„Paul Janke ist ein super netter Typ“

Mischung aus Information und Unterhaltung bei der ECHO-Messe „aktiva“ kommt gut an


Die fünfte ECHO-Messe „aktiva – gesund und aktiv ins Alter“ hat ihr Publikum gefunden. Die positive Resonanz hat auch mit der gelungenen Mischung aus Informationen und Unterhaltung zu tun. Ein Rundgang durch die Osterfeldhalle.

Hinhören: Viele Menschen hören nicht richtig, wissen es aber gar nicht. Das stellen Hörgeräte-Akustiker immer wieder fest. So auch die Fachbetriebe Lindacher und Langer, die an ihren Ständen Hörtests anboten. Cornelia Weith von Lindacher erkennt auch eine neue Generation von Hörgeschädigten: junge Leute, deren Gehör unter der seit Jahren praktizierten Dauerbeschallung leidet.

Gestern Malle, heute Berkheim: Bachelor-TV-Star Paul Janke war zu Gast am Stand von Purosense Schlafsysteme. Gut gelaunt und aufgeräumt gab der 37-Jährige Autogramme. Tags zuvor hat er noch in Mallorca aufgelegt, dann ist er flugs nach Stuttgart gejettet. „Es läuft super gut in den vergangenen vier Jahren“, sagte Janke. „Ich bin richtig gut gebucht.“ Janke, der gerne eine eigene Show im Fernsehen moderieren würde, hat TV-Jobs, Auftritte in Shows, er modelt und hat gerade einen eigenen Song produziert.  „Ein super netter Typ“, befand eine ältere Dame, die das Autogramm „eigentlich nur für die Enkelin“ abholen wollte.

Fußschmerz ade: Beschwerden in den Knien und Hüften haben oft mit der Fehlstellung der Füße zu tun. In seinem Vortrag präsentierte Joachim Krauter von der Firma Jurtin Systemeinlagen das Modell eines menschlichen Fußes und erklärte sehr anschaulich, was passiert, wenn die Statik nicht mehr stimmt. Sein Credo lautet: Einlagen müssen am unbelasteten Fuß angepasst werden. Nur dann können sie die neutrale und gesunde Fußhaltung anregen.

Kraft und Balance sind das Thema von VIBLife Sportsclub in Esslingen-Zell. Wer wollte, konnte gleich das Galileo-Vibrationsgerät und die Thermoflex-Massagehantel ausprobieren.

Wenn Hilfe notwendig wird: Um ein Leben in Selbstständigkeit zu führen, bedarf es verschiedener Dienstleistungen. Die Stände von Johanniter und Promedica waren gut besucht. Dort erkundigten sich jüngere Leute nach Hilfen für ihre Eltern. Ältere informierten sich über das Angebot. „Noch geht‘s ja ganz gut“, sagte der rüstige Senior, „aber es ist gut, rechtzeitig Bescheid zu wissen, was es alles an Möglichkeiten gibt.“

Es kann jeden treffen: Der Vortrag von Rechtsanwältin Petra Vetter von der Kanzlei Dr. Adam und Kollegen war der Renner. Wer hat eine Patientenverfügung? Wer hat eine Betreuungsvollmacht? So fragte die Juristin in die Runde und war erstaunt, wie wenige Finger sich nach oben bewegten. „Es kann jeden treffen“, sagte sie und erinnerte an das Schicksal von Rennfahrer Michael Schumacher. Ihr Appell: Sich noch heute um die Regelung der finanziellen Vollmachten zu kümmern und zu verfügen, welche medizinischen Maßnahmen bei schwerer Erkrankung gewünscht und nicht gewünscht werden.

Mangelnde Vorausschau beklagten Serkan Teker, der Leiter der Allianzagentur Kirchheim, und Mitarbeiterin Romana Schmidt. Im Alter werde das Leben teuer, sagte Teker. Der Klassiker sei, dass das Haus für die Pflege draufgehe: „Das muss nicht sein, man muss sich früh um die Versicherungen und Geldanlagen kümmern.“

Erdstrahlen aufspüren will das Privatinstitut für Radiästhesie und Kinesiologie. Emanuel Oexle informierte über Wasseradern, Elektrosmog und Erdstrahlen. Das Piepsen am Stand kam von den Messungen der körpereigenen Elektro-Energie.

Verspannungen im Visier: „Sie sind verspannt, Ihre Schulterblätter überdehnt “, sagte Sevan Boyaciyan. Der Ayurveda-Therapeut und die Heilpädagogin Beate Wagner betreiben Sattwa Soma, das Heilungs- und Entspannungsinstitut. Der Vorhang an ihrem Stand war fast ständig zugezogen, weil sich immer jemand behandeln ließ. „Wir haben viel positive Reaktionen nach einer Behandlung“, sagte Boyaciyan.

Rizinusöl und Zink: Das Öl in der Matratze, das Zink im Bettzeug – beides soll unter anderem den erholsamen Schlaf fördern. Simon Lach, Inhaber von Purosense, vermittelte auch in Vorträgen, was seine Schlafsysteme auszeichnet. Darin fänden sich keine Hausstaubmilben, der Sauerstoffgehalt im Körper werde mit modernen Fasern im Schlaf erhöht. „Die Leute sind erstaunt über die neuen Informationen“, sagte Lach. Das traf auch auf das „Power-Napping“ zu, das kurze Nickerchen, das auch in Arbeitspausen für schnelle Erholung sorgt. Diejenigen, die die Therapieliege testeten, berichteten von ganz erstaunlichen Ergebnissen.

Gesangstalent: Auf Vermittlung von Purosense war auch Antonio Gerardi nach Berkheim gekommen. Der Dritte der diesjährigen „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel beeindruckte die Besucher mit gefühlvollen Balladen. Gerardi, in Apulien aufgewachsen und lange in Mailand lebend, ist mittlerweile nach Hemer bei Dortmund gezogen. Nach eigener Aussage hat er derzeit in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz viele Auftritte. Und nachdem er mit der Single „Caruso“ erfolgreich war, kündigte er in Esslingen an, dass er nun auch „andere Musik“ machen werde – jenseits der Festlegung auf das Balladen-Genre.                bob/ch  / Fotos: bob/ch (1)


Die richtigen Themen

Händler und Kunden zufrieden mit der „aktiva“ – „Der Bedarf ist da“ – Besucher mit konkreten Interessen

Auch die fünfte Messe „aktiva“ des Wochenblatts ECHO hat die Erwartungen von Händlern wie von Besuchern erfüllt. Der Messe-Untertitel „Gesund und aktiv ins Alter“ ist ganz offensichtlich das Thema vieler Menschen in den besten Jahren. „Man konnte ganz klar erkennen: Der Bedarf ist da“, zog Messeplaner Willi Dörr von der Firma Dörr und Koltes eine positive Bilanz nach den beiden Messetagen am vergangenen Wochenende in der Osterfeldhalle in Berkheim. Die 18 Aussteller aus den Branchen Gesundheit, Vorsorge, Fitness, Schönheit, Wohnen und Ähnlichem zogen Besucher an. Dörr lobte die Mischung der Themen und die Gestaltung der beiden Tage mit unterhaltenden und informativen Elementen. Messespezialist Dörr  sieht aber durchaus noch Potenzial: Bei der nächsten Messe könnten ein paar zusätzliche Stände für noch mehr Interesse sorgen.

„Für uns ist das die richtige Messe“, hat Joachim Krauter festgestellt. Für Krauter und sein noch junges Unternehmen, das spezielle Einlagen vertreibt, ist die „aktiva“ die erste Messe überhaupt gewesen. Seine Bilanz fällt positiv aus. „Das war der richtige Platz für uns“, sagt er, der konkret Kunden gewonnen hat. Petra Schulz von Dietrich Gartentechnik und Fahrräder ist Dauerausstellerin bei der „aktiva“. „Pedelecs sind auch in der kühleren Jahreszeit ein Thema“, haben sie und ihr Mann Jürgen festgestellt. Und die Kunden für die elek­trisch unterstützten Räder würden immer jünger. An ihrem Stand haben die Schulzes viele Stammkunden begrüßt, die immer wieder gerne auf einen Schwatz blieben. „aktiva“-Stammkundin ist auch Birgits Insektenschutzlädle. Inhaberin Birgit Meyer sieht sich bestätigt: „Insekten- und Ungezieferschutz ist immer ein Thema.“ Es habe viele intensive Ge spräche gegeben, sagte Aussteller Simon Lach, der mit seinem Schlafsystem Purosense zum ersten Mal die „aktiva“ gebucht hatte. „Hier kommen Kunden mit einem ernsthaften Interesse an den Produkten und Dienstleistungen“, lobte er.

Das bestätigte Günther Sommer aus dem Esslinger Stadtteil Serach, der gemeinsam mit Partnerin Gisela Müller in der Osterfeldhalle vorbeischaute. Sommer hörte sich bei Langer und Lindacher um, schließlich will er sich ein Hörgerät anschaffen. „Beide Ergebnisse waren ähnlich“, berichtete er über die Hörtests – die hohen Töne sind das Problem. Nachdem sich Sommer und Müller an der Kuchentheke bedient hatten, machten sie sich auf, das Pedelecs-Angebot bei Dietrich zu sondieren.

Und so war es durchweg: An den Ständen sah man Männer und Frauen im intensiven Gespräch mit den Betreibern. Vielerorts probierten die Besucher gleich ein Angebot aus, testeten eine Massage oder ein Bett, probierten ein Reinigungssystem oder ließen einen persönlichen Körper-Energie-Check erstellen. Und wer nach dem Rundgang in der Osterfeldhalle entspannen wollte, fand an der Kuchentheke oder in den Töpfen von Insel-Gastronom Andreas Haubelt das Richtige.               bob/ch  / Fotos: bob


Eine kleine Siedlung

Landkreis hat auf Hochdorfer Gemarkung Unterkunft für 240 Flüchtlinge gebaut


In der Nähe der Hochdorfer Sportanlagen am Aspen hat der Landkreis Esslingen für fünf Millionen Euro eine kleine Siedlung aus dem Boden gestampft. 240 Flüchtlinge sollen dort unterkommen, die ersten 74 schon diese Woche. In fünf Jahren müssen die Holz-Modulhäuser abgebaut und eventuell versetzt werden. Das war eine Auflage des Verbandes Region Stuttgart, weil sie im außerörtlichen Bereich aufgestellt sind.

Genau fünf Monate sind vergangen, seitdem der Landkreis mit der Erschließung seines Grundstücks auf Hochdorfer Gemarkung begonnen hat, in zweieinhalb Monaten wurden die Modulbauten aufgestellt. Das ist ein beachtliches Tempo, aber gemessen am Zustrom von Flüchtlingen nicht ausreichend. Er würde gerne immer solche neuen, gut ausgestatteten Unterkünfte einweihen, sagte Landrat Heinz Eininger. Aber bei derzeit 260 neuen Flüchtlingen, die der Kreis pro Woche  zugewiesen bekommt, gehe es nicht ohne Provisorien. So werde kommende Woche in Nürtingen die dritte Kreissporthalle belegt. Über den Winter werde man in Baden-Württemberg auch Zelte brauchen, kündigte Wolf-Dietrich Hammann vom Integrationsministerium des Landes an. Er sah weniger die absoluten Flüchtlingszahlen als Problem als das aktuelle Tempo der Ankünfte. Der allergrößte Teil dieser Menschen sei vor Bürgerkrieg, Terror und Gewalt geflüchtet.

Pressevertreter, aber auch Bürger, waren zu Wochenbeginn eingeladen, die fünf Hochdorfer Holzhäuser vor dem Bezug anzuschauen. Denn man spüre „ein großes Informationsbedürfnis der Bevölkerung“, sagte Eininger. Zwei Gebäude sind speziell für Familien konzipiert und schon fertig; sie werden jetzt bezogen. In den anderen Häusern kommen Einzelpersonen unter. Zimmer, Sanitäranlagen und Küchen sind  einfach, aber freundlich. Auch Gemeinschaftsräume, ein Zimmer für Arztsprechstunden, ein Raum als Kleiderkammer und Fahrradwerkstatt sowie Büros sind vorhanden. Mehr als 100 Ehrenamtliche wollen sich mit der AWO und dem Landkreis zusammen um die Flüchtlinge kümmern. Mit all diesen Voraussetzungen hoffe man, die Herausforderung in der 4500-Einwohner-Gemeinde zu meistern, sagte Hochdorfs Bürgermeister Gerhard Kuttler. In der Anfangsphase hatte es Eilanträge aus der Nachbarschaft gegen die Unterkunft gegeben, die aber vom Gericht abgewiesen wurden. Der Hochdorfer Gemeinderat habe nach eingehender Diskussion alle Beschlüsse für die Unterkunft einstimmig gefasst, unterstrich Kuttler.

Man könne nur von Tag zu Tag, von Woche zu Woche denken, sagte Eininger, und weitermachen nach dem abgewandelten Kanzlerin-Zitat: „Wir machen das.“   aia / Foto: aia


Abgestimmt

Bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland soll Bestechungsgeld
aus schwarzen Kassen geflossen sein, die damals Handelnden dementieren.
Was glauben Sie, war das Sommermärchen gekauft?

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Frauen ein Vorbild?

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Leere Kühlschränke bei den Tafeln

Immer mehr Menschen sind auf verbilligte Lebensmittel angewiesen – Spender und Ehrenamtliche werden gesucht


Lebensmittel gehören nicht in den Müll, sondern auf den Tisch. Tafelläden vermitteln Tag für Tag aussortierte Lebensmittel an Menschen mit kleinem Geldbeutel. Der Bedarf steigt seit Jahren, während die Lebensmittelspenden knapper werden. Manche Tafeln suchen zudem dringend nach Ehrenamtlichen.

Wer in einem Tafelladen einkaufen möchte, braucht einen Ausweis und muss belegen, dass das eigene Einkommen nicht mehr als 25 Prozent über dem Hartz-IV-Satz liegt. Die Zahl der Ausweisinhaber steigt – und das nicht allein wegen der Asylbewerber, die ins Land kommen. Eine große Gruppe sind die „Aufstocker“, also Menschen, die mit ihrer Arbeit so wenig verdienen, dass sie zusätzlich zu ihrem Lohn Sozialhilfe brauchen. Auch immer mehr Rentner seien auf verbilligtes Einkaufen angewiesen, berichtet Helga Rütten, die Leiterin der Caritas Neckar-Fils-Alb und damit zuständig für die „Carisatt“-Tafeln in Esslingen und Nürtingen einschließlich der Ausgabestellen in Wernau und Wendlingen. Aber auch junge Kunden bis zu einem Alter von etwa 30 Jahren seien stark vertreten, sagt Barbara Zaremba-Meyer, die Marktleiterin der Tafel in Esslingen.

Beim Esslinger Kreisdiakonieverband, der die Fildertafeln mit ihren Filialen in Nellingen, Bernhausen und Echterdingen trägt, ist die Situation ähnlich. Die Zahl der Haushalte, die einen Ausweis für die Tafel besitzen, hat sich dort von rund 900 im vergangenen Jahr auf aktuell mehr als 1250 erhöht.

Die Fildertafel in Bernhausen wurde vor 20 Jahren als deutschlandweit dritte Tafel eröffnet. 180 Kunden kommen dort durchschnittlich pro Tag – am Monatsende, wenn das Geld knapp wird, mehr als zu Beginn des Monats, sagt Ladenleiterin Tanja Herbrik. Wachsende Zahlen von Langzeitarbeitslosen, zunehmende Beschäftigung im Niedriglohnbereich, steigende Mieten, Altersarmut und vermehrt  Flüchtlinge nennen Herbrik und Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, als Ursachen für den gestiegenen Bedarf.

In den Tafelläden soll eine würdige Atmosphäre herrschen, die den Kunden das Einkaufen ohne Gedrängel und Konkurrenzdenken ermöglicht. Deshalb lassen die Mitarbeiter nicht zu viele Personen gleichzeitig ins Geschäft und achten darauf, dass niemand größere Mengen hamstert – besonders bei dem, was knapp ist. Täglich werden die regelmäßigen Spender – vor allem Discounter, Supermärkte und Bäckereien – mit Kühlfahrzeugen angefahren. Was dabei zusammenkommt, „ist jeden Tag eine Überraschung“, sagt Zaremba-Meyer. Während die Versorgung mit Obst, Gemüse und Backwaren zumindest bei Carisatt recht gut sei, so Helga Rütten, fehle es an länger Haltbarem und an allem, was aus dem Kühlregal kommt. Zukaufen dürfen die Tafeln nicht.

„Der Kühlschrank ist leer“, drückt es Marktleiterin Aniela Zajac von der Kirchheimer Tafel drastischer aus. Bei dieser vom Deutschen Roten Kreuz getragenen Einrichtung ist die Zahl der Spender in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Manche Geschäfte würden inzwischen ihren Warenbestand lieber reduzieren oder hätten Anweisung, nichts mehr abzugeben, sagt Zajac. Im Kirchheimer Raum mache sich da­rüber hinaus bemerkbar, dass traditionelle Lebensmittelfabriken nach einem Besitzerwechsel das Spenden eingestellt haben.

Die Tafeln nehmen auch Privatspenden an, gerne bei länger haltbaren „Trockenwaren“ wie Reis, Nudeln, Mehl oder Zucker. Allerdings müssen sie hygienisch unbedenklich sein und den Vorgaben des Lebensmittelrechts entsprechen. In der Regel heiße das: originalverpackt und mit aufgelisteten Inhaltsstoffen. „Wir werden genauso wie die anderen von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert“, erklärt Helga Rütten.

Kostenlos werden die Waren nicht weitergegeben, sie kosten bei der Tafel im Durchschnitt bis zu einem Drittel des normalen Verkaufspreises. Die Mitarbeiter sind fast ausnahmslos ehrenamtlich tätig, die Fahrer ebenso wie die Helfer im Verkauf oder diejenigen, die hinter den Kulissen Frischware für den Verkauf aufbereiten. Bei Carisatt steht täglich rund ein Dutzend Freiwilliger im kühlen Hinterzimmer, sortiert verfaulte Mandarinen aus, entfernt gammelige Salatblätter und mehr. „Für die paar Stunden, die wir aufhaben, sind den ganzen Tag Helfer beschäftigt“, sagt Rütten. Gerade in Esslingen, wo die Tafel zum Jahresanfang ihre Struktur verändert hat, bestehe „ein richtig dicker Engpass“ an Ehrenamtlichen. Die Fildertafel sucht vor allem Fahrer, hier mache sich der Wegfall der Zivis besonders bemerkbar. Hin und wieder packt auch ein Langzeitarbeitsloser als sogenannter 1-Euro-Jobber mit an. Und es gibt eben die treuen ehrenamtlichen Helfer wie Rolf Beutel. „Hier habe ich mit vielen Menschen zu tun, das gefällt mir“, sagt der Rentner, der seit 15 Jahren in Bernhausen mithilft. Auch Linde Götz schätzt es dort, „vielen jungen Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zu begegnen“. Mit ihren 90 Jahren kommt sie noch immer regelmäßig einmal pro Woche zum Helfen.

Wer sich hier engagiere, lerne Menschen aus allen Gesellschaftsschichten kennen und arbeite in einem guten Team, betont Rütten. Und unter den Bedürftigen, die selbst aktiv dabei sind, seien auch Flüchtlinge. Die helfen in der Tafel, bevor sie zum Sprachkurs gehen.   aia/red  /  Foto: aia


Abgestimmt

Mit Mühe hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft für die
Europameisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich qualifiziert.
Erwarten Sie, dass der amtierende Weltmeister auch den EM-Titel holt?

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Frauen ein Vorbild?

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Dreistellige Oechsle

Trockene Wärme und keine Schädlinge: Wengerter erwarten guten Jahrgang


Die Weinlese im Landkreis Esslingen hat begonnen – früher als gewöhnlich. Der Grund für die frühe Reife der Trauben ist der warme, sonnenreiche Sommer. Mancher Winzer erwartet gar einen Superjahrgang.

Mitte September sind die Weingärtner der Genossenschaft Hohenneuffen-Teck in die Lese gestartet. Acolon, Regent, Portugieser, Dornfelder, Müller-Thurgau und Schwarzriesling waren als Erste an der Reihe. Mit Spätburgunder und Silvaner geht es derzeit weiter. Bis Ende dieser Woche wird noch gelesen, schätzt Christine Anhut, die Geschäftsführerin der Weingärtnergenossenschaft. Dann haben die Trauben noch einmal einen Schub Sonnenwärme abbekommen. „Es macht riesigen Spaß“, sagt Anhut. „Das Wetter ist toll, wir haben durchweg gesunde Trauben und vor allem keinen Schädlingsbefall.“ In diesem Jahr sind die Weinbauern weitgehend von der Kirschessigfliege verschont geblieben. „Sie ist zwar da“, sagt Anhut, „spielt aber keine Rolle.“ Großen Anteil daran hätten die hohen Temperaturen, die die Vermehrung der Fliege lähmten, aber auch Maßnahmen der Wengerter wie das Freischneiden der Trauben. Anhut und ihre Kollegen freuen sich auf gehaltvolle Weine: Schwarzriesling schlägt mit 90, Spätburgunder zuweilen mit mehr als 100 Oechslegraden zu Buche. „Dreistellige Oechslegrade sehen wir nicht allzu oft“, sagt sie und fühlt sich an den Sommer 2003 erinnert, der ähnlich heiß und trocken war.

In den Esslinger Weinbergen hängen auch nicht mehr viele Trauben. Seit fast vier Wochen lesen die Wengerter – es soll noch einige Tage weitergehen. Albrecht Sohn, der Vorstandsvorsitzende der Esslinger Weingärtnergenossenschaft, ist angesichts der Oechsle­gradzahlen von 105 bei den roten Trauben bester Stimmung. „2015 ist ein klassisches Rotweinjahr“, sagt Sohn. Noch hängen Spätburgunder und Trollinger. Sie profitieren von warmen Tagen und kalten Nächten. Vor allem in den Steillagen sieht Sohn bei Trollinger, Lemberger, Merlot, Cabernet Sauvignon und Spätburgunder „hervorragende Qualitäten“ heranwachsen. Die Weißweine würden nicht so stark vom warmen Sommer leben. „Ein etwas kühlerer und nasserer Sommer wie der von 2013 ist eher etwas für Weißweine“, erinnert sich Sohn und findet es genau richtig, „dass man den Jahrgang auch im Glas schmeckt.“ Im Jahr 2015 hat es wenig geregnet. Es gibt dadurch zwar viele, aber kleine Trauben, die dafür umso gehaltvoller sind. Die fehlende Nässe könnte jedoch im Winter Probleme bereiten, denn Böden brauchen Wasser zum Einlagern der Nährstoffe. „Der Weinbau profitiert insgesamt von der Klimaerwärmung“, sagt Sohn mit einem Blick auf die vergangenen 20 Jahre. Haben die Esslinger Weingärtner früher weiße Trauben in die Steillagen gehängt, um einen ordentlichen Weißwein zu bekommen, ist es den hellen Früchten dort mittlerweile zu warm. Jetzt wachsen dort rote Weine.            bob / Foto: dpa

 

Info: www.weingaertner-neuffen.de, www.weingaertner-esslingen.de


Graue Busse in den Tod

Esslinger Kulturwissenschaftlerin Gudrun Silberzahn-Jandt spricht zum Gedenken an die Euthanasie-Morde am Freitag, 9. Oktober, in Stetten


Das Wort Euthanasie ist griechischen Ursprungs und bedeutet soviel wie „sanfter Tod“. Pervertiert wurde der Begriff unter der Herrschaft der Nazis, die unter Euthanasie verstanden, behinderte Menschen zu ermorden und so „krankes Erbgut aus der Volksgesundheit“ zu verbannen.

Seit 75 Jahren gedenkt die Diakonie Stetten der Ermordeten, die aus der Obhut des Heims in Kernen-Stetten gerissen und mit grauen Bussen in eine der Tötungsanstalten in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb oder nach Hadamar in Hessen abtransportiert wurden. Am Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr, spricht die Esslinger Kulturwissenschaftlerin Gudrun Silberzahn-Jandt im Wildermuthsaal in Stetten unter dem Titel „Esslingen – Stetten – Grafeneck“ über ihre Forschung zur Euthanasie und Zwangssterilisation im Nationalsozialismus.

In ihrem aktuellen Buch „Esslingen am Neckar im System von Zwangssterilisation und Euthanasie während des Nationalsozialismus“ beschäftigt sich Silberzahn-Jandt mit den Opfern aus dem Euthanasieprogramm T4, das im Jahr 1940 angelaufen war. 10 654 Männer und Frauen sind zwischen Januar und Dezember 1940 aus württembergischen Betreuungs- und Pflegeheimen abgeholt und auch in Grafen­eck ermordet worden. Grafeneck war der erste Ort der Euthanasie-Morde in Nazi-Deutschland. In einer Gaskammer auf dem Gelände des Schlosses wurden die behinderten  Menschen durch Kohlenmonoxyd getötet. Darunter waren auch 323 Männer, Frauen und Jugendliche aus der Anstalt Stetten, die an unterschiedlichen geistigen Erkrankungen litten. Für Esslinger Familien, die ihre Kranken gut betreut wissen wollten, besaß die Anstalt im Remstal aufgrund ihrer Nähe und ihres guten Rufs besondere Attraktivität. Elf von ihnen lebten in der Anstalt Stetten, als die grauen Omnibusse vorfuhren, um sie abzutransportieren.

Insgesamt 83 in Esslingen geborene oder in Esslingen lebende Menschen sind als Patienten dem T4-Programm zum Opfer gefallen. Neben Stetten hat Kennenburg Kranke aufgenommen. Der Arzt Reinhold Krauß und sein Sohn Paul leiteten die private psychiatrische Heilanstalt in Esslingen. Auch dort wurden die Anstaltsleiter vom Erbgesundheitsgericht aufgefordert, Krankenlisten abzugeben. Diese Menschen wurden in andere Einrichtungen „verlegt“. Kurz darauf erhielten die Angehörigen eine Todesnachricht – verpackt in einen heuchlerisch-bedauernden Ton mit erfundenen Todesursachen und gefälschtem Todesdatum.  Man wusste, was da passiert. Nach Silberzahn-Jandts Forschungen ist es den Heimleitern immer wieder gelungen, Menschen vor dem sicheren Tod zu retten, indem sie die Familien informiert und aufgefordert haben, ihre Angehörigen nach Hause zu holen. „Es gab dabei ganz tragische Geschichten“, sagt Silberzahn-Jandt. Eltern wollten ihr Kind aus der Anstalt Stetten abholen, doch der angesagte Abtransport  war vorverlegt worden.

Eine andere Rettung glückte. Ein Vater musste sich ein Auto leihen, unentschuldigt bei der Arbeit fehlen, konnte aber seinen Sohn rechtzeitig abholen. In Zeiten, in denen nicht jede Familie ein Telefon besaß, war auch der Informationsweg ein langer. Und die Angehörigen waren auf die Mitarbeit der Heimleiter oder des Personals angewiesen. Andere Eltern gaben den Heimen freie Hand: „Machen Sie, was Sie wollen.“ Oder:  „Führen Sie ruhig Forschungen an ihm durch.“

Auch die Kriterien, nach denen Heimleiter Patienten zur Rettung auswählten, waren laut Silberzahn-Jandt höchst fragwürdig: „Es fällt auf, dass beispielsweise Frauen, die an Schizophrenie litten und schon lange im Heim lebten, wohl weniger rettungswürdig waren als Männer, die als schwachsinnig bezeichnet wurden“, sagt Silberzahn-Jandt. „Die konnte man noch zur Arbeit gebrauchen“, vermutet die Wissenschaftlerin. Es entstand für sie auch der Eindruck, dass Kliniken sich die Patienten aus betuchten Familien erhalten wollten – aus wirtschaftlichen Gründen.

Menschenverachtend muten heute die Diagnosen an: Von Idiotie und Schwachsinn ist die Rede, von trunksüchtigen und kriminellen Personen. Die Krankenakten zeigen nicht nur die Grausamkeit der Nazis, sondern auch den damals üblichen großbürgerlich geprägten Umgang mit Abweichlern. „Charaktereigenschaften wurden pathologisiert, obwohl Normalität nicht definiert wird“, schreibt Silberzahn-­­Jandt in ihrem Buch. Besonders Frauen wurden rasch als geisteskrank bezeichnet, sobald sie vom braven, ruhigen Mädchenbild abwichen. Sie wurden als „unsauber“, „aufsässig“ oder „schamlos“ bezeichnet.

Silberzahn-Jandt will den Opfern dieser Tötungswelle ein Gesicht geben und ihre Geschichten erzählen. In ihrem Vortrag spricht sie über Menschen in Stetten. Über Lina Möck beispielsweise, die Metzgerstochter aus Esslingen, die 1919 geboren war und 1940 mit einem Sammeltransport nach Grafeneck verlegt und am selben Tag ermordet wurde. Die Eltern hatten ihr Kind regelmäßig besucht und es in den Ferien oft nach Esslingen genommen. Auch von Albrecht Halm soll erzählt werden. Der unehe­liche Sohn einer Winzerstochter aus Kimmichsweiler lebte in Stetten. Besuch, Pakete oder Postkarten bekam er keine. Nach seinem Abtransport und seiner Ermordung schreibt die ihn betreuende leitende Herrenberger Schwester von ihm als „Halmle“, den alle gern hatten und der so gern „kleine Dienstle“ verrichtet hatte. Ihn zu retten hat niemand versucht.

Es sei nicht leicht gewesen, an Quellen zu kommen, sagt die Autorin. Immer noch werde eine psychische Erkrankung als stigmatisierend empfunden. In ihrem Buch widmet sie ein Kapitel der Esslingerin Magdalene Maier-Leibnitz, die 1916 geboren und 1941 ermordet wurde. Ihr Schicksal lässt sich an den zahlreichen Briefen zwischen ihr und ihrer Familie nachvollziehen. Die Familie war bekannt. Der erste baden-württembergische Ministerpräsident war Magdalenes Onkel Reinhold, ihr Vater war Oberingenieur der Esslinger Maschinenfabrik, ihr Bruder später Professor für Physik und Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Magdalene ist in Esslingen ein Stolperstein gewidmet – er liegt vor dem Haus der Familie in der Deffner­straße 5/1.

 

Info: Vortrag, Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr, Wildermuthsaal in Kernen-Stetten, Gudrun-Silberzahn-Jandt, „Esslingen im System von Zwangssterilisation und Euthanasie während des Nationalsozialismus.“ Esslinger Studien, Schriftenreihe 24.                bob / Foto: bul


Abgestimmt

VW steckt tief im Abgas-Skandal, auch Fahrzeuge anderer Konzern-Marken
sollen von den Manipulationen betroffen sein. Was glauben Sie:
Ist das Vertrauen der Kunden in die Marke verloren?

Foto: dpa

Frauen ein Vorbild?

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In Schieflage

Kreisjugendring Esslingen muss konsolidiert werden – „Solidarität notwendig“


Der Kreisjugendring Esslingen (KJR) befindet sich in einer finanziellen Schieflage. Eine Prüfung ergab, dass der Verein mit rund einer halben Million Euro überschuldet war. Um die Insolvenz abzuwenden, beschloss der Landkreis, den KJR mit 550 000 Euro für dieses und das kommende Jahr zu unterstützen. Außerdem muss sich der KJR organisatorisch umorientieren.

Der KJR ist der Personalträger für die 32 Jugendhäuser im Kreis. Er verantwortet  als Träger den Einsatz von jungen Leuten im Bundesfreiwilligendienst und im Freiwilligen Sozialen Jahr, engagiert sich in der Schulsozialarbeit, bietet Seminare, Schulungen, Studienfahrten, Freizeiten und das Sommerlager in Obersteinbach an. Etwa 180 Mitarbeiter sind beim KJR beschäftigt, der Jahresumsatz beträgt elf Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass die Kasse des KJR ein dickes Minus aufwies. Um die Gehälter auszahlen zu können, musste ein Kredit in Höhe von einer Million Euro aufgenommen werden. Eine Überprüfung ergab eine bilanzielle Überschuldung von etwa 500 000 Euro, wohl wegen einer Vielzahl nicht voll durchfinanzierter Projekte aus unterschiedlichen Förderprogrammen.

Der Landkreis sah sich daraufhin gezwungen, dem KJR finanziell und organisatorisch unter die Arme zu greifen. Eine Unterstützung in Höhe von rund 550 000 Euro soll helfen, den KJR zu konsolidieren. Außerdem hat der Landkreis der KJR-Geschäftsführung für die Dauer von zwei Jahren einen Finanzfachmann zur Seite gestellt, um die wirtschaftliche Grundlage des KJR neu zu strukturieren. Dazu sollen Kosten gesenkt und die Erlöse verbessert werden. Ein Konsolidierungsausschuss aus drei Vertretern des Kreises und der Kommunen sowie zwei KJR-Vertretern begleitet den Prozess. Den Vorsitz hat die Kreissozialdezernentin Katharina Kiewel.

Der KJR-Vorsitzende Dieter Pahlke hält sich zum Fortgang der Dinge offiziell bedeckt, da der Ausschuss hinter verschlossenen Türen arbeitet. „Wir befinden uns im Ausschuss in einer intensiven Arbeitsphase, und vieles kommt auf den Prüfstand“, sagt er.

Das bestätigt Landkreissprecher Peter Keck, wie Pahlke mit dem Verweis, dass die Diskussionen nicht öffentlich sind. „Der Konsolidierungsprozess ist in vollem Gang. Es geht dabei darum, den wirtschaftlichen Bereich des KJR transparent und steuerungsfähig aufzustellen. Für eine Neuaufstellung auf solider Basis ist dabei die Solidarität aller Partner des KJR notwendig“, sagt er. Dieter Pahlke sieht dafür gute Chancen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gute Ergebnisse erzielen “, sagt er.           pst / Foto: rr