Lebenslust am Limes

Landesgartenschau in Öhringen vom 22. April bis 9. Oktober – Flüsschen Ohrn renaturiert – Skulpturensammlung – Stars auf der Bühne

Lebenslust am Limes

Am Freitag, 22. April, öffnet in Öhringen die 26. Landesgartenschau Baden-Württembergs. Bis zum 9. Oktober lautet das Motto „Der Limes blüht auf“. Neben der 450 Meter langen Heckenskulptur am Öhringer Teilstück des UNESCO-Weltkulturerbes steht die gewachsene historische Gartenlandschaft am Flüsschen Ohrn im Mittelpunkt der Schau.

Es ist die erste Landesgartenschau in der Region Hohenlohe. Garten, Genuss, Kunst – diese Themen sollen die gesamte Ausstellung dominieren. Als besonders eindrucksvoll beschreiben die Veranstalter den Skulpturen-Parcours mit großräumigen Außenexponaten, der sich in den Gärten entfaltet. Kunst im Dialog mit der Natur heißt dabei das Leitmotiv. Die Kunstsammlung Würth und der Kunstverein Hohenlohe stellen dafür 20 zum Teil monumentale Exponate zur Verfügung. Hinter den hochkarätigen Leihgaben aus der Sammlung Würth steht das Engagement des Unternehmers und Kunstförderers Reinhold Würth, der in Öhringen geboren ist. Die Ausstellung soll der Blickfang mitten im Rasenparterre des sanierten Hofgartens sein.

In den Geländebereichen Hofgarten, Cappelrain, Cappelaue und Hofgut warten gärtnerische Highlights. Der fürstliche Schlosskeller bildet die Kulisse für zwölf Blumenausstellungen, die Steinterrassen im Hofgut schreiben sich Rosenliebhaber auf den Zettel und die Auegärten der Fachbetriebe sollen Hobbygärtnern anlocken. Besucher sollen sich einfach treiben lassen, von der Kulturlounge zum Klanggarten, hinein ins grüne Hochzeitszimmer und weiter zum Pavillon des Science-Centers „Experimenta“.

Im historischen Hofgarten, dem mehr als 300 Jahre alten Gartenjuwel von Öhringen, wurde einiges saniert: barockes Rasenparterre, Hainbuchalleen, Café Orangerie, Tiergehege, drei neue Brücken. Auf dem 30 Hektar großen Gelände sind viele neue Fuß- und Radwege entstanden.

Die Ohrn wurde renaturiert und darf nun eine Schleife drehen. Eine Attraktion soll der 15 Meter hohe Kletterturm am Wasser werden. Und am Weltgarten haben Flüchtlinge mitgebaut: Der Garten besteht aus fünf Hochbeeten in den fünf olympischen Farben. „Der Weltgarten steht für Hohenlohe. Hier leben schließlich Menschen aus über 100 Nationen und die Unternehmen in dieser Region haben Kontakte in die ganze Welt“, erläutert Landesgartenschau-Geschäftsführerin Annette Stoll-Zeitler die Idee zur 200 Quadratmeter großen Schauanlage. Sie ist im Bereich für die Hohenloher Kulturlandschaft am oberen Weg zu finden. Jeder soll seinen Lieblingsplatz finden. Kinder dürfen auf den neuen Spielplätzen, die optisch an Blüten, Gräser und Insekten erinnern, nach Herzenslust klettern, schaukeln und rutschen. Jugendliche treffen sich zu Events am Skaterplatz, der ganz in der Nähe des neuen Uferstrands der Ohrn liegt. Besucher finden gut 100 Ziele insgesamt. Als Maskottchen der Schau ist Flöhri, der Gärtner unterwegs.

Rund 4000 Veranstaltungen stehen an: Die Gruppe „Karat“, Sänger Max Mutzke oder „Marquess“ kommen nach Öhringen. Bestsellerautoren wie Wladimir Kaminer oder die Krimikultautoren „Kluftis“ halten Lesungen. Dazu werden große Römerfeste, opulente Barockwochen und mehrere Kindermusicals angeboten. Zu den Veranstaltungen im Gelände gehören auch das Deutsche Trachtenfest, der Auftritt lokaler Bands, Kochshows und auch die SWR-Pflanzensprechstunde mit Volker Kugel. Die Landesgartenschau-Geschäftsführer Erich Herrmann und Annette Stoll-Zeitler sind sich sicher: „Von der Landesgartenschau in Öhringen 2016 werden die Menschen noch in Jahrzehnten sprechen.“

Als erster Aussteller belegt das Regierungspräsidium Stuttgart mit seiner Dauer- und Wechselausstellung und einem prall gefüllten Veranstaltungsprogramm den Treffpunkt Baden-Württemberg. Der Treffpunkt ist die offizielle Vertretung des Landes auf der Schau und befindet sich im historischen Hoftheater auf dem Gartenschaugelände im Bereich des Hofgartens. Das Landesamt für Denkmalpflege ist während der Gartenschau mit der Ausstellung „Gartenträume Grenzräume“ im Hofgut Cappel präsent.     bob/red / Foto: Landesgartenschau

 

Info: Landesgartenschau in Öhringen vom 22. April bis 9. Oktober, Öffnungszeiten täglich von 9 bis 19 Uhr, bei Abendveranstaltungen gelten abweichende Öffnungszeiten. Tickets: 16,50 Euro (Tageskarte), 100 Euro (Dauerkarte), 4,50 Euro (Kinder und Jugendliche), 20 Euro, (kleine Familie mit einem Erwachsenen und beliebig vielen eigenen Kindern oder Enkeln), 36 Euro (große Familie mit zwei Erwachsenen mit beliebig vielen eigenen Kindern oder Enkeln). Ermäßigungen auf alle Karten. Mehr unter www.laga2016.de


Abgestimmt

Die DFL will ab der Saison 2017/2018 auch montags Spiele ansetzen,
höhere TV-Gelder winken. Fans kritisieren die Zerstückelung des
Fußball-Wochenendes. Sehen Sie das auch so?

Fußball: Bundesliga, Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt, 30. Spieltag am 16.04.2016 in der BayArena, Leverkusen (Nordrhein-Westfalen). Ein Kameramann von Sky vor dem Spiel. Foto: Federico Gambarini /dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: dpa

Montags ins Stadion?

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Langsam herantasten

Zu Beginn der Motorradsaison ist die Vernunft der Biker gefragt

Langsam herantasten

Schon einige Male hat sich dieser Frühling von seiner charmanten Seite gezeigt, Sonne und warme Temperaturen locken nach draußen – auch die Motorradfahrer. Doch die müssen die Folgen der langen Winterpause erst noch abschütteln, vielfach wird an Vernunft und Vorsicht der Biker appelliert. Es gilt, wieder das Gefühl für die Maschine zu bekommen, die Automatismen wiederzubeleben, Selbstüberschätzung zu unterbinden. Eine besonnene und vorausschauende Fahrweise sei gerade zu Beginn der Saison wichtig, sagt der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD).

Wie wichtig diese ist, zeigt die traurige Bilanz des ersten Sonnen-Wochenendes Anfang April: Deutschlandweit endete für neun Motorradfahrer der Ausflug tödlich. Im Landkreis Esslingen wurde ein 52-jähriger Biker bei Lichtenwald bei einem Unfall schwer verletzt. Im vergangenen Jahr starben auf den Straßen im Kreis Esslingen zwei Motorradfahrer. Bei insgesamt 366 Unfällen mit Mofa und Motorrad wurden 2015 zudem 64 Personen schwer und 234 leicht verletzt. Mehr als zwei Drittel der Motorradunfälle mit Personenschaden wurden von den Bikern selbst verursacht – meist wegen zu hoher Geschwindigkeit.

Das Polizeipräsidium Reutlingen mahnt aber nicht nur Biker zum langsamen Herantasten, auch Autofahrer müssten sich an die oft schnellen Maschinen erst wieder gewöhnen. Auch werden Salz und Split, die vom Winterdienst noch auf den Straßen liegen, landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie vom Frost aufgerissene Schlaglöcher als Gefahrenquellen für die Biker erkannt. „Gerade auf den besonders reizvollen Strecken in unseren Albtälern und Albaufstiegen muss insbesondere in den schattenreichen Kurven und Waldstücken derzeit noch mit rutschigen Fahrbahnen gerechnet werden“, teilt die Polizei mit. Es gelte, sich erst langsam an Geschwindigkeit und Schräglage heranzutasten. Bei neuen Reifen und kühler Witterung sei die Haftung gerade bei Motorradreifen spürbar schlechter als man das von der vergangenen Saison her gewöhnt ist.

Vor dem Losfahren muss der technische Zustand des Bikes überprüft werden: Dazu zählen vor allem ein Ölwechsel sowie ein technischer Check von Batterie, Luftdruck, Reifen, Bremsen, Beleuchtung und Kette. Dazu rät die Polizei ebenso wie der Bundesverband der Motorradfahrer. Lässt sich ein Unfall nicht vermeiden, gilt es auch in solchen Situationen richtig zu handeln. Der Helm müsse runter, sobald ein Motorradfahrer nach einem Sturz bewusstlos ist, teilt der Landesverband Baden-Württemberg der Johanniter mit. Nur so könne die Atmung geprüft werden und der Verletzte könne nicht an Erbrochenem oder seinem eigenen Blut ersticken. Atmet der Verunglückte, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden, auch wenn er an der Wirbelsäule verletzt sein könnte. Ist keine Atmung feststellbar, sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.       ch

Info: Beim Bikertag am 8. Mai auf der Messe am Flughafen gibt die Polizei Tipps (www.bikertag.de).

Foto: dpa


Wenn Dinge über das Leben herrschen

Projekt WABE des Kreisdiakonieverbands arbeitet mit „Messies“ – Syndrom keine anerkannte Krankheit – Erhalt der Wohnung im Zentrum

Wenn Dinge über das Leben herrschen

Allgemein werden sie Messies genannt – Menschen, die in sehr unordentlichen und vollgestopften Wohnungen leben. Doch Messies haben weit mehr Probleme, als nicht aufräumen zu können. Das Entrümpeln einer Wohnung nützt wenig, „entrümpeln“ muss der Mensch auch innerlich, denn Messies haben oft auch psychische Probleme. Der Kreisdiakonieverband Esslingen (KDV) ist einer der ganz wenigen Träger von Hilfsprojekten für Messies. Wohnraumarbeit mit Menschen in desorganisierten Haushalten, kurz WABE, heißt das kostenlose Angebot, das helfen soll, Struktur in das Leben der Betroffenen zu bringen.

Das Projekt ist 2015 mit einer Anschub-Finanzierung durch die Kreissparkasse und die Aktion Mensch gestartet, zum zweiten Jahr, das seit dem 1. Februar läuft, ist der Landkreis eingestiegen. Rund 80 bis 100 Haushalte im Kreis Esslingen leiden nach Schätzung von KDV-Geschäftsführer Bernd Haußmann unter dem Syndrom. Dabei handelt es sich meistens um den klassischen Horter. In der allgemeinen Wahrnehmung wird das Verhalten mit dem Vermüllungssyndrom gleichgesetzt. Experten trennen strikt. Messies – im Englischen heißt das Syndrom Compulsive Hoarting, – sammeln Dinge, beim Vermüllungssyndrom kommt ein hygienisches Problem hinzu. Letzteres geht immer mit einem Drogen- oder Alkoholproblem oder einer Demenzerkrankung einher. WABE spricht von „Menschen in desorganisierten Haushalten“.

Auf dem Tisch stapeln sich Zeitungen, Bücher türmen sich auf dem Boden im Flur auf, machen den Durchgang eng. Schränke stehen vor anderen Möbeln, Fenster sind zugestellt. Die Bewohner müssen sich auf Zehenspitzen in der Wohnung bewegen, über Stapel klettern, sich durch Gassen schlängeln.

„Wer so lebt, dem ist schon viel über den Kopf gewachsen“, sagt Monika Moll, eine der Projektmitarbeiterinnen von WABE. Die Folgen dieses Wohnens sind sozialer Rückzug, Einladungen werden abgelehnt, weil man keine Gegeneinladung aussprechen will. Wird die Heizung abgelesen, bedeutet das Stress. Irgendwann schalten sich Nachbarn oder der Vermieter ein. Zwanghaftes Sammeln kann über Hygieneschwäche bis zur Vermüllung führen. Dann droht die Kündigung. Sozialdienste, aber auch Betroffene selbst, wenden sich dann an WABE.

Das wichtigste Ziel bei WABE ist immer, dass die Bewohner in ihren Häusern und Wohnungen bleiben können, und dass sie lernen, mit ihrem Problem umzugehen. „Die Menschen werden komplett von den Dingen um sie herum dominiert“, erklärt Moll, „sie haben keinen Zugriff mehr auf ihr Leben.“

In vielen Fällen seien es Begebenheiten in der Kindheit, die einen Menschen zum Messie werden ließen, erklärt Moll. Entweder gab es eine zu strenge und beengende Struktur, oder das Kind erhielt wenig Beachtung und wurde sich selbst überlassen. Es gibt aber auch häufig den einen Auslöser, eine traumatische Begebenheit, die ein solches Verhalten auslösen kann: Scheidung, Trennung, Tod der Eltern. Moll berichtet von eine Frau, die nach dem Tod der Eltern deren gesamten Haushalt mitnahm und bei sich aufbewahrte.

Um wieder menschenwürdig zu leben, musste die Frau lernen, dass sie elterliche Hinterlassenschaften wegwerfen kann und dennoch nicht das Andenken an Vater und Mutter verletzt. „Ein langsamer und schrittweiser Prozess“, sagt Moll. Eine andere Frau berichtete von ihrer Kindheit, die sie überwiegend einsam und unbeachtet verbracht hatte. Die Dinge um sie herum ersetzten ihr das vermisste Umfeld, oder wie es die Betroffene formulierte: „Die Sachen in meiner Wohnung können mich nicht verlassen.“

Moll sieht eine gestörte Wertbeimessungsfähigkeit als Grundlage für das Verhalten. „Man kann nicht mehr entscheiden, was ist nützlich, was nicht.“ Die Entscheidung werde nicht getroffen und alles bleibt unerledigt und liegen. Das führe dazu, dass den „Dingen mehr Wert beigemessen wird, als der eigenen Person“. Die Sachen, die aufbewahrt werden und die sich in den Wohnungen türmen, stehen immer für etwas, das den Menschen um sie herum fehlt: Struktur, Geborgenheit und Selbstwertgefühl.

In den Begleitungen, die WABE anbietet, liegt der Fokus darauf, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Menschen aufzubauen. Ihnen ihre Würde zurückzugeben. „Mit dem Wegwerfen von Dingen ist es nicht getan“, sagt Moll. Über einen Zeitraum von etwa einem Jahr lernen die Klienten, Dinge um sie herum neu zu bewerten und sie auch loszulassen. Sie lernen regelmäßiges Aufräumen und das Sauberhalten des Haushalts. Die WABE-Nachbetreuung hilft dabei.

Monika Moll und ihre Kollegin Heike Blankenhorn-Frick betonen gleichzeitig: „Wir machen In-House-Beratungen, aber als Sozialpädagoginnen therapieren wir nicht.“

Veronika Schröter ist eine der wenigen Therapeuten in Deutschland, die sich mit Messie-Therapien befassen. In Kürze wird sie das neue Kompetenzzentrum Messie-Syndrom in Stuttgart eröffnen. Schröter, die Messie-Therapeuten ausbildet und auch die Supervision für die beiden WABE-Mitarbeiterinnen Moll und Blankenhorn-Frick übernommen hat, beklagt vor allem, dass das Messie-Syndrom in Deutschland keine anerkannte Krankheit ist. Im Gegensatz zu den USA und England.

Das bedeutet, dass eine Therapie auch privat gezahlt werden muss. Gemeinsam mit der Universität Tübingen hat sie eine Studie zum Messie-Syndrom durchgeführt. Die Annahme, das Syndrom gehe immer mit einer anderen psychischen Störung wie einer Depression einher, sollte überprüft werden. Ein erstes Ergebnis der Studie zeigt laut Schröter, dass mehr als 20 Prozent aller Messie-Syndrome solitär auftreten.

Für die Psychotherapeutin Schröter ein starkes Argument dafür, Messies als Kranke zu betrachten. Für Schröter sind eine Therapie und die Wohnraumbegleitung, so wie WABE es praktiziert, das richtige Konzept.             bob

Info: WABE-Wohnraumarbeit: t 0 71 53/ 92 20-0, www.messie-kompetenzzentrum.com.

Foto: KDV


Abgestimmt

Die Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck
endet 2017. Laut einer Umfrage wünschen die meisten
Deutschen eine zweite Amtszeit. Soll er wieder kandidieren?
Stimmen Sie hier ab.

Abgestimmt KW 15

Foto: dpa

Soll Gauck wieder ran?

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Unerhörtes

Podium Festival vom 14. bis 23. April in Esslingen – 50 Musiker und 20 Konzerte

Unerhörtes

Unter dem Motto „Musik wie sie will“ findet vom 14. bis 23. April das Podium Festival in Esslingen statt. Das Motto ist Programm: Junge Musiker kommen wie in den vergangenen Jahren nach Esslingen und zeigen den Facettenreichtum klassischer Musik, wenn man sie neu und frisch interpretiert und spielt und sie mit anderen Künsten verbindet.

50 internationale Nachwuchskünstler bespielen bei rund 20 Veranstaltungen im Rahmen des Festivals zwölf Orte in Esslingen. Die Stätten sind so ungewöhnlich wie die Konzerte selbst: Die Südkirche mit ihrer Jugendstilarchitektur ist ebenso Konzertstätte wie das Amtsgericht und die Werkhalle eines Autohauses im Industriegebiet Neckarwiesen. Kooperationspartner sind das Bundesjugendballett, das bereits früher für künstlerische Akzente gesorgt hat, ebenso wie der Tänzer Davidson Jaconello, der Sänger Sebastian Seitz und das Animationskollektiv „Bär Tiger Wolf“.

Gestartet wird mit Mahler-Liedern beim Eröffnungskonzert in der Südkirche (15. April, 20 Uhr). Es folgen unter anderem das multimediale Schumann-Porträt „Szenen der Frühe“ (16. April, 18 Uhr, und 18. April, 20 Uhr, WLB), das die bipolare Persönlichkeit des Komponisten in den Fokus nimmt; die musikalisch-tänzerische Inszenierung „Ein kleiner Prinz“ mit dem Bundesjugendballett (17. April, 16 Uhr, WLB) und das Live-Hörspiel „On Air“ (21. April, 20 Uhr, Scala), das sich mit künstlicher Intelligenz und menschlichen Gefühlen auseinandersetzt. Letzteres ist eine Kooperation mit dem Sender BR Klassik, der live aus dem Scala senden will.

Für Steven Walter, den künstlerischen Leiter des Podium Festivals, sind es gerade Produktionen wie „Szenen der Frühe“, die dem Festival einen deutschlandweiten Ruf beschert haben. Produktionen, die durch Musik, Tanz, Performance und Animation entstehen, sind auch außerhalb des Festivals zu sehen. So werde „Szenen der Frühe“ auf dem Heidelberger Frühling, dem bedeutendsten deutschen Klassik-Festival, aufgeführt. Seinen Abschluss findet das Podium Festival mit dem choreografierten Orchesterkonzert „Aufbruchstücke“ (23. April, 19 Uhr, Werkhalle Autohaus Jesinger).

Während der beiden Festivalwochen inszenieren die Podium-Künstler Partys, Discos, Installationen, multimediale Events, interaktive Konzertexperimente sowie – wie die Veranstalter schreiben – „im öffentlichen Raum öffentliche Proben, Musikstationen, ambulante Notfallkonzerte und anderes mehr“. Die Podium-Macher sind 15 junge Künstler, die von Ehrenamtlichen un­terstützt werden. Träger ist die gemeinnützige Podium Musikstiftung Esslingen. Der Etat beträgt rund 350 000 Euro, zusammengetragen durch öffentliche Förderungen, Sponsoren und Mäzene.          bob / Foto: Podium

 

Info: Die Karten kosten zwischen 10 und 35 Euro. Das komplette Programm und die Vorverkaufsstellen stehen im Netz unter www.podiumfestival.de


Opfer der Globalisierung

Eingeschleppter Pilz verursacht Eschentriebsterben – Zukunftsbaum ohne Zukunft – Mindestens 80 Prozent im Landkreis betroffen

Opfer der Globalisierung

Noch vor wenigen Jahren galt die Esche bei den Forstleuten als Baumart mit großer Zukunft. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit an verschiedene Standortbedingungen und nicht zuletzt ihrer Wärme- und Trockenheitstoleranz schien sie hervorragend geeignet, den Folgen des Klimawandels zu trotzen. Doch die Zukunft der Esche scheint beendet zu sein, bevor sie richtig begonnen hat. Landesweit sind etwa 90 Prozent aller Eschen von der Baumkrankheit Eschentriebsterben befallen und müssen kurz- bis mittelfristig gefällt werden. Auch die Bestände im Landkreis sind sehr stark betroffen. Schuld daran hat ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz, der sich seit 2006 in Baden-Württemberg ausbreitet.

Die Esche ist nach der Buche und der Eiche der am dritthäufigsten vorkommende Laubbaum in Baden-Württemberg. 4,9 Prozent der Waldfläche im Land sind mit Eschen bestanden, damit ist Baden-Württemberg das eschenreichste Bundesland in Deutschland. Lange Zeit wurde die Esche als zukunftsträchtige Baumart betrachtet, da sie aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an trockenen und kargen Standorten wie auf und an der Schwäbischen Alb ebenso gut gedieh wie etwa in den feuchten Niederungen am Oberrhein. Angesichts des Klimawandels machte aber besonders ihre Toleranz gegenüber langen Trockenheitsperioden die Esche für die Forstwirtschaft interessant.

Doch die Globalisierung machte Waldbesitzern und Fortsfachleuten einen dicken Strich durch die Rechnung. Zu Anfang der 90er-Jahre wurde mit der starken Zunahme von Holzimporten aus Ostasien ein dort heimischer Pilz nach Europa eingeschleppt, der bei den heimischen Eschen die Krankheit Eschentriebsterben verursacht. Seit etwa zehn Jahren breitet sich der Pilz auch in Baden-Württemberg aus. Forstfachleute befürchten, dass ihm möglicherweise bis zu 90 Prozent der Bestände landesweit zum Opfer fallen werden.

Hymenoscyphus fraxineus, Falsches Weißes Stängelbecherchen, breitet sich über Sporen aus, die vom Wind auf die Blätter der Bäume getrieben werden. Von dort aus dringt der Pilz in die Triebe des Baums vor, die daraufhin absterben. Der Baum bildet Ersatztriebe aus, die aber ebenfalls nicht überleben. So lichtet sich die Baumkrone nach und nach, der Baum wird schwächer und stirbt schließlich ab. Zusätzlich kann der Pilz auch den Stammfuß befallen. An diesen Stellen bilden sich sogenannte Stammfußnekrosen, über die andere, holzzerstörende Pilzarten in den Baum eindringen und ihn in wenigen Jahren zum Absterben bringen. Dies geschieht besonders häufig bei feuchten Standorten.

Auch der Landkreis Esslingen ist vom Eschentriebsterben nicht verschont geblieben. Wie Anton Watzek, der Leiter des Kreisforstamts, berichtet, hat das Eschentriebsterben kreisweit etwa 80 Prozent aller Eschen befallen. „Es sind alle Altersstufen dabei, noch relativ junge ebenso wie gestandene, 150 Jahre alte Exemplare“, erzählt er.

Wenn die Krankheit in einem Eschenbestand oder bei Einzelexemplaren festgestellt wird, bleiben keine Alternativen. „Die toten oder kranken Bäume müssen herausgenommen werden“, sagt er. Dies sei aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht geboten. Tote Äste könnten plötzlich herabstürzen und auch gesund wirkende Bäume, die jedoch nicht mehr standsicher sind, ohne Vorwarnung umfallen. Neuanpflanzungen werde es keine mehr geben. „Die Esche war einmal ein Zukunftsbaum, aber davon müssen wir Abschied nehmen. Wir fördern die Esche nicht mehr bewusst“, sagt Watzek. Vielmehr soll künftig verstärkt auf Eichenarten gesetzt werden. Allerdings wollen die Forstleute die Esche nicht gänzlich aufgeben. Aus noch nicht genau geklärten Gründen nämlich sind etwa zehn bis 20 Prozent der Eschen gegen die Krankheit resistent und werden sogar dann nicht krank, wenn sie direkt neben infizierten Exem­plaren stehen. „Das könnte auf eine besondere Erbinformation dieser Bäume zurückgehen. Das macht es für die Forschung interessant. Wir wollen die Esche als Baumart erhalten und wünschen uns, dass es bei uns bei den 80 Prozent kranken Bäumen bleibt“, sagt Watzek. Sicherheit gebe es dabei freilich nicht. In einer globalisierten Welt und angesichts der Klimaveränderungen könne es durchaus auch zu neuen Problemen kommen. „Auf Einschleppungen von Arten kann man sich letztlich nicht vorbereiten. Das wäre ein Kampf gegen Windmühlenflügel“, sagt Anton Watzek.      pst / Foto: Petercord/LWF


Abgestimmt

Die Bundesregierung plant, das Mindesthaltbarkeitsdatum
auf Lebensmittelverpackungen zumindest teilweise
abzuschaffen und ein echtes Verfallsdatum aufzudrucken.
Ist das ein vernünftiger Schritt?

Illustration - Das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Joghurts ist am Sonntag (18.03.2012) auf dessen Deckel in einer Küche in Berlin zu sehen. Der Aufdruck ist in die Diskussion gekommen, da viele Verbraucher Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wegschmeißen, obwohl diese noch einwandfrei sind. Foto: Tim Brakemeier dpa/lbn (zu dpa "Beim Datum auf dem Joghurtdeckel soll mehr Klarheit her" vom 18.03.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: dpa

Weg mit dem Datum?

  • Ja! (80% )
  • Nein! (20% )
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Irrsinnig menschlich

„Verrückt, na und“: Arbeitskreis Leben klärt Schüler über psychische Gesundheit auf – Zwei Lebenslehrerinnen berichten

Irrsinnig menschlich

Die Frage „Bist Du verrückt?“ gehört für uns Deutsche zum alltäglichen Umgangston. „Ja“ könnten darauf Sabine W. (Name geändert) und Petra B. antworten. Beide leiden seit Jahren an psychischen Erkrankungen. So offen wie sie gehen bei Weitem nicht alle mit dem Thema um. Noch immer stellen Leiden der Seele in unserer Gesellschaft ein Stigma dar.

Sabine und Petra sitzen an einem kalten, grauen Morgen in einem der Klassenzimmer am Schulzentrum von Neckartenzlingen. 26 Jungs und Mädels sitzen mit ihnen im Kreis zusammen. Ganz offen erzählen die beiden Frauen, wie es ist, mit einer psychischen Erkrankung zu leben, was dies auch für die Menschen um sie herum bedeutet. Der Besuch der beiden ist Teil des Projekts „Verrückt, na und“, das der Arbeitskreis Leben (AKL) Nürtingen-Kirchheim in Schulen der Region anbietet. Einen ganzen Vormittag lang sprechen Beraterin Gabriele Alberth und die beiden Lebenslehrerinnen mit den Schülern darüber, was die Seele krank machen kann – und wie und wo man Hilfe bekommt.

Vor allem aber geht es den Projektmachern um mehr Achtsamkeit und Offenheit psychisch Erkrankten gegenüber. Kommentare wie „Reiß Dich zusammen“ oder „Wird schon“ – davon haben Petra und Sabine zur Genüge zu hören bekommen. „Das geht gar nicht“, sagen die zwei klipp und klar. Hilfreich ist das kaum. Sie wollen die Schüler ermutigen, offen mit dem Thema umzugehen. „Nicht alle psychisch Kranke sind gewalttätig“, räumen sie mit einem gängigen Vorurteil auf. Und sie bitten, den Menschen stattdessen in seiner schwierigen Lage wahrzunehmen. Denn vor allem, geben sie den Jugendlichen mit auf dem Weg, haben die meisten psychisch Kranken Angst, wie die Umwelt auf ihre Situation reagiert. „Es ist so wertvoll, wenn gesunde Leute auf einen zugehen“, sagt Petra.

Angst machen kann das schon, was Petra und Sabine über ihre Krankheiten erzählen. Von den manischen Phasen voller Arbeit und Euphorie zum Beispiel, denen Abstürze in dunkle Täler der Depression folgen. Von Momenten, in denen nur der Gang in die Klinik hilft. Und von Freunden und Familie, die auf Abstand gehen. Doch die Schüler erfahren ebenso, dass es Hilfe gibt, Medikamente und Therapien. Und dass trotz allem ein normaler Alltag wieder möglich ist.

Woran man erkennt, dass die Seele aus dem Gleichgewicht kippt, fasst zum Abschluss Gabriele Alberth noch einmal zusammen. „Man ist schlapp, ruhelos, alles ist zu viel“, sagt die AKL-Beraterin. Auslöser sind Stress, Druck von außen und Überforderung. Themen, die heute leider auch an den weiterführenden Schulen bereits Alltag sind. Mobbing, Magersucht, Sucht. Auch das sind Themen, die beim Projekt mit den Neuntklässlern angesprochen werden.

Und die Schüler lernen, dass es Strategien gibt, sich zu helfen. „Überlegt Euch: Was tut mir gut“, rät Alberth den Jungen und Mädchen vor allem. Egal, ob es eine Runde Fußball mit den Freunden, der Lieblingssong oder ein Actionfilm ist: „Wichtig ist, dass ihr Euch gute Sachen reinholt“, so ihr Tipp an die Klasse.

„Es ist gut, einen Einblick zu bekommen, was passiert mit mir, wenn ich psychisch erkranke“, bedankt sich David bei dem Projektteam am Schluss. So geht es auch Ulrich: „Ich habe heute viel dazugelernt“, bedankt er sich für die Offenheit der beiden Frauen. Für Lion war es vor allem interessant zu hören, wie das Umfeld reagiert hat.

Zum Schluss bekommt jeder der Schüler noch einen Packen Visitenkärtchen in die Hand gedrückt. Sie zeigen den Jugendlichen Möglichkeiten, wo es für sie im Notfall Hilfe und Beratung gibt. Und wo man auch einfach mal zuhört. Denn aus manchen Situationen, dass wissen Petra und Sabine nur zu gut, kommt man ohne fremde Hilfe nicht heraus.                mo / Foto: mo

Info: Nähere Informationen sind auf den Seiten www.verrueckt-na-und.de und www.ak-leben.de zu finden.


Fragwürdige Mittel

Große Nachfrage nach Schreckschusswaffen und Pfefferspray

Fragwürdige Mittel

Nach der Silvesternacht in Köln schnellte die Zahl der Anträge auf einen „Kleinen Waffenschein“ in Deutschland in die Höhe. Beim Landratsamt Esslingen gingen im Januar 100 solcher Anträge ein, das waren deutlich mehr als in den kompletten Jahren 2014 und 2015 zusammen. Einen Anstieg beim Einsatz von Schreckschusswaffen, für die man dieses Papier benötigt, verzeichnet die Polizei trotzdem nicht. Schließlich sei bei der Zahl von Übergriffen auf Frauen, ebenso wie bei der Gewaltkriminalität insgesamt, keine Zunahme festzustellen, sagt Andrea Kopp von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Reutlingen.

Schreckschusswaffen feuern kein Projektil ab, sondern Reizgas. Sie können frei gekauft werden, aber wer sie außerhalb der eigenen vier Wände mit sich führt, ob nun in der Handtasche oder im Handschuhfach des Autos, braucht seit 2003 den Kleinen Waffenschein. Auch mit diesem Schein darf man die Waffen aber nicht auf öffentliche Veranstaltungen, einschließlich Märkte und Discos, mitnehmen, geschweige denn sie dort einsetzen. Das bleibt verboten und damit strafbar. Nach einem Einsatz droht eine Verurteilung wegen Bedrohung, Nötigung oder sogar gefährlicher Körperverletzung. Der Einsatz bei Notwehr ist aber straffrei – die Entscheidung liegt letztlich beim Gericht.

Ob Schreckschusswaffen das geeignete Mittel zur Selbstverteidigung sind, ist angesichts der Einschränkungen aber fraglich. Zumal sie sich im Ernstfall auch gegen ihren Träger richten können. Dennoch scheinen sie dem Sicherheitsgefühl vieler Menschen zu dienen. Und die Hürde für den Kleinen Waffenschein ist nicht hoch: Der Antragsteller füllt ein einseitiges Formular aus. Die Voraussetzungen – Volljährigkeit, persönliche Eignung und Zuverlässigkeit – prüft die Behörde anhand einer Anfrage beim Bundeszentralregister und gegebenenfalls weiterer Unterlagen.

Ohne jeden Waffenschein kann Pfeffer- und Reizgasspray mitgeführt werden, beides wird frei verkauft. Aber Achtung: „Viele wissen gar nicht, dass Pfefferspray eigentlich nur für den Einsatz bei Tieren gedacht ist“, sagt Michael Jokesch vom gleichnamigen Waffengeschäft in Esslingen-Mettingen. Er rät deshalb eher zu CS-Gas. In beiden Fällen gilt wiederum: Nur bei Notwehr ist der Einsatz straffrei. Trotzdem war das Regal des Waffengeschäfts, in dem sich eine Vielzahl von Abwehrsprays finden, im Januar binnen kürzester Zeit leer gekauft. Bei Schreckschusswaffen stellt Jokesch ebenfalls eine verstärkte Nachfrage fest. Viele Kunden hätten allerdings schlicht keine Ahnung von deren Funktionsweise, denn anders als beim Großen Waffenschein muss man keinen Sachkundenachweis erbringen. So wüssten viele nicht, dass bei geladenen Pistolen noch eine Patrone im Patronenlager bleibt, auch wenn das Magazin entnommen wurde: „Da passieren dann Unfälle“, sagt Jokesch. Das Mettinger Geschäft bietet deshalb Einführungskurse an.          aia / Foto: aia