum, aber auch über Ehrenamtliche für Freizeitprojekte. Mehr bei Horst Kenschner unter t 07 11/93 88-142.


„Bildung ist wie Licht“

IG Metall Esslingen fördert Ausbildungsprojekt in Ägypten – Infoabend am 10. Juni


Seit drei Jahren betreibt die IG Metall Esslingen mit Partnern aus der Industrie ein Ausbildungsprojekt für Jugendliche in der ägyptischen Provinz Luxor. In der Kleinstadt Thoth werden derzeit 20 junge Männer zu Elektrikern ausgebildet. Künftig soll es auch eine Klasse für angehende Sanitärfachleute geben. Dazu veranstaltet die IG Metall einen Infoabend am Mittwoch, 10. Juni.

Die heute 16- bis 18-jährigen jungen Männer werden nach ihrem Berufsabschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, denn in Ägypten werden gut ausgebildete Handwerker benötigt. Doch genau daran mangelt es in dem Land sehr oft. Denn die Baunebengewerke und die Handwerksleistungen sind oft nur von mangelhafter Qualität.

Das hat Sieghard Bender, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen, bei einem Besuch in Ägypten festgestellt. Mit dem Projekt wollte er die Ausbildung benötigter Fachkräfte voranbringen sowie Jugendlichen ein Chance durch eine fundierte Berufsausbildung geben. Mehr als Dreiviertel der Arbeitslosen in Ägypten sind junge Leute zwischen 15 und 29 Jahren.

Mit einem Kooperationsvertrag mit dem Gouverneur von Luxor ging die Ausbildungswerkstatt für Elektriker an der Odaisat Industrial  Secondary School in Thoth 2013 an den Start. Unterstützung gab es von zahlreichen Firmen aus dem Kreis Esslingen wie Index oder Metabo, die bei der Ausrüstung der Klassen mit Maschinen und Werkbänken geholfen haben.

Partner sind außerdem die Max-Eyth-Berufsschule in Kirchheim und die Kinderhilfsorganisation Kleine Pyramide in Luxor. Zwischenzeitlich haben Ausbilder aus Thoth die Lehrerfortbildungsakademie in Esslingen besucht und sich über das duale Ausbildungssystem in Deutschland informiert. Die IHK Esslingen hat sich in die Zertifizierung des Berufsabschlusses eingeklinkt.

Finanziert wird die Fachausbildung über Patenschaften für die Azubis. Die Paten zahlen zwei Jahre lang 25 Euro im Monat. Das Interesse der Schüler war von Anfang an groß, so dass immer ein Eignungstest über die Aufnahme ins Ausbildungsprojekt entscheidet.

Nach dem plötzlichen Tod von Sieghard Bender vor zwei Jahren hat der Verein Grussi das Projekt übernommen; die Abkürzung steht für Gewerkschaftliche Gruppe für internationale Solidarität. Die Vereinsvorsitzende ist Gesa von Leesen.

„Das Projekt funktioniert“, stellt Leesen fest. Sie war kürzlich in Thoth. „Es ist einfach großartig, in der Werkstatt zu sehen, wie engagiert die Schüler und Ausbilder sind“, sagt Leesen weiter. Eine andere Ausbildungsklasse, die Malklasse für Mädchen, habe die Klassenräume mit einem neuen dekorativen Anstrich versehen. Auch andere berufsbildende Schulen aus der Umgebung haben in der Zwischenzeit das Projekt besucht.

Die Ausbildung geht jetzt in die Zielgerade. Bis Herbst haben die ersten 20 Elektriker ihre Ausbildung beendet. Im Patenschaftsbeitrag ist auch die Anschaffung eines Werkzeugkastens mit eingerechnet – als erste Ausstattung für einen künftigen selbstständigen Handwerksbetrieb. Von Leesen spricht begeistert über Taie Mohammed, den Ausbilder der Elektrikerklasse. Er habe die Schüler motivieren können. Und nicht nur das: Es sei ihm gelungen, auch die Eltern für die Ausbildung ihrer Kinder zu begeistern, wie Leesen berichtet. Zu den Elternabenden kämen mittlerweile fast alle Väter und Mütter der Schüler. Und sie begreifen, dass ihre Kinder eine Chance fürs Leben bekommen. „Bildung ist wie Licht, und ohne Licht kann man nicht leben“, habe Ausbilder Taie Mohammed einen der Väter zitiert.

Leesen und Grussi wollen ab Herbst eine Ausbildungsklasse zum Sanitärfachmann etablieren. Einige Vorbereitungen sind schon angelaufen. Unter anderem haben die Projektplaner einen Ehrenamtlichen, einen Sanitärfachmann im Ruhestand aus Lichtenwald, für die ersten Schritte gewonnen. Er wird beim nächsten Besuch in Thoth das Materialangebot vor Ort sichten. Denn während der Ausbildung soll nur Ware verwendet werden, die man in Thoth auch kaufen kann. Weitere ehrenamtliche Mitmacher und auch Spenden sind willkommen. Und Leesen will sich künftig um die Einrichtung einer Schneiderklasse für Mädchen kümmern.

In naher Zukunft will die IG Metall auch mit hiesigen Azubis nach Thoth fahren, denn auch den kulturellen Austausch hatte Projektgründer Sieghard Bender als ein Ziel im Visier.      bob / Foto: gvl

 

Info: Am Mittwoch, 10. Juni, 18 Uhr, informiert der Verein im Gewerkschaftshaus in der Julius-Motteler-Straße 12 über das Projekt. Mehr, auch zu den Patenschaften, gibt es unter www.esslingen.igm.de/wir/ausbildungswerkstatt.html


Harte Töne aus Nellingen

Die Alternative-Rockband „Cloey“ startet mit ihrer CD „Alles vergessen, Baby!“ durch – Auch organisatorische Fäden selbst in der Hand


Stuttgart ist das neue Seattle, war unlängst in einer der führenden deutschen Musikgazetten zu lesen. Der Vergleich der einstigen deutschen Hip-Hop-Hochburg mit dem Geburtsort des Grunge mag überraschen, darf jedoch als Metapher für die professionelle Ausrichtung der Musiker und die Vielfalt, die sich vor allem in den Bereichen Indie, Punk und Alternative Rock ausprägt, verstanden werden. Zu den Schwungrädern dieser Entwicklung gehört auch „Cloey“, ein vor zwei Jahren gegründetes Rockkollektiv aus Ostfildern-Nellingen, das Mitte Mai die Veröffentlichung seiner Debüt-CD „Alles vergessen, Baby!“ im Ruiter Zentrum Zinsholz feierte.

Ein erster Hörtest ergibt: Cloey (Gesang), Hendrik (Schlagzeug) und Lars (Gitarre) haben das Zeug dazu, eine feste Größe im „deutschen Seattle“ zu werden. Die satte Produktion verstärkt den Druck der Bratzgitarren, Cloeys Stimme verleiht den deutschen Texten mal Schärfe, mal viel Gefühl. Auch bei mehrmaligem Durchlauf des Albums gibt es Soundschnipsel und kompositorische Finessen zu entdecken, die zur Kantigkeit der Songs beitragen. Möglicherweise sind einige Stücke durch ihre unverkennbare Härte nicht kompatibel für die Dauerschleifen im Radio, auf Platte jedoch entfalten sie Wucht und besitzen bei all dem Ohrwurmqualität. Ein professionell gedrehtes Video zur Vorab-Single „Bass, Bass, Bass“ ist schon seit Monaten auf den entsprechenden Internet-Kanälen zu sehen, in zwei Wochen erscheint ein weiteres zu „Weg von hier“, das in Kooperation mit der Filmfabrik Schwaben aus Stuttgart entstand.

Fast 20 000 Euro hat die Band in ihr Projekt gesteckt und schon daran ist die Intuition der Musiker erkennbar. Die drei, die live durch den Bassisten Thomas verstärkt werden, wollen es wissen. Dazu gehört die Konzentration auf das Hier und Jetzt, der Bandname wird zum Identitätsbegriff, daher verzichten Cloey, Hendrik und Lars darauf, ihre Nachnamen zu nennen. Die gemeinsame Musikhistorie in verschiedenen Formationen bezeichnen sie als Findungsphase, erst vor zwei Jahren habe sich der Wunsch herauskristallisiert, härtere Töne auszuprobieren. „Dieses ‚Voll auf die Fresse‘ hat in unseren Herzen geschlummert“, sagt die Frontfrau. „Und wir haben schnell gemerkt: Das sind wir, das macht uns aus.“

Bislang halten die Musiker auch die organisatorischen Fäden in der Hand. Das Label, um das Album herauszubringen, haben sie selbst gegründet. Management, Booking, Werbung und alle anderen Aufgaben teilen sie untereinander auf. „Jeder, der eine Aufgabe übernimmt, ist auch für sie verantwortlich. Wenn es hart auf hart kommt, muss die- oder derjenige auch die Entscheidung treffen“, erklärt Cloey die Gewaltenteilung. Da komme es auch mal zu Auseinandersetzungen, aber da sich alle in der Sache einig sind, können solche Unstimmigkeiten schnell aus der Welt geschafft werden.

Leben können die Musiker von ihrer Kunst noch nicht, lediglich Hendrik, der eine Musikschule in Nellingen betreibt, kann seine Leidenschaft für den Broterwerb nutzen. Das liegt mitunter auch daran, dass die Modalitäten, um einen Auftritt zu bekommen, nicht sehr künstlerfreundlich sind. Die Vergabe wird von Votings und Facebook-Abstimmungen beherrscht. „Man bewirbt sich für ein Konzert, dann wird eine bestimmte Anzahl an Bands ausgewählt, die ins Voting gehen“, erklärt Cloey das Prozedere. Die Fans bestimmen per Mouse­click, wer auf die Bühne darf. Eine Gage gibt es meistens nicht, das Glück, zu den Auserwählten zu gehören, muss als Lohn genügen. Fair findet die Sängerin das nicht. „Die Musik und die Arbeit, die dahinter steht, wird nicht geschätzt. Wenn du zum Bäcker gehst, erwartest du doch auch nicht, dass dir das Brötchen geschenkt wird.“

Dennoch ist der Terminkalender der Band reich bestückt, inzwischen stehen auch einige Konzerte außerhalb der Grenzen Baden-Württembergs an. Darin sieht die Frontfrau die Bestätigung des eigenen Wirkens. „Das Geilste ist, auf der Bühne zu stehen, deine Songs zu spielen und die Leute applaudieren für die Arbeit, die du geleistet hast“, sagt Cloey.         on / Foto: privat

 

Info: Mehr Informationen zur Band gibt es im Internet unter www.cloey.net. Dort kann auch die CD erworben werden.


Abgestimmt

Nach dem gerade noch verhinderten Abstieg wird Alexander Zorniger
Huub Stevens als Trainer beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart
ablösen. Eine erfolgversprechende Lösung?

Foto: dpa

Erfolgversprechend?

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